Titel: Carpe diem

Autor: T’Sihek

Serie: TOS

Paarung: K/S

Rating: PG-13, ft, POV K

Zusammenfassung: Spock beschließt, eine günstige Gelegenheit zu nutzen

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Beta: Liliane

Disclaimer: Spock und Kirk gehören Paramount/Viacom. Der Rest gehört mir und

ich beabsichtige nicht, einen Gewinn daraus zu erzielen – außer Spaß zu

            haben.

            Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte

            nicht weiterlesen.

 

 

 

 

Carpe diem        

 

Ein Arm auf meiner Schulter... eine Hand auf meinem Oberarm... warmer Atem, der über meinen Rücken kitzelt, dort, wo die Decke herunter gerutscht ist.

 

Noch gefangen zwischen Traum und Realität nehme ich noch mehr wahr... Empfindungen, Berührungen, Gefühle die ich mir schon lange gewünscht hatte. Träge kuschle ich mich noch etwas enger an den in tiefem Schlaf entspannten Körper hinter mir und lasse meine Gedanken treiben... Wie bunte Bilder, aus von der Sonne erhelltem Morgennebel, tauchen die Erinnerungen langsam auf...

 

Auf Phenos war eine Epidemie ausgebrochen, für die es glücklicherweise schon seit langem ein Heilmittel gab - nur gab es auf dieser Welt, die noch nicht lange ein Mitglied der Föderation war, nicht genug davon. Die Enterprise wurde zur Raumbasis 5 beordert, dort mit mehr als genug Impfseren und Medikamenten beladen und nach Phenos geschickt.

 

Als wir ankamen, war die Lage sehr kritisch. Fast 70% Prozent - 69,37%, um Spock zu zitieren - war bereits erkrankt. Doch mit Hilfe der mitgebrachten Medikamente entspannte sich die Lage schnell. McCoy unterwies mit seinem Stab die Ärzte Phenos' und Spock kümmerte sich mit seinen Wissenschaftlern um die Logistik und die weitere Produktion der Medikamente auf dem Planeten, so dass die Phenoser sich in Zukunft selbst helfen konnten.

 

Der Oberste Derim Phenos', Neratus, lud als Dank Spock, McCoy und mich ein, einige Tage in seinem Palast zu verbringen. Nach Rücksprache mit dem Hauptquartier erhielten wir tatsächlich drei Tage Landurlaub. Es wurden drei Tage, die alles, was ich bisher zu Wissen glaubte, auf den Kopf stellten. Nun... fast...

 

McCoy entschied sich dafür, sich ebenso wie der größte Teil der Crew in der Hauptstadt zu amüsieren. Spock verschwand in dem riesigen parkähnlichen Garten, der zum Palast gehörte und ich....

 

Ich schmunzele, als ich mich dran erinnere, wie ich meine beiden Freunde zielstrebig in genau entgegengesetzte Richtungen davongehen sah.

 

Nun... ich stand im wahrsten Sinne des Wortes dazwischen und überlegte, was ich mit den drei Tagen anfangen sollte. Mein Verstand sagte mir, dass ich die Gelegenheit nutzen und mich mal wieder richtig 'austoben' sollte. Das war auch ein halb ernst, halb scherzhaft gemeinter medizinischer Rat McCoys gewesen. Aber da war noch meine.... Intuition... mein Gefühl, das mir sagte, ich sollte Spock folgen.

 

Was ich dann auch tat.

 

Spock war - gelinde gesagt - völlig baff, als ich ihn nach einigem Suchen schließlich in einem Waldstück fand. Er untersuchte gerade einige heimische Pflanzen und machte mich sofort darauf aufmerksam, dass das Klima Phenos' in vielem der Erde ähnelte. Derim Neratus, der während der Beitrittsverhandlungen oft zur Erde gereist war, war von deren Flora so begeistert, dass er jede Menge Pflanzen mitgebracht und sie in seinem Park angepflanzt hatte. Sie gediehen gut und viele hatten sich bereits in der heimischen Flora breit gemacht, wie mir Spock anhand eines riesigen Polsters blühender Veilchen bewies. Der Duft war atemberaubend - wortwörtlich.

 

Möglichst unauffällig lotste ich Spock davon weg und ich atmete erleichtert auf, als wir den Waldrand erreichten. Eine weite, sanft gewellte Wiese lag vor uns, immer wieder von kleinen Baumgruppen unterbrochen. Ein von breiten Blumenrabatten gesäumter, gewundener Weg führte hindurch.

 

Ich weiß nicht mehr, worüber wir gesprochen hatten. Ich genoß einfach nur die Wärme der Sonne und das Wissen, dass mich drei Tage lang das Universum nichts anging. Spock schien es ähnlich zu gehen, denn er entspannte sich merklich. Seine Körperhaltung wurde lockerer, weicher und aus den hageren Zügen verschwand die sonst übliche Kontrolle.

