Licht für
die Seele
Kapitel 8 /13
Teil 1: Licht im Dunkel / Wenige Monate nach TOS / Kapitel 1 bis 3
Teil 2: Erkenntnis und Abschied / Direkt nach Teil 1 / Kapitel 4 bis 5
Teil 3: Licht und Dunkelheit / Zwischen dem ersten und dem zweiten Kinofilm / Kapitel 6 bis 11
Teil 4: Alles Dunkel sinkt hinweg / Nach dem fünften Kinofilm / Kapitel 12 und 13
Noch mehr Übersicht zur Story gibt es hier: http://myblog.de/lichtfuerdieseele1/page/1266116/Ubersicht_der_Story
Zusammenfassung: Die Welt ist voll von Gewalt und Missbrauch, Blindheit und Vorurteilen. Doch ungewöhnliche Kunstwerke bringen Licht in die Seelen.
ACHTUNG! Diese Story ist kein Mainstream K/S. Sie ist ein komplexes und idealistisches Weihnachtsmärchen mit einer Extraportion Kitsch und einer dreifachen Portion Harmonie. Wer so etwas nicht mag, sollte jetzt ganz schnell das Weite suchen. Diese Warnung ist ernst gemeint.
Autor: Liliane Romano
Beta: Paxstartrek
Ein Weihnachtsmärchen im Star Trek Universum
K/S, K/m,
S/f, m/m
PG 13
Mit dabei: unbeherrschte Künstler / faszinierende Vulkanier / eine traurige, lähmende Erinnerung / eine Spezies ohne Ethik / ein verzauberter Herbstwald / eine fesselnde Frau in Blau / Romantik / Erotik / Winter – und Weihnachtskitsch
Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spass und will keine Rechte verletzen.
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Gefühle in Blau
‚In drei Wochen sind wir wieder auf der Erde… und ich bin bei Spock’, freute
sich Kirk und ließ sich auf das Bett fallen.
„Admiral Kirk, Miss Charane, Miss Lent, bitte kommen Sie zur Brücke“, hörte Jim
Sohons Stimme aus der Kommunikationsanlage.
Jim stand wieder auf und begab sich nach oben.
Sohon drehte sich nicht herum, deutete nur auf den Bildschirm.
„Hallo Jim“, begrüßte ihn Admiral Morrow von dort lächelnd und Jim stellte
fest, dass er sich auch auf Bob freute.
„Hallo Bob, was kann ich für dich tun?“
„Zuerst einmal meine Gratulation annehmen. Das gilt für alle Beteiligten. Ihre
Arbeit war sensationell.“
„Tausende Animafisi haben Selbstmord begangen“, erinnerte ihn Ladina.
Bob Morrow zuckte bedauernd mit den Schultern.
„Das wissen wir. Doch die Zahl der Opfer ist deutlich geringer als sie es bei
einem Eingreifen der Romulaner gewesen wäre. Übrigens haben uns die Romulaner
ganz offiziell ihre Anerkennung für unsere Handlungen ausgesprochen. Wir haben
ihnen aber trotz ihrer Nachfrage natürlich nicht verraten, was genau ihr getan
habt. Das sollte erstmal unbekannt bleiben. Sie wissen nur, dass es uns
gelungen ist, mit einer neuartigen Kunst ihnen ihre Taten vor Augen zu führen.“
Ladina blieb ungerührt.
„Ich nehme an, die Romulaner freuen sich besonders über die vielen Selbstmorde
bei den Animafisi“, sagte sie spröde.
Admiral Morrow blickte sie nachdenklich an.
„Glauben Sie mir, ich kann nachvollziehen wie Sie sich fühlen. Es muss Ihnen
wie Hohn erscheinen, wenn ich Ihnen im Namen der Föderation danke, weil Sie mit
Ihrem Kunstwerk den Frieden erhalten haben und dem Leben auf Animafio zu seinem
Recht verholfen haben. Ich verstehe Sie.“
Ladina nickte und Rebita lächelte.
„Wir sind froh, dass Sie uns verstehen.“
„Miss Lent, nur weil ich eine Uniform trage, heißt das noch lange nicht, dass
ich stumpfsinnig bin.“
Er wandte sich an Kirk.
