Titel:
Der Weihnachtswunsch
Autor:
T’Len (2004)
Altersangabe:
PG
Teil:
Neu: 1/1
Feedback:
an tlen2@freenet.de
Disclaimer: Leider gehören mir die Jungs und Mädels nicht.
Ich habe sie nur für ein bisschen Fanfiction-Spaß ausgeborgt. Damit sollen
keine Urheberrechte verletzt werden. Und natürlich wird damit nichts verdient.
Beachtet die Altersangabe und geht wo anders spielen, wenn ihr zu jung seit
oder euch am Thema stört. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.
„Jim, ich wollte mit dir über die Weihnachtsfeier sprechen,
wir..:“ McCoy hielt inne, als keine Reaktion seines Captains und Freundes kam.
„Jim, ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte der Arzt besorgt.
„Sicher“, erwiderte Kirk und stand von seinem Schreibtisch
auf. McCoy konnte nicht umhin, die Müdigkeit zu bemerken, mit der Kirk sich
bewegte, als er von seinem Schreibtisch aufstand und ihm entgegenkam. Die
letzten Monate waren hart gewesen. Zuerst ihre Zeitreise ins San Francisco des
20. Jahrhunderts und Edith Keelers Tod. Dann der Kampf mit dem Planetenkiller
und Matthew Deckers Tod. McCoy wusste, wie sehr Kirk den Commodore bewundert
hatte. Nicht zu vergessen der Tod von Jims Bruders auf Deneva. Und um allen die
Krone aufzusetzen, der Kampf mit Spock während dessen Pon Farr.
Leonard seufzte innerlich. Er konnte schon verstehen, dass
das alles Jim sehr nahe ging, doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass da noch
etwas anders war. Es musste einen bestimmten Grund geben, warum Jim sich in
letzter Zeit so zurückzog. Nicht mal mehr seinen Einladungen auf einen Drink
war er zuletzt gefolgt.
„Pille?“ Kirk unterbrach seine Grübeleien und sah ihn nun
seinerseits fragend an.
„Entschuldige, ich war in Gedanken“, erwiderte McCoy.
„Was wolltest du mit mir besprechen?“, fragte Jim. „Du und
Scotty, ihr werdet das schon machen. Die Feier letztes Jahr war doch auch
gelungen. Ich muss noch die Berichte...“ Er deutete auf den Stapel Datenpads
auf seinem Schreibtisch.
„Ja, sicher“, murmelte McCoy und verabschiedete sich. Er
musste irgendetwas tun, um Jim aufzumuntern, wenn er schon nicht den Grund seiner
schlechten Stimmung in Erfahrung bringen konnte. Allerdings hatte er da so eine
Ahnung, was es sein könnte. Wenn Jim doch nur reden würde. Irgendetwas musste
geschehen, bevor ihm Jim in einen Zustand verfiel, der seine Arbeit negativ
beeinträchtigte. Immerhin war er nicht nur dem Freund, sondern vor allem dem
Schiff und seiner Crew verpflichtet. Aber was?
Sein Blick fiel auf ein Stück altmodisches Papier, das auf
Jims Schreibtisch lag. Hatte er da nicht etwas von Wunschzettel gelesen?
///
„Wieso gehst du nicht
einfach mit deinem medizinischen Notfallcode rein?“, fragte Scotty eine Stunde später,
als er die Tür zur Kabine des Captains öffnete.
“Weil das der Computer aufzeichnen würde und wie soll ich Jim erklären, dass
ich in seine Kabine gehe, obwohl ich genau weiß, dass er Dienst auf der Brücke
hat“, erklärte McCoy. „Aber wenn du die Überwachungssysteme wegen einem
angeblichen Fehler abschaltest, wird a) nichts aufgezeichnet und b) gibt es
zumindest eine logische Erklärung für deine Anwesenheit hier. Ich bin dann halt
zufällig vorbeigekommen und habe reingeschaut.“
Scotty seufzte als sie eintraten. „Irgendwie gefallen mir
solche Heimlichkeiten vor dem Captain nicht.“
„Hey, ich will ja nichts klauen oder hier spionieren, es
geht mir nur darum, ihm zu helfen“, verteidigte sich McCoy. „Ich muss nur..:“
Vorsichtig schob er einige Datenpads auf dem Schreibtisch zur Seite.
„Was suchst du eigentlich?“, fragte Scotty und machte sich
am Computer zu schaffen, um für ihr Alibi zu sorgen.
„Ich hab da vorhin was gesehen“, murmelte McCoy. „Ah, da ist
er ja.“ Triumphierend hielt er den Zettel hoch.
„Ich wusste es“, sagte er und las den Zettel. „Ich wusste
es“, wiederholte er.
„Was?“ Scotty beugte sich über ihn und las „Mein
Weihnachtswunsch: Ein Kuss von Spock.“
„Uh-uh“, machte der Chefingenieur.
„Ich hab’s geahnt“, sagte Leonard.
