Serie: TOS

Paarung: K/S

Code: PG-13

Summe: Die Enterprise befindet sich nach Spocks Tod auf dem Rückweg zur Erde.

Feedback: LadyCharena@aol.com

 

Erstveröffentlichung in der Amok Times Nr. 17, der Clubzeitschrift des ClassiKS-Clubs (http://www.geocities.com/classiks1701/index.html

 

Disclaimer: Paramount/Viacom gehört Star Trek und alles, was ich mir hier borgte.

Die Story ist mein, „Fanfiction“ – ich beabsichtige weder, damit Geld zu verdienen, noch irgendwelche Rechte zu verletzen.

Wer unter 18 ist, bzw. sich am Inhalt dieser Story stören könnte, sieht sich bitte anderswo für passendere Unterhaltung um.

 

 

Ohne dich

                                                                                              Lady Charena

                                                                                  (in memorian DeForest Kelley)

...ain't no me - without you...

 

Dr. Leonard McCoy machte sich Sorgen. Nun war es ja Teil seines Jobs, sich Sorgen um den Admiral zu machen. Aber er war auch dessen Freund und das verdoppelte sein Problem.

Bereits seit zwanzig Minuten suchte er jetzt erfolglos nach Jim Kirk. Die Enterprise war zwar ein großes Schiff - aber so groß nun auch wieder nicht. Und schon gar nicht, wenn man so viele Jahre hier gelebt hat... Jim hatte irgendwann im Laufe der letzten Stunde Reg-Raum 1 verlassen, indem sie eine Art Trauerfeier für die Opfer des Kampfes mit Khan abgehalten hatten. War es wirklich erst sechzehn Stunden her, dass sie Genesis hinter sich gelassen hatten? Sein Zeitgefühl schien völlig im Eimer zu sein.

Zunächst hatte er sich nichts weiter dabei gedacht, als er Jim nicht mehr sah - zumal auch Carol Marcus verschwunden zu sein schien. McCoy kannte die gemeinsame Vorgeschichte von beiden und hatte angenommen, dass sie sich gegenseitig trösteten. Beide hatte viel verloren.

Doch dann entdeckte er, dass Carol in einer abgeschiedenen Ecke stand, Saavik und David bei ihr. Sie wirkt müde, dachte er, als er an ihnen vorbeiging. Wie wir alle.

 

Es gab noch einen Ort, an dem er nachsehen wollte, bevor er auf die Brücke gehen und Jim über den Computer ausfindig machen lassen würde. Das Observationsdeck. Jim hatte sich immer dorthin zurückgezogen, wenn ihn etwas stark beschäftigte.

Der Raum war tatsächlich belegt. Und verschlossen. McCoy öffnete ihn kurzerhand mit seinem medizinischen Notfallcode.

 

 

Er stand im Halbdunkel. Das matte Licht, das durch die geöffneten Wandverkleidungen sickerte, tauchte den Raum in kalte Schatten. Draußen glitten die Sterne majestätisch vorbei, ewig, unberührt von Sorgen, Ängsten sterblicher Wesen.

 

Der Arzt blieb stehen, bis sich seine Augen an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnt hatten.

"Ich hätte mir gleich denken sollen, dass du hier bist."

Die vertraute Gestalt, ein schwarzer Schatten vor der gleißenden Pracht des Sternenfeldes, verharrte reglos. Zeigte keine Reaktion auf seine Worte. Vielleicht hatte Jim ihn nicht einmal gehört.

 

McCoy spürte plötzlich überdeutlich, dass er zuviel getrunken haben musste. Mehr noch. Er fühlte sich bis in die Seele erschöpft. Und noch - irgend etwas.... irgend etwas... außerhalb seiner Reichweite. Ein Gefühl, eine Ahnung, ein Schatten. Er wusste es nicht. Vielleicht war es doch einfach nur die Erschöpfung, die Aufregungen der letzten Tage, zu viel Tod und Zerstörung, die auf ihm lasteten. Mühsam riss er sich davon los und konzentrierte sich wieder auf die noch immer reglose Gestalt seines Freundes.

