In 7 Tagen bist du schwul

T’Len

2007

 

 

 

Fandom: SK Kölsch

Charaktere: Jupp/Falk

Kategorie: PG-15, AR, Humor

Hinweise: Spielt nach der Folge „Tango Mortale“

Feedback: tlen2@freenet.de

Summe: Jupp ist verwirrt. Warum interessiert er sich plötzlich so für seinen neuen Kollegen? Ist etwa ein merkwürdiges Video Schuld daran.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

1. Tag:

 

„Komm rein, ich bin gleich so weit.“ Falk öffnete Jupp die Tür zu seiner Wohnung und winkte ihn freundlich herein.

Schatz starrte seinen Kollegen an, stand der doch in knapper, enger Unterhose - und nichts mehr -  vor ihm. Er konnte nicht umhin zu registrieren, dass Falk zwar sehr schlank aber durchaus muskulös war. Eigentlich richtig durchtrainiert wirkte. Er selbst kam sich da plötzlich fast fett vor. Jupp schüttelte innerlich den Kopf über sich selbst. Jetzt verglich er sich schon mit seinem schwulen Kollegen. Also wirklich. Das fehlte ihm noch. Man wusste doch, dass die alle eitel waren. Hatte er ja an Klaus gesehen. 

 

„Gefall ich dir?“, fragte Falk, dem Jupps Musterung seiner Figur nicht entgangen war, und lächelte vielsagend.

 

Jupp spürte, wie ihm das Blut in die Wangen schoss. Falk dachte doch hoffentlich nicht, er hätte irgendwelches Interesse an ihm. Er räusperte sich. „Komm in die Hufe“, sagte er statt einer Antwort. „Ich will nicht zu spät kommen.“ Irgendwie klang seine Stimme plötzlich seltsam belegt.

 

„Wir haben noch über eine halbe Stunde Zeit“, erwiderte Falk.

 

„Du kennst den Kölner Verkehr nicht“, antwortete Jupp.

 

„Ich denke schon“, sagte Falk und grinste dabei zweideutig.

 

„Ich meine den auf der Straße“, erwiderte Jupp, dem ausnahmsweise die Doppeldeutigkeit der Worte nicht entgangen war. „Wo ist überhaupt dein Typ?“

 

„Was für ein Typ?“, fragte Falk zurück.


“Na der, der dich neulich zum Tatort gefahren hat. Dieser Milchbubi.“

 

„Ach der“, Falk zuckte geringschätzig mit den Schultern. „Das war doch nichts festes. Nur mal so.“


“Also du treibst es wirklich mit jeden, was?“, stellte Jupp fest.

 

„Warum soll man nicht ein bisschen Spaß haben, während man auf Mr. Right wartet?“, erwiderte Falk. „Wer nicht probiert, der nichts findet. Erzähl mir nicht, dass du das anders siehst?“

 

„Aber drei Typen in einem Monat“, erwiderte Jupp. „So viel Frauen schaff ja nicht mal ich.“

 

„Ja, weil nicht so viele Frauen mit dir wollen“, erwiderte Falk. „Aber interessant, dass du mitzählst. Bist du etwa eifersüchtig?“ Er zwinkerte Jupp zu.

 

„Spinn hier nicht rum“, erwiderte Jupp heftig. „Zieh lieber endlich was vernünftiges an, damit wir weg kommen.“

 

Falk dirigierte ihn Richtung Wohnzimmer. „Mach’s dir bequem.“ Dann verschwand er wieder in einem anderen Raum.

 

Jupp wandte seinen Blick hastig ab, als er feststellte, dass er Falks Hintern in der engen Hose hinterher starrte.

 

Stattdessen sah Jupp sich neugierig in der Wohnung seines neuen Kollegen um. Ganz anders als Taubes, stellte er in Gedanken fest. Bei dem hatte alles immer so penibel und ordentlich gewirkt, wie er selber auch. Falk schien viel lockerer drauf zu sein. Jedenfalls herrschte im Wohnzimmer ein angenehmes Chaos, wie Jupp fand. Auf dem Tisch lag ein Stapel Zeitschriften, daneben einige Videos. Zwei benutzte Gläser standen auf dem Schrank. Ob nun der Typ von neulich oder schon wieder ein anderer, Falk schien vor nicht allzu langer Zeit Besuch gehabt zu haben. Warum gefiel ihm der Gedanke plötzlich nicht?

