Licht für die Seele Kapitel 9 /13 Teil 1: Licht im Dunkel / Wenige Monate nach TOS / Kapitel 1 bis 3 Teil 2: Erkenntnis und Abschied / Direkt nach Teil 1 / Kapitel 4 bis 5 Teil 3: Licht und Dunkelheit / Zwischen dem ersten und dem zweiten Kinofilm / Kapitel 6 bis 11 Teil 4: Alles Dunkel sinkt hinweg / Nach dem fünften Kinofilm / Kapitel 12 und 13 Noch mehr Übersicht zur Story gibt es hier: http://myblog.de/lichtfuerdieseele1/page/1266116/Ubersicht_der_Story Zusammenfassung: Die Welt ist voll von Gewalt und Missbrauch, Blindheit und Vorurteilen. Doch ungewöhnliche Kunstwerke bringen Licht in die Seelen. ACHTUNG! Diese Story ist kein Mainstream K/S. Sie ist ein komplexes und idealistisches Weihnachtsmärchen mit einer Extraportion Kitsch und einer dreifachen Portion Harmonie. Wer so etwas nicht mag, sollte jetzt ganz schnell das Weite suchen. Diese Warnung ist ernst gemeint. Autor: Liliane Romano Beta: Paxstartrek Ein Weihnachtsmärchen im Star Trek Universum K/S, K/m, S/f, m/m PG 13 Mit dabei: unbeherrschte Künstler / faszinierende Vulkanier / eine traurige, lähmende Erinnerung / eine Spezies ohne Ethik / ein verzauberter Herbstwald / eine fesselnde Frau in Blau / Romantik / Erotik / Winter - und Weihnachtskitsch Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spass und will keine Rechte verletzen. ****** Der richtige Weg Einige Tage nach dem Wiedersehen mit Spock ließ der Schmerz etwas nach, doch Kirk hatte wie damals nach der Fünfjahresmission das Gefühl vor dem Nichts zu stehen. Er beschloss, dass Ablenkung davon für den Anfang eine gute Idee wäre und wollte den Mann von neulich anrufen, als sich Savadin meldete. Sie waren auf der T'Mor Freunde geworden und Jim freute sich, dass er ihn kontaktierte. "Jim, ich bin in der Nähe Ihres Appartements, dürfte ich Sie besuchen? Sie hatten mir gesagt, Sie würden sich darüber freuen." Überrascht stimmte Jim zu und ließ wenige Minuten später den jungen Vulkanier ein. "Guten Abend, Savadin, nehmen Sie Platz." Savadin nahm schweigend Platz und die Unsicherheit des Mannes veranlasste Kirk, nicht gleich direkt zu werden und nach den Gründen für den unerwarteten Besuch zu fragen. Vulkanier kamen nicht einfach spontan zu Besuch und noch dazu mit einem so offensichtlich unsicheren und traurigen Gesicht. Kirk öffnete die Flasche eines bitteren vulkanischen Getränks, das er für Spock immer im Haus hatte. Er schenkte ein und reichte Savadin das Glas. Dann setzte er sich in gebührendem Abstand neben ihn wartete. Savadin trank das Glas in einem Zug aus und blickte nach unten. Kirk schenkte nach. "Ich höre zu, mein Freund.", sagte er leise Savadin nickte. "Ich kann mich an niemanden sonst wenden und. ich kann mich nicht wehren, nur theoretisch. Doch kaum ein Vulkanier stellt sich gegen den Willen seines Vaters. Ich habe meinem Vater die Situation erklärt, doch er akzeptiert meinen Wunsch nicht." Es schwieg wieder und trank das zweite Glas aus. "Sie sind anders, Jim, ein Mensch. Menschen treffen solche Entscheidungen selbst und lassen sich nichts aufzwingen. Deshalb bin ich hier und weil sie mein Freund sind. Seit drei Jahren bin ich bei den S'Kandarei und stand sofort im Mittelpunkt des Interesses der Ungebundenen. Da gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Gegensatz zu den anderen nicht schon im Kindesalter geschlossen werden, kommt es oft zu sehr offensivem Werben. Ich selbst habe noch mindestens zehn Jahre Zeit, bis ich mich binden muss. Einige haben sich sehr