"Zuerst nahm ich an, du wärst vielleicht bei Carol."

Zugegeben, ein erbärmlicher Versuch, Jim zum Reden zu bewegen. Aber er musste ihn dazu bringen. Irgend etwas war ganz und gar nicht in Ordnung - sämtliche medizinische und menschliche Alarmgeber in ihm standen auf Rot. Die ganzen sechzehn Stunden seit... seit Spocks Tod - einmal musste er es in Worte fassen, so sehr er den Gedanken bisher auch gemieden hatte - hatte Jim sich hinter der Rolle des Captains förmlich verborgen. Doch irgendwann war auch dieser Panzer zerbrochen.

"Jim, sprich' bitte mit mir."

Irgendwo in ihm lauerte die Angst, dass mit Spocks Tod - es wurde mit jedem Mal etwas einfacher, daran zu denken - eine letzte Grenze erreicht worden war. Das ein Teil von Jim mit dem Vulkanier gestorben war. Die beiden waren so enge Freunde gewesen, manchmal war ich direkt neidisch darauf. Und jetzt wirkt Jim so... allein, verloren - ohne ihn...

Ein beunruhigender Gedanke. McCoy schluckte gegen die plötzliche Enge in seiner Kehle an. Was soll ich sagen? Wie kann ich ihn erreichen? Wie helfen?

 

"Warum sollte ich bei ihr sein?"

Jims Stimme war so leise und seine Antwort kam so plötzlich, dass der Arzt ihn beinahe nicht verstanden hätte. Es dauerte einen Moment, bis er die Worte in seinem benebelten Verstand sortiert und noch einen, bis er sie verstanden hatte.

"Nun, ich dachte, ihr hättet euch vielleicht... viel zu erzählen?"

Eine lahme Antwort. Schwachsinnig. Was hatte Jim noch vor ein paar Tagen - bevor dieser Horrortrip begonnen hatte - noch über das Öffnen alter Wunden gesagt... Er machte das heute wirklich nicht sehr gut. War er denn so betrunken?

 

Langsam drehte sich Jim zu ihm um. Und der Anblick von Tränen auf seinen Wangen machte den Arzt sehr rasch - sehr nüchtern. Jim war kein Mann, der es irgend jemandem erlaubte, seine Tränen zu sehen, egal wie vertraut er mit dieser Person sein mochte. Selbst McCoy hatte ihn in all den Jahren nie weinen sehen.

"Carol und ich haben uns nichts mehr zu sagen, Pille. Das ist zu lange her."

Damit wandte Kirk sich wieder ab, Stirn und Handflächen an die klare Transparenz der Scheibe gepresst, die sie von der Kälte und Dunkelheit dort draußen trennte, als benötige er den Halt. Vielleicht irrte er sich und die Dunkelheit und Kälte war hier im Raum - bei ihnen. In ihnen. Er schauerte.

McCoy wusste nicht mehr, was er sagen sollte - noch sagen konnte. Wieso war er nur auf diese schwachsinnige Idee gekommen? Sie gehörten beide längst ins Bett. Es war spät, sie hatten zuviel getrunken...

Etwas unsicher hob er schließlich die Hand, legte sie auf Jims Schultern. Ich bin da, sollte diese Geste sagen. Er spürte die Anspannung in Jims Körper. Einer plötzlichen Eingebung folgend, hob er auch die zweite Hand und begann eine sanfte Massage der Nackenmuskulatur seines Freundes. Vielleicht würde das...

Jim Schultern sanken überraschenderweise sofort nach unten, sein Kopf fiel mit einem Seufzen nach vorn.

"Ich liebe es, wenn du das tust", flüsterte er. "Gut, dass du da bist. Ich hatte einen entsetzlichen Alptraum..."

