Licht für
die Seele
Kapitel 11 /13
Teil 1: Licht im Dunkel / Wenige Monate nach TOS / Kapitel 1 bis 3
Teil 2: Erkenntnis und Abschied / Direkt nach Teil 1 / Kapitel 4 bis 5
Teil 3: Licht und Dunkelheit / Zwischen dem ersten und dem zweiten Kinofilm / Kapitel 6 bis 11
Teil 4: Alles Dunkel sinkt hinweg / Nach dem fünften Kinofilm / Kapitel 12 und 13
Noch mehr Übersicht zur Story gibt es hier: http://myblog.de/lichtfuerdieseele1/page/1266116/Ubersicht_der_Story
Zusammenfassung: Die Welt ist voll von Gewalt und Missbrauch, Blindheit und Vorurteilen. Doch ungewöhnliche Kunstwerke bringen Licht in die Seelen.
ACHTUNG! Diese Story ist kein Mainstream K/S. Sie ist ein komplexes und idealistisches Weihnachtsmärchen mit einer Extraportion Kitsch und einer dreifachen Portion Harmonie. Wer so etwas nicht mag, sollte jetzt ganz schnell das Weite suchen. Diese Warnung ist ernst gemeint.
Autor: Liliane Romano
Beta: Paxstartrek
Ein Weihnachtsmärchen im Star Trek Universum
K/S, K/m,
S/f, m/m
PG 13
Mit dabei: unbeherrschte Künstler / faszinierende Vulkanier / eine traurige, lähmende Erinnerung / eine Spezies ohne Ethik / ein verzauberter Herbstwald / eine fesselnde Frau in Blau / Romantik / Erotik / Winter – und Weihnachtskitsch
Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spass und will keine Rechte verletzen.
*****
Am Samstag vor dem dritten Advent
erzählt Robin, was vor vier Jahren auf dem Föderationsplaneten Mazi Bradley geschah.
Vulkanische Wissenschaftler, menschliche Künstler und
Weihnachten
*** Vorsichtig trug Jasmin die letzte ballgroße Palkas – Frucht zum Gleiter und Robin legte sie zu den anderen. Dann stand er für einige Sekunden unsicher da.
„Weißt du was, mein Schatz, wir nehmen den vulkanischen Wissenschaftlern noch einen großen Korb mit diesen vulkanischen Blumen mit, die dem irdischen Safran so sehr ähneln. Die haben sie zwar nicht bestellt, aber es ist schön, etwas zu schenken und vielleicht gefällt es ihnen, Gewächse von ihrem Heimatplaneten in ihrer Kolonie zu haben“, sagte er schließlich.
Robin nahm seine siebenjährige Tochter an die Hand und gemeinsam gingen sie in eines der Gewächshäuser. Sie packten einige Dutzend kleine Blumentöpfe mit den hell-lila vulkanischen Pflanzen in einen besonders großen Korb und setzten ihn zu den bestellten Früchten und Gemüse in den Gleiter. Die Vulkanier mussten die Pflanzen dann nur noch in ihrer eigenen Kolonie einsetzen. Sie waren eine moderne Züchtung, trugen mehr Blüten als ihre wilde Form auf Vulkan und mit etwas Fantasie ähnelten die T’Jolis tatsächlich den Safrangewächsen – und Fantasie hatten die Bewohner der Kolonie aus Künstlern und Gärtnern hier auf Mazi Bradley ja mehr als genug.
Prima Cloud, die Pilotin, startete den Gleiter und steuerte mit Robin und Jasmin die Kolonie der vulkanischen Wissenschaftler an. Der Flug dauerte nur wenige Augenblicke und sie landeten am Rand der Wirtschaftsgebäude. Seyenol, der Verwalter der Kolonie, empfing sie mit einem Kopfnicken. Er dirigierte eine mehretagige Antigravbahre nahe an den Gleiter heran und half stumm beim Ausladen. Beim vierten Beladen kam auch der Pflanzenkorb an die Reihe.
„Diese Pflanze gehört nicht zu unserer Bestellung, Mr. Alliani“, sagte Seyenol kühl und verschränkte die Hände hinter dem Rücken, als Robin sie ihm geben wollte.
