Serie: TOS

Paarung: K/S

Code: PG

Summe: Eine diplomatische Mission entwickelt sich zu einem Alptraum.

 

Erstveröffentlichung in der Amok Times Nr. 20, der Clubzeitschrift des ClassiKS-Clubs (http://www.geocities.com/classiks1701/index.html)

 

Disclaimer: Paramount/Viacom gehört Star Trek und alles, was ich mir hier borgte.

Die Story ist mein, „Fanfiction“ – ich beabsichtige weder, damit Geld zu verdienen, noch irgendwelche Rechte zu verletzen.

Wer unter 18 ist, bzw. sich am Inhalt dieser Story stören könnte, sieht sich bitte anderswo nach passendere

Unterhaltung um.

.AETERNUS Lady Charena

 

 

Es war so still, als er den Korridor entlang ging. Wie konnte nur ein Schiff, auf dem über vierhundert Leute lebten, so still sein? Als würde alles und jeder den Atem anhalten... Wieso war es nur in ihm genauso schrecklich still?

Er erreichte sein Quartier und trat in die Dunkelheit, ohne sich die Mühe zu machen, das Licht einzuschalten. Zu oft hatte er sich in dieser Kabine schon im Dunkeln bewegt, wenn er zu einem Notfall gerufen wurde. Er fand sich sozusagen 'mit verbundenen Augen' darin zurecht. Sein Bett war ungemacht, ganz so wie er es am heutigen Morgen verlassen hatte. Ohne sich auszukleiden, fiel er darauf, bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen. Lautlos glitten Tränen unter seinen Fingern hervor.

Doktor Leonard McCoy, Bordarzt des Föderationsschiffes USS Enterprise, bemerkte es nicht einmal.

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Über Aeternus senkte sich langsam die Nacht. Eins nach dem anderem, verstummten alle Geräusche. Mors, Aeternus Mond, warf sein sanftes, rötliches Licht über die einsame Gestalt, die reglos am Fenster stand. Eine Losira - wie sich die Einwohner Aeternus selbst nannten - hatte ihn in das Gästehaus geführt.

Mors beobachtete ihn mitleidig, als er langsam auf die Knie sank. Er zitterte wie vor Kälte, innerlich taub, wiegte sich verloren selbst vor und zurück, die Arme fest um sich geschlungen.

Spock vom Vulkan, Erster Offizier des Föderationsschiffes USS Enterprise, blieb der Trost von Tränen verwehrt.

Alles begann so wundervoll. So harmlos.

Aeternus lag weit abseits der häufig frequentierten Verkehrswege, fast am Rande des Föderationsgebietes. So war es kaum verwunderlich, dass der Planet erst vor kurzem entdeckt worden war.

Die sehr humanoiden Losira stellten sich als äußerst zurückhaltend heraus und wenig begeistert über die Aufmerksamkeit, die plötzlich auf sie fiel. Doch sie stimmten nach langer Bedenkzeit zu, dass die Föderation eine Abordnung zu ihnen senden durfte. Die Enterprise befand sich Aeternus am nächsten, als dies geschah und wurde dorthin beordert, um erste Kontakte zu knüpfen.

 

James T. Kirk beamte sich mit seinem Ersten Offizier, dem Bordarzt und einigem Sicherheitspersonal auf den Planeten. Sie wurden freundlich begrüßt und herumgeführt. Bis auf einigen Schwierigkeiten mit der unvollständigen Programmierung ihrer Translatoren, verlief die Besichtigungstour ohne größere Komplikationen.

 

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Die Losira kultivierten herrliche Gartenanlagen, die sie voll Stolz vorführten. Und Spock ertappte sich immer häufiger dabei, seinen Captain zu beobachten, anstelle den Erläuterungen ihrer Gastgeber zu lauschen. Über die schwache mentale Verbindung zwischen ihnen konnte er Jims Begeisterung spüren. Sie war wie eine starke Droge in seinem Körper, sang in seinem Blut und er fühlte sich schwer versucht, Jims Lächeln hier in aller Öffentlichkeit zu erwidern. Als verrieten ihre Blicke nicht schon genug... junge Liebe wollte sich nicht verbergen.