Er drehte sich um und starrte in die erschrockenen Augen seines Bordarztes. Etwas zerbrach in seinem Gesicht, etwas erlosch in seinen Augen. Seine Hand - erhoben, um nach McCoys zu greifen, fiel haltlos, hilflos, an seine Seite zurück.

 

"Jim?"

Es fehlte nicht viel und der Arzt hätte ihn geschüttelt, um diesen geistesabwesenden Ausdruck aus seinem Gesicht zu bekommen. Ihn aus diesem Schockzustand zu befreien.

"Es tut mir leid, Pille. Ich dachte... ich dachte, du wärst..." Jim brach ab und holte tief Luft. "Ich dachte, du wärst... jemand anderes...", flüsterte er erstickt und versuchte, sich erneut abzuwenden. "Bitte. Lass' mich allein. Ich bin in Ordnung."

"Oh, nein. Das bist du ganz bestimmt nicht", widersprach McCoy. Er hielt Kirk fest, zwang ihn, ihm ins Gesicht zu sehen.

"Sprich' mit mir. Lass' mich dir helfen." Keine Antwort. "Sieh' mal, Jim, Spock war dein bester Freund, ich verstehe..."

 

"Nein."

Jim befreite sich mit einem plötzlichen Ruck aus seinem Griff und sackte zurück an die Scheibe.

"Du verstehst nicht. Überhaupt nichts. Wie solltest du auch..." Er lachte, kurz und bitter. Ein hässliches Geräusch. Dann fuhr er sich mit beiden Händen über das Gesicht.

"Eigentlich wollte ich es dir nicht so sagen. Erst Zuhause, bevor wir nach Vulkan... wir wollten, dass du es als Erster erfährst, als unser Freund..."

Seine zusammenhanglosen Worte ergaben für den Arzt keinen Sinn.

"Jim? Was sagen?", drängte er sanft. Seine kontrollierte Stimme verriet nichts von der Angst um seinen Freund.

"Spock und ich..." Jims Flüstern verstummte und obwohl McCoy atemlos wartete, fuhr er nicht fort.

"Spock und du?", wiederholte der Arzt leise, erneut vorsichtig drängend.

Doch Jim schüttelte müde den Kopf und wandte sich ab.

 

Er reagierte kaum, als McCoy den Vorschlag machte, dass sie sich besser setzten. Nur einige Schritte entfernt, befand sich eine Sesselgruppe, dorthin bugsierte er seinen Freund. Jim folgte ihm wie ein gehorsames Kind, ließ sich schwer in den nächsten Sessel fallen. Sein Blick glitt an McCoy vorbei und aus dem Fenster. Als würde er dort draußen etwas suchen. Oder jemanden...

"Jim, du hast einen Schock. Bitte komm' mit mir in die Krankenstation oder zumindest in deine Kabine. Du solltest dich hinlegen." McCoy sprach sanft auf ihn ein, als hätte er es mit einem verstörten Kind zu tun. Doch er erhielt keine Antwort.

"Jim? Jim? Wie kann ich helfen?"

 

McCoys Stimme driftete endlich in sein Bewusstsein und mit einer unglaublichen Kraftanstrengung drehte er den Kopf in die Richtung des Freundes. Doch er sah ihn nicht an. Konnte es nicht.

"Du kannst nicht helfen. Niemand kann das."

Er spürte neue Tränen und schloss die Augen. Zu müde, um noch dagegen anzukämpfen.

"Es gibt etwas, dass du nicht weißt", begann er langsam. "Niemand wusste es."

Einen Moment lang war es sehr still und McCoy dachte, dass er jetzt endgültig keine Antwort mehr bekommen würde. Er hatte das Gefühl, in der absoluten Stille seinen eigenen Herzschlag wie Trommelfeuer wahrzunehmen. Dann sprach Jim weiter.