„Das weiß ich. Aber wir dachten uns, es könnte für Sie angenehm sein, vulkanische Pflanzen in ihrer Kolonie zu haben und deshalb haben wir Ihnen einen Korb voll davon mitgebracht. Sie sind ein Geschenk von uns.“
„Geschenke sind nicht nötig.“
„Kleine Geschenke erhalten die gute Nachbarschaft oder schaffen sie - wie es bei uns Menschen heißt“, wandelte Robin ein Zitat um und hielt ihm den Korb ungerührt hin.
Seyenol hielt die Hände weiter hinter dem Rücken verschränkt.
„Geschenke sind überflüssig. Verschwenden Sie dafür nicht die Produkte ihrer Gärtnerei. Wenn sie die T’Jolis selbst nicht gebrauchen können, ziehen sie besser andere Pflanzen.“
Jasmin war aus dem Gleiter geklettert, stand neben ihrem Vater und hörte dem Gespräch verwirrt zu.
„Auf der Erde gibt es eine Pflanze, die fast genauso aussieht. Sie ist eine wertvolle Gewürzpflanze und heißt Safran“, sagte sie höflich.
Seyenol ignorierte sie und öffnete den Mund, um das Geschenk zum dritten Mal abzulehnen.
Doch Robin stellte den Korb einfach auf die Antigravbahre und hob die Hand zum vulkanischen Gruß.
„Leben Sie lange und in Frieden, Mr. Seyenol. Setzen sie die Blumen am besten am Nachmittag ein, das fördert ihre Eingewöhnung. So stand es jedenfalls im Computer.“
Robin hatte den Eindruck, dass Seyenol ihn musterte, als wäre er eine nervige Lebensform, die man am besten bei nächster Gelegenheit irgendwo in der Wildnis aussetzen sollte. Idealerweise mit schweren Ketten angebunden, damit sie niemals wieder dort auftauchen könnte, wo sich intelligentes Leben aufhielt. Er schüttelte innerlich den Kopf und ballte äußerlich die Hände.
„Komm, mein kleiner Schatz, lass uns zurückfliegen. Dort kannst du Charlize beim Einsetzen von dem Zweiblütigen Steinbrech helfen. Das wolltest du doch.“
„Der Gestutzte Steinbrech, Papa. Das hast du verwechselt.“
„Du weißt gar nicht, wie recht du hast, mein kleiner Engel…“, murmelte Robin und schob seine Tochter in den Gleiter.
*
„Er hat uns angesehen, als wären wir Ratten“, sagte Jasmin traurig.
„Ratten?“
„Für die Menschen früher waren Ratten Plagegeister. Sie haben sie gehasst und vertrieben. Das stand in dem Buch, das wir gerade in der Schule lesen.“
Robin grinste.
„So kann man es auch sehen. Aber er hasst uns nicht und will uns auch nicht vergiften, wie es früher mit Ratten gemacht wurde.“
„Warum mag er uns nicht?“
„Vulkanier sind anders als Menschen. Sie brauchen eine Weile, bis sie jemanden mögen.“
„Wie lange?“
„Bis sie wissen, dass man uns auch mögen kann.“
*
Einige Wochen später bei der nächsten Lieferung schenkten sie den Vulkaniern einen Herbstkranz.
Im Dezember kamen sie wieder und brachten ihnen erneut einige schöne vulkanische Pflanzen mit. Dazu schenkten sie ihren Nachbarn auch noch einen Weihnachtsstern und einen Weihnachtsgruß – mit Erklärung dieses irdischen Feiertages.
Beide Male ernteten sie eine ebenso uninteressierte Reaktion wie bei den T’Jolis. Doch wenigstens war Seyenol diesmal ein klein wenig höflicher. Er lehnte die kleinen Geschenke nicht ab und bedankte sich sogar kühl.
In dem Weihnachtsgruß stand auch die Hoffnung, dass sich ihre beiden Kolonien etwas näher kommen könnten. Die menschlichen Kolonisten hatten den Text sehr sorgfältig verfasst. Sie hatten so lange an den wenigen Worten herumgedoktert, bis er höflich, zurückhaltend, eindeutig und wirklich interessiert klang.
Doch für die Vulkanier war er wohl ohne Bedeutung.
Sie reagierten nicht.
Eines Abends saßen Robin, Liam und einige andere grübelnd in der Küche.
