"Turkeying Out"

 

von Jimaine

 

 

post-ep "The Yalu Brick Road" ("War's der Truthahn?")

 

Total nicht-PWP, geschrieben als Antwort auf den freitäglichen

5-min-Challenge vom Fourth of July.

War keine leichte Übersetzung, muß ich gestehen.

 

Rating: PG

Pairing: Hawkeye/B.J.

Archiv: im Fanfiction Paradies und in meinem Sumpf unter

http://tostwins.slashcity.net/jimaine.htm

Disclaimer: Mir gehört nichts, alles gehört FOX, alle elf Staffeln (und ich

hasse sie dafür!), somit leihe ich mir die Charaktere nur für etwas

harmlosen Spaß aus. Es werden keinerlei Profite damit gemacht.

 

 

************

 

 

"Frei?" Hawkeyes Stimme steigt eine Oktave innerhalb einer einzigen Silbe,

diesem Wort, das er wiederholt, nur um es bestätigt zu bekommen. Vielleicht

hat er sich verhört. Innerlich gratuliert er sich für die Leistung, eine

maximale Menge Verachtung in nur drei Phoneme zu stecken. "In diesem Krieg

ist niemand frei und nichts umsonst, Beej, es sei denn, man hat eine

Vorliebe für das Alphabet des Grauens. Amputationen, Blut, Cholera, Dreck,

Eiter, Fäulnis, Grausamkeiten, et cetera, et cetera, bis hin zu Ruhr,

Sepsis, Tod, Unmenschlichkeit, Verstümmelung... Gefolgt von endlosem Weinen.

Damit hört man kaum noch auf. Jeder mit Dogtags bekommt das Alphabet für

umsonst, jeden Tag mehrmals."

 

"Alkohol, Bettwanzen, Chinesen, Durchfall", beginnt B.J. von vorne, "und

nicht zu vergessen das *Essen*..." Angesichts des nicht kleiner werden

wollenden Berges von Emaille kann er seinen vorgetäuschten Enthusiasmus

nicht am Absinken hindern.

 

"Wie könnte ich das vergessen?" seufzt Hawkeye.

 

Der Nachteil, zwei der fünf einzigen noch gesunden Personen im Camp zu sein,

ist daß sie die Arbeit von vielen verrichten müssen, und während Charles

kaum mit der Wäsche nachkommt, führen Margaret, der Father und auch sie

beide einen erbitterten Kampf gegen die Horden von Salmonella, dem Hunnen,

Cousin von Salmonella, der Henne.

Oder besser Truthahn.

Glücklicherweise war ihnen das faule Geflügel erspart geblieben.

 

"Seit meinem ersten Praktikumsjahr habe ich nicht mehr so viele Bettpfannen,

Spucknäpfe und Eimer geleert. Da hatten wir einen ganzen Kindergarten in der

Notaufnahme  die Kleinen hatten auf einer Grillparty salmonellenverseuchten

Kartoffelsalat gegessen. All das hier wegen ein paar faulen Truthähnen..."

 

Ohne mit seinem rhythmischen Schrubben und Spülen aufzuhören, nickt B.J.;

von dort, wo Hawkeye steht, ist es nur ein schwaches Auf und Ab des

aschblonden Kopfes, doch erhascht er einen Blick auf das Lächeln unter dem

Schnurrbart.

 

"Yeah, warum sind wir jemals zurückgekommen? Und hatten wir uns nicht

geeinigt, das T-Wort für mindestens einen *Monat* nicht zu benutzen?"

 

"Entschuldige...ich werde meine Zunge vor ein Kriegsgericht stellen. Weißt

du, wir hätten uns wirklich verfahren sollen", brummt Hawkeye düster.

"Hättest du nicht die Ausfahrt in die Mongolei nehmen können?"

 

B.J. seufzt und zuckt mit den Achseln. "War nirgendwo

ausgeschildert...außerdem bin ich zu schnell gefahren."

 

"Darüber will ich mich gar nicht mit dir streiten. Das war Fahren mit

Überschall.  Igitt." Er stellt zwei weitere verkrustete Schalen ab. "Man

sollte meinen, sie alle hätten ihre Mägen schon dreimal umgekrempelt. Aber

offenbar sind wir vom Ende noch weit entfernt. Keine Rast für die

Ruchlosen."

