2002 Paradies-Apfel Award: Erster Platz Beste MASH-Story, Beste Slash-Story,

Zweiter Platz Beste Story

 

Broken Wings

oder

Zustandsbericht einer Seele

by Michaela

07.02. 2003

 

Serie: M.A.S.H

 

Feedback: hier oder an: michaela12de@yahoo.de

Pairing: H/T

Code: PG / pre-slash

 

Summe: die Hölle in dir

 

Archiv: sicher doch, sehr gern, hier oder bei T'Len

und LC, wenn Interesse vorhanden, alle anderen erst

fragen.

 

MASH gehört FOX aber: Keine Rechte sollen verletzt

werden. Keine Kohle wird damit gescheffelt. Es ist

"nur" fanfiction.

 

Mein Dank fürs Beta-lesen gilt Birgitt, die meine Kommasetzung auf

 Vordermann gebracht hat und mich auf einige Schwächen aufmerksam machte. Danke!

 

 

 

Hawkeye hatte B.J. nach seinem Besäufnis ins Bett verfrachtet und B.J. war sofort eingeschlafen. Jetzt stand er schwankend vor dem Bett, er nahm es nicht einmal wahr. Schmerz und Verlorenheit hatten sich wie eine Aura um die schlanke, leicht gebeugte Gestalt gelegt. Plötzlich knackte etwas und Hawkeye erwachte aus seiner Erstarrung. Mit einer fahrigen Handbewegung fuhr er über das blasse, linksseitig geschwollene Gesicht. Warum stand er hier? Was sollte das? Er musste unbedingt schlafen, sonst würde er noch verrückt. Als wäre er ein sehr alter Mann machte er zwei unsichere Schritte zu seinem Feldbett und legte sich leise stöhnend hin. 'Schließ die Augen und schlaf!', befahl er sich in Gedanken, doch die Bilder, die hinter den geschlossenen Lidern auftauchten, ließen ihn sie sofort wieder aufreißen. Unruhig warf er sich auf dem Feldbett hin und her, er fand einfach keine Ruhe. Als er Tränen über seine Wangen laufen fühlte, beschloss er, aufzustehen und einen Brief zu schreiben. Einen besonderen diesmal, denn, obwohl an seinen Vater gerichtet, war er nicht dazu bestimmt, jemals von ihm gelesen zu werden. Ächzend richtete er sich auf und machte seine kleine Lampe an, dann griff er zu Bleistift und Papier und begann zu schreiben:

 

 

Hallo Papa,

 

verzeih meine noch schlimmere Schrift als sonst, aber...na ja, ich bin ziemlich erschöpft und auch sonst am Ende. Vorhin lag ich weinend auf meinem Feldbett, da wusste ich, dass es höchste Zeit wird, mit jemandem zu reden, der mich kennt, versteht und liebt - immer.

 

Papa, ich kann kaum atmen und mein Herz schmerzt, als würde es jeden Augenblick zerbrechen. Ich bin innerlich so wund, dass ich nicht weiß, ob das jemals wieder heilen kann. Auslöser für das derzeitige Chaos in mir war B.J. Er ist einer meiner besten Freunde, aber heute hat er mir nicht nur körperlich weh getan, sondern auch meine Seele zutiefst verletzt. Er bekam einen Brief von seiner Frau, Peg, sie berichtete ihm von Radars Besuch und dass Erin, B.J.s kleine Tochter, auf ihn zugelaufen ist und ihn Daddy genannt hat. Peg fand das lustig, aber B.J. nicht. Er fing an rum zu lamentieren, das ging über Stunden so, sogar im OP, als wir wieder im Sumpf waren, wollte ich ihn trösten und meinte, dass ich genau wisse, wie es ihm geht, denn ich vermisse Dich auch so sehr. Er hat mich angeschrieen, dass das ja wohl nicht das Selbe wäre. Du wärest ja nur zwei Jahre älter geworden, aber Erin hätte in der Zeit, seit er hier ist, laufen gelernt und hätte jetzt zu einem Fremden das erste Mal Daddy gesagt. Ich könne also gar nicht verstehen, wie weh ihm das tue.