 

Aber teuer sah alles trotz des Durcheinanders aus. Irgendwie schienen die Schwulen immer mehr Geld zu haben, als normale Männer. Vielleicht, weil sie nichts für Blumen und teure Essen ausgeben mussten, um eine Frau rumzukriegen, überlegte er.

 

„Entschuldige, ich bin nicht zum Aufräumen gekommen“, rief Falk aus dem Nebenzimmer, als hätte er Jupps vorherige Gedanken erraten.

 

„Mich stört’s nicht“, rief Jupp zurück. Ungeduldig schaute er auf seine Uhr. „Lackierst du dir erst die Nägel oder was dauert so lange?“

 

„Sehr witzig“, kam die Antwort zurück. „Ich liebe deine Vorurteile, Jupp.“


“Na ist doch wahr“, erwiderte Jupp. “Du brauchst länger als eine Frau. Wir kommen noch zu spät.“

 

„Bin ja gleich soweit.“

 

Jupp griff nach den Videos. „Der Ring“ las er auf einem. War das nicht der Film, den Flo unbedingt hatte sehen wollen, aber er es mal wieder zeitlich nicht schaffte, mit ihm ins Kino zugehen? Irgendwas mit Ring war da jedenfalls drin vorgekommen. Flo würde begeistert sein, wenn er ihm den Film mitbrachte.

 

„Sag mal, darf ich mir eines deiner Videos ausborgen?“, rief er nach nebenan.

 

„Sicher“, kam die Antwort zurück. 

 

Jupp nahm das Video an sich. Einen Augenblick später erschien Falk in der Tür.

 

„Mann, hast du dich aber in Schale geworfen“, bemerkte Jupp mit Blick auf Falks hellen, eng anliegenden und sehr teuer aussehenden Anzug

 

„Na hör mal, immerhin ist es ein offizieller Termin, Haupt würde uns was erzählen, wenn wir nicht ordentlich aussehen.“ Falk musterte Jupp, der zur Abwechslung ebenfalls einen Anzug, allerdings einen dunklen, trug. „Steht dir übrigens nicht schlecht. Siehst direkt mal richtig zivilisiert aus. Und außerdem, man kann nie gut genug aussehen.“ Er lächelte vielsagend.


“Wir sind beim Polizeipräsidenten zum Essen eingeladen, nicht um ihn zu verführen“, erwiderte Jupp, Falks Kompliment, er war sich nicht sicher, ob es wirklich eines war oder eher eine Beleidigung seines sonstigen Geschmacks, ignorierend.

 

Falk lächelte erneut. „Weiß man’s.“

 

///

 

„Mann, was für ein langweiliger Abend.“ Jupp ließ sich aufs Sofa sinken und kippte erst mal ein Kölsch direkt aus der Flasche hinunter. Nicht mal was Vernünftiges zu trinken hatten die gehabt. Nur Champagner, Wein und Cocktails. Ekelhaft. Und dann diese ewigen Reden, vor allem vom Polizeipräsidenten, und das schleimerische Getue der Kollegen. Als wollten ihm alle hinten rein kriechen. 

 

Er fragte sich unwillkürlich, ob Falk das wortwörtlich gewollt hätte. Nun, vielleicht nicht beim Präsi, der war nun wirklich keine attraktive Erscheinung, aber sonst hatte er das Gefühl gehabt, er flirte mit jedem halbwegs attraktiven Mann im Raum. Während sämtliche Frauen ein Auge auf Falk geworfen zu haben schienen. Kein Wunder, der Typ sah ja auch wirklich scharf aus.

 

Jupp stutzte. Wo kam denn der Gedanke plötzlich her? Jetzt machte er sich schon Gedanken über das Aussehen von einem anderen Kerl. Also wirklich. Das musste an dem ungewohnten Gesöff liegen, entschied er. Das benebelte sein Gehirn.