„Jim, die Admiralität hat beschlossen, dass die T’Mor noch für etwa drei Monate
im Orbit um Animafio bleibt, um die Lage im Auge zu behalten. Für Miss Lent und
Miss Charane gilt das nicht. Wir würden uns zwar freuen, wenn Sie bleiben
würden, doch wenn Sie es nicht wollen, wird ein vulkanisches
Langstreckenshuttle sie so bald wie möglich abholen.“
„Nichts wie weg hier“, sagte Rebita und Ladina schloss sich an.
„Gut. Dann werden Sie abgeholt.“
‚Ich gehöre auch zur Admiralität und dem Beschluss zu bleiben, habe ich nicht
zu gestimmt’, dachte Kirk und hoffte, einen Wutanfall so lange unterdrücken zu
können, bis Morrow vom Bildschirm verschwunden war.
Er unterdrückte den Wutanfall sogar bis er wieder in seiner Kabine war. Noch
mindestens drei Monate auf Animafio! Noch mehr Tod, noch mehr Leiden. Diesmal
waren nicht die Tiere und Pflanzen die Opfer sondern die Animafisi selbst.
*
Drei Monate später.
Jim freute sich nach dieser grauenvollen Mission auf seinen eigenen Planeten.
Dieser war zwar nicht perfekt und, verdammt, Sohon hatte recht, es wurde immer
noch grundlos Leben vernichtet, doch man konnte es nicht mit den Zuständen
vergangener Jahrhunderte vergleichen und die Erde galt als einer der schönsten,
lebendigsten und reichsten Planeten der Galaxis.
Doch am meisten freute sich Jim auf Spock. In wenigen Tagen würde er ihn
wiedersehen und versuchen, ihn für sich zu gewinnen. Er hatte hunderte Ideen im
Kopf wie er das bewerkstelligen könnte. Liebeserklärungen lagen ihm auf der
Zunge wie sie alle Kitschromane der Welt zusammen in solcher Fülle und
Intensität nicht kannten und er zählte die Sekunden bis zur Rückkehr zur Erde.
Er musste sich irgendwie ablenken und ging in Richtung Sportraum. Unterwegs
hörte er ein für ein vulkanisches Schiff ungewohnt lautes Geräusch und sah noch
Savadin wie er aus Sohons Kabine stürmte und durch den Gang lief. Sohon tauchte
in der Tür auf und rief ihm nach. Dann sah er Kirk, schwieg wieder und bedachte
ihn mit einem wütenden Blick.
‚Das muss eine heftige Diskussion gewesen sein’, dachte Kirk kopfschüttelnd und
ging schnell weiter. Von Begegnungen mit Sohon hatte er genug und fragte sich
zum wiederholten Mal, was der sanfte Savadin an ihm fand. Er hätte doch jeden
haben können.
‚Vielleicht will er aber nur ihn’, dachte Kirk. Er verstand Savadins Wahl zwar
nicht, doch der junge Mann würde schon seine Gründe haben. Kirk zog sich um und
sprang an die Reckstange. Die körperliche Anstrengung würde seine anderen
körperlichen Bedürfnisse erstmal abflauen lassen und genau das brauchte er
jetzt.
Nach einem kurzen Aufenthalt auf Vulkan flog die T’Mor endlich zurück zur
Erde.Sie kamen an einem Sonntagmorgen an. Seit ihrer Abreise waren neun Monate
vergangen. Noch an Bord der T’Mor hatte Jim Spock eine Nachricht hinterlassen,
ihn gefragt, ob sie sich nicht am Sonntagmittag treffen könnten. Doch Spock
hatte ihm mitgeteilt, dass er erst am Montag wieder Zeit hätte und sie könnten
sich dann zum Mittagessen im „Novalis“ treffen, einem vegetarischen Restaurant
nahe des Hauptquartiers. Jim stimmte seufzend zu.
‚Montag erst…“
Er sehnte sich danach, dem Vulkanier endlich nahe zu sein und jetzt musste er
noch etwas länger warten.