Ohne es verabredet zu haben, fanden sie sich plötzlich allein in einer abgeschiedenen Ecke des Parks wieder. Aus einiger Entfernung driftete McCoys Stimme und leises Lachen zu ihnen, als der Translator ein erneutes Verständigungsproblem verursacht - diesmal aber offensichtlich eher humoristischer Natur.

 

Einen Augenblick sahen sie sich nur an, die Finger ineinander verflochten.

"Es ist wunderschön hier", brach der Mensch schließlich das Schweigen. Spock nickte nur, sein Blick verließ Jims Gesicht nicht einen Moment. Er fühlte sich benommen, betäubt von seinem strahlenden Lächeln, den goldgefleckten Augen. Soviel Wärme sprach aus ihnen und soviel Liebe... Innerlich zitternd, schloss er die Lider, versuchte sich in den Griff zu bekommen, sich etwas davon zu distanzieren. Ein solches Übermaß an ungezügelten Emotionen brachte den Vulkanier in ihm noch immer an den Rand der Panik...

"Nicht, es ist in Ordnung", flüsterte Jim, als er den innerlichen Rückzug spürte. "Komm' her." Er breitete die Arme aus und zog die schmale Gestalt seines Geliebten in eine feste Umarmung. "Manchmal vergesse ich einfach, wie neu das noch alles für dich ist", wisperte er in ein spitzes Ohr. "Es tut mir leid."

"Entschuldige dich nicht dafür, T'hy'la." Spocks Antwort klang gedämpft, er hatte sein Gesicht an der Schulter des Menschen vergraben. "Die Stärke deiner Empfindungen hat mich von ersten Moment an zu dir gezogen. Sie sind ein Teil von dir."

"Ach - und es war also nur das?", neckte ihm Jim leise. "Und ich hatte gedacht, du würdest mich wegen der Art lieben, wie ich dich küsse..." Eine Hand glitt um den Nacken des Vulkaniers, nach vorne unter Spocks Kinn und hob sein Gesicht von Kirks Schulter. Ihre Lippen berührten sich in einem langsamen, zärtlichen Kuss, trennten sich dann widerstrebend voneinander. Ein kühler Mund liebkoste die strengen Gesichtszüge - unwillig, den Kontakt schon abzubrechen.

"Oder deswegen, weil ich dich zum Lächeln bringen kann..." Seine Zungenspitze zeichnete die leicht gekrümmte Kontur der schmalen Lippen nach. "Wie jetzt."

"Jim..." Er hörte die Anspannung in diesem Wort und wich etwas zurück, ohne aber den Körperkontakt abzubrechen. Es hatte so lange gedauert, bis sie einander gefunden hatten, dass er den Vulkanier manchmal noch immer zu sehr drängte. Er drückte Spocks Kopf zurück an seine Schulter, schmiegte sein Gesicht in das seidenweiche, schwarze Haar und hielt seine Berührung sanft, unfordernd.

"Besser?" Er spürte Spocks Nicken, hörte das leise Seufzen, als der Vulkanier sich in seine Umarmung entspannte.

 

Jim dachte an das Gespräch, das sie am Vorabend geführt hatten.

"Würde... würde dir das Band helfen?", meinte er leise, plötzlich nervös. "Ich meine, besser mit meinen Emotionen zurecht zu kommen?"

Spock sah auf. Er suchte Kirks Blick und sah den Ernst in seinen Augen. Aber es war nicht einfach, eine Antwort darauf zu finden - nicht einfacher, als am Abend zuvor, als der Mensch ihm die gleiche Frage gestellt hatte. Natürlich würde ihm das mentale Band mehr innere Stabilität geben, mehr Sicherheit im Umgang mit Jims Emotionen - und mit seinen eigenen. Aber es war auch noch zuviel zwischen ihnen ungeklärt, als das er einfach 'ja' sagen konnte. Das Band war für immer und ihre Liebe noch so jung...

"Jim...", begann er leise. "Das hier... ist nicht der richtige Ort und nicht die richtige Zeit, um eine solche Entscheidung zu fällen."