 

"Ah, dieser Optimismus, SchatzŠ" B.J. schneidet eine Grimasse und fächert

sich mit einer Hand Luft zu, doch das Lächeln kehrt umgehend zurück.

"Außerdem sehe ich gerne zu, wie du dir die Hände schmutzig machst."

 

"Besser als das Opfer deiner schmutzige Phantasie zu sein."

 

"Das kommt später."

 

Hawkeyes Gesichtszüge lockern sich, seine Vorfreude deutlich sichtbar.

"Uh-huh. Ist das ein Versprechen?"

 

"Klar. Denn wie ich Margaret kenne, wird sie Charles noch die ganze Nacht

Bettlaken und Handtücher waschen lassen."

 

"Wie ich Margaret kenne, wird sie sicherstellen, daß wir am Waschzuber

direkt neben ihm stehen!"

 

"Ah, aber uns *mag* sie!" B.J. schiebt eine nasse Hand unter das Hemd seines

Partners und bewegt sie in langsamen, eindringlichen Kreisen den Rücken

hinauf. Berührt ihn nur mit den Fingerspitzen...hinterläßt Gänsehaut.

 

"Nicht genug, um uns vom Haken zu lassen, fürchte ich." Hawkeye lehnt sich

nach vorne, stützt sich auf den Klapptisch und läßt, nur für einen Moment,

den Kopf hängen. Die Versuchung ist stark, es fehlt nicht mehr viel, bevor

er nachgibt; zu gerne würde er in die Berührung hineinlehnen, ohne Rücksicht

auf neugierige Blicke. Nicht daß es davon welche gibt, jedenfalls nicht

außerhalb des Wachsaals. "Mein Rücken fühlt sich an wie ein Minenfeld

verspannter Muskeln..."

 

"Yeah, eine ganz schöne Menge Knoten hier." Nicht überraschend, wenn man

bedenkt, daß sie seit zwanzig Stunden ununterbrochen auf den Beinen sind.

Jetzt wandelt sich das Streicheln der Finger von 'mitfühlend' zu

'verführerisch'. "Soll ich mich dieses Problems annehmen?"

 

"Und wie willst du das anstellen? Mit Handauflegen und Gebeten?"

 

"Gebete sind der Job des Padres, nicht meiner, aber ich fürchte, er ist im

Moment auch recht beschäftigt."

 

"Ist er das?" hakt Hawk spöttisch nach. "Dann möchte ich dem ganzen ein

'Gott, ich will, daß das alles ein Ende hat' hinzufügen."

 

"Du steigst also über Mulcahys Kopf *und* seinen Rosenkranz? Du schlimmer

Junge."

 

Wie Hawkeye sich aufrichtet, drückt er gegen B.J.s Hand, die zwischen seinen

Schulterblättern liegt. Es schmerzt so schön... "Vom Feinsten." Ein

weiteres Hol's-der-Teufel-Grinsen. Er kann sich vorstellen, wie die Hand

anderswo hinwandert...und die andere Hand mitmacht...seinen Körper

stundenlang verwöhnt. Zeit, die sie nicht haben. Die Hand fällt von ihm ab,

seine Haut kribbelt mit Verlangen. Er öffnet die Augen und dreht sich um.

"Beej..."

 

"Yeah."

 

"Wohin gehst du?"

 

"In den Sumpf. Mal sehen, ob die Bar noch geöffnet ist."

 

"Gesellschaft gefällig?"

 

"Klar. Willst du?"

 

Das Lächeln wird breiter  zu fröhlich, zu heiter  und da ist ein

schelmisches Funkeln in den kobaltblauen Augen. "Manchmal bis an den Punkt

der Besessenheit." Er macht einen Schritt vorwärts; B.J. begegnet ihm auf

halber Strecke. Wo er zuvor noch gezögert hat, ist er nun entspannt, genießt

den kurzen Moment, den er festgehalten wird. Da ist eine Spur von Salz auf

der weichen Haut von B.J.s Hals...hungrig macht er sich auf die Suche nach

mehr. Die Bartstoppeln, an denen sich sein Haar verfängt, sind von der

gleichen weißgoldenen Farbe wie der Strand, den er so bald nicht wiedersehen

wird. Statt dessen ist er hier, in diesem Rattenloch, wo Schwarz Weiß ist

und Weiß Schwarz und alles dazwischen und Prinzipien tagtäglich verändert

und umgekehrt werden. Der Krieg schafft die seltsamsten Bettgefährten.

