Titel:                Schönheit ist relativ…2

Autor:              Lady Charena

Serie:               Adelheid und ihre Mörder

Paarung:           Pohl

Rating:             PG, Humor, Travesty

 

Summe:            Hauptkommissar Strobl schickt Pohl auf einen Sondereinsatz der ganz besonderen Art. Fortsetzung zu „Schönheit ist relativ

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Songtext aus „Bei mir bist du schön“ von den Andrew Sisters.

 

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You're really swell, I have to admit you
deserve expressions that really fit you
And so I've racked my brain, hoping to explain
All the things that you do to me

Bei mir bist du schön, please let me explain
Bei mir bist du schön means you're grand
Bei mir bist du schön, again I'll explain
It means you're the fairest in the land

I could say "Bella, bella", even say "Wunderbar"
Each language only helps me tell you how grand you are

I've tried to explain, bei mir bist du schön
So kiss me and say you understand
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In düstere Gedanken versunken starrte Pohl in sein mit irgendeinem bunten, klebrigen Zeugs gefülltes Glas.

 

Der Kleber mit dem die falschen Wimpern an seinen Lidern befestigt worden waren, juckte schrecklich und er musste die ganze Zeit zwinkern, um nicht zu kratzen, was die Dinger nicht ausgehalten hätten. Die Kollegin von der Sitte, die ihn zurecht gemacht hatte, bestand darauf, dass ihm grüner Lidschatten besonders gut stehen würde, obwohl Pohl – sich unglücklich im Spiegel betrachtend – davon überzeugt war, dass ihn diese Farbe viel zu blass aussehen ließ. Außerdem brannten seine Augen von den verhassten Kontaktlinsen, die ihm Marion letztes Jahr aufgeschwatzt hatte. Ohne seine Brille kam er sich einfach nackt vor.

 

Er schob den Träger des rosafarbenen Taftkleides zurück auf seine knochige Schulter und vertiefte sich in seine neue Lieblingsbeschäftigung – nämlich sich eine besonders grausame Mordmethode auszumalen, mit der er seinen Chef ins Jenseits schicken würde. Nachdem er zuerst mit der Idee geliebäugelt hatte, Strobl einfach vor die nächste S-Bahn zu schubsen, war er inzwischen zu weitaus raffinierteren Plänen übergegangen. Im Augenblick brütete er über der Vorstellung, Strobl an die Heizungsrohre in seinem Büro zu ketten und mit der Dauerschleife von „Azzuro“ zu Tode zu foltern. Das hatte doch damals mit einem Mordverdächtigen auch ganz gut geklappt. Der hatte alles gestanden, nur den Mord nicht, aber gut, den hatte er dann ja tatsächlich auch nicht begangen. Auch wieder so ein Fall, den Frau Möbius gelöst hatte. Verdammt, das war wirklich ein Problem. Wenn der Chef einen „bedauerlichen Unfall“ erlitt, würde sie ihre neugierige Nase hineinstecken und natürlich den Fall lösen.

 

Pohl seufzte aus tiefstem Herzen. Er hasste sein Leben. Er hasste seinen Chef, der ihn dazu gezwungen hatte, an diesem Einsatz teilzunehmen – nur ein weiteres, demütigendes Ereignis in einer langen Kette demütigender Ereignisse. Er spielte unglücklich mit dem Glitzer-Frucht-Spießchen, das in seinem Drink stak. Nicht mal was trinken konnte er. Zum einen hatte Strobl ihn streng ermahnt, nüchtern zu bleiben, um den Einsatz nicht zu verpatzen, zum anderen hatte er Angst, der grellrote Lippenstift könnte verlaufen. Zumindest behauptete das Marion immer, wenn sie während eines Restaurantbesuchs zum Nachschminken auf die Toilette verschwand.

 

„Hey, darf ich mich zu dir setzen?“

 

Die tiefe Stimme, die ihn plötzlich ansprach, riss Pohl abrupt aus seinen Gedanken. Er zuckte zusammen und stieß dabei sein Glas um. Sein Herz schlug bis zum Hals, als er aufsah. Genau das hatte er befürchtet und dabei hatte er sich solche Mühe gegeben, besonders unattraktiv und vor allem unauffällig zu wirken. Genau deshalb hatte er sich auch diese düstere Ecke ausgesucht. Bevor er verneinend den Kopf schütteln konnte, hatte sich der stämmige Mann bereits zu ihm gesetzt. Pohl setzte eine abweisende Miene auf. Zumindest hoffte er, dass er das tat, obwohl er sich sicher war, dass er eher wie ein verschrecktes Kaninchen vor der Schlange wirkte.