 

Immer wieder wanderte mein Blick zu ihm hinüber, hing an seinen eleganten Bewegungen, glitt über den schlanken, geschmeidigen Körper. Ich war schon längst über den Punkt hinaus, an dem ich mir darüber Gedanken machte, dass ich - James 'Tomcat' Kirk - in einen Mann verliebt war. Das einzige, was mich daran bedrückte, war, dass ich absolut nicht herausbekam, wie Spock zu einer solchen möglichen Beziehung stand. Sicher... ich wusste, dass es auch das auf Vulkan gab - die Vulkanier unterschieden sich gar nicht so sehr von den Menschen. Sie verbargen es nur besser - aber ich kannte nicht Spocks Einstellung.

 

Ich wollte ihn nicht vor den Kopf stoßen oder gar schlimmstenfalls verscheuchen - und schwieg. Nicht einmal Bones wusste etwas davon.

 

So wanderten wir teils schweigend, teils in angeregte Gespräche vertieft, stundenlang durch den Park.

 

Immer wieder fiel mein Blick dabei auf seltsam anmutende schlanke Pflanzen, die sich in verschiedenen Größen bis zu einem halben Meter hoch zwischen den anderen Pflanzen hervor schoben. Sie erinnerten mich ein wenig an Spargel. Nur waren sie dicker und länger und die Spitze bildete eine deutlich größere, annähernd mandelförmige Verdickung. Ich konnte weder Blätter noch Blüten erkennen... nur der dicke, grüne, kerzengerade Schaft.

 

Spock hätte mir sicher sagen können, worum es sich handelte, doch aus irgendeinem Grund fragte ich nicht danach. Ich weiß noch immer nicht, warum ich schwieg.

 

In der Nacht träumte ich von Spock. Das war inzwischen nicht ungewöhnlich und ich hatte mich schon längst daran gewöhnt. Auch daran, dass ich hin und wieder auf einem feuchten Laken erwachte.

Das war es nicht, was mich am Morgen beim gemeinsamen Frühstück Spocks Blick meiden ließ. Derim Neratus, dessen, Frau, ein bereits sichtlich entspannter McCoy - ich ahnte warum - und Spock schienen alle bester Laune zu sein. Nur ich war stiller als üblich. Meine Phantasien der vergangenen Nacht hatten mir Spock mit den Pflanzen vorgegaukelt...  in den unmöglichsten Kombinationen. Diese teils skurielen, teils witzigen, teils erotischen Bilder gingen mir durch den Kopf .Und wann immer ich Spocks Blick begegnete, konnte ich fühlen, wie mir das Blut ins Gesicht schoß. Kurz: ich führte mich auf wie ein schüchternen, verliebter Teenager. Bones schien nichts zu bemerken. Spock allerdings entging es nicht und er machte sich so seine Gedanken, wie ich inzwischen weiß.

 

Nach dem Frühstück ging ich zunächst mit Bones. Doch die Bars und Etablissements, die er mir für den Abend empfahl, interessierten mich nicht.

Auch in der Stadt bemerkte ich überall diese speerähnlichen Pflanzen und nachdem ich erst mal auf sie aufmerksam geworden war, waren sie wirklich überall.

 

Nach einem gemütlichen Mittagessen verabschiedete ich mich von Bones und kehrte zum Palast zurück. Die Pflanze... und mein Traum der vergangenen Nacht gingen mir dabei nicht mehr aus dem Sinn. Ich ahnte auch, was der Auslöser gewesen war....

 

Ich kannte Spocks Körper, wußte vom gemeinsamen Training, wie sehnig und stark er war. Ich hatte ihn auch schon beim anschließenden Duschen unbekleidet gesehen. Allerdings hatte ich es nie gewagt, ihn genauer anzusehen. Je öfter ich jedoch von ihm träumte, desto öfter versuchte ich mir vorzustellen, wie er erregt aussehen mochte. Und meine Phantasie lag gar nicht so weit vom Aussehen dieser Pflanzen entfernt.

 

In Gedanken versunken wanderte ich kurze Zeit später wieder durch den Park. Und überall waren diese Pflanzen. Irgendwann konnte ich der Versuchung nicht mehr widerstehen. Ich kniete mich hin und berührte einen der prallen Schäfte. Es fühlte sich kühl und glatt an, fast wie Seide. Als ich probeweiser die Hand darum schloß, stellte ich fest, das die Dicke genau meinen Phantasien der vergangenen Nacht entsprach. Hitze breitete sich in mir aus und ich schloß die Augen, ließ meinen Daumen in Gedanken versunken über die sanft gewölbte Spitze gleiten.