Vertrauen ist schon seit langem viel wichtiger als Monogamie. "Meinst du,

Peg hätte etwas dagegen, wenn du mich als Souvenir mitbringst?" Ah, wieder

einmal benutzt er physischen Optimismus, um sich emotionales Wohlbefinden zu

verschaffen. Man sollte Ärzten nicht vertrauen, die sich selbst behandeln,

aber dieses einfache Rezept wirkt jedes Mal aufs Neue.

 

"Das würde sie vermutlich. Aber Erin hätte bestimmt nichts gegen einen

kleinen Bruder."

 

"Einen kleinenŠ?" Mit einer Hand greift er nach unten und zwickt B.J. in den

Hintern.

 

"Autsch!"

 

"Das war für die altersfeindliche Bemerkung, Truthahn!"

 

"Ah, da war schon wieder das T-Wort!"

 

"Und ich bin bereit, meine Strafe entgegenzunehmen, Captain Hunnicutt."

 

"Ich auch." Und es wird zweifellos eine angenehme Strafe werden,

vorausgesetzt daß das ganze Schrubben Hawks Phantasie nicht ebenso

verschrumpelt hat wie seine Hände. Langsam reibt der schmalere Körper gegen

ihn, nimmt einen Rhythmus auf. "Weißt du, du klingst mehr wie eine Katze als

wie ein Falke."

 

Mit geschlossenen Augen schmiegt sich Hawkeye in seine Seite, wie immer paßt

er perfekt dorthin, und knabbert mit einem kleinen Knurren an seinem

Ohrläppchen. "In dem Fall bist du Katzenminze."

 

B.J. entweicht ein Stöhnen. "Uh, sprich' jetzt bitte nicht von Essen." Dann

dreht er den Kopf, bedeckt Hawkeyes Lippen mit den seinen und legt seine

Hände an die vertrauten Stellen. "Außerdem suche ich gerade in den

Supermarktregalen nach etwas anderem."

 

"Ich denke, ich weiß ganz genau, was auf deiner Einkaufsliste steht."

 

"Ah, und führt der Laden dieses bestimmteŠProdukt?"

 

Ungesehen von B.J. kehrt das Lächeln auf Hawkeyes müdes Gesicht zurück. Er

hebt eine Hand und flechtet seine Finger in B.J.s Haar, bringt ihre Körper

an den Stellen wieder zusammen, wo gerade noch Spielraum vorhanden gewesen

war. Jeder Millimeter ist zuviel, er muß all den Körperkontakt haben, den er

bekommen kann. "Ja", flüstert er, "das tut er."

 

"Wieviel bekomme ich bei meinem Gehalt?"

 

"Wir haben Sonderpreise für, uh, *Un*freiwillige." Er lehnt sich zurück,

sieht B.J. in die Augen und gestattet sich den Moment stiller Freude. Da ist

er, dieser Blick. Der Blick, den man nur bemerkt, wenn man schnell hinsieht

und sich dabei nicht zu auffällig verhält. "Du bekommst mich für den Preis

von zwei Martinis und einer Schale Salzbrezeln."

 

"Was für ein Schnäppchen. Der Versuchung zu widerstehen ist wirklich

*hart*." Seine Augen fallen zu, als eine geschickte Hand erst auf seiner

Hüfte zu liegen kommt und dann abwärts gleitet. "Wir solltenŠwoanders

hingehen." Einfaches Verlangen...nichts geht tiefer, nichts ist besser.

Hawkeyes rauher Atem ist Beweggrund genug, Vergnügen vor Arbeit zu stellen,

genauso wie das geflüsterte "Verlaß mich nicht, Beej."

 

"Oh, ich stehe dir viel zu nahe, um dich zu verlassen. Außerdem bin ich in

bestem Zustand und für umsonst zu haben", verspricht B.J. ihm. "Es wird dich

keinen Penny kosten."

 

Obwohl er in seinem Herzen besser weiß, nickt Hawkeye. Von allen Dingen in

diesem Krieg hat B.J. ihn am meisten gekostet. Für ihn hat er den

allerhöchsten Preis bezahlt. Aber er schluckt den Schmerz hinunter und

antwortet, "Na komm, du Billigartikel, laß uns unsere *freie* Zeit in

unserem Winchester-freien Zelt genießen."

 

Im Leben und in der Liebe ist eben nichts umsonst.

 

 

FINIS