Ja, er hatte geahnt, dass Spock der Hauptgrund für Jims
momentane fast depressive Stimmung war. Seit den Ereignissen auf Vulkan hatte
sich die Beziehung der beiden verändert.
Das komische war, während Spock etwas aufzutauen schien, wurde Jim
distanzierter. Über den Vulkanier vermochte McCoy nicht viel zu sagen, aber er
hätte seine Krankenstation darauf verwettet, dass er etwas für Jim u empfinden
begann, was sich nicht so ganz mit vulkanischer Logik beschreiben ließ. Dass
Jim verliebt war, nun das sah ein Blinder auf zehn Kilometer Entfernung. Er
kannte Jim gut genug um zu wissen, dass es ihm ernst war. Wäre es ihm um einen
Flirt gegangen, er hätte nichts anbrennen lassen. Doch so fürchtete er wohl die
Reaktion des Vulkaniers. Spock würde natürlich nie den ersten Schritt tun. Oder doch?
Er trat ins Bad, dass die Kabine des Captains mit der des
Ersten Offiziers verband.
„Was willst du tun?“, fragte Scotty. „Wir können ja schlecht
Mr. Spock fesseln und dem Captain zum Weihnachtsgeschenk machen.“
„Nein“, erwiderte McCoy. „Aber wir können dafür sorgen, dass
er den Zettel findet. Der Rest liegt dann bei ihm.“ Er schob das Papier unter
der Tür durch in Spocks Kabine.
„Du meinst, er würde dem Captain...?“, Scotty war skeptisch.
„Du bist zu selten auf der Brücke“, erwiderte Leonard.
„Sonst wüsstest du, welche Blicke die beiden einander zu werfen, wenn sie sich
unbeobachtet fühlen. Nur traut sich natürlich keiner den ersten Schritt zu tun.
Wenn Spock weiß, was Jim für ihn empfindet, vielleicht wird er ja dann
reagieren.“
„Hoffentlich hast du recht“, meinte Scotty als sie die
Kabine verließen.
„Ja, das hoffe ich“, erwiderte McCoy. Sonst hatten sie
wirklich ein Problem.
///
Das weiße Papier fiel Spock sofort auf, als er sein Quartier
betrat. Auch wenn diese Art der Kommunikation schon längst veraltet war, so war
ihm Jims Handschrift doch sofort bekannt. Als er den Wunsch las, glaubte er
sein Herz würde für einen Augenblick stocken.
Jim wünschte sich einen Kuss von ihm. Das Symbol
menschlicher Zuneigung, wie er wusste. Jim würde so einen Wunsch doch nicht
leichtfertig äußern. Hieß das, Jim besaß Gefühle für ihn? Gefühle der Art, wie
er sie selbst seit seinem Pon Farr in sich wachsen fühlte und deren Akzeptanz
ihm noch immer Schwierigkeiten bereitete?
Hatte Jim
ihm den Zettel hier her gelegt, damit er ihm fand? Oder war er nur zufällig
hier gelandet? Doch diese Fragen waren nebensächlich. Viel wichtiger war, wie
sollte er darauf reagieren? Konnte er zu Jim gehen und ihm von seinen eigenen
Empfindungen berichten? Erwatete der Mensch den ersten Schritt von ihm, weil er
selbst nicht wusste, wie er sich Spock offenbaren sollte?
Fragen über Fragen. Er musste dringend darüber meditieren.
///
Vulkanier war nichts zu sehen und Jims Stimmung – obwohl er
sich sichtlich
Mühe gab – auf dem Tiefpunkt. McCoy entging nicht, wie er
jedes mal, wenn
die Tür aufglitt, hoffnungsvoll in ihre Richtung blickte,
als warte er auf jemanden.
Doch dann verdüsterte sich seine Miene rasch wieder.
McCoy war sehr versucht, den Vulkanier suchen zu gehen und
persönlich auf die Weihnachtsfeier zu schleppen: Doch dann fragte er sich: Was
erwartest du von ihm, Leonard? Das er hier auftaucht und Jim vor allen Leuten
küsst? Sei nicht albern, das würde Spock nie tun.
„Ich gehe, Pille, ich bin müde“, verabschiedete Kirk sich
von ihm.
McCoy sah ihm hinterher und beschloss: Er würde bis zum
Weihnachtsmorgen warten. Hatte sich Jims Befinden dann nicht gebessert, dann
würde er ihn zur Rede stellen, notfalls mit seiner Autorität als Chefarzt.
///
Erschöpft trat Jim in seine Kabine. Er fühlte sich so
schrecklich ausgelaugt. Wenn er doch nur endlich einmal wieder ruhig schlafen
würde können. Vielleicht sollte er McCoy doch um eine seiner kleinen, roten
Pillen fragen. Doch der Arzt würde eine Erklärung für seine Probleme verlangen.