‚Vor die Liebe haben die Vulkanier die Geduld gesetzt’, dachte er und grinste
wehmütig. Kurz entschlossen nahm er die Einladung Admiral Morrows, seines alten
Freundes, zum Brunch mit ihm und seiner Familie an.
In seinem Appartement angekommen, zog er sich zivile Kleidung an und begab sich
zu Bob Morrow. Seine Frau hatte verschiedene leichte Speisen zubereitet,
appetitlich angerichtet und sie und Bob begrüßten Jim herzlich. Sie setzten
sich und aßen, klammerten das Thema Animafio aus, um sich nicht den Appetit zu
verderben und sprachen über die Dinge, die sich in der Zeit von Kirks
Abwesenheit ereignet hatten.
„…Aber die interessanteste Neuigkeit ist die über Spock“, sagte er und lehnte
sich lächelnd zurück.
Jim schaute ihn interessiert an. Was könnte das wohl sein?
Bob wartete, bis er Jims volle Aufmerksamkeit hatte.
„Spock und Bonina Amorim sind ein Paar.“
Jim verschluckte sich fast.
„Miss Amorim?“
„Bonina scheint immer zu kriegen was sie will und wie es aussieht, wollte sie
Spock. Unzählige Frauen bei der Flotte sind spontan in Trauer ausgebrochen.“
Jim krampfte die Finger um die Tischplatte.
‚Das ist es also… er hat eine Frau kennengelernt…’
Kirk lachte bitter über seine Naivität. Auch wenn Vulkanier bisexuell
orientiert sind, hieß das noch lange nicht, dass Spock ihn hätte lieben wollen.
Doch weshalb hatte sich das dann so richtig, so passend angefühlt? Er war sich
so sicher gewesen und dann schnappte ihm diese Kleine die große Liebe weg.
Einfach so und jetzt kam sich Kirk wie ein Narr vor.
Er floh aus dem Gebäude und stürzte sich in das Getümmel des Touristenviertels
von San Francisco. Ziellos durchstreifte er die Shoppingpassagen mit exotischen
Waren aus der ganzen Galaxis und versuchte, seine Gedanken und Gefühle zu
ordnen.
Später ging er in eine leise schummrige Bar und traf einen netten Mann. Sie
gingen zu ihm nach Hause und Jim versuchte seine Verbitterung in einer
leidenschaftlichen Nacht zu vergessen.
Am nächsten Morgen riss er sich zusammen und ging ins Hauptquartier, wo er den
Vormittag in einer Nachbesprechung mit dem Führungsstab verbrachte.
Kurz nach Eins dann betrat er das „Novalis“.
Spock saß schon am Tisch. Sie begrüßten sich und Jim quälte ein Lächeln hervor.
„Wie geht es Ihnen? Sehr gut, nehme ich an…“
Spock zog eine Augenbraue hoch.
„Ja, es geht mir gut. Und Ihnen? Sie waren erfolgreich, wie ich gehört habe…“
Kirk nickte.
„WIR waren erfolgreich und es fühlt sich gut an“, antwortete er leichthin.
„Aber Ihnen, mein Freund, scheint es noch besser zu gehen. Wie ich gehört habe,
hat sich bei Ihnen einiges verändert… ja, die Gerüchte breiten sich auch im
Normalraum schneller als das Licht aus. Unsinn, ich weiß, und außerdem ist es
nicht seit erst gestern...“
Er schwieg und sah Spock an.
„Bei mir hat sich einiges verändert und Sie wissen es, wenn ich Sie richtig
verstehe. Es… fühlt sich gut an.“
„Bonina Amorim… das junge Genie“, sagte Kirk und verbannte jede Emotion aus
seiner Stimme.
„Ja.“
„Da hat es also endlich eine Frau geschafft, Ihre Gefühle anzusprechen… Ihre
heimlichen Sehnsüchte…“, sagte er sanft und hätte sich schon wieder ohrfeigen
können wegen seiner Naivität. Eine blutjunge hyperintelligente und überaus
heiße Frau war es gewesen, die seine Gefühle geweckt hatte. Logisch, sehr
logisch, verdammt logisch und er selbst litt wohl unter zu viel
Selbstbewusstsein, wenn er die vielen Frauen, die Interesse an dem Vulkanier
hatten, einfach vergaß.
