Titel:                      Der schmale Grat – oder – Die Rache des Higgins

Autor:                    Lady Charena

Serie:                      Magnum

Paarung:                Magnum, Higgins

Rating:                   PG-15

Beta:                      T’Len

 

Summe: Magnum hat es mal wieder übertrieben – und diesmal scheint er damit nicht so einfach durchzukommen. Es war auch wirklich ein wenig heftig, sich an Apollo und Zeus zu vergreifen. Das darauf unweigerlich folgende Gespräch findet Magnum ausgesprochen fesselnd, während Higgins vor Wut nur so kocht. Oder hat Higgins endgültig den Verstand verloren?

 

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Der schmale Grat – oder – Die Rache des Higgins

Lady Charena (Jan. 05)

 

 

„The Chili is... very… pikant...“ Michael Mittermaier „Zapped“

 

 

Gut, vielleicht hatte ich es dieses Mal wirklich etwas übertrieben.

 

Es war eine wilde Nacht gewesen - was ich nicht zuletzt an der Heftigkeit meiner Kopfschmerzen ablesen konnte – und der Bungalow sah aus, als wäre ein Hurricane hereingebrochen. Ich konnte mir wirklich nicht erklären, wie die Scherben vor die Tür kamen – auch nicht, was sich in ihnen befunden hatte, als sie noch ihrer Funktion nachgingen. Sah aus, als wäre einmal teurer Champagner drin gewesen, aber den konnte ich mir zur Zeit nicht leisten. Aber es war bestimmt nicht meine Idee gewesen, Zeus und Apollo mit extra-scharfem Chili zu füttern. Wer konnte schon wissen, dass Hunde scharfe Gewürze ähnlich meiden müssen, wie ein Nussallergiker eine Büchse mit Erdnüssen. Und wieso zum Teufel haben die Köter es überhaupt gefressen? Higgins behauptet doch sonst auch, sie wären so gut ausgebildet. Gehörte nicht dazu, kein Futter von Fremden anzunehmen? Geschah ihnen also ganz recht, dass sie jetzt beim Tierarzt hockten und die Schwänze einzogen – im bildlichen Sinne. Apropos, warum war Higgins eigentlich nicht bei seinen kostbaren Biestern, sondern hier?

 

* * *

 

Magnum stöhnte und schloss die Augen wieder, nachdem er probeweise ins helle Licht des Tages geblinzelt hatte. Ein Pferd für... stopp, ein Königreich für eine Sonnenbrille! Hinter seiner Stirn klopfte und pochte es, dass er eine Ahnung davon bekam, wie sich ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch fühlen musste. Er drehte den Kopf zur Seite und wurde für diese Unüberlegtheit prompt mit einem Schwindelanfall bestraft. Arme und Beine spürte er überhaupt nicht mehr, sie schienen völlig taub zu sein.

 

* * *

 

Ich erinnere mich vage an ein Klirren, als jemand eine Vase umstieß, die natürlich nichts eiligeres zu tun hatte, als auf den Boden zu rollen und dort zu einem Stillleben aus Scherben, Wasser und zerknickten Blumen zu zerschellen. Allerdings war die Vase nicht besonders geschmackvoll gewesen, vermutlich war sie irgendwann einmal von einer alten, wohlmeinenden Tante bei einem Ausverkauf erworben und zu Weihnachten oder einem ähnlichen Anlass verschenkt worden.

 

Eigentlich hätte ich gewarnt sein müssen, als der Anblick der Scherben – sowohl der im Raum, als auch der vor der Tür – Higgins kalt zu lassen schien. Seine Stimme war auch bar jeglichen Ausdrucks, als er mir von Apollo und Zeus berichtete und der Magenverstimmung, die einen Aufenthalt beim Tierarzt notwendig gemacht hatte. Spätestens da hätte ich misstrauisch werden müssen.