 

Sein Blick fiel auf das Video, das er auf den Tisch gelegt hatte. Da er so gar nicht müde war, Bertha und Flo aber längst schliefen und im Fernsehen um diese Zeit garantiert nichts Ordentliches mehr lief, beschloss er, mal einen Blick darauf zu werfen.

 

Er legte das Band ein und holte sich noch ein Kölsch aus der Küche. Dann schaltete er das Licht aus und lehnte sich gemütlich im Sessel zurück. Nach ein paar Minuten stutzte er.

 

Was war denn das für ein komischer Film. Offensichtlich suchte ein junger Journalist nach einem geheimnisvollen Videoband, dass alle, die es ansahen, in sieben Tagen schwul machte. So einen Blödsinn hatte Flo sich unbedingt ansehen wollen? Wie kam er denn auf diese bekloppte Idee? Der Junge würde doch nicht...?

 

Jetzt zogen sich zwei der Darsteller auch noch nackt aus und fielen übereinander her. Jupp schluckte. Die trieben es doch tatsächlich. Und wie! Und die Kamera hielt die ganze Zeit direkt darauf, zeigte fast alles.

 

Nein, entschied er, das war definitiv kein Film für Flo. Und eigentlich sollte auch er sofort abschalten. Aber aus irgendeinem Grund blieb Jupp wie gebannt vor dem Fernseher sitzen. Er fühlte ein seltsames Kribbeln im Bauch... und tiefer, während er die nackten Männer bei ihren sexuellen Aktivitäten anstarrte. Dass das gar nicht seine Baustelle war, schien ihn nicht zu stören. Er fühlte sich fast wie in Trance und magisch angezogen.

 

Ihm kam erst wieder richtig zu Bewusstsein, was er sich da eben angesehen hatte, als der Abspann lief. Er griff hastig zur Fernbedienung. Plötzlich erschien ein seltsamer Ring auf dem Bildschirm und eine dunkle Stimme verkündete „In sieben Tagen bist du schwul.“

 

Jupp zuckte zusammen und erschauerte. Dann rief er sich mental zur Ordnung. Das war nur ein blöder Film, ermahnte er sich. Alles nur Fiktion. So was passierte nicht in Wirklichkeit. Es gab kein Video, dass einen Mann einfach vom Ankucken schwul machte. Und er war einfach übermüdet. Punkt um. Falk würde er morgen was erzählen, ihn solchen Schweinkram anzudrehen.

 

Beruhigt ging Jupp zu Bett.

 

Um in der Nacht vom Film zu träumen. Nur, dass diesmal er und Falk die Hauptdarsteller waren.

 

2. Tag:

 

„Hier hast du deinen Schweinkram zurück.“ Mit heftigem Schwung flog das Video auf Falks Schreibtisch.

 

Der blickte überrascht auf. „Was ist los?“, fragte er verwundert.


“Und ich hätte den fast noch Flo gezeigt. So was perverses“, beschwerte sich Jupp. Den Traum der letzten Nacht, das hatte er beschlossen, würde er erfolgreich verdrängen. Niemand wurde plötzlich schwul, nur weil er einen blöden Film angesehen hatte. Und dass ihn die nackten Männern mit ihrem Sex und vor allem der Traum von Falk erregt hatten, lag nur daran, dass er schon viel zu lange keine Frau mehr gehabt hatte. Er sollte mal dringend wieder was aufreißen. Sobald ihm die Arbeit Zeit dazu ließ, würde er das tun, beschloss er. Alles war gut.

 

Falk besah sich das Cover. „Ach den hast du mitgenommen“, meinte er leichthin. „Hab mich schon gewundert, wo er steckt. Aber was regst du dich auf, ist doch klar, was kommt, wenn du dir einen Sexfilm ankuckst? Denkst du, das NC-17 stand aus Langeweile auf dem Cover?“

 

„Ich dachte doch, das ist dieser Ring-Dingsbums-Film, den Flo unbedingt sehen wollte. Herr irgendwas.“

 

„Du meinst den Herrn der Ringe“, erwiderte Falk gelassen und ließ das Video in seiner Aktentasche verschwinden. „Oder brauchst du es noch?“ In seinen blauen Augen funkelte es belustigt.