„Ich kann es nicht glauben. Wir wohnen nur 20 Kilometer voneinander entfernt und haben trotzdem fast keinen Kontakt. Obwohl wir nette Nachbarn sind und ihnen nicht auf die Nerven fallen. Wenn wir ihnen nicht regelmäßig das bestellte Obst und Gemüse liefern würden, hätten wir gar keine Verbindung miteinander. Da wollen wir eine gute Beziehung aufbauen und schenken ihnen einige vulkanische Pflanzen, die sie nicht bestellt haben und sie ignorieren unser Bemühen. Sind die Vulkanier unhöflich, verstehen sie es nicht oder sind wir es nicht wert, dass man mit uns redet?“
„Ach Robin...“, Liam lehnte sich seufzend zurück, „lass sie doch. Es sind vulkanische Wissenschaftler! Das heißt, sie sind noch logischer und kühler als durchschnittliche Vulkanier. Geschenke ergeben für sie keinen Sinn und der Kontakt zu uns unlogischen Menschen auch nicht. Wahrscheinlich bemühen sie sich sogar extra, uns unlogischen Künstlern nicht zu begegnen.“
Robin stand auf und tigerte durch den Raum.
„Ich finde es krank. Wir sind Nachbarn auf diesem Planeten, gehören beide der Föderation an, sind uns eigentlich recht ähnlich, jaja, großzügig betrachtet, und doch ist es, als ob der Andere überhaupt nicht existieren würde. Mir gefällt das nicht. Ich träume manchmal davon, wie schön und wie nützlich es doch wäre, ein angenehmes Verhältnis zu den vulkanischen Wissenschaftlern zu haben. Aber sie….“
Er stellte sich ans Fenster und betrachtete die geschmückten Tannen im Garten.
Michelle, Robins Ehefrau, nickte zustimmmend.
„Sie könnten Mathematikkurse geben und unsere Kinder an die Naturwissenschaften heranführen. Wir als Künstler kennen uns damit nicht so aus, doch für unsere Kinder könnte sich solches Wissen als nützlich erweisen.“
„… und wir könnten die Umgebung der Wissenschaftskolonie bepflanzen. Sie ist so fantasielos gestaltet!“, ergänzte Charlize.
Liam nickte zustimmend.
„Ja, wir könnten eine fruchtbare Beziehung haben. Jeder teilt mit dem anderen seine Fähigkeiten.“
Er lächelte in sich hinein.
„Wir könnten ihnen das Kochen beibringen. Also richtiges Kochen und nicht die typische Drei – Zutaten – Mahlzeit mit Nahrungsergänzungsmitteln. Vielleicht lockert sie leckeres Essen ein bisschen auf.“
„Wohl kaum“, widersprach Robin, „jemand sagte mir mal, dass Vulkanier kaum Geschmacksnerven haben. Sie unterscheiden geschmacklich nur zwischen mit oder ohne Aroma.“
Eine Weile schwiegen sie und starrten in den prasselnden Kamin.
„Vielleicht … sollten wir ihnen nochmal etwas schenken, etwas Bedeutenderes. Möglicherweise sind Blumen für sie einfach nur zu banal.“
„He! Blumen sind nicht banal! Sie symbolisieren Leben, Liebe, Schönheit und Freude! Und sie machen glücklich!“ widersprach die Gärtnerin Charlize heftig.
„Ich meine nur, sie brauchen keine Blumen. Sie sind für sie ohne Wert. Egal, wie wir das sehen. Wir brauchen etwas, womit wir sie neugierig auf uns machen, womit wir sie ködern können.“
„Oder etwas, das ihnen zeigt >Wir gehören zusammen<“, sagte Robin.
Liam verdrehte die Augen.
„Du und dein unverbesserlicher Friede – Freude – Eierkuchen – Glauben. Die Vulkanier interessieren sich nun mal nicht für uns.“
„Aber wir uns für sie und das müssen wir ihnen beweisen…“
„… und wir müssen ihnen zeigen, dass wir sie verstehen, sie achten wie sie sind…“
„… und ihnen zeigen, dass wir mehr sind als wilde, unlogische Wesen, denen Gott nur versehentlich die Fähigkeit zum Sprechen gegeben hat…“
„… wir müssen sie davon überzeugen, dass wir es wert sind, eine angenehme nachbarschaftliche Beziehung mit uns einzugehen…“
„Wenn wir ihnen etwas schenken, muss das Geschenk für sie einen echten Wert haben“, sagte Robin.
