Ärger
auf vulkanischCharrycat
Serie: Star
Trek
Paarung: K/S
Rating: First Time, PG-13
Feedback: Martina.Birkner@t-online.de
Summe: Jim erfährt, was es heißt, wenn ein Vulkanier verärgert ist.
Disclaimer: Star Trek gehört Viacom/Paramount. Die Rechte der in dieser
Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen
Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu
verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Mein Dank geht an Caelicola, die mit mit vielen guten Verbesserungsvorschlägen
geholfen hat. Ich habe sämtliche Vorschläge übernommen. Einen Betaleser zu
haben ist echt genial. Man wird doch auf vieles aufmerksam, was man so gar
nicht wahrnimmt. Also, nochmals vielen Dank an Caelicola. PS: Der Titlel
entsprang übrigens auch einer ihrer Titel-Vorschlagslisten .
Hallo liebe K/S-ler
habe mich mal wieder getraut und meine zweite Story gepostet. Ich hoffe, sie
gefällt euch.
Hoffe natürlich wieder auf konstruktive Kritik.
Viel Spass beim Lesen
Martina
Und los geht's:
Nachdenklich betrachtete Kirk den Sternenhimmel über sich und überlegte, warum
er einfach keine Ruhe fand und nicht einschlafen konnte.
Der Tag war anstrengend gewesen und anders verlaufen, als er es sich gewünscht
hatte. Nun lag er in Spocks Schlafsack und versuchte, seit über zwei Stunden,
endlich einzuschlafen.
Spock, der noch auf war, schien nicht die geringsten Anstalten zu machen,
ebenfalls schlafen zu gehen. Jim würde ihn gerne noch einmal auf die Ereignisse
des Tages ansprechen und sich entschuldigen, aber Spock war schon den ganzen
restlichen Tag nicht in der Stimmung für eine Unterhaltung gewesen. Spock war
verstimmt. Wenn man es genau nahm, war er sauer, verärgert, ja sogar wütend.
Nicht etwa, dass er einen Wutausbruch bekommen hätte, aber die Kälte seiner
Stimme und seiner Augen, die nur sehr sparsame Konversation, ja seine ganze
Haltung zeigten seine Verärgerung. Der Vulkanier hatte zudem nicht die
geringsten Versuche unternommen, seine Missstimmung zu verbergen. Jim war klar,
dass Spock ihn seine Verärgerung mit Absicht spüren ließ. Und Jim konnte
es ihm nicht einmal verdenken. Seine Gedanken wanderten zu der Ursache von
Spocks Verärgerung.
*****
Es war früher Nachmittag und Jim und Spock wanderten auf dem Steilufer entlang,
welches einen großen Teil des Flusses eingrenzte. Es war ihr erster gemeinsamer
Landurlaub seit über einem Jahr und Jim hatte Spock zu dieser Tour überredet.
Er hoffte, dem Vulkanier etwas näher zu kommen und vielleicht herauszufinden,
ob er eine Chance bei ihm hätte. Schon lange wusste er, dass er mehr für seinen
vulkanischen Freund empfand, als nur Freundschaft. Aus Angst vor einer
Zurückweisung, hatte er seine Wünsche und Hoffnungen bisher für sich behalten.
Jetzt und hier endlich wollte er vorsichtig seine Chancen abtasten,
herausfinden, ob es eine Möglichkeit für eine gemeinsame Zukunft gab.
*****
Er hatte das dumpfe Gefühl, dass er diese Chance mit dem heutigen Tage vertan
hatte. Aber so schnell würde er nicht aufgeben.
Zurück zu den Ereignissen des Tages:
*****
.... also, sie wanderten das Steilufer entlang, als Jim eine interessante
Entdeckung machte. Ungefähr 2 Meter unter ihnen befand sich ein Höhleneingang.
Und den wollte er unbedingt erforschen und näher in Augenschein nehmen. Spock
hatte ihn gewarnt und versucht davon abzuhalten, dort herunter zu
klettern. Es sei zu gefährlich, die Absturzgefahr zu hoch. Aber Jim wollte
nicht auf ihn hören. Er schob Spocks Bedenken beiseite und machte sich an den
Abstieg.
Und was passierte? Er verlor den Halt, stürzte und fiel 10 Meter tief in den
Fluss. Zum Glück war dieser tief genug und ohne Felsen. Dummerweise waren aber
ausgerechnet dort Stromschnellen. Jim erinnerte sich nur zu genau daran, wie er
verzweifelt versuchte hatte, gegen das Wasser anzukämpfen, aber es einfach
nicht schaffte, seinen Kopf über Wasser zu halten. Er strampelte verzweifelt
und es gelang ihm zumindest, sich seines schweren Rucksackes zu entledigen. Das
nächste, woran er sich erinnerte, waren Spocks Lippen auf den seinen. Spock
hatte ihn aus dem Wasser gezogen, offenbar mehr tot als lebendig und versuchte
ihm wieder Leben einzuhauchen.