bemüht, mich zu einer schnellen Entscheidung zu drängen. Ich hatte eine große Auswahl." Er schwieg und Kirk wartete geduldig. "Ich wollte mich noch nicht entscheiden. Aber mein Vater sah in dem Astronomen Sohon, der eine der höchsten Positionen unter der Elite der vulkanischen Wissenschaftler einnimmt, eine gute Wahl. Es ist seine zweite Beziehung, sein erster Partner starb auf einer Mission. Mir selbst erschien er auch als gute Wahl, doch wie gesagt, ich hatte mich noch nicht entscheiden wollen. Die anderen Männer haben es leichter, da sie schon als Kinder an ihre späteren Frauen gebunden werden." "Ist es wirklich ihr Wunsch, keine Wahl zu haben?" fragte Kirk verblüfft. "Nein, das meine ich nicht. Ich meine, sie stehen nicht vor dem Problem der S'Kandarei. Wir müssen rechtzeitig einen Partner finden. bevor. " Savadin wusste, dass er darüber eigentlich nicht sprechen durfte. ".bevor die "Zeit" kommt. Ich weiß Bescheid", ergänzte Kirk sanft. "Ja, und deshalb werben die S'Kandarei so offensiv. Das war für mich nicht angenehm." ".und deshalb haben sie dem Drängen Ihres Vaters nachgegeben und sich mit Sohon verlobt. Um >sicher< zu sein." "Ja. Vulkanier sind durch ihre Bindung geschützt. Niemand dringt ungestraft in eine Bindung ein. Deshalb hat er auch so aggressiv reagiert, als Sie mir zu nahe kamen." "Nach menschlichen Maßstäben bin ich das nicht und es war auch nicht meine Absicht", erwiderte Kirk. "Ich weiß. Sie sollten wissen, dass Sohon eigentlich ein sehr angenehmer Mann ist. war. Ich fühlte mich bei ihm am sichersten und habe die Verlobung nicht bereut. Bis. Irgendwann hat er angefangen mich zu drängen, die endgültige Bindung jetzt schon zu vollziehen, doch ich habe es verweigert. Das ist mein Recht. Ich wollte noch nicht von ihm berührt werden. Ich wollte erwachsener werden und meine mentalen Fähigkeiten ausbauen. Sohon ist in jeder Hinsicht stärker als ich und hätte deshalb die Partnerschaft dominiert. Das ist zwar nicht selten, doch es entsprach nicht meinem Wunsch. Doch dann hat er." Er schwieg und schien mit sich zu ringen. "Ich glaube, er hatte den Eindruck, dass ich ihm nicht sicher sei, denn eine Verlobung kann man lösen. Es dauert nicht mehr lange bis zu seiner Zeit, und ." "Was ist geschehen?" fragte Kirk leise. "Auf dem Rückweg von Animafio hat er die Bindung erzwingen wollen, er hat mich überrumpelt, hat mich berührt, am Geist und am Körper", flüsterte Savadin. ,Die Szene im Gang, als Savadin aus Sohons Quartier gestürmt ist.', erinnerte sich Kirk und zuckte in Erinnerung seiner eigenen Erlebnisse als zusammen. "Das ist doch sicher verboten." "Natürlich." "Aber Sie konnten ihn abwehren..." "Ja. Auf Vulkan angekommen, bin ich sofort zu meinem Vater geflohen und habe es ihm erzählt. Aber er war der Meinung, dass ich ihm hätte nachgeben sollen, es sei ohnehin bald soweit. Ich wollte die Verlobung lösen, doch er hat mir gedroht, mich zu verstoßen, wenn ich das tue. Die familiäre Bindung mit Sohon ist ihm sehr wichtig. Aber ich will nicht mit einem Mann zusammen sein, der mich zu so etwas zwingen wollte. Jetzt sitze ich hier und erzähle einem Menschen Dinge, die eigentlich nicht für menschliche Ohren bestimmt sind", sagt er bitter. Jim vergrub für einen Moment den Kopf in den Händen. "Normalerweise ist es falsch, sich in eine andere Kultur einzumischen. Doch dieses Mal. wollen Sie wirklich einen Rat von einem Menschen?" "Ja, von meinem menschlichen Freund, deshalb bin ich hier. Ich wüsste sonst