 

„Bloß nicht“, erwiderte Jupp. „Ich wusste ja gar nicht, was ihr Schwulen alles für Verrenkungen drauf habt. Ich dachte, ihr treibt es nur von Hinten, wie Hunde eben.“

 

Falk grinste. „Sag bloß, du hast bis zum Ende gekuckt.“

 

Statt einer Antwort, bekam er nur ein abfälliges Schnauben zu hören.

 

3. Tag:

 

„Was ist das denn?“, wunderte sich Jupp laut und griff nach dem Magazin, dass auf seinem Schreibtisch lag.

 

Hatten etwa Gino oder Achim ein Beweisstück achtlos hingelegt? Er blätterte durch die Seiten und stutzte. Da waren ja lauter nackte Kerle. Ganz nackt. Ob er wollte oder nicht, Jupp starrte von einem Bild zum nächsten. Und er starrte auf Körperteile, auf die er garantiert nicht starren wollte. Was aber noch viel schlimmer war, er hatte das Gefühl, ihm wurde plötzlich so heiß, vor allem an einer ganz bestimmten Stelle seines eigenen Körpers.

 

Verdammt, er würde doch nicht wirklich schwul werden? Sei kein Idiot, schalt er sich selber. So was passierte nur im Film und nicht in Wirklichkeit. Das hatte er doch schon mit sich geklärt.

 

In der Mitte des Heftes war ein Bild zum Ausklappen. Jupp entfaltete es und konnte seinen Blick nicht wieder von der Beule in der knappen Badehose des ansonsten nackten, braungebrannten jungen Mannes wenden.

 

„Gefäll er dir?“ Falks Stimme schreckte ihn hoch.

 

Er hatte ihn gar nicht reinkommen hören. Jupp warf das Heft weg, als hätte er sich daran die Finger verbrannt. „Die Sauerei gehört natürlich dir“, sagte er. „Lass so was gefälligst nicht im Büro rumliegen. Und schon gar nicht auf meinem Schreibtisch. Schlimm genug, wenn du dir so was daheim anklotzt“, ereiferte er sich, nicht zuletzt um über seine Verwirrung wegen seiner Reaktion auf die Bilder hinweg zu täuschen.

 

Falk nahm das Magazin an sich. „Ach komm“, sagte er. „Tu nicht so scheinheilig. Als hättest du dir noch nie den Playboy angekuckt.“

 

„Jedenfalls nicht im Dienst“, erwiderte Jupp.


“Soll ich Taube anrufen und nachfragen?“, fragte Falk. Seine Stimme klang dabei sichtlich belustigt.

 

Jupp enthielt sich wohlweislich einer Antwort.

 

4. Tag:

 

„Komm rein und fühl dich ganz wie zu Haus.“ Jupp hatte irgendwie fast ein Deja-vu-Gefühl, als Falk ihn mit diesen Worten begrüßte. Nur, dass er diesmal noch weniger anhatte als beim letzten Mal, als Jupp ihn in seiner Wohnung abholte. Genaugenomen nämlich nur ein Handtuch um seine Hüfte. Er schien gerade geduscht zu haben. Sein nasses Haar hing ihm wirr in die Stirn. Auf der fast haarlosen Brust glitzerten kleine Wassertropfen. Jupp bemühte sich, nicht darauf zu starren.


“Wirklich nett, dass ich das Spiel bei dir kucken darf“, sagte er und fand, dass seine Stimme irgendwie seltsam klang. „Wenn Mama ihr Damenkränzchen hat, habe ich einfach keine Ruhe. Und Flo wollte lieber bei einem Freund schauen.“

 

„Ist doch kein Problem“, erwiderte Falk. „Mach schon mal den Fernseher an, ich komm gleich.“

 

Er wandte sich Richtung Bad um, als sich sein Handtuch selbständig machte. Falk bückte sich und hob es bedächtig auf. Jupp schluckte schwer, während sein Blick auf dem sich langsam entfernenden, nun nackten, Hinterteil seines Kollegen klebte.

 

Mühsam riss er sich davon los und ging ins Wohnzimmer. Er brauchte jetzt dringend ein ordentliches Spiel und ein gutes Kölsch, wie ein richtiger Kerl eben. Und der war er. Keine Schwuchtel, die auf Cocktails mit bunten Schirmchen und Opern stand, und weiß der Teufel auf welche Perversitäten noch alles. Und anderen Männern auf den Hintern starrte.