 

„Ich bin der Jochen. Und du musst neu hier sein.“

 

Pohl räusperte sich. „Äh... ja“, krächzte er. „Ich bin neu. Ich bin...“ Ihm fiel so schnell nichts ein. „Pohl.“

 

„Hallo Pohl.“ Der andere lächelte und schien seine Verlegenheit nicht zu bemerken. „Das ist wohl dein erster Ausflug in diese Welt, was?“, fragte er.

 

Pohl glaubte so etwas wie Mitgefühl in den braunen Augen des anderen Mannes zu lesen. „Äh... ja... also... ich meine, ich...“, stotterte er.

 

„Hey, ganz ruhig. Keine Panik.“ Der Fremde hob beide Hände. „Bei mir bist du sicher, ich tu dir nichts.“ Er beugte sich ein wenig vor und Pohl wich zurück. „Außerdem hab ich ein Faible für Jungfrauen.“

 

Pohl schoss das Blut in die Wangen. Er überlegte krampfhaft, wie er aus dieser peinlichen Situation wieder rauskommen sollte. Andererseits konnte der Mann, der ihm gerade die Hand auf den Oberschenkel legte, sehr wohl der Kontakt sein, den er hier treffen sollte. Meier hatte ihm eingeschärft, sich kooperativ zu zeigen. Sie waren schon seit einiger Zeit hinter einem Verbrecherring her, der Raubkopien mit Transvestiten-Pornos vertrieb. Und zwar gingen die Verkäufer ähnlich wie Rosenverkäufer vor, indem sie potentielle Käufer in einschlägigen Etablissements ansprachen. Aber bislang war es noch keinem Polizisten in Zivilkleidung gelungen, einen Kontakt herzustellen. Irgendwie schienen die Verkäufer stets zu wissen, wen sie vor sich hatten. Und so versuchten sie es jetzt mit einem angeblichen Kunden, der offensichtlich die Neigung der anderen Anwesenden teilte.

 

Er versuchte, sich ins Gedächtnis zu rufen, was ihm Meier eingeschärft hatte, was er zu antworten hatte. Aber irgendwie fiel ihm nichts mehr ein. „Ähem... ich.... also... sehr freundlich“, murmelte er. „Ich bin hier wegen... also wegen... ähem... Filmen...“ Er senkte die Stimme noch mehr, so dass das letzte Wort in dem sie umgebenden Gemisch aus Stimmen und Musik fast unterging.

 

Der andere schüttelte den Kopf. „Darüber sollten wir hier nicht sprechen“, meinte er mit einem verschwörerischen Blick und zwinkerte Pohl zu. „Aber ich kenne einen Ort ganz hier in der Nähe, an dem wir uns ungestört unterhalten können.“ Er stand auf und streckte auffordernd die Hand aus.

 

Zögernd griff Pohl danach und ließ sich auf die Beine ziehen. Er stolperte auf hohen Absätzen hinter ihm her und hoffte, dass sein Ausschnitt nicht verrutschte und das Mikrophon zum Vorschein kam. Und vor allem hoffte er inbrünstig, dass seine Kollegen bald auftauchten und ihm diesen Kerl vom Hals schafften!

 

Sie folgten einem schmalen, von Zigarettenrauch grauen Gang und standen dann plötzlich vor einer Metalltür. Der Mann öffnete sie und sie traten in einen mit Müllcontainern und anderem Abfall vollgestellten Hinterhof.

 

Pohl schluckte als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. „Also...“, begann er zaghaft, doch noch bevor er mehr sagen konnte, fand er sich gegen das kalte Metall gepresst, während eine Hand seinen Oberschenkel tätschelte und sich langsam in Richtung Schritt vortastete. „Also wirklich... ich meine... nicht... lassen Sie das... Bitte...!“ Er wühlte hastig in der Handtasche, mit der er ausgestattet worden war. „Ich bin... ich bin von der Polizei!“, brachte Pohl schließlich heraus. Und fast gleichzeitig fand er seinen Dienstausweis und zückte ihn.

 

Der andere Mann wich zurück, starrte den Ausweis an und grinste dann breit. „Ach du Scheiße“, meinte er überrascht und begann zu lachen. „Ein Bulle.“ Er hob beide Hände und wich noch einen Schritt zurück. „Nichts für ungut“, sagte er. „Und noch ne schöne Nacht.“

 

Bevor Pohl reagieren konnte, sprang der Mann auf einen der Müllcontainer und hangelte sich über die Mauer. Als seine Kollegen endlich eintrudelten, war der Verdächtige schon längst verschwunden.

 

* * *

 

Zwei Tage später schlug Pohl morgens die Zeitung auf und fiel fast in Ohnmacht, als er die Schlagzeile las: „Transvestiten bei der Hamburger Polizei! Lesen Sie exklusiv über die Erfahrungen und überraschenden Begegnungen unseres Reporters Jochen Thiel.“ Einige Zeilen weiter unten entdeckte er ein Archivfoto von sich. Pohl seufzte. Wie sollte er das nur Marion erklären...?

 

 

Ende