Der aufatmende Blick in Spocks Augen und die Erleichterung, die deutlich in
seinen sonst so stoischen Gesichtszügen geschrieben stand, würde er nie
vergessen, als er sich hustend und prustend aufsetzte. Genauso wenig aber würde
er die Wut vergessen, die in Spocks Augen aufblitzte, als er sicher sein
konnte, dass es Jim gut ging. Der wütende Blick wechselte jedoch rasch dem
unverhohlener Verärgerung, die offensichtlich bis jetzt anhielt. Wenn er
wollte, konnte Spock verdammt abweisend sein, aber dass er dies auch ihm
gegenüber sein konnte, war ihm neu. Jim konnte bisher auch immer den Vulkanier
mit seinem unschuldigen Lausbublächeln erweichen. Das hatte immer funktioniert
- bis heute.
Nachdem sich Jim von seinem Hustenanfall erholt hatte und wieder klar
beieinander war, wollte er Spock danken, aber der wiegelte sofort ab.
"Wir müssen ein Camp für die Nacht aufschlagen. Die Sonne geht schon
unter. Können sie laufen, Captain?"
Zustimmend nickend stand Jim auf und folgte Spock, der sich ohne ein weiteres
Wort umdrehte und voranging.
Nachdem Spock einen geeigneten Platz gefunden hatte, entzündete Spock sofort
ein Feuer und setzte Teewasser auf. Er wartete, bis das Feuer brannte und
wandte sich erst dann wieder Jim zu. Sein Ton war barsch, befehlend und sein
Blick weiterhin von eisiger Kälte. "Ziehen sie sich aus, Captain!"
befahl Spock kurz angebunden. "Wie bitte?" fragte Jim erstaunt, der
es nicht gewohnt war, dass Spock ihm gegenüber diesen Befehlston anschlug. Er
war immer ein "Bitte" oder "wenn es ihnen nichts ausmachen
würde" oder "darf ich vorschlagen" oder so ähnliches gewohnt.
"Ich forderte Sie auf, sich auszuziehen. Ihre Kleidung ist nass und sie
werden sich sonst erkälten" "Oh, natürlich Spock" erwiderte Jim
und tat, wie ihm geheißen.
Nachdem Jim splitterfasernackt vor Spock stand, reichte dieser ihm ein großes
Handtuch, in welches sich Jim einwickelte. Anschließend setzte er sich an das
Feuer und wartete. Er wusste nicht worauf, aber sein Instinkt sagte ihm, dass
er Spock in Ruhe lassen und abwarten sollte. Spock hantierte hinter seinem
Rücken herum. Wahrscheinlich bereitete er das Nachtlager vor. Jim starrte
in die Flammen und lauschte dem Geraschel hinter seinem Rücken. Nach ca. 15
Minuten kochte das Teewasser und Spock kam zum Feuer zurück, goss den Tee auf
und reichte Jim eine Tasse des heißen Getränks.
Spocks Stimmung war offensichtlich immer noch auf dem Nullpunkt, denn er sagte
nichts weiter außer "Trinken Sie!", drehte sich wieder um und kramte
in seinen Rucksack. Schließlich zog er eine Nahrungsration heraus und
bereitete diese mit dem restlichen heißen Wasser zu. Genauso knapp, wie die
Anweisung zu trinken, kam auch die Anweisung zu Essen. Abschließend reichte
Spock ihm eines seiner Shirts mit der Aufforderung, dieses zur Nacht anzuziehen
und verschwand wortlos in den angrenzenden Wald. Zurück blieb ein
verwirrter, überraschend eingeschüchterter und sprachloser James
T. Kirk, der sich den Kopf darüber zermarterte, wie er seinen Vulkanier
wieder gnädig stimmen konnte.
Eine halbe Stunde später kam Spock zurück, den Arm voller Holz. Er legte einige
Scheite nach und starrte nun ebenfalls stumm ins Feuer. Schließlich hob er den
Kopf und schaute Jim an, in seinen Augen nach wie vor die Kälte eines Eissees.
"Ich würde es begrüßen, wenn sie sich schlafen legen würden, damit ich
ungestört meditieren kann. Da Sie keinen Schlafsack haben, müssen wir uns für
den Rest der Reise meinen teilen. Er ist groß genug für uns beide, auch wenn es
für sie auf Grund der unvermeidlichen Enge nicht gerade bequem sein wird.