„… es muss ein eindeutiges wunderschönes Symbol unseres Wunsches sein, sie näher kennenzulernen, etwas, das sie nicht ignorieren können…“
Sie sahen sich an und Robin Alliani nickte. Sie wussten, sie hatten den gleichen Gedanken.
„Ob wir das schaffen, Robin?“
„Es ist die größte Herausforderung, die du oder ich oder sonst einer von uns A.L.C.E. Künstlern sich jemals gestellt hat.“
„Können wir sie bewältigen, Robin? Können wir das? Normalerweise bin ich nicht der Selbstzweifler, aber diese Idee…“
„… ist nicht nur die größte Herausforderung sondern auch die größte Chance. Vulkanier und Menschen! Wir ergänzen uns so perfekt und haben doch nur so wenig Kontakt. Nicht nur hier auf Mazi Bradley sondern überall. Liam! Halte mich für noch verrückter als ich ohnehin bin, doch ich glaube, wenn die Vulkanier erkennen, wie wunderbar und nützlich unsere Spezies füreinander sein können… dann, dann… könnte es eine größere Auswirkung haben, als nur eine gute Nachbarschaft auf Mazi Bradley! Nein, lass mir diesen verrückten Traum… jaja… ich bin ein unverbesserlicher Träumer, der größte Idealist des Universums. Aber es geschah oft genug auf der Erde, dass Künstler mit ihrer grenzenlosen Fantasie und ihrer geistigen Unangepasstheit den Anstoß für eine bessere Welt gaben…“
„Robin…“, Liam wollte ein paar beruhigende Worte sagen und wurde sofort wieder unterbrochen, denn Robin sprang auf und schüttelte ihn.
„Mein Freund, lass deine Zweifel! Ich habe früher immer an mir gezweifelt und es hat mich viel Mühe gekostet, davon zu lassen. Ich weiß, es ist mühevoller als alles andere, was wir bisher erschaffen haben, doch wir werden es schaffen. Jim Kirk, wir kennen ihn beide, hat sich nie von seinen Zweifeln lähmen lassen. Er hat mir das vor einigen Jahren mal klargemacht und mir einen neuen Weg gezeigt. Liam… wir schaffen es! Wir haben in unseren Gewächshäusern unzählige vulkanische Pflanzen und was uns fehlt, lassen wir uns vom nächsten Schiff mitbringen.“
Robin warf die Arme in die Luft und lachte wie ein Kind.
„Es scheint eine zu große Herausforderung zu sein, nur dafür um uns mit unseren Nachbarn gut zu verstehen. Doch es ist eine Herausforderung, die unser Herz stellt.
Und wir werden es schaffen, ich fühle es…“
Er drückte seinen Freund und küsste ihn.
Liam sah ihn einige Sekunden lang ruhig an, erblickte das Feuer in den hellen Augen. Dann lächelte er.
„Dann ist es also abgemacht! Wir bauen den Vulkaniern ein Art of LightCrystal and Environment Modell. Sie werden verstehen, was wir anders nicht ausdrücken können.“
„Wir schenken ihnen ein Kunstwerk, dass unseren Respekt ausdrückt, unsere Neugier, unsere Freude sie zu kennen. Das Werk wird zeigen, wie angenehm eine Beziehung mit uns Menschen sein kann. Wenn sie es sehen, werden sie es verstehen. Das Kunstwerk wird das Modell der Verständigung, des Respekts und der Neugierde sein. Ich weiß nicht, was in den Vulkaniern vorgehen wird, wenn der Kristall sich mit ihnen koppelt. Aber eines weiß ich, wenn wir das Modell so erschaffen, wie es sein soll, wird der Kristall darauf reagieren – und wenn er reagiert, haben wir es richtig gemacht und die Vulkanier werden in ihrem Herzen verstehen, was wir wollen.“
*
Sie setzten sich mit den anderen Künstlern und den Gärtnern zusammen und berieten ihren Plan.
Zuerst studierten sie Informationen über Vulkanier und Vulkan. Liam und Robin verbrachten sogar einige Tage auf dem Wüstenplaneten. Sie ließen den Planeten auf sich einwirken und zurück auf Mazi Bradley meditierten und träumten sie wochenlang. Solange bis sie den Planeten gut genug verstanden. Langsam entstand in ihnen eine Vorstellung von dem A.L.C.E.