Ein etwas schiefes Lächeln glitt über Kirks Mund und er legte rasch einen Finger auf die schmalen Lippen des Vulkaniers. "Du hast natürlich recht. Wir werden darüber sprechen, wenn dieser Auftrag vorbei ist und wir endlich unseren verdienten Urlaub antreten können. Okay?"

Er war nicht wirklich über Spocks Ausweichen enttäuscht. Es war eine Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern würde. In Spocks Augen versunken, streichelte er gedankenverloren weiter die schmalen Lippen, über Wange und Schläfe. Dann beugte er sich vor, küsste seinen Vulkanier zärtlich. Als sie sich trennten, verflochten sich ihre Finger wieder ineinander.

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Näherkommende Stimmen und Schritte drifteten in das kleine Universum, das nur sie beide beherbergte und brachten sie zurück in die Realität. Jim seufzte und löste sich voll Bedauern aus dem Griff seines Geliebten.

"Die Pflicht ruft", murmelte er und nahm die Schultern zurück. Spock nickte und richtete den Blick auf ein Beet voll Blumen, deren zierliche, gelbe Blüten einen betörenden Duft verströmten.

McCoy bog um eine Baumgruppe und erspähte sie. Sein Lächeln vertiefte sich, als er den verträumten Ausdruck auf Jims Gesicht sah - und Spocks Verlegenheit - gerade dadurch für ihn so offensichtlich, dass er sie zu verbergen suchte.

Scheint, als hätten die beiden sich ein stilles Plätzchen gesucht, um sich ein wenig zu 'unterhalten'... Ich möchte wissen, wie lange sie dieses Versteckspiel noch treiben wollen.

Laut sagte er: "Hier steckt ihr beide also. Wir haben euch schon vermisst."

Jim lächelte ihm entgegen. "Was ist los, Pille? Langweilst du dich - oder warum diese plötzliche Sehnsucht nach uns?"

"Norel - zumindest ist das das Wort, dass der Translator aus seinem Namen gemacht hat - fragte, ob wir jetzt zurückkehren möchten." Hinter dem Arzt stand der aeternische Führer und nickte bestätigend. McCoy klopfte vielsagend auf seinen Magen und konnte sich eine spitze Bemerkung nicht verkneifen. "Es ist bereits Nachmittag. Und auch wenn du es dir vielleicht nicht vorstellen kannst, wir leben nicht alle nur von Luft und Liebe."

Kirk erwiderte sein Grinsen arglos und strahlend. "Nun, sonst beschwerst du dich ja auch über mein Gewicht." Er sah zu Spock hinüber und bemerkte, dass der Vulkanier intensiv eine der Blumen studierte. "Geh' ruhig zu den anderen voraus", meinte er geistesabwesend, während er an Spocks Seite trat. "Wir kommen gleich nach."

"Wie du meinst." McCoy sprach zum Rücken seines Captains. Er drehte sich um, folgte Norel. Einige Schritte entfernt blieb er noch einmal stehen - ihm war etwas eingefallen. Er drehte sich um, öffnete den Mund, doch was er sagen wollte, kam nie über seine Lippen.

 

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Jim war in die Hocke gegangen, um eine der Blumen zu pflücken, die den Vulkanier so fasziniert hatten. Er war gerade im Begriff, Spock die schlanke Blüte zu reichen, als Norel an dem Arzt vorbeistürzte und den Ersten Offizier der Enterprise zur Seite stieß. "Nein! Nicht anfassen!"

Spock - der durch die Wucht des Aufpralls auf dem Boden gelandet war - und Jim, der sich inzwischen aufgerichtet hatte, sahen zuerst den Losira, dann sich an. Was ist los?

"Diese Blumen sind giftig." Jim ließ die Blume augenblicklich fallen, streckte aber im nächsten Moment die Hand aus, um Spock auf die Beine zu helfen. Norel trat zwischen sie, sorgfältig darauf bedacht, Kirk nicht zu berühren. "Berühren Sie ihn nicht!"

"Norel...", mischte sich der Arzt ein. "Es handelt sich hier sicher..." Er kam nicht weiter, als Jims Gesicht plötzlich alle Farbe verlor. Bevor er - oder einer der anderen - reagieren konnte, sackte der Captain der Enterprise auf den Boden.