Außerdem ist dieser Schlafsack meiner vulkanischen Physiologie angepasst und
somit wärmer, als sie es von ihrem Schlafsack gewohnt sind. Es wird sich somit
nicht vermeiden lassen, dass sie eine recht warme, wenn nicht gar heiße Nacht
verbringen werden. Um sie jedoch vorzuwarnen: ich bin nicht bereit, den
Schlafsack in der Nacht offen zu lassen. Für mich hat die Notwendigkeit nicht
zu frieren Vorrang und es mir egal, ob es Ihnen dadurch zu heiß ist."
Jim glaubte, nun auch endlich mal etwas sagen zu müssen und das erst beste, was
ihn einfiel, war leider genau das falsche. "Nun ich habe gegen heiße
Nächte nichts einzuwenden" antwortete Jim und erntete dafür einen
vernichtenden Blick. "Dann werden Sie in dieser Nacht wohl den Begriff
"heiße Nacht" neu definieren müssen" entgegnete Spock, der sich
durchaus bewusst war, in welche Richtung Jims Bemerkung zielte. Mit diesen
Worten drehte er sich um und nahm seine gewohnte Meditationshaltung vor dem
Feuer ein.
Jim schlenderte gemächlich und schulterzuckend zu Spocks Schlafsack, kuschelte
sich ein und versuchte zu schlafen.
*****
Diese Bemühung dauerte bis zum jetzigen Zeitpunkt an.
Jim schloss wieder die Augen und lauschte den Geräuschen der Nacht. Er würde
keine Ruhe finden, ehe er mit Spock gesprochen hatte und gewiss sein konnte,
dass er nicht mehr verärgert war. Er musste es zumindest noch einmal
versuchen. Seine bisherigen Versuche, sind bereits im Ansatz erstickt worden.
Nun ja, er hatte es auch nur zweimal versucht. Einmal am Flussufer und nochmals
als sie das Camp erreichten. Vielleicht ergab sich ja noch heute nacht eine
dritte Möglichkeit. Es sollte aber noch eine weitere Stunde dauern, bis
Spock endlich seine Meditation beendete und sich für die Nacht fertig machte.
Jim hatte den Schlafsack nur zur Hälfte geschlossen, so dass Spock bequemer
hineinschlüpfen konnte. Dennoch war es gar nicht so einfach, musste Spock Jim
doch ein Stück zur Seite schieben, damit er sich vollständig neben ihn
ausstrecken und den Schlafsack schließen konnte.
Jim ließ sich jedoch nur kurz in die Ecke drängen, gerade mal lang genug, damit
Spock hineinkriechen konnte. Nachdem der Schlafsack bis oben geschlossen war,
rückte Jim wieder näher. Er konnte kaum glauben, dass man überhaupt noch näher
rücken konnte, lagen sie doch sowieso schon wie zwei Ölsardinen im Schlafsack.
Aber es ging, indem sich Jim kurzerhand in Spocks Richtung auf die Seite
drehte, seinen Kopf an die Schulter des Vulkaniers schmiegte und seinen linken
Arm auf Spocks Brust legte. Mit seiner Positionierung noch nicht restlos
zufrieden, ließ er auch noch sein linkes
Bein folgen, welches er über Spocks rechtes Bein schob. Er bohrte mit seinem
Knie solange zwischen Spocks Oberschenkel, bis dieser ein wenig Raum gab, so
dass Jims Knie zwischen Spocks Beinen zum liegen kam. Derartig angekuschelt,
gab Jim einen zufriedenen Seufzer von sich und schloss die Augen. So könnte es
immer sein, dachte er. Zum ersten Mal spürte er Spock auf diese Weise und es
fühlte sich gut an - er fühlte sich gut an.
Spock indes war bei weitem nicht so entspannt wie sein Bettpartner. Er lag
stocksteif neben Jim und hatte mit Besorgnis dessen Aktion beobachtet. Dass er
Jims Knie den Weg freigegeben hat, geschah aus Resignation, als er einsah, dass
Jim offenbar nicht aufgeben würde. Und wollte er Jims Bemühungen nicht zu einem
gewaltsamen Kampf ausarten lassen, sah er keine andere Möglichkeit, als
nachzugeben. Sicher, er hätte Jim auch verbal auffordern können, seine Aktion
zu beenden. Dafür hätte er jedoch tatsächlich mit ihm reden müssen und dass
wollte er nicht. Spock wollte weiterschmollen. Er wollte seine Verärgerung, die
er seit Jims Unfall aufrecht erhielt weiterpflegen.