Liam und Robin planten das Modell so lange, bis sie wussten, wie sie es gestalten würden. So lange, bis jeder Stein, jede Blütenblatt, jeder Bestandteil von der Erde und von Vulkan in ihren Gedanken an seinem richtigen Platz im Modell war. Solange, bis sie sich sicher waren, dass das A.L.C.E. darstellen würde, was es sollte.
Es dauerte viele Monate, bis ihnen ihr Gefühl sagte, dass sie das Kunstwerk Detail für Detail in ihrem Geist hatten. Dann begannen sie zu bauen. Liams Hand zitterte, als sie sich dem Ende näherten und Robin setzte die Arbeit allein fort.
Sein Herz glühte und in seinem Kopf erklang Musik, als er den Kristall in das Modell setzte.
Knistern und ein goldgrüner Funkenschauer erschienen und seine Hand wurde zurückgestoßen.
Das Kraftfeld baute sich auf und Robin fühlte Tränen des Glücks in seinen Augen und Liams Arm um sich… ***
*
„Zusammen mit der Lieferung vom Zweiten Advent brachten wir das A.L.C.E. zu den Vulkaniern. Wir sagten ihnen, wir hätten ein Geschenk für sie und sie erlaubten uns, es in einem Gemeinschaftsraum aufzustellen Wir legten wieder eine Karte mit Weihnachtsgrüßen dazu und den Bericht über die Entdeckung der Kristalle auf Pamar Onut. Dann flogen wir zurück.
Bis zur Reaktion der Vulkanier dauerte es nur einen halben Tag.
Dann kamen die Ältesten der vulkanischen Kolonie zu uns. Sie überreichten uns ein goldenes T’Vior, ein wichtiges Symbol in ihrer Kultur. Weißt du, was es bedeutet?“
Jim schüttelte den Kopf.
„Es ist das Symbol der Achtung und der Dankbarkeit“, sagte Spock leise.
Robin sprang auf.
„Seitdem kommen sie jeden Dritten Advent zu uns und wir feiern diesen Tag gemeinsam. Also auch morgen. Die Beziehung zwischen uns ist gar nicht mehr wiederzuerkennen. Anfangs waren sie noch etwas steif, doch das legte sich schnell.
Heute lehren sie unsere Kinder geduldig Naturwissenschaften und helfen uns bei technischen Problemen. Zu jeder Zeit sind Vulkanier bei uns und Menschen bei den Vulkaniern. Es haben sich auch einige Paare gefunden. Die Frauen sind ganz verrückt nach den vulkanischen Männern… und du auch, Liam, stimmt’s?
Wir haben das Außengelände ihrer Kolonie bepflanzt und ihren Kindern geben wir Kunstkurse und machen sie mit unserer Kultur vertraut. Sie sind oft hier, um sich um die vulkanischen Pflanzen in den Gewächshäusern zu kümmern. Sie sind glücklich über die vielen Pflanzen ihrer Heimat. Sie würden dieses Gefühl sicher leugnen, doch wir sind nicht blind. Sie blühen selbst auf, wenn sie die blühenden Geschenke der Natur sehen.“
*
Kirk hatte Robin fasziniert zugehört.
„Ihr habt es geschafft“, stellte er fest und verschränkte lachend die Hände hinter dem Kopf.
Robins Augen blitzten und er zwinkerte Spock zu.
„Ihr Vulkanier seid wirklich nicht leicht zu knacken…“
„Das ist wahr und in Bezug auf den angenehmen Teil der Menschheit wirklich unlogisch. Ich muss gestehen, ich habe von diesem A.L.C.E. im Gegensatz zu Admiral Kirk schon gehört.
Sie hatten recht mit ihrer Vermutung. Das Kunstwerk hat die Neugier der Vulkanier geweckt.“
Robin nickte.
„Tausende, ach, Zehntausende sind seitdem nach Mazi Bradley gekommen um es sich anzusehen. Sie haben auch uns besucht, mit uns gesprochen und unsere anderen Kunstwerke betrachtet und…“
Er lächelte Jim und Spock an.