niemanden, dem ich davon erzählen würde." "Savadin, haben Sie bei den S'Kandarei so etwas wie einen Boss?" "Semeron ist der Obmann der S'Kandarei." "Vertrauen Sie ihm?" "Er ist ehrenwert und würde niemals so etwas tun wie Sohon." "Sehr gut. Zuerst. Gehen Sie zu ihm und sagen Sie ihm was geschehen ist. Nehmen Sie Beistand mit. Ich würde Ihnen auch gern helfen. Bieten Sie dem Obmann einen Mindmeld an und er wird die Wahrheit über Sohon sehen." Savadin sah ihn erschrocken an. "Jim, auf mentalen Zwang stehen harte Strafen und ich will auch nicht, dass bekannt wird, was geschehen ist. Eine Menge Leute würden davon erfahren." Kirk blickte ihn ernst an. "Was er tun wollte, ist ein Verbrechen gegen den freien Willen. Wehren Sie sich und was Ihren Vater betrifft. er hätte es GEDULDET und ist deshalb nicht viel besser. Das klingt hart, aber es ist so." Savadin stand auf. "Ich werde darüber nachdenken." "Lassen Sie sich nicht zu viel Zeit." "Nein, werde ich nicht. Ich gehe jetzt. Vielen Dank, Jim." Fast fluchtartig verließ er das Haus. Kirk tigerte im Zimmer umher und versuchte, das eben gehörte zu verdauen. Er wollte zur Beruhigung gerade ein paar Runden auf den Boxsack einschlagen, als Savadin wieder vor der Tür stand. "Jim. können wir gleich los? Nach Vulkan? Bevor ich logische Gründe dagegen finde?" Kirk lächelte. "Geben Sie mir zehn Minuten." * Sie wurden sofort vorgelassen als Savadin von einem Verbrechen unter den S' Kandarei sprach. Semeron hob eine Augenbraue als er Kirk sah, sagte aber nichts dagegen. "Savadin, was ist passiert?" Hilfesuchend drehte sich der junge Mann zu Kirk um und dieser trat neben ihn und nickte ihm aufmunternd zu. "Sprich", sagte Semeron. *** Danach ging alles sehr schnell. Die vulkanische Botschaft auf der Erde wurde kontaktiert und Sohon unter einem Vorwand dorthin bestellt. Dort wurde er verhaftet und nach Vulkan gebracht. Wegen des Mindmeld zwischen Savadin und Semeron konnte sich Sohon nicht herausreden. Mit Hilfe eines Heilers wurde das Verlobungsband gelöst und Savadin war endlich wieder frei. Jim flog zur Erde zurück und Savadin sagte bei der Verhandlung aus. Sohon wurde verurteilt. Weil der junge Vulkanier für ihn gesprochen und um Nachsicht gebeten hatte, blieb die Strafe mild. Sohon wurde für eine Weile in die Höhlen der Skandarei verbannt und man half ihm seinen Verstand zu ordnen. Dann flog Savadin zur Erde, zu Kirk, um Abstand von den Ereignissen zu gewinnen. Sie verbrachten viel Zeit miteinander und Savadin ging es bald besser. Auch Jim ging es irgendwann besser. Inzwischen meinte er es sogar ernst, wenn er Spock und Bonina Glück wünschte. Er liebte ihn, doch was sollte er schon tun? Er stürzte sich in die Arbeit und verbrachte von Zeit zu Zeit leidenschaftliche Nächte mit Männern. Die beiden Freunde sahen sich oft im Hauptquartier oder in der Sternenflottenakademie. Privat trafen sie sich kaum. Spock war überrascht, als er mitbekam, dass Jim sich nicht mehr für Frauen interessierte, sondern nur noch mit Männern zusammen war, dachte aber nicht weiter darüber nach. Ihre Freundschaft blieb bestehen und doch merkte Spock nicht, was Jim für ihn empfand. Jim sehnte sich noch immer nach ihm und war deshalb auch nicht in der Lage war, eine feste Partnerschaft einzugehen. * Sarek hielt sich auf der Erde auf und hatte seinen Sohn in die vulkanische Botschaft eingeladen. Spock zog angesichts der höflichen Bitte eine Augenbraue hoch, verhielt sich sein Vater ihm gegenüber doch sonst