"Spock und ich waren zusammen, Pille", sagte er leise.

"Zusammen?", wiederholte der Arzt verständnislos. Und kämpfte gegen einen völlig unvernünftigen Impuls, sich die Ohren zu zuhalten, an. Er wollte das nicht hören... überhaupt nichts mehr.

"Wir..."

Langsam öffnete Jim die Augen und verrückterweise lag in seinen Augen, seiner Stimme, jetzt eine Weichheit, die fast an Zärtlichkeit grenzte.

"Wir haben uns geliebt."

Er holte tief Luft, ein zittriger Laut, der eher wie ein ersticktes Schluchzen klang.

"Nach dieser Tour wollten wir... wir wollten... uns binden..."

Das Gesicht in den Händen verborgen, fuhr er einen langen Moment später leise fort.

"Ich war so sicher, ich würde nie mehr allein sein."

 

McCoy saß lange Zeit reglos da, seine Gedanken ein Chaos aus Vermutungen, fast Ausgesprochenem - erinnerten Gesten und Momenten...

Er riss sich mühsam zusammen.

"Jim, du musst schlafen."

Irgendwie gelang es ihm, seine Stimme völlig normal und ruhig zu halten. Irgendwie kam er auf die Beine, musterte besorgt das erschöpfte - und schlimmer noch, total hoffnungslose - Gesicht seines Freundes.

"Ich begleite dich in deine Kabine."

 

Auf dem Weg dorthin sprachen sie nicht miteinander. Alles war gesagt worden.

 

*****

Als McCoy endlich seine eigene Kabine betrat, konnte er die Augen kaum mehr offen halten. Er war noch so lange neben Jims Bett stehen geblieben, bis der in erschöpften Schlaf gefallen war. Die scharfen Linien der Anspannung hatte jedoch auch der Schlaf nicht aus seinen Zügen tilgen können.

Der Arzt ließ sich auf sein ungemachtes Bett fallen und bedeckte die Augen mit beiden Händen.

 

Das sieht alles nach einem erstklassigen Alptraum aus. Doch leider war er sich nur zu gut bewusst, dass es Realität war. Und er nicht träumte. Sein Gedächtnis wartete ständig, ungebeten, mit Erinnerungen auf, deren Bedeutung er nie zuvor erkannt hatte. Spock und Jim... zusammen... Wie lange wohl? Mein Gott und ich habe nie etwas davon gemerkt. Sie waren doch immer schon so enge Freunde, wer hätte gedacht... Du hast es dir gedacht, mehr als einmal, sei' doch ehrlich... Aber ich dachte nie, dass Spock tatsächlich in der Lage wäre... Es ist doch schon beinahe logisch - sieh' es doch so, wie es ist... Muss verdammt schwer gewesen sein, es vor allen geheim zu halten, sogar vor mir. Besonders für Jim, ich kenne ihn doch... wenn er glücklich ist, dann möchte er es dem ganzen Universum erzählen... Waren sie das wohl - glücklich?

 

Mit diesem Gedanken schlief er ein, als Alkohol und Erschöpfung ihren Tribut forderten. Undeutliche Träume plagten ihn.

 

 

Das Summen des Türmelders riss Admiral Kirk aus dem Schlaf. Er kämpfte sich durch die grauen Nebel, die seinen Kopf zu füllen schienen. Das klamme Bettzeug war eine unnachgiebige Fessel um seinen Körper. Ihm war kalt.

"Herein."

Einen Augenblick später erschien McCoy mit einem Tablett in seinem Blickfeld.

"Guten Morgen, Jim. Ich dachte, ich bringe dir das Frühstück."

Die Ruhe in der Stimme des Arztes klang erzwungen.

"Wie geht es dir?"

Das Tablett wanderte auf die Ablage neben dem Bett und McCoy zog sich einen Stuhl heran.

