Auch
Captain’s müssen brav sein
T’Len
2003
Serie:
TOS
Code:
PG-13
Summe:
Jim bekommt, was er verdient.
Disclaimer: Leider gehören mir die Jungs und Mädels nicht. Ich habe sie nur für ein bisschen Fanfiction-Spaß ausgeborgt. Damit sollen keine Urheberrechte verletzt werden. Und natürlich wird damit nichts verdient. Beachtet die Altersangabe und geht wo anders spielen, wenn ihr zu jung seit oder euch am Thema stört.
Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.
Vorführerisch zog der Duft von Tannennadeln – sie hatten den
Baum heute Nachmittag geschmückt - und Plätzchen – Mama hatte vor einigen
Stunden noch gebacken – durchs Haus, als Klein-Jimmy vorsichtig im Dunkeln die
Treppe hinunter tappste. Eigentlich sollte er schon längst im Bett liegen und
schlafen, doch wer konnte am Weihnachtsvortag schon schlafen. Zumal er es
vorhin hatte poltern hören. Das war bestimmt der Weihnachtsmann gewesen, der
sein Geschenk gebracht hatte. Er liebte doch so sehr Geschenke. Nun wollte er
unbedingt nachsehen.
„James T. Kirk, du bist nicht artig gewesen!“ Die polternde
Stimme ließ ihn zusammenzucken.
Captain Kirk drehte sich im Bett auf die andere Seite und
blinzelte, als die letzten Reste des Traumes – eine nette Erinnerung an seine
Kindheit zu Hause auf der Farm in Iowa – von ihm abfielen. Die polternde
Stimme, so stellte er fest, war nicht Bestandteil seines Traumes gewesne,
sondern gehörte zu jener rotbemützten, weißbärtigen Gestalt, die er in der
schwachen nächtlichen Beleuchtung vor seinem Bett stehend ausmachen konnte.
Roter Mantel? Weißer Bart? Das kam ihm doch irgendwie
bekannt vor? Der Weihnachtsmann! Der Weihnachtsmann stand vor seinem Bett?
Unmöglich! Er musste immer noch träumen. Den gab es doch gar nicht. Und er war
schon lange dem Alter entwachsen, an dem er etwas anderes glauben würde.
„Licht an!“, befahl Jim. Doch die Gestalt verschwand nicht
als es heller wurde, allerdings kam sie ihm nun vage vertraut vor – ragten da
nicht geschwungenen Augenbrauen unter der roten Mütze hervor?
„Spock, bist du das?“, fragte Jim verwirrt.
„Ich bin der Weihnachtsmann“, betonte die Gestalt und Jim
war sich trotz verstellter Stimme sicher, den Vulkanier vor sich zu haben. Wer sonst
hätte auch das nachts unbemerkt in seine Kabine kommen können, durch
verschlossene Türen (nur die zum Bad, dass seien und Spocks Kabine verband
stand offen) und ohne Alarm auszulösen? Außerdem dem wahren Weihnachtsmann
natürlich – und den gab es nicht. Punktum!
„Was soll die Maskerade?“, fragte er ungehalten. Er wusste
ja, er hatte Spock geraten, sich mehr mit irdischen Bräuchen zu beschäftigen,
aber musste er gleich so übertrieben? Und wo im Himmelswillen hatte er das
Kostüm aufgetrieben?
Der Weihnachtsmann zog ein Buch aus seinem Sack. Sogar einen
Sack hatte er, alle Achtung. Jim begann widerwillig Spocks Einfallsreichtum und
Originaltreue zu bewundern. Aber musste er ihn deswegen mitten in der Nacht
wecken? Der morgige Tag hätte es doch auch getan, wenn er schon den
Weihnachtsmann spielen wollte. Er war wirklich erschöpft von all den Dingen,
die unbedingt noch in diesem Jahr erledigt werden mussten – namentlich viel zu
lange aufgeschobene Berichte. Und morgen – oder schon heute, bestimmt war es längst
nach Mitternacht Bordzeit – war die Weihnachtsfeier der gesamten Crew. Ein
Ereignis, für das Jim sich immer persönlich verantwortlich fühlte, immerhin
waren die Feiern der Enterprise legendär – und das sollte auch so bleiben.
Also wollte er das ganze etwas beschleunigen. „Hast du mir
auch etwas mitgebracht Weihnachtsmann?“ fragte er und in seinen Augen funkelte
es für einen Moment. Er liebte Geschenke, das musste er zugeben.
„James T. Kirk, du bist im letzten Jahr nicht immer brav
gewesen“, polterte der Weihnachtsmann.
„Ach ja?“, fragte Jim zurück. „Zum Beispiel:“
Der Weihnachtsmann blätterte in seinem Buch. „Du hast deinen
t’hy’la beschämt, indem du mit fremden Frauen flirtetest.“
„Hey, das war nur im Sinne unserer Missionen“, verteidigte
sich Jim. „Da ist nie etwas passiert. und warum sagst du es nicht einfach, wenn
du eifersüchtig bist.“
„Du hältst dich nicht an deine Ernährungspläne“, fuhr der
andere fort, ohne auf seinen Einwurf zu reagieren.