 

Doch mir tat der Kopf viel zu weh, um mir über Higgins Sorgen zu machen – ich versuchte krampfhaft, mich an den Rest der Nacht zu erinnern und wieso ich auf dem Fußboden aufgewacht war. Nackt. Das heißt, fast nackt. Meine Füße waren in die leicht beschädigten Überreste eines heruntergerissenen Vorhangs gewickelt. Irgendein Geräusch draußen im Garten hatte mich aus dem Schlaf gerissen und ich vermutete nicht zu Unrecht, dass mir mit Higgins ein zweiter Hurricane ins Haus stand. Und dem wollte ich auf keinen Fall in diesem Zustand begegnen. Also wickelte ich mir den Vorhang um die Taille und verzog mich ins Bad.

 

Nach einer kurzen, kalten Dusche fühlte ich mich eher wieder wie ein Mensch. Ich zog mich an – wer zum Kuckuck war auf die dämliche Idee gekommen, Plastikstrohhalme in den Ausguss des Waschbeckens zu stecken und wozu überhaupt? – und suchte nach einer Kopfschmerztablette. Dummerweise fand ich keine und auch sonst nichts, dass sich zur Bekämpfung eines Katers hätte verwenden lassen können. Insektenspray und Rohrreiniger waren gegen diese possierlichen Tierchen nicht meine erste Wahl...

 

Also wagte ich mich hinaus, im Stillen wunderte ich mich, dass ich Higgins noch nicht hatte brüllen hören. War er etwa vor Schreck in Ohnmacht gefallen?

 

* * *

 

Magnum versuchte sich aufzusetzen und sein Magen versuchte, in den Mund zu klettern. Aber irgendwie wollten ihm seine Gliedmaßen nicht so recht gehorchen. Möglicherweise waren sie nicht einmal mehr an seinem Körper befestigt, nach allem, was er von ihnen fühlte. Er kämpfte die Übelkeit nieder, so gut es eben ging und atmete tief ein. Irgendwie roch es hier merkwürdig. Nach... nach dem angebrannten Chili von letzter Nacht?

 

* * *

 

Ich ging um Higgins herum, der zur Salzsäule erstarrt mitten im Raum stand und in die Küche, wo ich zum Glück noch eine fast volle Flasche Aspirin fand. Nachdem ich eine Handvoll davon geschluckt hatte, fühlte ich mich schon etwas besser. Außerdem war mir klar, dass ich die Konfrontation mit Higgins nicht länger hinauszögern konnte.

 

Ich starrte in einen Topf mit verkrusteten, schwarzgebrannten und äußerst unappetitlichen Überresten – besagtes Chili, das bereits Zeus und Apollo zum Verhängnis geworden war. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, Higgins eine Portion zu servieren – doch ich glaubte, das hätte ihn nur noch mehr gegen mich aufgebracht. Außerdem drehte mir schon der Geruch den Magen um. Ich stieß das Küchenfenster weiter auf – es erschlug mich fast, als es unerwartet zurückschlug. Es hing schief in den Angeln und ließ sich weder richtig öffnen, noch ganz schließen. Was zum Teufel war hier passiert? Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man es im Rahmen einer Party fertig brachte, ein Küchenfenster kaputt zu machen.

 

Behutsam bahnte ich mir einen Weg durch einen Hindernisparcours, gebildet von Bergen aus benutztem Geschirr und schmutzigen Gläserstapeln. Unwillkürlich drängten sich mir zwei Fragen auf: Wer zum Kuckuck war alles auf dieser Party gewesen? Ich konnte mich nicht erinnern, so viele Menschen eingeladen zu haben, dass sich diese Menge an Geschirr und Verwüstungen erklären ließ. Und zweitens, wie zum Teufel war ich vorhin im Halbschlaf heil dadurch gekommen?

 

„MAGNUM!!!“

 

Na gut, jetzt war es wohl so weit. Ich hielt mir meinen schmerzenden Kopf und bugsierte meinen lädierten Körper zurück ins Wohnzimmer, wo ich mich schwer in die nächste Sitzgelegenheit fallen ließ. „Okay, Higgins“, sagte ich. „Bringen wir es hinter uns.“ Ich schloss ergeben die Augen und ließ den Kopf gegen die Sessellehne sinken. Und schlief ein.