Aber wie konnte er ihm erklären, dass er jede Nacht erregt aufwachte, weil er
von Spock träumte. Dass er sich nach seinem Ersten Offizier verzehrte. Dass er
hoffnungslos in einen Mann verliebt war, der seien Gefühle wohl nie erwidern
würde. Nicht so sehr, weil er Vulkanier war – Jim war sich sicher, dass Spock
Emotionen besaß, wenn er sie auch beherrschte – sondern weil er offensichtlich
kein Interesse an einem menschlichen Man als Partner hatte – oder zumindest
nicht an ihm. Er hatte jedenfalls noch nicht das kleinste Anzeichen bemerkt,
dass ihm Hoffnung schenken würde. Irgendwie musste er seine Gefühle in den
Griff bekommen, bevor sich seine Verfassung negativ auf seine Fähigkeiten
auswirkte. McCoy war bestimmt schon misstrauisch geworden.
„Jim.“ Kirk zuckte zusammen, als Spocks tiefe Stimme seine
Grübeleien unterbrach.
“Spock, was machen Sie denn hier?“, fragte er und versuchte sich zu beruhigen.
Sein Herz klopfte wie wild. Spock sah umwerfend aus in seiner schwarzen
Freizeitkleidung.
„Ich wollte Sie nicht erschrecken, Captain“, erwiderte der
Vulkanier. „Ich wollte Ihnen nur Ihr Weihnachtsgeschenk bringen.“
„Spock, das wäre doch nicht nötig gewesen“, erwiderte Kirk.
„Ich weiß, dass Ihnen dieser Feiertag nichts bedeutet. Aus Ihrer Sicht ist er
ein unlogisches, überholtes Fest, nicht wahr?“
„Ich bin zur Hälfte Mensch und ich respektiere Ihre
Traditionen“, erwiderte Spock und trat auf Jim zu. „So weiß ich, dass man sich
unter einem Mistelzweig küsst.“
„Was?“ Jim blickte auf und sah zu seiner Überraschung einen
Mistelzweig an der Decke hängen. Wo kam der plötzlich her?
Spock zögerte einen Moment und fragte sich, ob er wirklich
das Richtige tun würde. Doch er war nach langer Meditation zu der Überzeugung
gelangt, dass er es wagen musste. Nur so konnte er herausfinden, ob Jim
tatsächlich etwas für ihn empfand. Er würde es wagen müssen – und hoffen, dass
er damit nicht ihre Freundschaft riskierte. Wenn er sich irrte und Jim nichts
für ihn empfand, dann würde er das Schiff verlassen müssen. Doch daran wollte
er jetzt nicht denken. Die Enterprise war seine Heimat geworden, Jims ein
bester Freund. Wenn er selbst einen Weihnachtswunsch hätte...
Er riss sich von seinen Gedanken los, beugte sich zum
Menschen und küsste ihn vorsichtig auf die Lippen. Jim riss überrascht die
Augen auf.
„Spock“, flüsterte er, als der Vulkanier sich von ihm löste.
Seine Gedanken überschlugen sich und sein Herz raste. Spock hatte ihn geküsst.
Ein Traum war wahr geworden. Doch hatte der Vulkanier ihn nur geküsst, weil es
eine alte irdische Tradition war oder ahnte er etwa gar von seinen Gefühlen und
erwiderte sie?
„Jim“, sagte Spock leise und holte ein Stück Papier aus
seiner Tasche. „Entsprach dies Ihrem Wunsch?“
„Wunsch?“ Kirk blinzelte überrascht und nahm den Zettel
entgegen. Er erkannte ihn sofort. Es war eigentlich eine alberne Idee gewesen,
einen Wunschzettel zu schreiben. Als würde er noch an den Weihnachtsmann
glauben. „Wo hast du ihn her?“, fragte er.
„Er lag in meiner Kabine“, erklärte Spock und kämpfte um seine
Beherrschung. Hatte er einen Fehler gemacht, das ganze etwa missverstanden. War
Jim unangenehm, das er davon erfahren hatte? Wollte er den Kuss gar nicht?
„Aber du musstest doch nicht.. ich meine..“, stotterte Kirk.
„Ich weiß.. wie sehr du Berührungen...“ Er brach ab. Spock hatte ihm ein
Geschenk machen wollen. Er konnte nicht ahnen, wie sehr ihn diese Geste
verwirrte, wie sehr sie in seinen Wunden rührte. Statt die Erinnerung an diesen
einen Kuss zu genießen, spürte er nun noch mehr, was er vermisste.
„Jim“, sagte Spock sanft. “Ich wollte Sie sehr gern küssen.
Und würde es gern wieder tun. Wenn Sie... wenn du es auch möchtest.“
Jim blickte in die dunklen Augen des Vulkaniers und sah
plötzlich eine Liebe darin, die alle seine Zweifel und Sorgen in Luft auflöste.
„Ich möchte es sehr gern“, erwiderte er.
Spock küsste ihn erneut.
Ende.