Während seiner Meditation hatte Spock versucht, zu ergründen, warum er so
wütend auf Jim war und warum er es dem Menschen unbedingt spüren lassen wollte.
Warum wollte er sich nicht von Jim erweichen lassen? Warum wies er seine
Entschuldigung zurück und warum hatte er Gefallen daran, Jim leiden zu sehen.
Dass Jim mit Spocks Verärgerung alles andere als glücklich war und unter seiner
unerbittlichen Reaktion litt, war Spock klar. Hatte er etwa sadistische
Charakterzüge?
Nein, er war nicht sadistisch veranlagt. Schon gar nicht Jim gegenüber. Im
Grunde genommen wollte er ihm beistehen und vor allen Gefahren beschützen.
Dafür würde er auch sein eigenes Leben einsetzten. Jim sollte glücklich sein.
Am liebsten natürlich mit ihm. Er hatte eingesehen, dass seine Gefühle für Jim
weit über Freundschaft hinausgingen. Gleichzeitig musste Spock erkennen, dass
er panische Angst davor hatte, Jim zu verlieren, ihn eines Tages nicht schützen
zu können.
Der Beruf brachte schon genug Risiko mit sich und er war willig, dieses Risiko
einzugehen. Aber ein solches Risiko auch in ihrer Freizeit zu tragen - auch
außerhalb ihres Dienstes ständig mit der Angst leben zu müssen, Jim zu
verlieren, nur weil dieser einen Hang zu selbstmörderischen Aktionen hat. Das
war zu viel. Das konnte und wollte Spock nicht. Er war hin und her gerissen
zwischen dem Wunsch, Jim immer und ständig um sich haben zu wollen und dem
Drang, sein eigenes Leiden möglichst schnell zu beenden Die Logik diktierte
ihm, letzteres zu tun. Zum Teufel mit der Logik - Logik macht nicht glücklich,
dachte Spock Aber sie hilft, nicht den Verstand zu verlieren sagte ihm seine
innere Stimme. Sein Entschluss stand fest: er würde Jim um seine Versetzung
bitten. Sein Gefühl hoffte jedoch, dass es eine andere Lösung geben würde.
"Spock?" flüsterte Jim und störte damit Spocks Überlegungen Spock
antwortete nicht. Er musste sich erst einmal sammeln, da er befürchtete, seine
Stimme nicht unter Kontrolle zu haben. Schließlich galt es, immer noch
verärgert zu sein.
"Spock, schlafen sie schon?" fragte Jim erneut, nachdem Spock nicht
antwortete.
"Nein, Captain." Zu mehr war Spock nicht in der Lage. Seine
momentane Gemütsverfassung, der Zwiespalt, der ganze Ärger des Tages und Jims
warmer Körper, der sich an seinen schmiegte und den er zu gerne in die Arme
nehmen würde, hatten ihn derart aus der Fassung gebracht, dass er glaubte,
seine Stimme würde ihn verraten. Er kämpfte gegen die Empfindungen, die Jims
Nähe in ihn auslösten und die seinen vorhin gefassten Entschluss arg ins Wanken
geraten ließen.
"Spock, äh" begann Jim und stockte, fuhr aber schließlich fort
"es tut mir leid"
"Was tut Ihnen leid" erwiderte Spock wohlwissend, was Jim
meinte. Aber so leicht würde er es Jim nicht machen.
"Na, sie wissen schon, Spock" gab Jim lapidar zurück. Er war es
einfach nicht gewohnt, sich zu entschuldigen. Warum konnte Spock seine
Entschuldigung nicht einfach so annehmen. Sonst hatte er doch auch keine
Probleme damit. Aber immerhin - Spock wies ihn nicht wieder zurück, wie am
Nachmittag. Nachdenklich spielte Jim mit Spocks Brusthaaren und wickelte sich
ein Haarbüschel um den Finger, wickelte es wieder aus und begann von vorne.
Spock zog zischend die Luft ein, atmete hörbar aus und legte seine Hand auf
Jims Finger, um der Überreizung seiner Sinne vorzubeugen.
"Tue
ich das, Captain? Ich befürchte, Sie
müssen deutlicher werden"
"Ach kommen Sie Spock, Sie wissen genau, was ich meine."
"Vielleicht! Vielleicht aber auch nicht. Ich würde es jedoch vorziehen,
keine Mutmaßungen anstellen zu müssen."