„Er will nicht, dass es allgemein bekannt wird, doch ihr werdet sicher schweigen… Satiamor, der Oberste des Hohen Rates der Vulkanier, war selbst hier. Du weißt es vielleicht, die Regierenden Vulkans verlassen ihren Planeten eigentlich nie. Satiamor hat uns gefragt, ob wir ein A.L.C.E. für Vulkan anfertigen könnten. Es soll die Philosophie der Vulkanier darstellen, ihre Ursachen und ihre Folgen. Sie glauben, es könnte ihnen helfen, die vulkanische Philosophie weiter zu entwickeln.“
„Ein logisches Ziel“, stimmte Spock zu, „eine Kultur ohne Veränderung geht früher oder später zu Grunde.“
„Habt ihr der Bitte zugestimmt?“ fragte Jim.
„Zugestimmt? Was glaubst du denn, warum die Enterprise für einen simplen Transport geordert wurde? Du sollst Liam und mich schnellstens nach Vulkan bringen. Sie wollen UNS, die emotionalsten Menschen, die man im Universum finden kann! Und…“, er lachte auf, „Satiamors Bitte galt nicht nur Liam und mir sondern auch anderen Künstlern, die dazu fähig sind und sie haben alle zugestimmt!
Jim, ich habe schon nicht mehr daran geglaubt… du weißt, wie es mir damals ging… wegen… der Sache damals. Das ist Jahre her und wir hatten kaum Kontakt… und jetzt… Jim! Wir werden alle zusammen an diesem Projekt arbeiten! Liam, Stéphane, Cupio, Ladina, Rebita und ich.“
*
Jim war verblüfft darüber, dass Spock in sein Zimmer kam. Er hätte nicht damit gerechnet. Jetzt noch nicht. Er ließ sich von seinem Freund in einen leidenschaftlichen Kuss ziehen.
Später lagen sie beieinander und genossen die wiedergefundene Nähe.
„Jim… ich kenne das A.L.C.E. von Liam und Robin. Ich war hier, kurz bevor wir zum ersten Mal… Ich sah das Kunstwerk… und als ich Mazi Bradley verließ, wusste ich, was ich… mir wünsche. Immer mit dir zusammen zu sein.“
Jim drückte ihn an sich.
„Schon allein dafür hat sich die Mühe der Künstler gelohnt.“
Eine Weile schwiegen sie und dann wagte Jim es doch, diese eine Frage zu stellen.
„Warum bist du weggelaufen Spock? Ich habe es nicht verstanden und jetzt, wo du mir von deinem Besuch hier erzählt hast, verstehe ich es erst recht nicht.“
„Ich… hatte… konnte nicht…“, er schwieg hilflos.
„Du musst es nicht erzählen“, flüsterte Jim.
„Ich weiß…aber ich werde es dir sagen… ich wusste nicht, dass es so schön sein würde. Es war einfach zu viel für mich. Ich bin weggelaufen, weil soviel Glück auf mich einströmte. Kannst du das verstehen, Jim?“
„Ich denke schon… was glaubtest du denn, wie es sich anfühlen würde, wenn wir beide…“
„Ich dachte nur, dass ich danach glücklich sein würde, weil ich meinen Wünschen folge. Aber ich wusste nicht, dass ich so glücklich sein würde… dass meine Gefühle für dich stark sind, wusste ich… doch als das Glück dann meinen ganzen Körper und Geist ausfüllte, fühlte ich mich darin verloren… ich fühlte mich wie Robin Alliani. Verloren in meinen Gefühlen.“
„Kannst du das Glück jetzt zulassen?“
„Ja. Deshalb bin ich zurückgekommen.“
*
Am nächsten Vormittag durchstreiften Jim und Spock die weihnachtlich geschmückte Künstlerkolonie. Kirk erinnerte sich daran, wie einfühlsam Robin Alliani vor einigen Jahren sein Appartement in San Francisco geschmückt hatte. Er hatte es mit den changierenden Farben des Weihnachtsschmuckes, den silberglänzenden, duftenden Tannenzweigen und dem betörenden Duft von Honig in einen Ort der Sanftheit und Freude verwandelt.
Das große Gelände der Kolonie sah aus wie eine Spielwiese der Künstler und Gärtner. Die milden Temperaturen auf Mazi Bradley ermöglichten das Wachstum vieler unterschiedlicher Bäume und die Künstler hatten diese alle geschmückt, angepasst an den jeweiligen Baum.
Blassgelbe kleine Blätter, die im Wind tanzten, hatten sie mit goldfarbenem Glitzer besprüht und jetzt schien es, als wirbele Gold umher.
Unter großen dunklen Nadelbäumen lag „Schnee“ und die liebevoll gestalteten Schmuckstücke der Glasbläser und Glasmaler verzierten die schweren grünen Zweige.