 

Er schaltete den Fernseher an und seine Augen weiteten sich vor Erstaunen. Da trieben es doch schon wieder zwei Kerle miteinander. Und wie sie es trieben. Noch heftiger als in dem Video. Ihm wurde schon wieder heiß. Jupp ließ sich aufs Sofa fallen und setzte sich auf irgendetwas. Irritiert zog er den künstlichen Penis unter sich hervor und ließ ihn sofort wieder fallen.

 

„Entschuldigung. Wir hatten einfach immer so viel zu tun, ich habe noch immer keine richtige Ordnung in der Wohnung.“

 

Falks Auftauchen hatte Jupp zusammenzucken lassen. Mit einem legeren T-Shirt über einer Badehose ließ Falk sich neben ihm fallen, griff zur Fernbedienung und schaltete um. „Oder wolltest du weiter kucken?“, fragte er freundlich.

 

„Spinnst du“, wehrte Jupp heftig ab, obwohl er fast ja gesagt hätte.

 

Gedankenverloren fuhren Falks Hände dem Dildo auf und ab. Jupp starrte wie gebannt darauf. Falks Hände wirkten irgendwie sanft, zärtlich, fast weiblich. Wie sie sich wohl auf seiner Haut anfühlen würden? Entsetzt über diesen Gedanken riss er hastig seinen Blick los und wandte ihn auf den Fernseher, wo gerade die Spieler das Feld betraten.

 

„Du hast es wohl echt nötig, was?“, sagte er ruppig, um über seine Verwirrung hinwegzutäuschen. „Wenn du keinen Kerl findest, der es dir besorgt, machst du es mit dem Ding und ziehst dir dabei Pornos rein. Ihr Schwulen seid echt pervers.“

 

Falk ging mit einem Schulterzucken über die Beleidigung hinweg. „Erzähl mir nicht, dass du noch nie Sexspielzeug ausprobiert hast. Oder mal einen Porno zur Stimulation angekuckt hast. Das kann einer Beziehung doch erst den richtigen Pep geben.“

 

Der Anpfiff enthob Jupp glücklicherweise einer Antwort.

 

5. Tag:

 

„Was machst du denn hier?“, irritiert blickte Jupp auf, als Falk auf der Toilette neben ihn trat.


“Das selbe wie du, oder was dachtest du?“, erwiderte dieser.

 

„Kannst du nicht später?“, fragte Jupp.

 

Nun war es an Falk, irritiert zu schauen. „Seit wann bist du denn schüchtern?“, wollte er wissen. „Keine Angst, ich kuck dir schon nichts weg. Und ich fall auch nicht über dich her.“

 

Fast wäre Jupp ein „leider“ über die Lippen gerutscht, aber er schluckte es hastig hinunter. Wo kam das nun wieder her? Das blöde Video würde doch nicht etwa wirklich wirken? Nein, unmöglich. So was gab es nicht.

 

„Ist dir nicht gut?“, fragte Falk besorgt. „Du siehst so blass aus.“

 

Jupp hatte eher da Gefühl er müsste bis in die Haarspitzen errötet sein, so war ihm mittlerweile die Hitze ins Gesicht geschossen. Und nicht nur dahin: „Hab schlecht geschlafen“, murmelte er. Und das war nicht mal gelogen.

 

Nachdem das gestern Abend wohl das erste Fußballspiel in seinem Leben gewesen war, von dem er hinterher kaum den Endstand, geschweige denn die Torschützen hätte sagen können, weil ihn Falk Nähe so irritierte, obwohl der brav und in gebührendem Abstand neben ihm auf dem Sofa saß, hatte er die ganze Nacht von Penissen – echten und künstlichen – geträumt, die ihn jagten.

 

Und was noch viel schlimmer war, er fragte sich die ganze Zeit nach dem Anblick von Falks Kehrseite, wie wohl die andere Front ausgestattet war. Nun bekam er darauf eine exklusive Antwort. Nicht gerade klein. Zu seiner großen Peinlichkeit konnte er den Blick nicht mehr von Falks Penis wenden.