Es hatte den Anschein, als wäre dies Spocks höchstpersönliche Art, Jim zu
bestrafen. Erst der Ärger, dann die Kälte und Missachtung und nun musste er
sich auch noch total outen. Aber hatte er es nicht verdient? Und was wäre
schlimmer? Einmal über seinen eigenen Schatten zu springen oder weiterhin
Spocks Missbilligung zu ertragen? Alles, nur nicht letzteres. Sonst konnte er
seine Pläne völlig vergessen und wer weiß, wie lange er Spocks abweisende Kälte
dann noch ertragen müsste. Er wusste, Spock konnte sehr störrisch und
ausdauernd sein.
"Sie hatten Recht Spock. Ich hätte auf sie hören sollen. Es tut mir leid,
dass ich ihre Warnungen ignoriert habe. Es tut mir leid, dass ich diesen
Nachmittag versaut habe" erklärte Jim schließlich.
"Es tut ihnen leid?" echote Spock mit einem ironischen, leicht
verächtlichen Unterton in der Stimme. Eigentlich war es keine Frage, sondern
eine zweifelhafte Feststellung.
"Ja, Spock"
"Es tut ihnen leid, dass sie abgestürzt sind?"
"Ja"
"Es tut ihnen leid, dass Sie 63,43% unserer Ausrüstung versenkt haben?"
"Sagte ich doch schon"
"Und es tut Ihnen leid, dass Sie mich gezwungen haben, in das 11,3 Grad
Celsius kalte Wasser zu springen?"
"Ja, Spock, ja, ja"
"...dass ich 31,2 Minuten nach unseren Ausrüstungsgegenständen getaucht
bin und gerade mal 8,48% der von ihnen versenkten 63,43% gefunden habe? Und
das, obwohl Sie wissen, dass ich Wasser, insbesondere kaltes, sehr kaltes
Wasser verabscheue?"
"Natürlich Spock. Ich hatte nicht die Absicht, sie baden zu schicken"
"Und dass sich unter diesen Ausrüstungsgegenständen auch ihr Schlafsack
befindet und wir uns deshalb meinen teilen müssen?" fuhr Spock ungerührt
fort. Er merkte, dass er so langsam in Fahrt kam und sich die aufgestauten
Emotionen ihren Weg an die Oberfläche bahnten.
"Wenn ich es mir recht überlege, tut mir dieser Teil nicht leid. Ist doch
recht gemütlich und kuschelig" warf Jim unschuldig ein.
"Bitte?" Spock glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Unter anderen
Umständen wäre diese Bemerkung genau die, welche Spock dazu veranlasst hätte,
die Initiative zu ergreifen und dieser freundschaftlichen Beziehung eine andere
Richtung zu geben. Jetzt aber glaubte Spock eher an einen für Jim
typischen Scherz. Und auf dieses, für ihn ernstes Thema mit Scherzen zu
reagieren, trug nicht gerade dazu bei, Spocks Stimmungstief zu heben. Und genau
das
brachte Spock deutlich zum Ausdruck. "Unter anderen Umständen würde ich
ihre Bemerkung willkommen heißen, jetzt aber bin ich für Ihre Scherze nicht
sehr empfänglich. Wenn sie also bitte nicht den Ernst der Lage verkennen
würden."
"Tschuldigung! Aber ehrlich Spock - es tut mir leid, dass ich meinen
Rucksack verloren habe. Mir wäre es auch lieber, wenn wir noch unsere
Ausrüstungsgegenstände hätten und für mich ein paar Klamotten zum
wechseln."
"Zum Teufel mit der Ausrüstung, Jim. Um die geht es doch gar nicht, denn
die ist ersetzbar. Es geht hier einzig und allein um Sie." Spock hatte
genug. Alles in ihm drängte danach, sich Luft zu verschaffen und Jim klar zu
machen, worum es ihm ging. Er wusste, dass seine Reaktion unvulkanisch
und emotionsbehaftet war, aber das war ihm jetzt egal. Er war mit Jim alleine
und es gab keinen Grund vor Jim den emotionslosen und beherrschten Vulkanier zu
spielen. Das würde Jim ihm sowieso nicht abnehmen.
"Um mich?" fragte Jim erstaunt. Er glaubte bisher Spock sei sauer auf
ihn, weil er die Gegenstände verloren hatte und er sich den Schlafsack mit Jim
teilen musste. Wie konnte er nur so blind sein. Natürlich musste mehr
dahinterstecken. Wegen ein paar Gegenständen würde sich Spock nie so aufregen.
"Ja, um Sie Jim. Ihnen scheint nicht klar zu sein, dass Sie mal wieder
leichtsinnig Ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Sie hätten sterben
können" stieß Spock zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Allein die
Vorstellung dessen, was hätte passieren können, verschlug ihm den Atem.