Die Hecken, die viele Wege säumten, glitzerten eisblau und die Wege selbst wirkten wie mit Schnee bedeckt.
Auf der Piazza im Mittelpunkt der Kolonie stand eine gläserne Skulptur in der Form einer Tanne, die schon auf den kleinsten Wechsel der Helligkeit mit dem Wechsel der Farben reagierte. Der fortwährende weiche Farbwechsel in der Skulptur ließ die Augen des Betrachters umherwandern und wenn man zu lange davor stand, verfiel man dem Bann der Farben im leuchtenden Glas.
Ihre Schritte führten sie in den Großen Saal. Dort würden heute Nachmittag die Menschen und die Vulkanier den dritten Advent feiern. Es war für Jim noch immer unvorstellbar, dass die kühlen Vulkanier Gefallen an so etwas finden könnten. Doch die Kinder wirbelten lachend im Saal umher und deckten die Tische, als wäre es das normalste von der Welt, mit 130 Vulkaniern ein unlogisches menschliches Fest zu begehen.
Die Innenarchitekten hatten einen Saal geschaffen, der aussah wie aus einem längst vergangenen Jahrhundert. Ein pompöser Kronleuchter hing von der Decke, den man aber gerade abnahm und weiche Läufer in dunklen Farben bedeckten den Boden. Cremefarbene Tischdecken lagen auf den Tischen und das Geschirr, das die Kinder darauf stellten, war in dunklem Grün und in Goldfarben gehalten. Jim schaute genauer hin und sah, dass sich kein Teller und keine Tasse glichen. Die Künstler hatten jeden Teller mit unterschiedlichen Motiven bemalt, alle in den gleichen Farben und doch nicht gleich.
Er sah sich genauer um und fand auch auf den Tischdecken unterschiedliche Muster. Fleißige, fantasievolle Hände hatten sie mit zartem, goldenem Garn bestickt. Jim sah Sterne, Zweige, Nüsse, Äpfel und andere Motive. Die Künstler legten Wert auf Vielseitigkeit und Handarbeit.
‚Sie haben das getan, was sie am liebsten tun – einfach in ihren Fantasien geschwelgt…’, dachte Jim.
Dann zog es Kirk in die Küche. Er wollte zu gern wissen, was die Köche unter den Künstlern für diesen Tag vorbereitet hatten.
Seine Neugierde wurde befriedigt und sein Appetit geweckt. Er brachte Spock ein paar von den extra für die Geschmacksnerven der Vulkanier kreierten Weihnachtskeksen mit und dieser probierte sie.
„Sie sind exzellent. Normalerweise verschwenden Vulkanier keine Zeit, um besonders schmackhafte Nahrungsmittel zuzubereiten. Wichtig ist nur der Nährwert. Doch wenn die Vulkanier die angenehme Wirkung auf den Gaumen kennenlernen, die von differenzierter Nahrung ausgeht, besteht die Chance, dass ihr Interesse an der Kochkunst geweckt wird.“
Liam trat zu ihnen.
„Stimmt. Drei Vulkanier lernen bei uns zurzeit die Kochkunst. Weißt du, wir dachten erst, wir kriegen niemals eine Speise hin, bei der Vulkanier unterschiedliche Aromen schmecken können, denn bisher dachte man, Vulkanier haben kaum Geschmacksnerven.
Doch das ist ein Trugschluß.“
Er sah Spock lächelnd an.
„Wollen Sie es erzählen, Spock?“
Jim musterte seinen Freund neugierig.
Spock nickte zustimmend.
„Die meisten Geschmacksnerven sind von Geburt an bei allen Vulkaniern blockiert. Es ist wie unser starkes Verdauungssystem ein Mechanimus der Natur, mit dem sie den Vulkaniern ermöglichen will, jede noch so unangenehm schmeckende Nahrungsquelle zu nutzen.
Wenn man es jedoch will, kann man die Blockade mit einem kleinen operativen Eingriff lösen.“
„Genau das haben die vulkanischen Wissenschaftler getan. Ein Teil von ihnen zumindest. Seitdem liefern wir ihnen nicht nur zwei Sorten Obst, drei Sorten Gemüse und die vulkanische Variante des Wasabi sondern 44 vulkanische und 16 irdische Lebensmittel. Da sie sich mit dem Kochen noch nicht auskennen, kocht Oliver Jameson, ein großartiger Koch, den du vielleicht schon in der Küche gesehen hast, einmal pro Woche in der vulkanischen Kolonie“, sagte Liam zu Jim.