 

Falk war der Blick nicht entgangen. „Willst du mir helfen?“, fragte er, doch ohne Spott in der Stimme.

 

Jupp schüttelte hastig den Kopf, verstaute sein Teil und machte, dass er aus der Toilette kam.

 

6. Tag:

 

„Du siehst müde aus, du solltest mal ein paar Tage frei machen. Überstunden abbummeln“, schlug Falk vor, während sie die Straße entlang liefen. Jupp hatte sich überreden lassen, mit ihm in der Mittagspause einkaufen zu gehen und hoffte nun inständig, dass Falk ihn nicht zu irgendeinem schwulen Kram schleppte, sondern normale Läden aufsuchte.

 

Es reichte wirklich, dass ihm dieser dämliche Film nicht mehr aus dem Kopf ging und er seit Tagen im Traum irgendwelche seltsamen sexuellen Fantasien hatte, er wollte nicht auch noch im Wachen damit konfrontiert werden.

 

Plötzlich zog Falk ihn an sich und küsste ihn leidenschaftlich. Jupp war so überrascht, dass er sich nicht wehrte, für einen kurzen Augenblick sogar den Kuss erwiderte. Doch dann schob er Falk energisch von sich. „Spinnst du?“, fauchte er. „Wenn uns jemand sieht.“

 

„Entschuldige“, erwiderte Falk: „Aber da drüben war ein Ex von mir. Hat mich wegen einem anderen fallen lassen. Der sollte nur sehen, dass ich ihn nicht brauche und mich längst getröstet habe.“

 

„Welcher?“, fragte Jupp und sah sich um. Keiner der Männer auf der anderen Straßenseite sah annähernd so aus, als könnte er Falks Typ sein. Jedenfalls nicht, wenn er aus den jungen Burschen schloss, mit denen er ihn bisher zusammen gesehen hatte.

 

„Ist schon weg“, erwiderte Falk und griff nach Jupps Hand. „Komm, unsere Pause dauert nicht ewig.“

 

Widerstandslos ließ Jupp sich mitziehen und bedauerte das erst, als Falk vor einem Sexshop stehen blieb.

 

7. Tag:

 

Unruhig wälzte Jupp sich im Bett hin und her. Verdammt, er fand keinen Schlaf. Eigentlich traute er sich gar nicht so richtig, einzuschlafen, aus Angst dann würden die Träume wieder kommen.

 

Heute war der siebente Tag, fiel ihm ein. Nein, er glaubte wirklich nicht an das, was das Video gesagt hatte. Das hatte zum Film gehört, Punkt um. Er war nicht schwul, war es nicht plötzlich innerhalb einer Woche geworden.

 

Aber warum starrte er dann dauernd Falk auf den Schwanz und den Hintern und wurde geil dabei? Warum interessierte er sich plötzlich für nackte Männer? Warum turnten Falks scheinbar immer enger werdende und nichts, was sich darunter befand der Spekulation überlassenden, Klamotten so an? Warum sehnte er sich danach, den Kuss von gestern Mittag zu wiederholen? Warum sah und hörte er plötzlich überall nur noch schwule Dinge – und die machten ihn heiß? Besonders wenn Falk in der Nähe war.

 

War er etwa doch schwul geworden?

 

Schließlich hielt er es nicht mehr aus. Er musste mit jemanden reden, der sich mit Schwulsein auskannte und der Einzige, der dazu greifbar war, war Falk.

 

///

 

„Ist was passiert?“, fragte Falk verschlafen, als Jupp an seiner Tür klingelte.


Der schüttelte den Kopf. „Ich muss... kann ich mit dir reden?“

 

„Sicher, komm rein.“

 

Falk führte Jupp ins Wohnzimmer, nahm unterwegs einen Kimono vom Haken und warf ihn über seinen Pyjama.

 

Jupp ließ sich aufs Sofa fallen. Falk setzte sich im Sessel gegenüber. „Was ist los?“, fragte er. „Dich bedrückt doch was? Du bist schon seit Tagen so komisch“

 

Jupp schwieg zunächst, wusste nicht, wie er Falk begreiflich machen sollte, was mit ihm los war, ohne dass der ihn für verrückt hielt. Immerhin, das wusste er, hatte Falk als Profiler auch eine psychologische Ausbildung genossen. Und was würde er wohl zu einem Mann sagen, der glaubte von einem Video schwul geworden zu sein?