"Ich weiß Spock. Ich hätte auf Sie hören sollen. Ich habe Sie mächtig
erschreckt, nicht? Aber zum Glück waren sie ja da - wie immer. Danke mein
Freund" Jims Stimme wirkte nun nicht mehr so sicher. Er machte nun eher
einen zerknirschten Eindruck.
Wie um seine Dankbarkeit zu untermalen, zog er seine Finger unter Spock Hand
hervor und wanderte ein Stückchen nach oben. In Höhe von Spock Schlüsselbein
stoppte er und fing instinktiv an mit seinem Daumen über die Haut zu
streichen. Er war sich dessen gar nicht bewusst, sondern folgte einfach nur
seinem Gefühl.
Spock hielt die Luft an. Jim brachte seinen vorhin gefassten Entschluss arg ins
Wanken. Entweder er teilte sich ihm jetzt mit oder er würde es nie tun. Er
ignorierte das Kribbeln, welches sich in seinem Körper breit machte mit einiger
vulkanischer Disziplin und entschloss sich, erst einmal seine Lungen mit Luft
zu versorgen.
"Genau darum geht es, ja Jim. Ich war wieder mal da. Das berufliche Risiko
kann ich akzeptieren und es ist zum größten Teil kalkulierbar. Aber das Risiko,
welches Sie in Ihrer Freizeit eingehen, entzieht sich jeglicher Vorhersage.
Eines Tages kann ich Ihnen vielleicht nicht helfen oder ich komme zu spät oder
ich bin gar nicht erst da. Jim, ich glaubte bisher nicht,
das ich als Vulkanier so viel Phantasie entwickeln könnte. Aber in meiner
Phantasie male ich mir detailliert aus, wie eine Ihrer diversen unlogischen
Freizeitaktivitäten enden könnte und wie ich davon erfahre. In meinen
Vorstellungen sitze ich ahnungslos auf der Brücke der Enterprise, wenn der
Doktor oder Lt. Uhura die Nachricht über Ihren tragischen Tod entgegen nimmt
und anschließend versucht, mir dies schonend beizubringen. Oder ich sehe
Sie vor meinen Augen in die Tiefe stürzen, weil ich Sie nicht schnell genug
erreichen konnte. Jim - es ist ein Alptraum. Ich kann nicht 24 Stunden um Sie
herum sein und den Babysitter spielen."
Nach diesem Monolog atmete Spock erst einmal erleichtert aus und wartete die
Reaktion seines Captain ab. Er wollte wissen, was er dazu zu sagen hatte, bevor
er den letzten Schritt wagte und ihm seine Zukunftspläne mitteilte.
"Spock...ich.." Jim war erschüttert. Noch nie hatte er Spock so
voller Leidenschaft reden hören. Seine kleinen Eskapaden mussten ihm wirklich
hart an die Nieren gehen. Jim hätte nie gedacht, dass er Spock damit derart
verletzen konnte. Darüber hatte er nie nachgedacht. Spock war immer an seiner
Seite, immer der Helfer und Retter in der Not. Hatte er ihm wirklich zuviel
zugemutet, in dem er dies schon als Selbstverständlichkeit hinnahm?
"Ich bin sprachlos, Spock. Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll. Von
dieser Seite habe ich es noch nie betrachtet."
"Das war mir durchaus klar, Captain. Sie sind ein Abenteurer, ich bin es
nicht, jedenfalls nicht auf diese Art. Ich sagte bereits, dass ich sie nicht
rund um die Uhr beschützen kann. Dennoch habe ich bisher alles in meiner
Macht stehende getan, um genau dies zu tun. Unter diesen Bedingungen kann
ich jedoch nicht weitermachen. Es übersteigt auf Dauer meine mentalen
Fähigkeiten. Ich bin nicht bereit, mit anzusehen, wie meine Visionen eines
Tages wahr werden."
Jim hatte ein flaues Gefühl im Magen. Er spürte, dass Spock versuchte etwas zu
sagen, was ihm nicht gefallen würde. Noch hatte er es nicht ausgesprochen, aber
er würde es sicher noch tun.
"Spock?" fragte Jim ängstlich " was wollen Sie mir damit
sagen?"
Spock holte noch einmal tief Luft, um sich zu sammeln, bevor er das
Unvermeidliche, wie er empfand, aussprach. Er glaubte, es würde ihm sein
vulkanisches Herz zerreizen, noch bevor er die Worte gesagt hatte.