nie besonders respektvoll. Am Freitagabend trafen sie sich im Botschaftsgarten. "Spock, ich möchte mich nicht in dein Leben einmischen, ich habe dir versprochen das nicht mehr zu tun, aber ich muss dir diese Frage stellen. Hast du vor deine Beziehung zu der jungen Frau offiziell machen?" Sarek schaute ihn mit unbewegter Miene an und Spock hatte für einen Moment den Eindruck, wieder ein Kind zu sein. Damals hatte sein Vater den gleichen Blick, wenn er streng kontrollierte, dass er durch nichts von einem perfekten Vulkanier abwich. Spock wusste, was sein Vater eigentlich sagen wollte und er hatte selbst schon öfter daran gedacht. Vulkanier, von den S'Kandarei mal abgesehen, gingen intime Beziehungen nur als etwas Endgültiges ein. Ansonsten galten sie als unfähig, das erstrebenswerte Partnerband zu formen, als unreif. Sexualität galt unter Vulkaniern als Notwendigkeit und nicht als etwas, das man aus Freude tat. Spock fragte sich, ob er überhaupt dazu in der Lage war, mit Bonina ein Band zu formen. Er hatte sich nicht bemühen müssen, ein Band zu verhindern. Er merkte zwar, wie sein Geist nach ihr griff, wenn sie miteinander schliefen und beim letzten Mal hatte er sogar absichtlich nach ihrem Geist getastet. Doch er hatte ihn nicht fassen können. "Das kann ich jetzt noch nicht beantworten", erwiderte er ruhig. "Du bist schon lange mit ihr zusammen. Wie kann es sein, dass du so lange für eine Entscheidung brauchst? Erinnere dich an deine vulkanische Herkunft und triff eine Entscheidung." * Spock kniete meditierend auf dem Boden seines kleinen Appartements und blickte in die Flamme. ,Erinnere dich an deine vulkanische Herkunft. was glaubst du denn, Vater, warum ich in Gol war. und warum ich keinen Erfolg hatte.' Seit seinem Scheitern in Gol hatte sich sein Eindruck, kein vollwertiger Vulkanier zu sein, nicht verändert - und seit er sich in Boninas Blau verlor, wusste er gar nicht mehr wer er war. Spock hatte nicht vor, ihr einen Antrag zu machen. Ihm war klar, dass sie trotz ihrer Intelligenz und sexuellen Anziehungskraft viel zu unreif für ein lebenslanges Band mit einem Vulkanier war. Er hatte sich schon immer gewünscht, eine eigene Entscheidung über seine künftige Partnerin zu treffen. Aber. hatte er sich denn damals vor vielen Monaten für sie entschieden? Er konnte sich an keine Entscheidung erinnern. Spock horchte in sich hinein und fand. ja, was? Hatte sie ihn nicht vielmehr gefangen genommen mit ihrer blauen Seele, ihrem Tanzen in der kühlen Logik der Zahlen und Muster, das ihm eine andere Dimension der Logik zeigte, mit ihrer unkonventionellen natürlichen Art - und mit der weichen Haut ihrer langen Beine, die sich an ihn pressten und ihn in einen für Vulkanier irritierenden Taumel stürzten. Ein beunruhigender Gedanke wuchs in ihm. War er ihr Gefangener? Das passende Spielzeug in ihrem blauen Leben? Plötzlich fiel ihm von irgendwo her ein Zitat ein. >Wenn man nicht weiß wer man ist, verliert man sich in einem anderen.