„Steckst du mit Pille unter einer Decke?“, fragte Jim
zurück.
Wieder ohne Antwort. „Du hältst dich nicht immer an die
Vorschriften der Föderation und der Sternenflotte.“
Jim verdrehte wortlos die Augen.
„Du bringst dich gern unnötig in Gefahr und ängstigst damit
deine Freunde.“
„Schon gut, schon gut“, wehrte er ab. „Ich habe verstanden.
Lass uns die Sache hinter uns bringen. Was willst du? Soll ich ein Gedicht
aufsagen? Ein Lied singen?“
„Du verdienst die Rute“, kam es polternd zurück.
Und ehe Jim sich versah, war sie auf seinem Rücken
niedergesaust – mit einem kräftigen Schlag.
Er sprang aus dem Bett. „Aua! Jetzt reicht es aber. Du
übertreibst Spock.“
„Ich denke, mehr als ein Schlag wäre angemessen für deine
Vergehen.“
Erneut wurde die Rut gehoben. Jim wich an die Wand zurück.
„Genug“, knurrte er. „oder soll ich daraus einen Befehl machen, Mr. Spock?“
„Ich bin der Weihnachtsmann, ich nehme von niemanden Befehle
an“, erwiderte sein gegenüber indigniert.
Jim seufzte. „Du übertreibst wirklich, Schatz“, bemerkte er
süffisant. „Also gut, was willst du, damit ich endlich meine Ruhe bekomme?“
„Versprichst du dich zu bessern?“, fragte die tiefe Stimme.
Jim nickte. „Ich verspreche es.“
„Gut, du hast auch viel Gutes getan für deine Leute und
andere. Dir sei vergeben, aber sei gewarnt, ich beobachte dich.“
„Jaja, schon gut“, murmelte Jim.
„Dann sollst du dein Geschenk haben.“ Der Weihnachtsmann
kramte erneut im Sack.
Als Jim das Päckchen entgegennahm konnte er seiner Neugier
nicht widerstehen. Geschenke liebte er noch immer. Ungeduldig entfernte er schleife
und Verpackung, hielt dann ein antiquarisches Buch in Händen, dass er sich
schon lange gewünscht hatte.
„Spock, ich danke...“ Jim blickte auf und unterbrach sich.
Seien Kabine war leer.
///
„Also du warst wirklich ein überzeugender Weihnachtsmann,
Schatz. Du solltest bei der Feier auftreten. Aber den Schlag mit der Rute
könnte ich dir fast übel nehmen“, sagte Jim, als Spock fünf Minuten später
durch die Verbindungstür seine Kabine betrat. Er trug nun die schwarze Robe,
die ihm so gut stand, wie Jim fand. Er sah darin noch mehr sexy aus als üblich.
„Weihnachtsmann? Ich verstehe nicht.“ Spock hob überrascht
beide Augenbrauen.
„Ach komm’, tu’ nicht so. Ich habe dich erkannt.“ Jim
kletterte aus dem Bett, umarmte Spock und küsste ihn. „Vielen Dank für das
Buch. So ein wertvolles Geschenk wäre doch nicht nötig gewesen.“
Spock blickte noch immer irritiert auf das Buch, dass auf
Jims Nachttisch lag. „Ich habe dir das nicht geschenkt“, sagte er. „Ich wollte
dir mein Präsent erst nach der Feier geben.“
„Nicht?“ Nun war auch Jim etwas verwirrt. Das Buch war
eindeutig da, er konnte das Ganze nicht nur geträumt haben. Und wer sollte es
sonst gewesen sein? Pille? Unmöglich, der Arzt hätte sich nach spätestens zwei
Minuten vor Lachen verraten. Ein anderes Crewmitglied? Nein, bestimmt nicht. Es
musste Spock gewesen sein, Punktum. Nur wollte er offensichtlich das Ganze bis
zum Schluss durchziehen.
„Schatz, es ist wirklich süß von dir, dass du mir mit
irdischen Weihnachtsbräuchen eine Freude machen willst. Du kannst es ruhig
zugeben.“
Spock schüttelte den Kopf. „T’hy’la, ich versichere dir, ich
bin bis vor exakt 5,67 Minuten im Labor gewesen. Der Bordcomputer wird das
bestätigen können. Danach kehrte ich auf direktem Wege in meine Kabine zurück,
kleidete mich um und kam zu dir. Ich habe dir dieses Buch nicht geschenkt und
ich war vorher nicht in dieser Kabine.“
Jim starrte ihn an. Spock klang so überzeugend. Und
Vulkanier logen doch angeblich nicht. Oder? „Du warst wirklich nicht hier? Als
Weihnachtsmann verkleidet?“, fragte er.
„Nein.“
„Aber wer war es dann?“, grübelte Jim. „Es wird doch nicht
tatsächlich... nein, unmöglich... oder doch? Der Weihnachtsmann? In echt?“
„Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure
Schulweisheit sich träumen lässt“, zitierte Spock. Und in seinen dunklen Augen
glitzerte es für einen Moment verdächtig, als er Jim in die Arme nahm und
küsste.
Ende