Sommernacht

 

Draußen regnet es inzwischen. Die Nachtluft, die durch das geöffnete Fenster dringt, ist merklich kühler, doch in der Wohnung ist es noch immer schwül.

 

Eine Dusche könnte mich vielleicht abkühlen, aber ich bin zu faul, auf zu stehen.

 

Die Satinbettwäsche ist angenehm kühl, als ich mich auf den Rücken drehe, um einen Blick auf die Uhr zu werfen. Fast elf. Du wirst bald da sein. Und das ist definitiv ein Grund, auf zu stehen.

 

Ich war heute einkaufen. Kerzen, die einfach unwiderstehlich duften und die sich wunderbar in dem Messingleuchter auf dem Regalbrett neben dem Bett machen würden. „Essbares“ Massageöl – warum bin ich darauf nicht früher gestoßen? Morgen muss ich glatt noch einmal in den kleinen Esoterikladen und nachsehen, ob es das auch in der Geschmacksrichtung Schokolade gibt... Heute hatte ich es einfach zu eilig. Und einen Hennastift zum Tattoo malen. Hält angeblich bis zu vier Wochen, aber die Verkäuferin meinte, mit Zitronensaft ließe er sich gut entfernen. Ich habe vor, *das* zu testen...

 

Die Kerzen brennen kaum, als ich deine Schritte höre. Dein Begrüßungskuss fällt etwas beiläufiger aus, als ich es gewohnt bin.

 

„Müde?“

 

„Die Hitze. Wenigstens kühlt es jetzt durch den Regen etwas ab.“

 

Hmmh, ich habe schon erschöpfendere Antworten von dir bekommen.

 

„Willst du noch etwas essen? Ich hatte heute mittag Obstsalat, es ist noch genug da.“

 

„Nein, danke. Ich will lieber unter die Dusche.“

 

Hmmh-hmmh. Mir scheint, ich kann meine Pläne für heute Nacht abschreiben. Auf mich hat die Hitze der letzten Tage nun mal einen eher... hm, belebenden... Effekt.

 

* * *

 

Als du mich zehn Minuten später umarmst, spüre ich die Kühle deiner Haut durch den Bademantel an meiner. „Ich glaube, ich habe dich heute noch nicht richtig begrüßt...“

 

Selbst deine Lippen fühlen sich kühl an, als du mich küsst. Wie lange warst du unter der Dusche? Doch als deine Hände unter mein T-Shirt gleiten, ist mir das nicht länger wichtig. „Sagtest du nicht, du bist müde?“

 

Du lachst. „Nicht so müde. Kommst du ins Bett?“

 

* * *

 

Der Sommer hat noch einen entscheidenden Vorteil, der viel zu selten bedacht wird. Man hat weniger aus zu ziehen...

 

Das Öl riecht gut und es glitzert auf deiner Haut. Ich liebe es, dich zu massieren. Es gibt mir ein berauschendes Gefühl von Macht. Zu spüren, wie dein Körper unter meinen Händen weich und nachgiebig wird. Bis meine Finger fast mit deiner Haut zu verschmelzen scheinen und meine Handflächen prickeln.

 

Dein Atmen ist ruhig und gleichmäßig. Du bist eingeschlafen. Ich kann nicht anders – ich muss lachen. Natürlich leise, um dich nicht zu wecken. Du musst wirklich erschöpft gewesen sein, normalerweise schaffe ich es spielend, dich wach zu halten... Aber dieser Sommer hat noch viele schwüle Nächte.

 

Ich angle mir den Hennastift vom Nachttisch. Mal sehen, wie dir ein Herz mit meinem Namen auf dem Po gefällt...

 

Ende

 

 

 

 

Lady Charena – August 01