"Sie haben mich immer respektiert, so wie ich bin. Im Gegensatz zu vielen
anderen haben Sie nie versucht, mich zu ändern oder etwas von mir verlangt, was
ich nicht erfüllen kann. Auch ich respektiere was Sie sind, wer Sie sind
und wie Sie sind. Es liegt mir fern, Ihre Natur ändern zu wollen. Die einzig
logische Konsequenz ist, getrennte Wege zu gehen, damit jeder so leben kann,
wie es seiner Natur entspricht. Jim, wenn wir wieder zurück auf der Enterprise
sind, werde ich meine Versetzung beantragen"
So, jetzt war es raus. Spock fühlte sich elendig. Er hätte nie gedacht, dass es
einmal so weit kommen würde, aber er sah keinen anderen Weg. Von Jim getrennt
zu sein, würde schmerzhaft sein, aber besser, als machtlos zuzusehen, wie Jim
eines Tages gewaltsam von ihn getrennt werden würde. Er wollte auf keinen Fall
dabei sein, wenn das passierte.
"Nein" hauchte Jim "Nein, nein! Das kann doch nicht Dein Ernst
sein"
Das flaue Gefühl in seinem Magen verstärkte sich und er spürte Übelkeit in sich
hochsteigen. Er war sich nicht bewusst, dass er die persönliche Anrede benutzt
hatte und wenn, wäre es ihm auch egal gewesen. Er hielt Spock nun mit beiden
Händen an den Schultern fest und klammerte sich regelrecht an ihn. Er konnte
sich nicht des Eindrucks erwehren, dass es hier um mehr ging, als nur den
Verlust eines Freundes. Es ging um seine eigene Zukunft, um seine Existenz.
"Du willst mich verlassen, Spock. Das kannst du doch nicht tun.
Unmöglich" Jims Stimme wechselte von Entsetzen über Erstauen bis hin zum
Flehen und alles in einem Satz.
Jims Stimme zeriss Spock abermals sein vulkanisches Herz. Er fragte sich, in
wie viel Stücke es wohl reißen könnte und ob es jedes Mal so weh tat. Er
wünschte sich, es würde eine andere Lösung geben.
"Jim, es ist das beste für uns beide. Du kannst so Dein Leben leben, wie
du es dir vorstellst ohne auf mich Rücksicht nehmen zu müssen und ich lebe
friedlicher und zufriedener, ohne die ständige Angst um Dein Leben und dem
Gefühl der Machtlosigkeit. Es wird für uns beide zu Anfang ungewohnt und auch
schmerzhaft sein, aber wir werden uns daran gewöhnen. Und irgendwann sehen wir
uns sicher wieder." Auch Spock war nun zur persönlichen Anrede gewechselt.
Er hielt es unter den Umständen für angebracht, zumal Jim damit angefangen hat,
was er wohl registrierte.
"Ich will dich aber nicht irgendwann wiedersehen. Ich will nicht, dass du
mich verlässt" stieß Jim mit schmerzlicher Stimme trotzig hervor.
"Das Wort `Verlassen` ist nicht korrekt Jim. Dieses Wort impliziert ein
Verhältnis, welches wir nicht haben. Wenn mich meine Kenntnis der terranischen
Sprache nicht täuscht, wird das Wort `verlassen` nur im Zusammenhang mit dem
einseitigen Trennungsentschluss eines Individuums innerhalb einer intimeren
Beziehung gebraucht. Da wir keine intime Beziehung oder ähnliches zueinander
haben, kann ich dich somit auch nicht verlassen."
"Ha! Zur Zeit leider nicht. Aber ich bin sicher, wir hätten irgendwann
eine" konterte Jim herausfordernd. Jetzt musste er alles in die Waagschale
werfen. Was hatte er noch zu verlieren?
"Vielleicht" antwortete Spock traurig "Ich möchte es nicht
ausschließen. Zur Zeit aber sind wir in keiner Weise miteinander liiert, außer
freundschaftlich."
"Für mich ist es das gleiche. Der Wunsch nach einer tieferen, auch intimen
Beziehung reicht für mich aus, um von `Verlassen` zu sprechen. Du willst mich
verlassen und ich werde alles tun, um das zu verhindern. Und wenn du dafür eine
intime Beziehung brauchst, nur damit wir von der gleichen Sache reden, dann
kann ich sofort dafür sorgen. Ich habe nichts zu verlieren, außer
dich" entgegnete Jim
Und ohne Spock die Zeit zum antworten zu lassen, presste er seine Lippen auf
die des Vulkaniers. Mit der Kraft eines Verzweifelten drängte er Spocks Lippen
auseinander und eroberte mit seiner Zunge Spocks heiße Mundhöhle. Er suchte
stürmisch Spocks Zunge und fing leidenschaftlich an, daran zu saugen und mit
ihr zu spielen. Fast selbständig wanderten Jims Hände über die Brust des Vulkaniers
bis zu dessen flachen Bauch und wieder nach oben. Jims Hände waren überall. An
Spocks Ohren, in seinen Haaren, kniffen zärtlich in seine Brustwarzen und
wanderten seinen Körper entlang.