 

Lustlos nippte Jim am Kaffee, doch er war froh, etwas in Händen halten zu können. Und wenn es nur ein Kaffeebecher war. Schließlich zuckte er nur mit den Schultern.

"Das ist doch keine Antwort, Jim", erwiderte der Arzt ernst.

"Wie soll es mir schon gehen? Gut", erwiderte Jim nach einer verlegenen Pause tonlos. Er sah McCoy nicht an, starrte in den Kaffeebecher, als hinge sein Leben davon ab.

"Jim, was du gestern über dich und Spock sagtest...", fragte McCoy schließlich vorsichtig. "Versteh' mich richtig. Aber ist das wirklich wahr?"

Sie mussten dieses Thema ansprechen, es konnte nicht einfach so in der Luft hängen bleiben. Er sah, wie sich Jims Hände um den Becher verkrampften, bis der dem Druck nachzugeben begann und protestierend knisterte.

"Ja."

*****

Sie sprachen nicht mehr darüber. McCoy wagte es nicht, zu fragen und Jim kam nicht von sich aus auf ihn zu, wie er es früher vielleicht getan hätte. Eigentlich gingen sie sich aus dem Weg. Jim verließ die Brücke nur, wenn er etwas aß oder ein paar Stunden schlief. Er betäubte sich mit tausend kleinen Routinen. Und McCoy vergrub sich in der Krankenstation. Er kam mit der Erkenntnis über seine beiden Freunde nicht so rasch klar.

Und dann gab es da noch mehr. Manchmal fühlte er sich beinahe fremd in seinem eigenen Körper. Er litt unter unerklärlichen Blackouts, die er als Folge des Stress der letzten Wochen abtat.

 

Bis er dann eines Tages mit hämmernden Kopfschmerzen in seinem Bett erwachte und sich nicht erinnern konnte, wie er dorthin gelangt war. Eigentlich war er doch auf dem Weg zur Brücke gewesen, um dort gewohnheitsgemäß das Eindocken zu beobachten. Sie hatten die Erde erreicht.

Ein Räuspern lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Person, die bisher stumm an seinem Bett gesessen war. Christine Chapel schaltete die Beleuchtung höher, korrigierte das aber sofort, als sie McCoys schmerzliches Zusammenzucken sah.

"Nun, wie geht es dir jetzt, Leonard?", fragte sie leise und lehnte sich wieder in ihren Stuhl zurück. So blieb ihr Gesicht im Schatten verborgen.

"Was ist passiert?", erkundigte sich McCoy ausweichend.

"Weißt du das nicht mehr? Du bist in Spocks Kabine eingedrungen - und als Admiral Kirk dich dort herausholen wollte, bist du bewusstlos in seinen Armen zusammengeklappt."

Christines Stimme klang betont neutral, wenn sie ihn auch besorgt musterte.

"Ich sollte also dich fragen, was geschehen ist."

 

McCoy schüttelte langsam den Kopf.

"Ich weiß es nicht, Chris. Ich weiß es nicht."

Er rieb sich mit beiden Händen über seine brennenden Augen.

"Wie geht es ihm?"

Keine Antwort.

"Chris - bitte??"

Christine musste nicht fragen, wen er meinte.

"Wie wird es ihm schon gehen? Er leidet - und lässt es niemanden sehen. Und niemanden an sich heran."

Sie sah ihn an, schämte sich der Tränen in ihren Augen nicht.

"Jetzt hat er auch noch das Schiff endgültig verloren."

 

Jim Kirk betrat sein Apartment. Ein langer, ermüdender Tag lag endlich hinter ihm.

Es war dunkel hier und kalt und sehr, sehr leer. Es war verrückt, hierher zu kommen. Hier, wo alles begonnen hatte, in allen Ecken nur  Erinnerungen und Schatten lauern... Ein Hotelzimmer wäre vielleicht das Richtigere gewesen.