< Spock glaubte zu wissen, wer er war. Ein unvollkommener Vulkanier, in seinen Fähigkeiten beeinträchtigt durch seine menschliche Hälfte. Auf einmal kam ihm die Beziehung mit Bonina nicht mehr faszinierend vor, sondern nur noch als Zeichen seines Versagens. Doch Bonina war nicht schuld daran. Sie war ein Mensch und hatte es nicht verdient, dass er sie nur als Versuchung für einen unvollkommenen Vulkanier sah. Bonina war auf ihre Art vollkommen. Er dagegen war es nicht. In diesem Moment beschloss Spock zwei Dinge. Zuerst würde er sich von Bonina trennen, auch wenn er noch nicht wusste, wie er ohne ihr Tanzen im Blau und ohne ihren Körper würde leben können. Dann wollte er endlich akzeptieren lernen, dass er kein vollkommener Vulkanier war und versuchen, sich selbst zu finden. Es war Freitag und als Spock in der Nacht zu Bonina kam, beendete er die Beziehung. Er sagte ihr, wie wundervoll die Zeit mit ihr war und dass es nicht an ihr liege. Sie saß in ihrer blauen leuchtenden Kleidung vor ihm auf dem Hocker und starrte zu Boden. Ihr Rücken war gebeugt und ihre Hände krampften sich in ihre Oberschenkel. "Geh, bitte geh", sagte sie leise. "Es tut mir leid." Er beugte sich zu ihr und küsste sie auf den Mund. Sie erwiderte die Berührung nicht und ihre Augen füllten sich mit Tränen "Es tut mir leid", wiederholte er leise und ihm wurde schlecht bei dem Gedanken, künftig ohne sie zu leben. Dann ging er und ließ sie in ihrem leuchtenden Blau allein zurück. Spock wusste von einem Ort, an dem ein Gegenstand existierte, der ihm bei seiner Suche nach sich selbst helfen konnte. Nein, nicht Gol. Seine menschliche Hälfte rebellierte gegen diesen Ort. Er flog nach Mazi Bradley, denn der Gegenstand dort war ein A.L.C.E. und geschaffen worden, um die Verbindung zwischen Menschen und Vulkaniern zu zeigen. Die Verbindung, die er selbst darstellte. Vielleicht würde es ihm helfen können. * Eine Woche später saß Spock versunken vor dem A.L.C.E. auf Mazi Bradley und vor seinem inneren Auge sprach Robin Alliani mit ihm, einer der Erschaffer dieses Kunstwerkes. Spock kannte ihn von dem Bild in den Dateien, aber noch nicht persönlich, obwohl er sich nur zwanzig Kilometer von ihm entfernt in einer Kolonie vulkanischer Wissenschaftler aufhielt. Niemand wusste vorher, was er mit dem A.L.C.E erleben würde. Also warum nicht den menschlichen Künstler persönlich in einer Vision erleben? "Du willst endlich wissen wer du bist. Du bist einfach Spock und genau das musst du akzeptieren, deinen eigenen Weg gehen, ohne dich an dem Bild eines anderen von richtig oder falsch, von Vulkanier oder Halbvulkanier zu orientieren." "Was ist mein Weg? Wie soll ich ihn finden?" "Du findest ihn, wenn du dich so akzeptierst wie du bist. Lass endlich die Vorstellung los, irgendwer sein zu müssen und suche nicht nach dem Weg, den du gehen musst. Gehe ihn einfach. Ich weiß, du siehst den Weg nicht und glaubst deshalb, du könntest ihn nicht gehen." "So ist es", bestätigte er. "Frage dich doch zuerst einmal was du dir wünschst. Frage es dich aber aufrichtig und errichte dabei keine Schranken in deinem Geist." Was wünschte er sich? Er wusste, dass diese Frage einfach war und doch konnte er sie nicht beantworten. Sein Leben lang hatte er sich vor allem gewünscht, ein vollwertiger Vulkanier zu sein. "Was DU dir wünschst. Nicht was andere von dir erwarten", unterbrach Robin seine Gedanken. Er selbst? Wünsche die sich ohne Rücksicht nur auf einen selbst bezogen, waren nicht richtig. "Du orientierst dich schon wieder an anderen. Überlege dir was DU dir wünschst. Überlege dir doch mal, was dir Freude bereitet", sagte Robin sanft. Freude? Dieses Gefühl ließ Spock manchmal zu. Er sah die Weite des Alls vor sich und das unfassbare Wissen, das er dort gesammelt hatte. "Schon mal nicht schlecht. Mach dort weiter", sagte Robin lächelnd. Spock sah wieder das Bild des Alls und stand auf einmal auf der Brücke der Enterprise. Er blickte auf den Bildschirm und sah das