 

Doch schließlich hielt er es nicht mehr aus. „Kann ein Film einen Mann schwul machen?“, platzte die Frage, die ihn die ganze Zeit quälte, aus Jupp heraus.

 

„Was?“, fragte Falk irritiert zurück.


“Der Film... der Porno, den ich letzte Woche von dir hatte. Kann der einen Mann schwul machen?“

 

„Wie kommst du denn darauf?“, wunderte sich Falk.

 

„In dem Film ging es um so einen merkwürdigen Ring und wer das Video damit sah, war in sieben Tagen schwul“, erklärte Jupp. „Und am Ende kam dieser Ring und jemand sagte, in sieben Tagen sei ich schwul.“

 

Falk schüttelte den Kopf, unterdrückte aber ein Lächeln, wohl merkend, dass es Jupp ernst war. „Kennst du nicht den Film „The Ring“?“, fragte er. „Da geht es darum, wer das Video sieht, ist in sieben Tagen tot. Pornos klauen, soviel ich weiß, gern mal bekannte Plots und wandeln die in Sex um. Du glaubst doch nicht an so was wie unheimliche Kräfte oder so?“

 

„Nein... nein, aber... aber wieso bin ich dann plötzlich scharf auf dich?“, erwiderte Jupp.


“Bist du das?“, fragte Falk leise.

 

Jupp nickte.

 

„Es gibt Wissenschaftler, die gehen davon aus, dass über 90 Prozent der Menschen eigentlich bisexuell sind“, erklärte Falk, „Nur unsere Erziehung, die allgemeinen Moralvorstellungen usw. verhindern, dass wir es ausleben.“

 

„Und ich merke es nach 25 Jahren hervorragenden Sex mit Frauen urplötzlich, dass mich auch Männer interessieren?“, zweifelte Jupp.

 

„Warum nicht.“ Falk stand auf und trat zu ihm. „Dir ist halt bisher noch nicht der richtige Mann begegnet, der diese Seite in dir wachgerufen hat.“ Er streckte die Hand aus und zog Jupp, als der sie ergriff, auf die Füße. „Bis jetzt“, ergänzte er mit einem vielsagenden Zwinkern seiner blauen Augen.

 

„Und was ist mit dir?“, wollte Jupp wissen. „Ich meine, würdest du mich überhaupt wollen?“

 

Falk lächelte. „Was denkst du, warum ich den ganzen Zirkus die letzten Tage veranstaltet habe?“

 

„Welchen Zirkus?“, wunderte sich Jupp. Er verstand nicht, worauf Falk hinaus wollte. Dessen Nähe machte ihn schon wieder ganz wuschig.


“Denkst du, das war alles Zufall? Dass du dir ausgerechnet den Film mitgenommen hast, war ein glücklicher Umstand, zugegeben. Aber der Porno im Rekorder vor dem Spiel, das Sexmagazin auf deinem Schreibtisch, meine Peepshows vor dir, der Kuss, der Sexshop gestern, das war alles Absicht.“

 

„Du hast das alles inszeniert?“, wunderte sich Jupp. „Aber warum?“

 

„Weil ich wissen wollte, wie du reagierst“, antwortete Falk: „Als ich dir Tangounterricht gab, hatte ich das Gefühl, dass etwas zwischen uns wäre... sein könnte. Aber ich war mir nicht sicher, ob du wirklich Interesse, sexuelles meine ich, an einem Mann, entwickeln könntest und zulassen würdest. Also wollte ich deine Reaktionen auf gewisse Dinge testen.“

 

„Und habe ich den Test bestanden?“, wollte Jupp wissen.

 

„Mit Glanz und Gloria“, lächelte Falk.


“Was nun?“, fragte Jupp.

 

Falks blaue Augen strahlten, als sein Mund sich Jupps näherte. „Was hältst du von einem Kuss für den Anfang. Und später können wir, wenn du magst, ja die eine oder andere „Verrenkung“ ausprobieren.“

 

Ende