 

Eine kalte Dusche in Form von Spocks Stimme riß mich augenblicklich in die Wirklichkeit zurück. Ich sprang hektisch - und mit hochrotem Kopf - auf.

 

"Es wäre ein Verlust, die Blüte vor dem Erblühen zu pflücken, Jim."

 

Er stand mit auf dem Rücken verschränkten Händen vor mir und schaute mich einfach nur an. In den dunklen Augen lag dieser Glanz, der mir schon immer das Atmen schwer gemacht hatte.

 

Sekundenlang konnte ich ihn nur anstarren. Dann setzte ganz langsam mein Verstand wieder ein und ich erinnerte mich an eines der Worte seines Satzes.

 

"Ähhh..... Blüte?"

 

Spock nickte völlig gelassen. Ich betete, dass er nicht gesehen hatte was ich mit der Knospe, denn das war es ja wohl, gemacht hatte.

 

"Ja. Blüte. Diese lanzenähnlichen Pflanzen, die sie hier überall sehen, sind die Blütenstände von Hippeastrum, allgemein Ritterstern bzw. Amaryllis genannt. Sie stammt von der Erde, wird dort vor allem in der Weihnachtszeit in den Wohnräumen zur Blüte gebracht und dient dann neben den traditionellen Elementen wie Weihnachtsbaum und Lichterketten als Raumschmuck.

Derim Neratus, der ihr bei einem seiner Besuche auf der Erde begegnet ist, war so von ihr begeistert, dass er die Pflanze zu Tausenden hier angepflanzt hat. Sie gedeiht im hiesigen Klima so gut, dass sie sich inzwischen überall verbreitet hat. In wenigen Tagen beginnt die Blütezeit und alle Knospen blühen fast zur gleichen Zeit auf."

 

"Ohh... das wusste ich nicht." Gut, es war keine sehr intelligente Erwiderung aber mir fiel beim besten Willen nichts besseres ein, da mich Spock immer noch mit diesem Blick ansah. Mir wurde abwechselnd heiß und kalt und ich drehte mich nervös weg.

 

Spock schwieg einen Moment und ich konnte förmlich spüren, dass er mich beobachtete.

 

"Nicht weit von hier, habe ich etwas entdeckt, dass Sie interessieren dürfte, Jim."

 

Nur er sprach meinen Namen in dieser Art und Weise aus und ich konnte nicht verhindern, dass mein Körper darauf reagierte. Was auch immer Spock entdeckt hatte... ich hoffte, es würde mich ablenken.

 

"Wo? Zeigen Sie es mir?"

 

Er deutete stumm in eine Richtung und wir gingen, Seite an Seite, schweigend los.

Ich war so in Gedanken versunken, dass ich gar nicht merkte, dass er plötzlich verschwunden war. Verwirrt blieb ich stehen und sah mich um.

 

Um mich herum waren hunderte dieser Amaryllisknospen. Sie gruppierten sich zwischen einigen immergrünen Büschen und unter sich zeltartig mit ihren Zweigen zur Erde neigenden Bäumen, die es überall im Park gab. Sogar auf dem Weg schoben sich einige zwischen den Steinen empor. An einigen konnte ich bunte Farbtupfer erkennen. Vermutlich waren die Knospen kurz davor sich zu öffnen.

 

"Spock, wo sind Sie?" rief ich schließlich, als ich ihn nirgends entdecken konnte.

 

"Hier, Jim", erklang seine Stimme rechts von mir. Neugierig ging ich ihr nach und blieb kurz darauf etwas ratlos vor einem der Bäume stehen. Lange, biegsame Zweige neigten sich vor mir zu Boden.

 

"Schieben Sie die Zweige auseinander." Ich tat wie mir geheißen und betrat die mit dämmrigem, grünlichen Licht gefüllte natürlich 'Höhle'. Auch hier wuchsen diese Pflanzen und der Boden war mit hellgrünem, watteweichem Moos bedeckt.

 

Von Spock war weit und breit nichts zu sehen.

 

"Wo sind Sie, Spock? Ich sehe Sie nicht." Ich drehte mich um die eigene Achse, versuchte ihn in dem dämmrigen Licht auszumachen.

 

"Ich bin hier." Erklang plötzlich schräg hinter mir seine Stimme.

 

Ich drehte mich um.... und starrte ihn mit offenem Mund an. Spock stand völlig nackt an den Stamm gelehnt und lächelte mich an. Unwillkürlich ließ ich meinen Blick über seinen schlanken Körper wandern, blieb dann an einer großen leuchtendroten kelchförmigen Blüte hängen, die er vor sich hielt. Dunkel erinnerte ich mich, als Kind ähnliche Blüten in meinem Elternhaus gesehen zu haben.