 

* * *

 

Das Aspirin schien endlich seine Wirkung zu tun. Magnum hob den Kopf, öffnete die Augen und sah sich um. Zum ersten Mal wurde ihm klar, dass er nicht nur einfach zusammengesunken im Sessel saß – er war an das Möbelstück gefesselt! Irgendjemand hatte seine Arme an die Sessellehnen und seine Beine an die Sesselbeine gebunden. Was wohl auch das taube Gefühl erklärte. Vergeblich ruckte und zerrte er an den Fesseln. Sie waren wirklich ziemlich fest, ganz zu schweigen davon, dass er sich in einem alles andere als körperlich fitten Zustand befand. Magnum schluckte. „Higgins?“, rief er leise, als fürchte er, eine Antwort zu erhalten.

 

Und Higgins erschien tatsächlich, so real und so plötzlich wie die Gute Fee im Märchen. Leider wirkte er alles andere als wohlwollend. Obwohl Magnum sich nicht erklären konnte, was Higgins mit der riesigen Suppenkelle vorhatte, die er da in der Hand hielt. Sofern er nicht etwa vorhatte, irgendjemanden damit zu erschlagen...

 

Magnum räusperte sich. „Ähem... was...?“

 

„Ich koche“, unterbrach ihn Higgins kurzangebunden.

 

„Hören Sie, Higgins, ich habe keinen Hunger.“ Magnum ruckelte zur Verdeutlichung an seinen Fesseln und brachte den Sessel gefährlich ins Schwanken. Sofort saß er mucksmäuschenstill bis sich das Möbel und sein Magen wieder stabilisiert hatten. Zumindest ersteres... „Machen Sie mich los, Higgins. Irgendjemand hat sich einen dummen Scherz mit mir erlaubt.“

 

„Das war ich.“ Higgins verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn ausdruckslos an.

 

„Was?“ Magnum’s Stimme kletterte ungläubig gleich eine Oktave höher. „Was? Warum machen Sie so was?“

 

„Weil das Maß endgültig voll ist, Thomas Magnum.“ Ein unheilvoller Unterton schwang in Higgins Worten mit, während sein Gesicht immer noch bar jeglichen Ausdrucks war.

 

„Zum Teufel, Higgins. Binden Sie mich sofort los!“

 

„Ich denke nicht daran. Haben Sie eine Ahnung, wo Zeus und Apollo sich jetzt befinden?“

 

Magnum sah sich hastig um. „Hier etwa? Sie werden doch nicht wohl...“

 

„Ich musste sie zum Tierarzt bringen! Die beiden leiden an einer schweren Magenverstimmung. Und wissen Sie, warum? Irgendein Idiot hat sie mit extra scharf gewürztem Chili gefüttert.“ Higgins tappte mit dem Fuß auf den Boden.

 

„Higgins, hören Sie – dafür können Sie nun wirklich nicht mich verantwortlich machen! Es war nicht meine Idee. Ich habe sogar versucht, es zu verhindern. Und überhaupt...“ Magnum grinste. „Sollten Ihre ach-so-gut ausgebildeten Wachhunde eigentlich nichts von anderen außer Ihnen annehmen?“

 

„Wagen Sie es nicht, die Schuld auf die Tiere abzuwälzen!“ Higgins drohte mit der Suppenkelle. „Es war IHRE Party! Und es waren IHRE Gäste. Und nicht zu Letzt war es IHR Chili-Rezept.“ Er drehte sich auf dem Absatz herum und verschwand.

 

Magnum atmete erleichtert auf. Jetzt war der alte Knabe aber völlig übergeschnappt. Wie hieß es so schön? Mancher balancierte eben auf dem schmalen Grat zwischen Verstand und Wahnsinn. Und offenbar war Higgins gerade auf die falsche Seite abgestürzt...

 

* * *

 

In meinem Magen rumort es, als hätte ich wie der Wolf im Märchen von den Sieben Geißlein Wackersteine gefressen. Ob dem armen Vieh wohl auch so heiß gewesen ist? Verdammt, wie lange will mich Higgins noch hier sitzen lassen? Ich halte das nicht mehr aus...