 

Was ich daran wirklich nicht verstehe, Papa, ist, warum mein Schmerz, meine Sehnsucht, wieder mit Dir zusammen zu sein, weniger wert sein soll, als B.J.s Schmerz. Ich denke nämlich, dass der Schmerz, den man empfindet, wenn man diejenigen vermisst, die man liebt, immer gleich ist und nichts mit dem Alter dieser Menschen zu tun hat. Er hat nicht mal gemerkt, wie sehr mich sein Vorwurf getroffen hat.

 

Er wollte sich vollschütten und ich erklärte ihm, dass ich ihm aus bitterer Erfahrung sagen könnte, dass das nicht helfen würde, sondern nur zu einem fürchterlichen Kater führen würde, der alles nur noch schlimmer machen würde. B.J. bekam darauf hin einen Tobsuchtsanfall und zerstörte die Destille, die letzte Erinnerung an Trapper, die mir geblieben war, alles andere ist bei einer von Charles' Aufräumaktionen verschwunden. Er sagte, er würde jetzt gehen und nach Hause fahren, irgendwie würde er es schon schaffen. Natürlich versuchte ich, ihn davor zu bewahren, diese Dummheit zu begehen, wie schon Monate zuvor Trapper. Doch diesmal wurde ich nicht nur durch einen Seesack zu Seite geräumt, sondern mich traf B.J.s Rechte voll am Auge. Während ich über mein Feldbett auf den Boden flog, verschwand Beej in der Nacht. Charles, der kurz darauf hereinkam, verarztete mich.  Natürlich nicht ohne seine bissigen Kommentare.

 

Ich hab Dir ja schon geschrieben, dass ich ihn nicht besonders mag, weil er so hochnäsig ist und, obwohl er eigentlich ein toller Chirurg ist, ich mich nicht von ihm operieren lassen würde, da er zuerst seine Großartigkeit im Sinn hat und dann erst den Patienten. Doch eines schätze ich sehr an ihm, er verletzt mich nicht. Wahrscheinlich liegt das daran, dass wir keine Freunde sind, aber egal, woran es liegt, seine Art hilft mir, verschafft mir eine Atempause, etwas mehr Gelassenheit, für die nächste Tour de force mit meinen Freunden.

 

Das klingt furchtbar, so bitter, und während ich das schreibe, tropfen wieder Tränen auf das Papier. Ich kann einfach nicht aufhören zu weinen. Ich hasse mich dafür, dass ich immer öfter in Selbstmitleid zu verfallen scheine und mich regelrecht in einen Rausch aus Unglück hinein steigere, aber ich kann nichts dagegen tun, nur hoffen, dass ich mich, wenn der Dienst beginnt, wieder so weit unter Kontrolle habe, dass die anderen nichts von meinem Zustand bemerken.

 

Trapper hätte ich nicht täuschen können. Er wusste manchmal sogar besser als ich, wie es in mir aussah. Immer fand er einen Weg, mich aus meinem Loch heraus zu holen, oft sogar noch bevor ich überhaupt richtig bemerkt hatte, dass ich mal wieder in einem steckte. Er fehlt mir so, Papa, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie sehr. Aber auch er hat mir weh getan, sehr weh, und ich weiß nicht, ob ich jemals darüber hinweg komme, dass er gegangen ist, ohne ein einziges Wort des Abschieds. Es tut so weh, dass ich nicht einmal über ihn sprechen kann, und wenn die anderen irgend etwas von ihm erzählen, würde ich am Liebsten davonlaufen, um es nicht hören zu müssen. Er gab mir Halt und mit seiner Nähe ein Gefühl der Sicherheit, das ich so, seit ich ein kleiner Junge war, nicht mehr kannte.

 

Ich verlor dieses Gefühl nach Mamas Tod. Papa, warum hast Du mir damals nicht früher gesagt, wie krank sie war? Ich hätte mich von ihr verabschieden können, mich vielleicht, irgendwie, darauf vorbereiten können, dass sie gehen würde. Aber sie war einfach nicht mehr da und von da an hatte ich schreckliche Angst, dass Du eines Tages auch einfach so gehen könntest. Nur wenn Du in der Nähe warst, fühlte ich mich gut. Ich konnte Dich sehen, oder, wenn ich abends bei Dir auf dem Sofa lag und Du mir Geschichten vorlast, fühlen. Dann war alles in Ordnung. Du konntest nicht einfach verschwinden und diese Angst habe ich bis heute. Ich habe Dir das nie erzählt, weil ich spürte, wie auch Du unter Mamas Tod gelitten hast. Trapper ließ mich mit seiner Stärke diese Angst beinahe vergessen. Seit er weg ist, ist alles wieder schlimmer geworden.