 

Das Sonnenlicht, gefiltert durch das Laub, tauchte seinen Körper in einen sanften grünlichen Schimmer. Er schien mit seiner Umgebung zu verschmelzen, als er langsam näher kam, ein sinnliches Lächeln auf den Lippen.

 

Als er vor mir stand, hob er die Blüte an. "Ich dachte mir, es würde dich interessieren, wie eine blühende Amaryllis aussieht....?"

Noch immer klang seine Stimme völlig ruhig, aber leiser und wärmer, als ich es sonst von ihm kannte. Ich zitterte vor Aufregung. Was hatte er gesagt... die Amaryllis dient als Raumschmuck in der Weihnachtszeit? Ich fühlte mich, als würden Geburtstag und Weihnachten zusammenfallen. Endlich gingen meine bisher unerreichbar geglaubten Wünsche in Erfüllung. Atemlos sah ich ihn an.

 

Wie in Zeitlupe hob er die Blüte noch ein wenig mehr und berührte dann damit mein Gesicht. Die kühlen Blütenblätter strichen über meine Wangen, meine Lippen. Dann beugte er sich vor und küsste mich sanft, ebenso federleicht wie zuvor die Blüte.

 

"Deine Lippen haben fast die gleiche Farbe wie die Amaryllis", murmelte er und strich dann mit den Fingerkuppen darüber.

Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was ich tat, zog ich seinen Kopf zu mir und küsste ihn hungrig. Spock ließ es nicht nur geschehen, sondern erwiderte meine Liebkosung ohne Zögern. Nur wenige Augenblicke später lagen wir beide im Moos...

 

Ich lächle, als ich mich noch einmal an den sinnlichen Anblick Spocks erinnere. An die Zärtlichkeit und Leidenschaft, die zwischen uns entstand. Alles war plötzlich so einfach geworden. Er gestand mir, dass er schon seit langem in mich verliebt war. Nur hatte er es nicht gewagt, etwas zu sagen... Aus den gleichen Gründen wie ich.

Später kehrten wir in unsere Räume im Palast zurück, liebten uns auch dort und schliefen schließlich eng aneinander geschmiegt ein.

 

Der Druck der Hand auf meinem Arm ändert sich und ich spüre, dass eine leichte Spannung in den Körper hinter mir zurückkehrt. Der warme Kopf in meinem Nacken bewegt sich, warme Lippen streichen sanft über die empfindliche Haut im Genick. Eine Gänsehaut bildete sich auf meinen Armen, als er mit den Zähnen an meiner Haut zupft.

 

"Hey... das kitzelt", murmele ich, aber ich bleibe liegen.

 

"Genau das soll es ja auch." Ein Lächeln klingt in der verschlafenen Stimme mit. Ich räkele mich genüsslich, drehe mich dann in der Umarmung um.

 

"Gut geschlafen, mein Blumenelf?"

 

Dunkle Augen funkeln mich übermütig an, warnen mich vor. Im nächsten Moment sind lange kräftige Hände überall auf meinem Körper, kitzeln mich. Ich lache und winde mich, bis mir die Luft ausgeht. Dann küsse ich ihn, spüre wie unsere Körper auf die Nähe des anderen reagieren.

 

Plötzlich fällt mir etwas ein und ich löse mich von ihm.

 

"Wieso wußtest du eigentlich... ?" Verlegenheit lässt mich zögern.

 

"Was? Dass du wissen wolltest, wie ich aussehe wenn ich erregt bin? Oder dass du mich liebst."

 

Ich fühle, wie mir das Blut ins Gesicht schießt und Spock lacht leise. Er mag es mich in Verlegenheit zu bringen. Das  habe ich innerhalb kürzester Zeit herausgefunden.

 

"Beides", brumme ich gespielt ärgerlich. "Hast du meine Gedanken gelesen?"

 

Er küsst mich, läßt dann seine Lippen an meinem Hals entlang tiefer wandern.

"Nein. Dazu hätte ich dich berühren müssen."

 

Ich kann mich nur mühsam konzentrieren. "Und warum wußtest du es trotzdem?"

 

Spock hebt den Kopf und sieht mich an, ein Lachen in den Augen. "Manches kann man auch erkennen, ohne die Gedanken eines anderen zu lesen. Und so wie du diese Pflanzen betrachtet hast, gab es nur eine logische Erklärung. Ich musste diese Gelegenheit einfach nutzen."

 

Die einzelne Blüte, die wir mitgebracht und in eine Vase neben das Bett gestellt hatten, ist vergessen, als wir uns erneut küssen.