Spock stand augenblicklich in Flammen. Er hatte der Leidenschaft seines Captain
nichts entgegenzusetzen. Sein Verstand setzte förmlich aus und er stöhnte laut
auf. Wie von selbst glitten seine Hände Jims Rücken entlang und
pressten ihn mit stählernem Griff gegen seinen nunmehr hochgradig erregten
Körper.
"Du bist ja wahnsinnig" flüsterte Spock in einer Atempause zwischen
zwei Küssen.
"Ja, wahnsinnig bei den Gedanken, dich zu verlieren. Wahnsinnig bei den
Gedanken, dich nicht lieben zu können und nie die Gelegenheit zu haben, es dir
zu sagen" murmelte Jim gegen Spocks Lippen und setzte seine
Erkundungen
augenblicklich fort.
Und Spock gab sich dem hin und erlaubte sich den anderen Traum zu leben. Den
Traum, den er neben dem Alptraum auch immer wieder träumte, von dem er aber
glaubte, dass er nie Realität werden würde. Bei seinem Alptraum, war er sich
dessen nie sicher gewesen. Er wusste, dass seine Alpträume Realität werden
konnten und wollte ihnen entfliehen. Aber nun? Vielleicht sollte er seine
Entscheidung nochmals überdenken. Es waren neue Parameter hinzugekommen.
Aber nicht jetzt - Morgen, wenn er wieder klar bei Verstand sein würde - falls
das jemals geschehen sollte.
,,,,,,,,,,
Am nächsten Morgen wurde Spock von einem zärtlichen Kuss geweckt.
"Guten Morgen Spock", begrüßte Jim ihn.
"Morgen Jim" antwortete Spock schläfrig mit noch geschlossenen Augen.
Jim zeichnete zärtlich mit einer Fingerspitze Spocks geschwungene Augenbraue
nach, bis Spock seine Hand festhielt.
"Wenn du deine Hände nicht bei dir behältst, kommen wir innerhalb
der nächsten Stunde nicht aus dem Schlafsack heraus."
"Nun, ich habe nichts besseres vor - und du?"
"Ich auch nicht"
"Heißt das, das du mich nicht verlassen wirst?", fragte Jim etwas
ängstlich.
"Da nun die von dir benutzte Terminologie stimmt, kann ich nur sagen, dass
ich darüber noch nicht weiter nachgedacht habe."
"Nicht nachgedacht? Spock, bitte! Ich muss es wissen!"
"Außer, dass wir nun offensichtlich neben der freundschaftlichen auch eine
sexuelle Beziehung haben, hat sich an meiner Einstellung nicht viel geändert.
Allerdings habe ich meinen Entschluss unter anderen Voraussetzungen getroffen.
Diese Voraussetzungen sind nun nicht mehr gegeben."
"Was für Voraussetzungen?" wollte Jim neugierig wissen
"Dass wir keine intime Beziehung zueinander haben."
"Und was ändert das deiner Meinung nach?"
"Sehr viel, Jim. Ich wusste von Anfang an, dass, wenn ich dich einmal in
meinen Armen halten würde, ich nicht in der Lage wäre, dich je wieder
loszulassen."
"Heißt das, du bleibst bei mir?"
"Ja, unter einer Bedingung"
"Die da wäre?"
"Keine lebensgefährlichen Abenteuer mehr in deiner oder unserer Freizeit
ohne meine Erlaubnis"
"Oh, Oh. Ich sehe schon. In Zukunft werde ich mit Bauklötzern
spielen"
"Bauklötzern?"
"Ist egal, Spock. O.k. einverstanden"
"Versprich es"
"Versprochen, hoch und heilig. Bei meiner Ehre"
"Gut. Und jetzt komm her"
Jim beugte sich etwas näher zu Spock herunter, worauf dieser Jims Kopf zu sich
herunterzog und ihn leidenschaftlich küsste.
"Ich liebe dich" murmelte Jim zwischen zwei Küssen.
Das leidenschaftliche Funkeln in Spocks dunklen Augen, verriet Jim mehr, als
Worte es je könnten. Aber irgendwann, irgendwann einmal würde Jim Spock auch
noch diese drei kleinen Worte entlocken. Er hatte Zeit, viel Zeit.
Ende