 

"Jim?" Die Dauer eines Herzschlages später war Spock auf den Beinen und kniete neben Kirk. Seine Fingerspitzen flatterten über die bleichen Züge seines Geliebten, zu dem er abrupt jeden mentalen Kontakt verloren hatte. "Jim..."

McCoy kniete neben ihnen, sein Scanner flog über seinen reglosen Freund. Die Anzeigen waren völlig unverständlich. Alle Organe in Jims Körper schienen ihre Funktion aufzugeben.

Er... er starb... aber, das konnte doch nicht sein... nicht Jim... nicht so...

Der Arzt zog den Kommunikator, um ihren Nottransport auf das Schiff zu

veranlassen, als die letzte Anzeige auf seinem Trikorder erlosch. Blinzelnd starrte er darauf. Tot...? Jim... Jim war... tot?

McCoy sah auf, gelähmt - sein Geist ein schwarzes Loch. Der Arzt registrierte ohne wirklich zu sehen Spocks

 Hand, die Jims noch immer festhielt, wie die Finger seiner anderen Hand ganz offen liebkosend über eine blasse

 Wange des Menschen streichelten. Er hörte Spocks Flüstern, wenn ihm auch die Worte unverständlich blieben –

vielleicht war es vulkanisch... wer konnte das schon sagen...?

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Spock - musste... Die Instinkte des Arztes kamen zum Vorschein, drangen durch den Nebel in seinem Verstand. Sanft legte er eine Hand auf Schulter des Vulkaniers. Spock hob den Kopf und McCoy sah den Schock in seinen Augen.

"Leonard, bitte...", flüsterte er. Soviel Hoffnung in diesen beiden Worten...

Doch der Arzt wusste es besser. Spock als Berührungstelepath musste den Moment gespürt haben, als Jim starb. Er wollte - konnte - es nur nicht wahrhaben...

Aus den Augenwinkeln sah er, dass der Rest der Landetruppe eingetroffen war und von Norel zurückgehalten wurde, aus welchem Grund auch immer. Er verbannte sie aus seinem Bewusstsein, konzentrierte sich voll und ganz auf den Vulkanier. Instinktiv spürte er, dass auch Spocks Leben in Gefahr war, wenn der erst einmal begriffen hatte, was geschehen war. Vorsichtig löste er die unnatürlich kalten Finger des Vulkaniers von denen Jims, umschloss sie fest mit seinen.

"Spock, kommen Sie mit mir", bat er leise, seine Stimme unendlich sanft. Er wollte ihn von hier wegbekommen - irgendwohin, wo sie allein waren, wenn der unvermeidliche Zusammenbruch des Vulkaniers erfolgen würde. Irgendwohin, wo er selbst loslassen, sich selbst die überwältigende Trauer fühlen lassen konnte.

Er spürte Norel hinter sich. "Ich informiere Dr. Kevar - er wird Ihrem Freund helfen." Die Worte des Losira ergaben keinen Sinn, doch er nickte abwesend. Er sah nicht auf und so auch nicht, dass Norels Blick auf Kirk ruhte - nicht etwa auf Spock, wie seine Worte vermuten ließen.

Der Vulkanier hatte den Wortwechsel überhaupt nicht mitbekommen. "Aber das geht nicht, Leonard. Jim..." Seine Stimme war leise, klang beinahe kindlich. "Er..."

"Nein, Spock", unterbrach ihn McCoy. Er griff nach der anderen Hand Spocks, die weiter an Kirks Wange ruhte, umschloss beide Hände fest mit seinen. "Jim ist tot, Spock. Hören Sie mich? Spock?"

Der Vulkanier schüttelte den Kopf, als versuche er aus einem Alptraum zu erwachen. "Nein", flüsterte er. "Nein... Jim..." Er riss sich aus McCoys lockerem Griff, strich mit den Fingerspitzen wieder liebevoll über Kirks Gesicht, seine Lippen.