 

B.J. kann mir nicht die Stütze sein, die ich so nötig bräuchte. Für ihn muss ich Stütze sein, ihn aufrichten, bei jedem Brief, den er von zu Hause bekommt, wenn er sich wieder aufregt, dass irgendwas am Haus kaputt gegangen ist und wie Peg damit wohl fertig wird. Oder ich höre mir seine Geschichten von Erin an, immer und immer wieder. Manchmal möchte ich schreien: „Hör auf, du tust mir weh. Warum beklagst du dich, du hast doch alles, was ein Mensch sich wünschen kann!“

 

Das mache ich natürlich nicht. Ich spiele weiter den witzigen, den Schwestern nachsteigenden Hawkeye, den fast nichts umhauen kann, den Freund, der immer und für alles ein offenes Ohr hat. Es ist reiner Selbstschutz, vor allem das mit den Schwestern. Meine Anbaggerversuche sind so plump, dass ich jedesmal überrascht bin, wenn überhaupt noch eine darauf anspringt, aber vielleicht denken sie ja, dass sie sich möglicherweise einen nicht zu schlecht aussehenden Arzt zum Heiraten schnappen könnten. Wenn sie wüssten. Mir wäre lieber, sie täten es nicht, aber andererseits entspannt ein bisschen Sex auf die Schnelle etwas, lenkt die Gedanken wenigstens ein paar Minuten ab. Wie lange wird das wohl noch funktionieren? Ich habe keine Ahnung, ich weiß nur, dass es mir immer schwerer fällt, da mein Herz nicht bei der Sache ist. Wie könnte es auch?

 

Ich kann sie meine Schwäche nicht sehen lassen, sie würden es nicht verstehen. So wie damals, als das mit Radar passierte.

 

Der Kleine wollte endlich mal mit einem Mädchen schlafen, doch hier im Camp konnte er keines finden, das Interesse an ihm gezeigt hätte. Ich schlug ihm vor, Potter um ein paar Tage Urlaub zu bitten, sich einen Jeep zu schnappen und dann ab nach Seoul. Dort würde er ganz sicher ein williges weibliches Wesen finden. Radar machte das. Auf dem Weg nach Seoul traf er auf einen Trupp unserer Soldaten, er unterhielt sich gerade mit ihnen, als sie in einen Hinterhalt gerieten. Die Verwundeten landeten bei uns. Ich war wie erstarrt, als ich Radar auf einer der Tragen liegen sah, irgendwie schaffte ich es, mich zusammen zu reißen, um ihn zu operieren. Es ging alles glatt und ich war gut, aber frag mich nicht, wie ich das gemacht habe, ich weiß es einfach nicht.

 

Nach der OP ließ ich mich, um meine Schuldgefühle zu betäuben, so voll laufen, ich muss kurz vor einer Alkoholvergiftung gewesen sein. Ich hatte mich kaum aufs Bett fallen lassen, da musste ich schon wieder raus - Verwundete. Natürlich war ich ganz und gar nicht fit für den OP, aber ich versuchte es trotzdem. Es ging nicht, mir war so schlecht, dass ich meinen Patienten an Charles abgeben musste, damit ich meinen Mageninhalt über Koreas Landschaft verteilen konnte.

 

Ja, Papa, ich weiß, dass das falsch war und ich machte mir selber die größten Vorwürfe. Es wird ganz sicher nie wieder vorkommen. Col. Potter stauchte mich auch noch zusammen, dann schickte er mich zu Radar, den ich noch nicht besucht hatte. Mein Schuldgefühl ihm gegenüber, Du verstehst?

 

Die ersten paar Minuten lief alles glatt, doch dann kam Radar auf den Vorfall im OP zu sprechen. Er meinte, ich wäre ein Vorbild und wenn ich so was machte, würde ich den anderen ihren Glauben nehmen, dass doch nicht alles umsonst ist, dass es noch Menschlichkeit gibt.

 

Ich hätte schweigen sollen, aber ich hatte das Gefühl, von einem Panzer überfahren zu werden, und es hätte mich umgebracht, wenn ich nichts gesagt hätte. Ich fuhr Radar an, dass ich das nicht mit mir machen lassen würde, dass ich froh wäre, selber einigermaßen klar zu kommen, und dass er kein Recht hätte, das auf mir abzuladen. Dann ging ich.