*
Am Nachmittag landeten die Gleiter und brachten die Vulkanier zur irdischen Kolonie.
Sie wurden von den Kindern begrüßt. Die kleinen Menschen berührten sie nicht, denn ihnen war erklärt worden, was Vulkanier nicht mögen. Die Kinder führten die Gäste in den Großen Festsaal und die Vulkanier setzten sich.
Auf den Tischen standen jetzt auch rote Teller mit Weihnachtsgebäck für die Menschen und dunkelgrüne für die Vulkanier. Kannen mit Tee und anderen heißen Gertränken verströmten feinen Duft von Kaffee, Schokolade, Marzipan, Cardamom und unbekannte vulkanische Gewürze breitete sich aus, vermischten sich mit dem Duft der frisch geschnittenen Tannenzweige, die an den Wänden des Festsaal angebracht waren.
Schnell füllte sich der Saal auch mit den Menschen und als alle da waren, wurden die Kerzen angezündet. Ein Sternenzelt erschien über ihnen und die Sterne bewegten sich verträumt über die hohe Decke und die Wand hinter der Bühne. Sternschnuppen rasten im Sekundentakt durch das Sternenmeer und verglühten wieder.
Vicky, die Sprecherin der Kolonie, blickte von der Bühne aus auf die festlichen Tische, die dunkel gekleideten Vulkanier und die farbenfroh gekleideten Menschen und lächelte, als sie Jim Kirk und Spock erblickte, die bei Robin und dessen Familie saßen. Liam saß mit Seyenol zusammen und sie hätte schwören können, dass die beiden… war Seyenol nicht in der letzten Zeit ungewöhnlich oft hier…?
Sie begrüßte die Vulkanier und dankte ihnen, dass sie die Einladung wieder angenommen hatten. Sie wünschte allen einen schönen Nachmittag und einen noch schöneren Abend.
Ein holografisches Orchester und ein ebensolcher Chor spielten und sangen auf der Bühne entspannend langsame und schnelle fröhliche Musik.
„Wir wollen alle am Fest teilnehmen und haben deshalb alles vorher aufgezeichnet“, erklärten sie den Vulkaniern und diese fanden das logisch.
Immer wieder glitten holografische Pferdeschlitten durch den Raum und aus einer Wolke, die langsam umherwanderte, schwebten dicke Schneeflocken zu Boden und auf die Tische.
Es wurde getrunken und gegessen, der Musik gelauscht und geredet. Nach einer Weile traten dann doch noch einige „echte“ Kinder auf die Bühne und führten spontan eine Weihnachtsgeschichte auf.
Danach spazierten Menschen und Vulkanier durch die illuminierte Kolonie. Man unterhielt sich und die menschlichen und vulkanischen Kinder liefen durch den künstlichen und doch echt wirkenden Schnee.
„Ihr habt warmen Schnee hergestellt?“ fragte ein vulkanisches Kind.
„Es ist >Glutschnee<, eine neue Erfindung. Da kann man nicht frieren, wenn man sich darin herum wälzt…“, antwortete ein kleiner Mensch und warf sich in die weiße Pracht. Das Vulkanierkind zögerte erst und folgte dann doch dem Beispiel des Menschen und ließ sich in den Schnee fallen.
Man unterhielt sich, die Menschen lachten oft und die Vulkanier ließen ihre Augenbrauen sprechen… über die so herrlich fantasievollen und nur schwer erträglichen unlogischen Menschen, über die wundervollen Kunstwerke, die im letzten Jahr entstanden waren und den Vulkaniern jetzt von den Kindern gezeigt wurden und über die verschwenderische Pracht, die sie hier immer zur Weihnachtszeit antrafen…
*
Noch in der Nacht verließ die Enterprise mit Liam Dendres und Robin Alliani an Bord den Orbit von Mazi Bradley und flog nach Vulkan.
Nicht lange nach diesem dritten Advent flogen Kirk und Spock wieder mit einer Gruppe Sternenflottenkadetten zu einem Routineeinsatz, der damit endete, dass Spock sein Leben opferte, um seine Freunde zu retten…
Weiter in Kapitel 12