 

* * *

 

Nach einigen Minuten klapperte in der Küche Metall auf Stein und kurz darauf erschien Higgins wieder. Dieses Mal balancierte er einen dampfenden Teller auf einem Tablett.

 

Magnum starrte ihn an, als sich Higgins einen Stuhl zu seinem Sessel zog und einen Löffel zur Hand nahm. „Was soll das werden, Higgins?“

 

„Ich finde, nach so einer Nacht benötigen Sie unbedingt eine kleine Stärkung.“ Higgins lächelte – oder was immer es auch war, das seine Gesichtsmuskeln zum Zucken brachte und seine Zähne kurz entblößte. „Und da dachte ich, ich koche für Sie.“

 

Magnum wich so weit zurück, wie er konnte, als ihm Higgins einen dampfenden Löffel voll einer ominös riechenden, schwarzen Pampe unter die Nase hielt. „Sind Sie verrückt geworden?“, entfuhr es ihm. „Ich wäre mit einer Scheibe Toast und Kaffee vollkommen zufrieden gewesen.“

 

„Mund auf“, forderte Higgins ungerührt.

 

„Das werde ich auf keinen Fall essen!“, protestierte Magnum.

 

„Oh doch, das werden Sie!“, presste Higgins zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

 

„Auf keinen Fall!!“

 

„Sie werden essen! Und wenn ich den ganzen Tag hier sitzen oder Ihnen das Zeug mit einem Trichter einflößen muss!“

 

Higgins stieß mit dem Löffel gegen Magnums Lippen und der öffnete automatisch den Mund, als das heiße Chili ihn fast verbrannte. Nach Luft schnappend, schluckte er und sofort explodierte die Schärfe auf seiner Zunge. Magnum fing an zu husten. „Sie sind übergeschnappt, Higgins. Nehmen Sie sofort das Zeug da weg!“, japste er.

 

„Sie werden brav den ganzen Teller leer essen.“ Higgins grinste und zwang ihm den nächsten Löffel auf, wobei er ihm wie einem ungehorsamen Baby einen Teil der Pampe um den Mund herum verschmierte. „Dann wartet in der Küche noch Nachschlag auf Sie. Und das nächste Mal werden Sie sich besser überlegen, ob der Spaß es wert ist, sich an meinen Hunden zu vergreifen!“

 

Magnum hustete und rang nach Luft. Er hatte einmal im Vollrausch an einer Tabasco-Flasche genuckelt – aber das war nichts gegen die heiße, zähe Masse, die sich langsam wie Lava in seinen Magen hinunter zu bewegen schien...

 

* * *

 

Das Klopfen an der Tür hatte mich vor einem zweiten Teller Chili nach Higgins-Art bewahrt. Allerdings hatte er mich nicht losgebunden. Ich hörte einen kurzen Wortwechsel, von dem ich kein Wort bis auf „Tierarzt“ verstand – und dann fiel die Tür ins Schloss. Und ich war allein. Mit einem Magen, der sich anfühlte, als hätte ich eine Brandbombe verschluckt. Und zwar im Stück. Irgendwie musste ich von diesem verfluchten Sessel loskommen...

 

Ich begann, hin und her zu rucken – und wurde prompt mit Schluckauf bestraft. Erschöpft hielt ich einen Moment inne. Das konnte doch alles nicht wahr sein... so ein Alptraum geschah doch nicht wirklich.

 

Mein Kopf würde mich noch umbringen. Sollte ich die Krämpfe überleben, die sich mit unheilvollem Geblubber in meinem Magen ankündigten...

 

Nicht eine einzige Bohne würde ich in meinen Leben mehr ansehen. Verdammtes Chili. Ich hoffe, der Erfinder dieses Teufelszeugs schmort in der Hölle. Higgins wird ihm dabei bald Gesellschaft leisten – so wie ich von diesem verfluchten Fesseln los bin.

 

Und wie soll ich diese klebrigen Bohnenleichen jemals wieder aus meinem Schnurrbart bekommen?

 

 

Ende