Der Arzt umschloss seine Schultern, zog ihn auf die Beine. Irgendwie musste er den Vulkanier erreichen, bevor Spock sich ganz in seinen Schock zurückzog. "Ich brauche Sie, Spock. Wir brauchen Sie. Nicht aufgeben..." Er wusste kaum mehr, was er sagte. Er schüttelte die zitternde Gestalt in seinen Armen zunächst sanft, dann fester. Doch als der Vulkanier aufsah, war sein Blick weiterhin leer und ohne Verstehen. Und dann, ohne irgendwelche Vorwarnung, sackte er in sich zusammen. McCoy ließ ihn vorsichtig auf den Boden gleiten, kniete neben ihn, seine Hand flog sofort zu der Stelle am Nacken, wo der Puls zu fühlen war. Viel zu rasch, flatterhaft, aber vorhanden - nur der Schock...

 

Aus der vergessenen Ladegruppe löste sich Andrew Milon. Der junge Lieutenant hatte die Leitung des Sicherheitstrupp übertragen erhalten. Unsicher näherte er sich dem Arzt.

"Dr. McCoy?", fragte er zögernd. "Doktor, was ist passiert?"

McCoy sah nicht auf. "Milon... Andrew - am besten kehren Sie auf das Schiff zurück. Der Captain...", er schluckte hart, "...der Captain ist... tot." Er schluckte, suchte einen Moment vergebens nach einem Gedanken, einem Hinweis, was als nächstes zu tun war. Dann wusste er es wieder. "Informieren Sie Mr. Scott... Nein, warten Sie, das erledige ich selbst..." Er winkte den jungen Mann fort. "Gehen Sie, Milon. Sie können hier nichts tun. Lassen Sie uns allein."

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McCoy informierte einen fassungslosen Scott - der in ihrer Abwesenheit das Kommando hatte - über die Geschehnisse auf Aeternus. So wie es aussah, würde er das Kommando noch eine Zeitlang behalten. Spock war in keiner Verfassung dazu -  oder zu irgend etwas. Der Vulkanier hatte das Bewusstsein noch nicht wiedererlangt. Der Arzt überließ es dem Schotten, der Crew die traurige Nachricht zu überbringen.

Und dann hatte er zum ersten Mal seit dem Augenblick, an dem dieser Alptraum begonnen hatte, nichts zu tun. Nichts, als zu warten. Nur, auf was? Er checkte Spocks Puls - so gut, wie man unter diesen Umständen erwarten konnte. Sein Blick fiel auf die Uhr an seinem Handgelenk. Das konnte nicht wahr sein... Aber so war es, noch keine zwanzig Minuten waren vergangen, seit er sich umgewandt hatte, um seinen Freund sterben zu sehen. Es hätten seinem Empfinden nach Stunden sein können – Tage...

 

Die Augenlider des Vulkaniers flatterten, öffneten sich und einen Moment lang sah der Arzt eine solche Qual in den dunklen Augen, in den sonst starren Zügen, dass sich sein Herz verkrampfte. "Spock..."

Dann senkte sich Leere wie ein Schleier über die schwarzen Pupillen, über das ganze Gesicht - und McCoy wusste nicht, was von beidem schlimmer anzusehen war. "Spock?", versuchte er erneut, doch er hätte genauso gut gegen eine Wand reden können.

Der Vulkanier kauerte neben Kirk, hielt Jims Hand, hatte wieder begonnen, sein Gesicht zu streicheln und sprach leise auf ihn ein. Er strich zärtlich die widerspenstige Locke aus Jims Stirn zurück. Es zerriss dem Arzt das Herz, ihn so zu sehen. Er wandte sich erneut an ihn, versuchte ihm eine Reaktion abzuringen.

Doch nichts, er drang zu dem Vulkanier nicht vor.

Und letztlich gab er auf. Er setzte sich müde auf den Boden, die Beine eng an den Körper gezogen, legte er den Kopf auf die Knie.

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Lange Zeit hielt er stumme Wacht, sein Blick verließ den Vulkanier kaum. Alles andere längst vergessen.

Das Piepen seines Kommunikators zerstörte den Bann. Es war Scott. Bevor der Ingenieur mehr sagen konnte, unterbrach ihn der Arzt. "Ich komme auf das Schiff zurück, Scotty. McCoy Ende."

