Titel: Fingerspitzengefühl (TOS)Rating: K/S,
McCoy, ft, PG
************************************ I could
destroy you with a word! – Archmage
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„Fingerspitzengefühl“
von Cloudchild of Wyvern (*2003)
1.
„Nun, das war ja wieder einmal eine prächtige Vorstellung,
die Sie uns mit der Horta geliefert haben.“ Dr. McCoy war in seinem Element.
Sich Wortgefechte mit dem vulkanischen Ersten Offizier der Enterprise zu
liefern, war nämlich so etwas wie ein Hobby für ihn. Und längst eine Art
Institution. Stille Nutznießer dieser Leidenschaft waren zu gleichen Teilen
sein Captain, der sich meist zurücklehnte und ganz offensichtlich die Show
genoss – wie auch Spock, obwohl dieser es natürlich nie zugeben würde.
Doch heute fehlte dem „Publikum“ anscheinend das rechte
Interesse. Jim Kirk lehnte in der Nischenecke, die Arme vor der Brust
verschränkt und starrte vor sich hin. Er hatte sein Essen kaum angerührt, am
Kaffee nur genippt.
„Ist irgend etwas nicht in Ordnung, Jim?“, erkundigte der
Arzt sich leise. Ihm entging jedoch nicht, dass sich auch der Vulkanier bei
seinen Worten sofort dem Menschen zuwandte und ihn musterte. Seine Augen verraten ihn, dachte McCoy
geistesabwesend. Er macht sich auch so
seine Sorgen um Jim.
„Nein, Pille. Ich bin nur ein wenig müde.“ Kirk lächelte.
Ganz überzeugen konnte McCoy diese Antwort nicht und er
beschloss, den Freund im Auge zu behalten. Er wandte sich Spock zu, der nun -
verdächtig unbeteiligt wirkend - auf seinen Teller starrte. „Um noch mal auf
diese Gedankenverschmelzung mit der Horta zurückzukommen“, begann er erneut, diesmal
sein Ton sachlich. „Ich hätte da ein paar Fragen, die ich Ihnen schon immer
einmal stellen wollte.“
Der Vulkanier nickte. „Bitte, fragen Sie“, erwiderte er
kühl. „Es bereitet Ihnen ja sonst auch keine Schwierigkeit, sich auszudrücken.“
Peng, der
Rüffel hatte gesessen. Der Arzt verzog das Gesicht. „Vielen Dank“, meinte
er, verkniff sich jedoch mühevoll eine weitere sarkastische Bemerkung. „Ich
habe gesehen, wie Sie über die Fingerspitzen einen Berührungskontakt
hergestellt haben.“
Spock lehnte sich zurück. „Ja, das ist richtig. In den
Fingerspitzen befindet sich – neben dem Gesichtsbereich und an einigen anderen
Stellen des Körpers – die höchste Ansammlung von Nervenenden. Das erleichtert
die Kontaktaufnahme sehr.“
„Man benötigt also sozusagen Fingerspitzengefühl.“ Der Arzt
warf einen flüchtigen Blick auf Jim, doch der hatte die Augen geschlossen und
zeigte keine Reaktion auf seinen brillanten Wortwitz. Von Spock erwartete er
erst gar nichts. „Und welche weiteren Stellen gibt es noch?“
„Ich bin erstaunt, dass Sie dies so klar erkennen, wo Ihnen
doch diese Eigenschaft weitestgehend abgeht.“ Der Vulkanier zog die Augenbrauen
hoch. „Ich nehme an, Sie beziehen sich auf den Körper eines Vulkaniers?“,
erkundigte er sich trocken.
McCoy zählte innerlich bis zehn. Spock war heute wieder in
Hochform. „Natürlich“, erwiderte er dann sanft. „Den von Menschen kenne ich
bereits.“
„Das habe ich nicht anders erwartet.“ Diesmal ließ ihm Spock
keine Gelegenheit zu einer Antwort. „Die höchste Ansammlung von Nervenenden
befindet sich bei Vulkaniern im Nacken, weitere entlang der Wirbelsäule. Die
Ansatzstelle an der Schulter kennen Sie ja bereits, sie deckt sich in der
Lokalisation mit der entsprechenden Stelle bei Menschen. Weitere...“
Der Arzt seufzte. Das
hatte er jetzt davon. Er hatte eine Antwort auf eine einzige unschuldige
Frage gewollt – und was bekam er? Eine Physiologie-Vorlesung. Und dass auf beinahe leeren Magen...
2.
Später an diesem Abend lag Jim Kirk in seinem Bett. Doch die
Ereignisse des Tages, die ihn nach wie vor beschäftigten, ließen ihm auch jetzt
keine Ruhe. Er dachte an Spock... Nun, nichts ungewöhnliches dieser Tage. Es
war ihm bewusst, dass er sich haltlos, kopflos – und letztlich wohl
hoffnungslos – in seinen Ersten Offizier verliebt hatte. Es war im Grunde ein
schlechter Witz. Ausgerechnet er
verguckte sich in einen „rühr-mich-nicht-an“-Vulkanier. Sie arbeiteten lange
genug zusammen, dass er mehr als einmal Zeuge geworden war, wie der Vulkanier
einen Annäherungsversuch hatte abblitzen lassen. Sehr höflich, sehr kühl – und
äußerst uninteressiert. Christine Chapel zum Beispiel schmachtete ihn seit
Jahren wie ein verliebter Teenager an. Er wollte lieber gar nicht erst wissen,
was sie denken würde, wenn sie wüsste, dass sie ihren Captain mit in die
gleiche Reihe stellen konnte...