Gesicht von T'Pring vor sich. Er ballte die Fäuste. Nein, sie hatte nichts mit Freude zu tun. Warum sah er sie jetzt hier? "Erinnere ich an die Situation damals, an das was du gefühlt hast. An alles. " Gefühlt? Nichts, woran er sich erinnern wollte. "Wirklich nicht?" Robin zog in gespielter vulkanischer Manier eine Augenbraue hoch, "hast du deinen besten Freund Jim Kirk schon vergessen? Steht nicht in deiner Erinnerung, was er für dich riskiert hat?" Nein, nicht vergessen, nur zusammen mit den anderen Gefühlen vergraben, die er jahrelang bekämpft hatte. "Genau das ist der Punkt. Du hast jahrelang alle deine Gefühle weggeschlossen. Merkst du was?" Nein, er merkte gar nichts. Was hatte seine Freundschaft mit Jim Kirk damit zu tun? "Gehört sie zu dem, was dir Freude bereitet? Ist sie etwas, das du dir wünschst?" "Ja", antwortete er. Robin lehnte sich zurück, legte die Hände hinter den Kopf und drehte sich mit seinem Stuhl hin und her. "Also. hältst du es vielleicht für möglich, dass Jim zu deinem Weg gehört? Zu dem Weg, den wir gerade gemeinsam finden wollen?" "Ja, er ist mein Freund. Es ist logisch." Das verstand er. Aber wie weiter? Da sah er Bonina vor sich, deren Kopf zwischen seine Beine rutschte und. Er stöhnte auf. "Das hattest du noch nie vorher erlebt und dann konntest du nicht genug davon bekommen." Er schüttelte die Vision ab. "Das stimmt, doch sie gehört nicht zu meinem Weg." "Wie wahr. Aber es war wundervoll, stimmt's?" "Ja, doch." "Doch.?" "Sie konnte mir nicht alles geben." "Du hast etwas vermisst. Schau mal genau hin." Spock fand sich auf einem blühenden fremden Planeten wieder und hielt einen Tricorder in der Hand. Fasziniert las er die Daten ab, erlebte das neue Wissen und jetzt merkte er, wie schön er es fand. Schön. Er hatte vor Bonina nie in diesen Worten von Wissen gedacht. Bonina schon und ihm wurde wieder bewusst, dass er sich deshalb ohne Gegenwehr von ihr hatte gefangen nehmen lassen. Die Lust, die sie ihm schenkte und ihre Freude am Wissen, waren Dinge, die er nicht kannte, aber wonach er sich sehnte. "Spock? Ach, hier stecken Sie." Er sah Jim lächelnd auf sich zu kommen. "Es ist wunderschön hier, nicht wahr? Mehr als einige Hundert erkenntnisreiche Daten." Jim breitete die Arme aus und blinzelte in die Sonne. Ein Sternenzelt legte sich über den Planeten. Es war auf einmal dunkel und hell zugleich. Das Sternenzelt begann sich zu drehen, doch langsamer als die Zahlen in Boninas "Kontrollzentrum". Hellblaue Schlieren, wie man sie sonst nicht einfach so durch die Atmosphäre eines Planeten sehen konnte, fingen seinen Blick ein. Als er den Blick wieder zu Jim drehte, standen sie beide plötzlich inmitten der Sterne. "Es ist wunderschön hier, nicht wahr? Mehr als einige Hundert erkenntnisreiche Daten," wiederholte Jim, breitete die Arme aus und deutete auf die Sterne. Spock betrachtete ihn fasziniert und erblickte eine goldfarbene Blume in seiner Hand. Jims Blick folgte dem von Spock und reichte sie ihm. "Sie stammt von diesem wunderschönen Planeten und sieht aus wie Goldlack, ist aber sicher nicht ebenso giftig " Wieder breitete er die Arme aus und deutete auf die Sterne ringsum. "Würden Sie sie für mich analysieren? Ich schenke sie Ihnen." Spock blickte Jim fasziniert an, sah seine großen leuchtenden Augen und ihm stockte für einen Moment der Atem. Jim war so schön, er wirkte, als sei er aus Gold. "Gold ist die Farbe der Freundschaft, der Treue und der Liebe", sagte Jim und Spock nahm vorsichtig