 

Natürlich sprach sich der Zwischenfall wie ein Lauffeuer im Camp herum und ich war kaum im Sumpf, da wurde von allen Seiten verbal auf mich eingeprügelt. Zusammengefasst war das so etwa, wie ich so herzlos sein könne und dem armen, kranken, ach so lieben und so verletzlichen Jungen so etwas  an den Kopf zu werfen, wo ich doch sein großes Vorbild sei. Ob ich größenwahnsinnig geworden wäre und so weiter. Sogar Father Mulcahy beschimpfte mich. Keinen, nicht einen einzigen interessierte es, warum ich so reagierte, wie ich mich fühlte, wie es in mir aussah. Wer fragte nach meiner Verletzlichkeit? Niemand. Ich kann diese Last, die sie mir da aufbürden wollen, nicht tragen, ich schaffe das nicht.

 

 

Mein Kopf schmerzt so, Papa, und mir ist etwas schlecht, außerdem bin ich müde, aber ich kann schon seit Wochen nicht richtig schlafen. Immer nur ein, zwei Stunden, dann liege ich wieder wach und meine Gedanken fahren Achterbahn. Doch zurück zu heute Abend.

 

Charles war gerade dabei, mich zu verarzten, da kamen Col. Potter und HotLips Houlihan. Nachdem  sie erst mal Witze über mein Auge gemacht hatten, erzählten sie, dass sie auf der Suche nach Klinger wären, der auch verschwunden sei. Da weder B.J. noch Klinger gesehen worden waren, schlug Potter vor, dass wir uns auf die Suche nach den beiden machen sollten. Wir wollten gerade los, als Verwundete ankamen. Da Charles seinen Dienst gerade beendet hatte, war ich dran und so kam es, dass, während ich operierte, Charles, Potter und Margaret ausschwärmten und die beiden suchten. Ich weiss nicht so genau, aber ich war wohl so ungefähr drei Stunden beschäftigt. Gerade als ich fertig war und mich umzog, kam Margaret und sagte mir, ich solle in Potters Büro kommen, da sie die beiden dort gefunden hätten. Potter würde sich um Klinger kümmern, ich solle mal nach B.J. sehen.

 

Das tat ich natürlich, denn ich war froh, dass Beej da war und nicht womöglich getürmt. Als ich das Büro betrat, lag B.J. besoffen auf dem Boden und entschuldigte sich so, wie es nur Beej kann. Ich setzte mich zu ihm, er begann zu weinen, und ich nahm ihn einfach in den Arm und versuchte, ihn zu trösten. Unter Schluchzen erzählte er mir unter anderem, dass er die Destille zerstört hätte, weil ich sie zusammen mit Trapper gebaut habe und er eifersüchtig auf das sei, was er und ich miteinander erlebt hatten. Da hab ich auch etwas geweint, aber da nur ein bisschen, denn Beej war in dem Moment wichtiger. Kannst Du Dir das vorstellen? B.J., der alles hat, ist eifersüchtig auf meine Beziehung mit Trapper. Dabei weiß er doch überhaupt nichts. Er denkt doch, wir waren nur Freunde, der Ahungslose.

 

Ich weiß, Papa, dass ich Dich, selbst wenn Du diesen Brief einmal lesen solltest, mit dem, was ich jetzt sage, nicht schocken kann, denn aus Deinen Briefen weiß ich, dass du längst gemerkt hast, was mit uns beiden tatsächlich los war. Du hast es nicht so deutlich gesagt, aber immer wieder geschrieben, dass Du mich lieben wirst, egal was auch passiert, und Du nur möchtest, dass ich glücklich bin.