Er holte tief Atem und aktivierte die Beleuchtung. Seine Tasche landete achtlos in der Ecke. Das meiste seiner Besitztümer befand sich noch auf der Enterprise. Er war innerlich wie betäubt, nicht einmal der Gedanke an den Verlust seiner silbernen Lady schmerzte jetzt noch. Fast automatisch begann er, ein Feuer im Kamin zu entzünden, Kaffee zu machen. Wenigstens den Anschein von Normalität aufrecht zu erhalten. Doch für wen? Niemand war hier. Spock war nicht hier. Er würde nie mehr hier sein. Nie mehr...

 

Hier am Feuer waren sie sich gegenüber gestanden. An diesem unvergesslichen Tag, kaum vierundzwanzig Stunden nachdem die Krise mit V'ger gelöst war und ihre Zukunft noch in der Schwebe gehangen war. Die Flammen hatten Schatten auf die Ebenen und Höhlungen von Spocks hagerem Gesicht geworfen, als sie hier nebeneinander gesessen waren. Und endlich offen miteinander geredet hatten. Worte ausgesprochen, die alles zwischen ihnen unwiderruflich geändert hatten. Jim hatte endlich erfahren, warum Spock nach Vulkan geflohen war - warum er zurückgekehrt war. Und Jim hatte von der unendlichen Einsamkeit erzählt, die ihn in all diesen Jahre gelähmt hatte...

 

Hier am Feuer hatten sie sich das erste Mal geküsst. Diesen Moment würde er bis ans Ende seiner Tage nicht vergessen. Spocks Hände um sein Gesicht, die Sicherheit, die Ruhe und Wärme in seinen Augen. Jim hatte die magischen drei Worte ausgesprochen und Spock... Spock hatte die einzig logische Antwort darauf gegeben. Er hatte sich vorgebeugt und ihn geküsst. Die Berührung seiner Lippen... oh, mein Gott... so weich, unendlich sanft, ein wenig schüchtern. Doch keine Spur von Unsicherheit...

Die Erinnerung brannte auf seinen Lippen, brachte ihn zum Zittern, wie es damals dieser erste, süße Kuss getan hatte.

 

Stundenlang waren sie vor dem Feuer gesessen, manchmal miteinander sprechend, manchmal schweigend. Immer einander berührend. Zusammen...

Jetzt war Spock nicht hier, ihn festzuhalten. Er würde nie wieder hier sein! Langsam sank Jim vor dem Kamin auf die Knie. Er starrte blicklos in die Flammen, verloren.

 

Die Nacht verbrachte er schließlich schlaflos in einen Sessel vor dem Feuer. Unmöglich, in dem Bett zu schlafen, in dem sie sich zum ersten Mal geliebt hatte...

Zuerst nur scheue Berührungen von Lippen, Fingerspitzen. Dann wie das Erwachen aus einem Traum in die Wirklichkeit, heiße Haut unter seinen Fingern, die ihm plötzlich wieder ungeschickt wie die eines Teenagers erschienen, ungeduldig und zögernde Berührungen zugleich. Der Geschmack von Spocks Haut in seinem Mund - wie eine verbotene Droge. Süß und berauschend. Unbekannt und doch seltsam vertraut... Sie waren füreinander bestimmt. Es zu verleugnen, wäre gewesen, als hätte er versucht, zu verleugnen, dass seinen Lungen Sauerstoff atmeten.

Ihre erste Nacht war süßer als jede Phantasie gewesen. Übertroffen nur noch von dem Augenblick, in dem sich auch ihre Geister zum ersten Mal in Liebe berührten...

*****

Teilnahmslos betrachtete er seine blutunterlaufenen Augen im Badezimmerspiegel. Drei Wochen - war es wirklich schon drei Wochen her, dass er hierher zurückgekehrt war? Zeit war bedeutungslos geworden. Am Haken hinter der Tür hing noch immer eine von Spocks Roben, als wäre er nur für ein paar Wochen zu einem Trainingsflug weg. Jim hatte es noch nicht über sich gebracht, seine Sachen wegzuräumen.