Seufzend schob er die Arme hinter den Kopf. Gut, wenn er
ehrlich war, dann konnte er sich nicht wirklich beklagen. Spock war ihm
gegenüber wesentlich „aufgetauter“, als mit den meisten anderen an Bord.
Manchmal, beispielsweise wenn sie Schach spielten, da war so ein Ausdruck in
den Augen des Vulkaniers, den er bei jedem anderen als... Zuneigung...
interpretiert hätte. Er nahm an, dass er für Spock eine Art Freund geworden
war. Vorausgesetzt, es gab dieses Konzept für Vulkanier. Nein, selbst Vulkanier
mussten soziale Strukturen haben. Vermutlich nannten sie es nur anders.
Ein schiefes Grinsen auf den Lippen schlief er ein.
3.
Spock beendete seine Meditation und erhob sich. Es war spät
im Nachtrhythmus des Schiffes, doch der Vulkanier hatte keine Absicht, sich wie
seine menschlichen Kollegen schlafen zu legen. Sein Metabolismus benötigte
ebenfalls Ruhepausen, diese jedoch in einem weitaus längeren Abstand als der
eines Menschen. Selbst eine kurze Meditation genügte aus, um Geist und Körper
zu disziplinieren und zu vitalisieren.
Der Vulkanier trat an seinen Schreibtisch und nahm das erste
der Datenbänder, die ihm aus dem Bio-Lab geliefert worden waren. Eine
Versuchsreihe, deren Ergebnisse einer ersten Sichtung und Überprüfung harrten.
Und obwohl Spock mit einiger Neugier und Ungeduld – ohne dass er die Existenz
diese Gefühle in seinem disziplinierten Geist - jemals eingestanden hätte,
darauf gewartet hatte, zögerte er nun, sie abzuspielen.
Vielleicht war es ein Moment der Schwäche... doch seine
Gedanken wandten sich etwas anderem zu. Einem vertrauten Thema, das ihn mehr
und mehr beschäftigte – sein Verhältnis zu seinem Captain.
Jim... und hier, allein mit seinen Gedanken, erlaubte er sich, ihn so zu nennen... war zu einem bestimmenden Faktor in seinem Leben geworden. Dem Menschen war es mühelos gelungen, eine Bresche in die sorgfältig kultivierten Barrieren des Vulkaniers zu schlagen und Spock war davon überzeugt, dass der Mensch davon keine Kenntnis besaß.
Der menschliche Teil in ihm betrauerte diesen Umstand, wurde
jedoch zum Schweigen gebracht. Jim war sein Captain und... sein Freund. Dies
war völlig ausreichend. Jede weitere emotionale Verbindung zwischen ihm und dem
Menschen konnte nur... Spock stoppte den Gedanken, noch bevor er ihn ganz zu
Ende gedacht hatte. Er legte das Datenband sorgfältig zurück auf den
Schreibtisch und beschloss, sich den Ergebnissen später zu widmen, vor Antritt
des Brückendienstes.
Die automatischen Kontrollen der Mentaldisziplinen, die ihm
von frühester Kindheit an gelehrt worden waren, aktivierten sich selbst und
sein Geist wandte sich von diesen sinnlosen Überlegungen ab. Offenbar hatte er
in seinen Meditationen in letzter Zeit vernachlässigt, die menschlichen Gefühle
in gebührendem Maß zu disziplinieren. Doch um hinreichend funktionieren zu
können, durfte er sich keine Schwächen erlauben.
Er kehrte zurück in den Schlafbereich.
4.
Doktor McCoy saß nachdenklich in seiner Kabine und blätterte
in einem Buch. Es handelte sich um die Replik seines Lieblingsromans, ein
Geschenk seiner Tochter. Doch die Worte auf den Seiten verschwammen und
tanzten, als er angestrengt darauf starrte, während sich seine Gedanken in
Gefilden verloren, die so gar nichts mit der Handlung zu tun hatten.
Er grübelte über Spock und Jim nach – eine Beschäftigung,
die sich mit der Zeit zu seinem Lieblingshobby ausgewachsen hatte. Längst hatte
er aufgegeben, zu hinterfragen, was es wohl war, das Jim und diesen scheinbar
emotionslosen Eisberg von Vulkanier zu so einem engen Team machte. Doch irgend
etwas hatte sich in ihrem Verhältnis geändert – wobei McCoy sich fragte, ob
sich die beiden dessen bewusst waren. Seit dem Zusammenstoß mit der Horta...
irgend etwas war dort unten in den Stollen geschehen, irgend etwas über das
weder Jim noch Spock sprachen. Der Arzt hatte sich die Berichte angesehen und
er kannte auch Jims Logbucheintrag. Irgendwo da drin steckte die Antwort,
dessen war sich McCoy sicher – er konnte sie nur nicht greifen.
Seufzend schlug er das Buch zu und legte es beiseite.
Höchste Zeit, dass er ins Bett kam. Glücklicherweise war in der Krankenstation
nichts zu tun, abgesehen von ein paar Routineuntersuchungen der Mannschaft,
doch hatte er so ein Gefühl, als würde sich das bald ändern. Es war schon viel
zu lange viel zu ruhig gewesen. Zumindest war das Leben auf diesem Schiff nie
langweilig.
McCoy lächelte. Morgen würde er Spock und Jim auf den Zahn
fühlen, mal sehen ob nicht einer der beiden mit einer näheren Beschreibung der
Ereignisse in den Stollen auf Janus VI herausrückte. Mochte der Vulkanier auch
behaupten, was er wollte – der Arzt besaß jede Menge Fingerspitzengefühl...
Ende