 

Oh ja, ich war mit Trapper glücklich, er war mein Freund und die große Liebe meines Lebens und er ist es immer noch. Für ihn war ich das wohl nicht, obwohl er nicht nur einmal gesagt hat, dass er mich liebt, denn warum ist er dann ohne ein einziges Wort gegangen. Ich verstehe das einfach nicht und der Schmerz zerreißt mich fast. Bis ich mit ihm zusammen war, wusste ich nicht, wie glücklich ein Mensch sein kann, aber das ist jetzt wohl für immer vorbei. Es war immer klar zwischen uns, dass er wieder zu seiner Familie zurück geht, denn ich wusste ja, wie sehr er seine Töchter liebt, auch wenn er mit seiner Frau nicht so glücklich war, wie er manchmal erzählte, aber die Töchter, die liebt er heiß und innig. Außerdem war es so leichter für ihn, denn leider sind die Zeiten nicht so, dass man eine homosexuelle Beziehung anstandslos toleriert. Ich war mir völlig darüber im Klaren, dass ich nur in der Zeit hier mit ihm glücklich sein konnte und das auch nur, wenn man uns nicht erwischte. Aber warum war ich ihm kein einziges Wort zum Abschied wert?  Monatelang erwartete ich jedesmal, wenn Radar mit der Post kam, einen Umschlag mit Trappers unverwechselbarer Handschrift zwischen meinen Briefen zu finden. Noch heute, wenn ich mal einen Anruf bekomme, schlägt mir das Herz bis zum Hals, weil ich denke, er ist es.

 

Nein, Papa, ich erwarte ja schon lange nicht mehr, dass er mir sagt, dass er mich liebt, wirklich nicht, aber dass er mir auf irgendeine Weise „Goodbye.“ sagt, so dass ich mich daran festhalten kann, dass ich weiß, dass ich einmal geliebt wurde.

 

...und darauf ist Beej eifersüchtig.

 

B.J., mit einer Frau, die er über alles liebt, und einer Tochter, die er vergöttert. B. J., der all das hat, was ich niemals haben werde. 

 

Es wird schon hell draußen, Papa. Ich werde jetzt Schluss machen, denn ich muss versuchen, wenigstens noch etwas zu schlafen. Wer weiß, was wieder auf uns zu kommt, auch muss ich versuchen, etwas Energie zu tanken, damit ich das tägliche Versteckspiel irgendwie durchstehe.

 

Wenn alles gut geht und ich irgendwann zurück nach Crabapple Cove komme, dann wirst Du diesen Brief wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen, aber das weißt Du ja. Ich würde Dir niemals schreiben, wie hundeelend ich mich fühle, denn das würde Dich viel zu sehr belasten und Du machst Dir auch ohne das schon genug Sorgen um mich.

 

Pass gut auf Dich auf und arbeite nicht so viel, Du weißt, Du bist auch nicht mehr der Jüngste, außerdem brauche ich Dich so sehr, denn manchmal, wenn es mir ganz besonders schlecht geht, bist  Du der einzige Grund, warum ich nicht einfach aufgebe und zu Mama flüchte.

 

Alles Gute,

 

Dein Dich liebender Sohn mit den gebrochenen Schwingen,

Hawkeye

 

Sorgfältig steckte Hawkeye den Brief in einen adressierten Umschlag, verschloss diesen und vergrub ihn dann ganz zuunterst in seiner Feldkiste. Sollte ihm etwas passieren, würde sein Vater den Brief bekommen, und er würde dann wissen, dass es besser so gewesen war, dass er nicht nach Hause zurück gekommen war. Sollte er den Irrsinn aber überleben, würde sein Vater diesen Brief wahrscheinlich nicht zu lesen bekommen, wenn alles normal lief.

 

Mit roten, vom Weinen geschwollenen Augen legte sich Hawkeye schwerfällig auf sein Feldbett. Er schloss die Augen in der Hoffnung, etwas Schlaf zu finden, doch die Hoffnung trog. Nach einer Zeit, die ihm unendlich schien, griff er zu dem letzten Mittel, das ihm vielleicht doch noch die erhoffte Ruhepause gab, ihn aber gleichzeitig wieder mit neuem Schmerz erfüllte.

 

Er rutschte und rückte auf dem Feldbett herum, bis er die Decke bis über seine Ohren gezogen hatte. Darunter, wenn ihn jemand abgedeckt hätte, hätte  man sehen können, wie er die Arme um den Körper geschlungen hatte und mit einer Hand sanft mit seinen Nackenhaaren spielte. Doch das war nicht alles. In seinen Gedanken baute sich das Bild von Trapper auf, der, den Körper fest an ihn gepresst, den dunkelblonden Wuschelkopf in seinen Nacken drückte und ihn mit seinen Armen schützend umfasste.

 

Langsam entspannten sich Hawkeyes Gesichtszüge und kurz darauf verriet sein gleichmäßiger Atem, dass er endlich eingeschlafen war.

 

Ende