Bevor er sich an Spock wenden konnte, erhaschte er eine Bewegung aus den Augenwinkeln. Norel und ein weiterer Losira traten heran.

"Doktor McCoy?", wandte sich der ältere Losira höflich an den Arzt. "Mein Name ist Kevar. Norel informierte mich, dass Sie jetzt bereit sind, meine Hilfe in Anspruch zu nehmen?"

McCoy sah ihn einen Moment sprachlos an, versuchte Sinn in die rätselhaften Worte zu bringen. Der Losira unterschied sich in nichts von den anderen Bewohnern Aeternus. Er trug die gleiche Kleidung, den gleichen Art von Schmuck - nur in anderen Farbkombinationen - wie Norel. Aber er strahlte eine Aura ruhiger Kompetenz aus. Schließlich nickte McCoy.

Kevar verbeugte sich leicht und kniete sich dann neben den Vulkanier. In diesem Moment tauchte neben Norel eine junge Frau auf. Sie ignorierte den Menschen völlig, wandte sich direkt an Kevar. "Du hast mich rufen lassen, Vater?"

Der ältere Losira nickte und wechselte in seiner Muttersprache einige Worte mit ihr, die der Translator nicht erfasste. Sie neigte den Kopf leicht und trat neben ihren Vater. Kevar löste sanft – aber zielstrebig - die Hände des Vulkaniers, erhob sich und zog ihn mit sich auf die Beine. Sofort war die junge Frau an Spocks Seite, eine Hand auf seinen Unterarm gelegt, führte sie ihn von der kleinen Gruppe weg. Der Vulkanier folgte ihr widerstandslos.

 

McCoy starrte ihnen fassungslos nach. "Wer war das?", brachte er schließlich heraus. Kevar sah verblüfft auf, seine Hände hielten jedoch in ihrer Untersuchung des leblosen Körpers des Menschen nicht inne. "Sameo, meine älteste Tochter und meine Helferin", informierte er den Arzt sanft in einem Ton, wie man vielleicht zu einem begriffsstutzigen Kind sprach.

"Und wohin bringt sie Spock?"

"Wir haben Quartiere vorbereiten lassen. Natürlich auch für Sie", setzte der Losira geduldig hinzu.

"Was machen Sie da?", verlangte McCoy zu wissen. Norel trat neben ihn und nahm ihn am Arm.

"Kommen Sie mit mir", drängte er leise. "Ich bringe Sie in Ihr Quartier. Doktor Kevar wird sich um Ihren Freund kümmern."

"Aber...", wollte der Arzt widersprechen.

"Wir werden uns um alles kümmern", unterbrach ihn Norel und bugsierte ihn einige Schritte weiter weg. McCoy befreite sich abrupt aus dem lockeren Griff. "Ich kehre auf mein Schiff zurück."

Norel neigte leicht den Kopf. "Das steht Ihnen natürlich frei." Er stand da, die Hände in die Ärmel des weiten Gewandes geschoben und beobachtete, wie der Arzt sein Schiff rief und in einem Funkenregen verschwand.

Dann kehrte er zu Kirk und Kevar zurück. Er blickte dem Losira an und erhielt ein Nicken als Antwort. Einen Moment später erfüllte ein leises Summen die Stille - und alle drei lösten sich scheinbar in Nichts auf.

Die Morgendämmerung kam und fand den Vulkanier schlafend vor. Er lag auf dem Boden vor dem Fenster, wo ihn die Erschöpfung übermannt hatte. Ohne die Lider zu öffnen, drehte er sich auf die Seite, der Helligkeit ausweichend, die in den Raum drang. Seine Hand streckte sich aus, schien nach etwas - oder jemandem - zu tasten. Doch alles was er fand, war Leere. "Nein", flüsterte er heiser. "Nein, nein... Jim."

Langsam setzte er sich auf, starrte auf seine Hände, dann auf den Boden. Aeternus. Die Losira - der Park... die Blumen... Jim...

Der Alptraum des gestrigen Tages kam mit der grausamen Klarheit einer Erinnerung zurück. Nur - es war kein Alptraum gewesen. Es war wirklich geschehen. Jim... Jim war tot...

"Nein...", flüsterte er wieder. Das leise Klopfen an der Tür hörte er nicht.

