Titel:               Die Eisrose (Adventskalender)

Autor:              Lady Charena (Nov. 03)

Fandom:           Die drei Musketiere v. A. Dumas

Paarung:           D‘Artagnan

Code:               G

Beta:                T'Len

 

 

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Es lag über ein Jahr zurück, dass er zuletzt hier an Constances Grab gekniet hatte. Damals brachte er einen jungen, wilden Rosenstock mit, den er eigenhändig einpflanzte. Es wurde ihm bewusst, dass er im Sommer hätte herkommen sollen, um ihn blühen zu sehen - und duften.

 

Doch es war so viel geschehen... Sein Leben hatte nicht innegehalten, wie er es im ersten, wilden Schmerz nach ihrem Tod geglaubt hatte. Er war zurückgekehrt zu Wein, Weib und Spiel, schlug sich noch immer hitzköpfig mit jedem, der es wagte ihn herauszufordern. Hierher zu kommen, war wie in eine andere Welt zu treten, in der die süße Erinnerung an Constance in seinem Herzen aufblühte und ihn der Schmerz bei der Kehle nahm.

 

Die Nonnen pflegten das Grab sorgsam und lasen monatlich eine Messe für Constance, er wusste, dass die Königin dem Kloster eine Spende hatte zukommen lassen, damit dies auch so blieb, wenn sein Geld sich wieder einmal dem Ende zuneigte. Aber sicherlich war sein Engel auch ohne diese fromme Fürbitte in den Himmel aufgenommen worden.

 

Nach einer Weile stand er auf, rückte den Hut gerade und streckte die durch die Kälte steif gewordenen Glieder. Sein Atem kondensierte als weiße Wolke vor seinem Gesicht. In der Nacht zuvor hatte es Frost gegeben und alles um ihn herum war wie überzuckert. Das Gras knisterte wie zerbrechendes Glas, wenn man hindurch schritt und die Äste an den kahlen Bäumen splitterten, wenn man sie berührte.

 

Sein Blick fiel erneut auf den Rosenstock und er entdeckte eine einzelne, von einer dünnen Eisschicht überzogene weiße Rose, die - dicht an den Grabstein geschmiegt – den ersten Angriff des Winters überlebt hatte. Er beugte sich vor und brach sie, um sie in seinen Händen aufzutauen. Doch kaum schmolz das Eis, öffnete sich die Knospe und ihre Blütenblätter tropften auf das Grab. Ihm schauderte und er ließ den Stiel mit seinen wenigen verbleibenden Blüten fallen.

 

Plötzlich war ihm, als hätte auch um sein Herz ein Eisring gelegen. Constances Liebe hatte ihn weggetaut – doch es war, kaum erblüht, zersprungen.

 

Einen Moment lang stand er fröstelnd und taumelnd vor ihrem Grab, dann wandte er sich ruckartig ab und ging, ohne sich noch einmal umzudrehen. Nie wieder wollte er hierher zurückkehren.

 

Ende