die Blume. Jims Anblick hatte ihn gefesselt und ohne hinzusehen, hielt er den Tricorder über die Blume. Jim lächelte. "Und, was sagt der Tricorder?" Spock riss sich von Jims Anblick los und schaute auf das Display. >Ich sehne mich so nach dir< stand darauf. "Was steht auf dem Display?" fragte Jim leise. "Ich sehne mich so nach dir", las Spock vor und er spürte wie die Sterne um ihn herum ihre gleichförmigen Bewegungen zu einem Tanz steigerten. Jim hob die Hand und streichelte seine Wange. "Ich weiß. Goldlack hat diese Bedeutung und deshalb habe ich dir diese Blume geschenkt." Die Szene veränderte sich und er stand mit Jim auf einem Planeten. Er erinnerte sich an diesen Ort von ihrer Fünfjahresmission her. Die menschlichen Besatzungsmitglieder hatten von seiner üppigen Natur gar nicht genug bekommen können. Eine weitere Erinnerung schoss in sein Gedächtnis. ,Jim hatte mir von diesem Planeten eine Blume mitgebracht. Er hat sie mir lächelnd ins Labor gebracht, weil ich kaum Zeit für Landurlaub hatte.' Wie hatte er das vergessen können? ,Er liebt mich. hat mich damals schon geliebt", wurde ihm klar. Er sah vor sich noch mehr Bilder von ihrer gemeinsamen Zeit und ihrer tiefen Freundschaft, nein, mehr, es war Liebe, erkannte er und anders als damals konnte Spock diese Gefühle richtig fühlen, mehr noch, wollte sie fühlen, genoss sie, konnte nicht genug von den wunderbaren Bildern ihrer Beziehung bekommen. "Wenn du nicht genug davon bekommen kannst, geh zu ihm und sag es ihm. Sag ihm, dass du ihn liebst. Er wartet schon so lange auf dich", hörte er die Stimme von Robin. Zu Jim? Er liebte . Jim? Ja. Die Erinnerungen hatten ihm das klar gemacht. Aber. wie. konnte. Sie liebten sich? Eine neue Szene tat sich auf. Es war auf Omicron Ceti 3 und Jim redete auf ihn ein, schrie fast, während er selbst die Hand von Leila Kalomi hielt. ,Er war eifersüchtig', erkannte Spock. Er sah noch mehr Bilder, sah, wie Jim, als er unter der mentalen Beeinflussung eines Wesens von Marcus 3 stand, sich Hilfe suchend an ihn klammerte. Sah, wie sie sich an den Händen hielten, als Jim im Körper von Janice Lester steckte. Sah, dass er ihn anlächelte, als sie gemeinsam Lagerfeuer lagen. Das Licht tanzte auf Jims Gesicht und in der Nacht hatten sie in einem Zelt dicht nebeneinander gelegen. Jetzt lag er wieder da und fühlte den Wunsch in sich, ihn zu berühren. ,Mehr als Bonina. Er kann mir viel mehr geben als sie. wir uns. Die Leidenschaft zwischen uns wird viel mehr sein. ', spürte er und ein Tanz der Vorfreude erhob sich in seiner Seele. Die Szene wechselte wieder und sie standen wieder inmitten der Sterne. Jim nahm Spocks Hände in die seinen und berührte sie mit seinen Lippen. Wie magisch angezogen näherten sich ihre Gesichter und dann küssten sie sich. Es fühlte sich für Spock so richtig an. Jims goldene Liebe und die blauen Schlieren im unendlichen All. Schon so lange erträumtes Glück strömte in orangen Wellen auf ihn ein, umhüllte ihn und er stellte fest, wie ähnlich sich Jims Gold und das Orange waren. Gold und Orange. Liebe und Freude. Ihm fiel ein, dass Blau die Komplementärfarbe zu beiden Farben war und das endlose blaue Leuchten um ihn herum ergänzte das Bild. Das Bild von dem, was er sich wünschte. Seine Wünsche. Das, wonach Robin ihn gefragt hatte, weil er selbst nicht gewusst hatte, was sein Weg war. Jetzt wusste er es und es schien das schönste und das logischste von allen Dingen zu sein. Es war sein Weg. Weiter in Kapitel 10