Sameo trat ein, in den Händen ein Tablett mit Nahrung. Sie stellte es auf dem Tisch ab, füllte eine Tasse mit dem dampfenden Inhalt des mitgebrachten Kruges. "Trinken Sie das", meinte sie leise und reichte ihm die Tasse. "Es wird helfen."

Spock sah auf, doch er machte keine Anstalten, danach zu greifen. Sie kniete neben ihn auf den Boden. Als sie die Tasse ermunternd näher hielt, drehte er den Kopf abweisend zur Seite. Warum ließ sie ihn nicht einfach allein?

Die junge Frau berührte seine Schulter. "Bitte", sagte sie sanft. Also nahm er ihr das Gefäß ab und kostete vorsichtig einen Schluck. Sein tauber Mund konnte keinen bestimmten Geschmack feststellen, doch es war angenehm warm.

"Mein Vater hat mich gebeten, Ihnen zu erklären - was mir erlaubt ist - zu enthüllen", fuhr Sameo fort, als sie sicher war, die Aufmerksamkeit des Vulkaniers soweit geweckt zu haben, dass er zuhören würde. "Ich weiß, es ist nicht viel, was ich Ihnen sagen kann. Aber ich bitte Sie, mir genau zu zuhören."

Sie wartete Spocks schwaches Nicken ab. "Auf Aeternus gibt es mehr als die medizinische Technik, wie Sie sie kennen. Ich weiß...", obwohl der Vulkanier keine Einwände erhoben hatte, "...das ist alles schwer für Sie zu verstehen. Das ist einer der Gründe, warum wir zögerten, Kontakt mit Ihrer Föderation zu zulassen. Sie sind noch nicht dazu bereit."

Sie drängte den Vulkanier sanft, noch etwas des heißen Getränkes zu sich zu nehmen, bevor sie weitersprach. "Ich werde Sie jetzt zu Ihrem ke'von bringen. Aber da unsere Methoden nie an einem Nicht-Losira erprobt wurden, wissen wir nicht, ob wir völligen Erfolg bei seiner Wiederherstellung hatten."

 

Langsam sickerten die Worte in Spocks benebeltes Bewusstsein. Doch er verstand nicht. "Wohin?", fragte er, zumindest einen Teil des Satzes aufgreifend.

"Ich bringe Sie zu Ihrem ke'von", wiederholte Sameo geduldig. Sie sah das Unverständnis im Gesicht des Fremden. "Ihrem... Partner?", bot sie eine Übersetzung des aeternischen Wortes an. Als sie bemerkte, dass Spock noch immer nicht verstanden hatte, nahm sie ihm die Tasse aus der Hand und stellte sie zur Seite. Dann erhob sie sich und streckte ihm ermunternd eine Hand entgegen. "Kommen Sie einfach mit mir", meinte sie leise.

Der Vulkanier folgte ihrer Aufforderung schließlich. Sämtliche Muskeln in seinem Körper schmerzten von der Nacht auf dem harten Fußboden, doch er spürte es kaum. Der Schmerz in seinem Geist, seinem Herzen, war viel größer.

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Er achtete nicht auf den Weg, ging schweigend hinter Sameo her. Sie führte ihn in ein großes Gebäude, einen langen Korridor entlang und hielt schließlich abrupt vor einer Tür inne, die sich in nichts von den anderen im Gang unterschied.

"Mein Vater erwartet Sie bereits", wandte sie sich an den Vulkanier - drehte sich um und ließ ihn vor der Tür stehen. Spock stand lange reglos vor dem Eingang. Doch schließlich legte er eine Hand auf die farbig gekennzeichnete Fläche an der Wand und die Tür öffnete sich für ihn.

 

Der Raum, in den er trat, war leer - nein, nicht ganz. In seinem Zentrum stand etwas, dass ihn stark an die Diagnosebetten in McCoys Krankenstation erinnerte, wenn auch ohne die Anzeigentafel. Keine Geräusche.

Auch nicht vor der reglosen Gestalt, die das Bett beherbergte. Zögernd - als hätte er Angst vor dem, was er vorfinden würde - näherte er sich ihr. Doch bevor er sie erreichte, ertönte hinter ihm ein Zischen und er fuhr herum.