Am liebsten wollte er weglaufen, irgendwo hin, wo niemand ihn kannte, niemand wusste was geschehen war. Er konnte es nicht. Zumindest noch nicht. Noch immer fanden Befragungen statt, noch immer musste er irgendwelche Aussagen machen, ausführliche Erklärungen zum Tausendsten Mal abgeben. Er tat es automatisch, ohne noch wirklich in irgendeiner Form daran beteiligt zu sein. Eigentlich war er heute nur aufgestanden, weil sich Uhura, Sulu, Scotty und Chekov zu einem Besuch angekündigt hatten. Sie wollten sicher Neuigkeiten von McCoy hören. Mein Gott, Pille... Es tat noch immer verdammt weh, an den Arzt zu denken, an seinen seltsamen Zustand. Sein Auftritt in Spocks Kabine, seine Verwirrtheit, seine plötzliche Angewohnheit, über Vulkan zu sprechen...

Das Summen der Tür riss ihn aus seinen Gedanken und zurück in die Realität. Er machte sich auf den Weg, seine Gäste zu begrüßen.

 

Ihre Unterhaltung drehte sich natürlich um die Enterprise, während sie auf Scotty warteten, der sich offensichtlich verspätet hatte. Jim betrachtete seine ehemaligen Offiziere und fragte sich unwillkürlich, was sie über die Jahre von dem mitbekommen hatte, was zwischen ihm und Spock geschehen war. Oder waren sie zu sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt gewesen, um etwas zu bemerken? Er spürte Uhuras sanfte Augen auf sich, ihre Sorge nicht verhehlend. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen oder zu fragen, als sich ein weiterer Besucher ankündigte.

 

Einen Moment später stand er Sarek gegenüber...

 

 

the beginning... 'cause there is always tomorrow...

 

Morgengrauen.                                                             Ich bin allein.

Endlich. Stehe auf.                                                       Mehr, als jemals zuvor. 

Regen begrüßt mich, als ich aus dem Fenster sehe.      Du bist nicht mehr da, diese Leere zu füllen.

Die Welt ist grau.                                                         Dabei wollten wir uns nie trennen.

Früher war sie das nie.                                                 Ich vermisse Dich so.

 

Jede endlose Nacht liege ich wach.                               Der Regen wird stärker.

Und wenn ich die Augen schließe, dann um von Dir         Und ich denke an Dich.

zu träumen.                                                                             Es fällt mir immer schwerer, mir

                                                                                              vor den anderen nichts anmerken zu lassen.

Doch meist starre ich nur stundenlang an die Decke.     

Hoffe, Dich wieder neben mir atmen zu hören.                            Manchmal möchte ich es einfach in die Welt

Deine Wärme zu spüren.                                              hinausschreien.

Ich möchte weinen, doch ich habe keine Tränen mehr.   

                                                                                  Meine Liebe, meinen Verlust.

                                                                                  Damit sie meinen Schmerz versteht.

                                                                                  Ich habe Dich so geliebt.

 

 

Und jetzt habe ich nur noch die Erinnerung.                                Das Glas ist schon wieder leer.             

An Dich - an uns.                                                                     Wahrscheinlich trinke ich zu oft - zu viel.

Regen rinnt wie Tränen über das Spiegelbild meines

Gesichtes auf der Fensterscheibe.                                            Ist es noch wichtig?

Verdammt kalt hier.                                                                  Ich starre weiter in den Regen.

Trotz des Feuers im Kamin.                                                      Wünschte, ich wäre mit Dir gestorben.

Ich denke, mir wird nie wieder richtig warm.                                Du bist nicht hier, mich zu wärmen.

 

                                                                       To be continued...

 

 

Continued in                   Ein neuer Anfang