Der ältere Losira, der sich gestern um ihn gekümmert hatte, trat durch eine zweite Tür ein und zu dem Vulkanier. Er lächelte sanft. "Ich bin Kevar. Warum treten Sie nicht näher?"

"Ich..." Spock brach ab, unsicher was er hätte sagen wollen. Kevar neigte den Kopf, trat zu ihm und ergriff ihn am Arm, um ihn näher zu führen.

"Es war schwierig - eine große Herausforderung für mein Können - aber ich glaube, es ist mir gelungen, ihn völlig wiederherzustellen", erläuterte er, als sie vor dem Bett standen. Seine Stimme verhehlte den Stolz nicht, den er empfand.

 

Spock starrte fassungslos auf die Gestalt seines Captains. Jims Züge hatten die Blässe verloren, um seinen Mund spielte ein leichtes Lächeln. Sein Brustkorb hob sich im sanften Rhythmus seines Atmens. Er lebt... lebt..., hallte durch seinen Kopf.

"Jim?", fragte er mit zitternder Stimme. Keine Reaktion.

"Sie müssen ihn wecken." Er hatte den Losira völlig vergessen. "Es ist nicht an mir, das zu tun."

"Aber wie?", flüsterte der Vulkanier. Er erwartete noch immer, jeden Moment aufzuwachen –

 es konnte nur ein Traum sein. Denn falls dies die Wirklichkeit war, musste er den Verstand

 verloren haben...

"Nun, ich würde sagen - wie Sie ihn jeden Morgen wecken", schlug Kevar vor, seine Stimme

 klang tatsächlich leicht belustigt.

 

Spock sah ihn an, dann wieder auf seinen schlafenden Geliebten. Und dann tat er, was der Losira vorgeschlagen hatte. Er beugte sich über ihn und ließ seine Lippen sanft über Jims streichen. Gleichzeitig glitten seine Finger zu den Nervenpunkte an den Schläfen des Menschen...

 

Scott war gegangen. Auch McCoy war endlich in seine Kabine verschwunden. Sie waren allein.

"Jim?" Kirk sah auf, als er die leise Stimme des Vulkaniers vernahm und lächelte. Er trat zu Spock, der noch immer in einem Stuhl am Schreibtisch saß - wo er die letzten Stunden verbracht hatte - streckte ihm die Hand entgegen. Spock ließ sich auf und in die Arme seines Geliebten ziehen, legt den Kopf an seine Schulter, das Gesicht am Hals des Menschen vergraben.

"Ich kann mich an nichts erinnern", meinte Jim leise. "Das letzte, das ich weiß, ist - das Norel sagte: 'Die Blume ist giftig'. Und das nächste ist dein Gesicht, als du dich über mich beugst." Seine Hände glitten sanft streichelnd, besänftigend, über Spocks Rücken. "Hat dieser Kevar oder seine Tochter - Sameo? - wirklich nicht mehr gesagt?"

Der Vulkanier schüttelte den Kopf. Er schien nicht in der Lage zu sein, das Zittern zu stoppen. "Ich habe einen Bericht an das Hauptquartier gegeben, während Doktor McCoy dich noch einmal untersucht hat. Sie werden so rasch wie möglich ein neues Kontaktteam schicken. Aber ich bezweifle, dass sie mehr Erfolg haben werden. Sameo - sie sagte, wir wären noch nicht dazu bereit..." Jim legte ihm einen Finger auf den Mund, brachte ihn zum Verstummen. Sie hatten das heute alles schon einmal ausgiebig diskutiert - und ins Logbuch eingetragen.

 

"Es tut mir leid", sagte er leise. "Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie du dich fühlen musstest... wenn ich nur daran denke, ich könnte dich verlieren..." Diesmal war es der Vulkanier, der ihn unterbrach.

"Bitte, Jim, nicht.", bat er. "Ich kann jetzt nicht darüber sprechen. Noch nicht." Er schmiegte sich enger an Jim, der bereitwillig die Arme fester um ihn schloß. "Halt' mich jetzt einfach nur fest."

 

 

 

Ende