Sie waren beide bisexuell, Spock wie die meisten anderen Vulkanier und anders
als die meisten S’Kanderei gleichmäßig in beide Richtungen und er selbst… doch
mehr in die gleichgeschlechtliche Richtung. Nur hatte er diese Seite nach dem,
was Don ihm angetan hatte, unbewusst unterdrückt. Spock hatte sich in eine Frau
verliebt und Jim verdrängte mit Macht das Bild in seinem Innern, das ihm die
beiden im Bett zeigte.
„Bonina ist eine bessere Wahl als Gol. Ich bin froh, sie getroffen zu haben“,
sagte er.
‚Bestimmt…’, dachte er bitter, ‚du bist zurückgekehrt und das leider nicht zu
mir.’
„Es freut mich, dass Sie gefunden haben, was sie suchten“, sagt Jim und hoffte,
es klang aufrichtig.
Klang es nicht. Spock kannte ihn gut genug, um ein falsches von einem echten
Lächeln zu unterscheiden und ehrliche Worte von höflichen. Doch andererseits…
Jim war manchmal schwer zu durchschauen. Er beschloss, darüber jetzt nicht
nachzugrübeln und lenkte das Gespräch in eine andere Richtung.
*
Jim war zurück. Sein Freund, der ihm an jenem Morgen nach den Ereignissen um
V’ger seine Erinnerung an ihre Fünfjahresmission nur mit seinen Blicken
machtvoll ins Gedächtnis zurückgeholt hatte. An das Glück und an die Schmerzen,
die ihn schließlich zu seiner Entscheidung für Gol gebracht hatten. Emotionen
waren für Vulkanier nicht leicht zu verarbeiten und er hatte Gol damals als
richtige Entscheidung angesehen. Doch es war sinnlos gewesen. Er hatte das
Kolinahr nicht erreicht, die Sehnsucht nach der Welt war stärker, die Sehnsucht
nach den Geheimnissen des Alls und wohl auch nach… Gefühlen. Er hatte es bei
Bonina erlebt. Die junge Frau hatte ihn mit ihrer ungewöhnlichen Art verführt…
…Er hatte von der Admiralität den Auftrag bekommen, sich um sie zu kümmern. Er
sollte ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten testen, ein spezielles
Lernprogramm zusammenstellen und sie dann privat in Astrophysik unterrichten.
Das Interesse der Sternenflotte an der jungen Frau schien enorm.
Spock kannte sie noch nicht. Sie sahen sich zum ersten Mal eine Woche nach dem
Abflug der T’Mor von der Erde.Sie trafen sich in der Wissenschaftsabteilung des
HQs, wo er sich aufhielt, um die Berichte der Forschungsschiffe
durchzuarbeiten. Sie lächelte ihn an und grüßte ihn auf vulkanisch. Nach einer
kurzen Unterhaltung in der Sprache seines Planeten verabredeten sie sich für
den Abend in ihrer Wohnung.
*
Sie gingen durch den dunklen Flur und dann stand Spock in einem blau
eingerichteten Raum.
„Nehmen Sie Platz, Captain, ich gehe nur kurz ins Bad“, sagte sie und zog sich
ohne Umstände mit wenigen Handgriffen das Kostüm aus, warf es in einen
angrenzenden Raum. Der Tanga flog hinterher.
Spock stand regungslos da und starrte konzentriert in eine andere Ecke des
Zimmers. Sie wollte doch nicht etwa…? Er sah sich in dem Raum um und das erste
was ihm auffiel, war die Farbe BLAU. Der Raum war in den verschiedensten
leuchtendsten Blautönen gestaltet. Spock wusste, dass Menschen ihre Wohnungen
eigentlich niemals blau einrichteten. Diese Farbe strahlte unerwünschte Kühle
und Sachlichkeit aus, Menschen jedoch liebten es, sich in ihren Wohnungen
gemütlich einzuigeln. Deshalb bevorzugten sie warme Brauntöne oder weiche helle
Farben.
Doch Bonina Amorims Wohnung leuchtete in Blau. Die Wände fluoriszierten in
blau, dunkles, helles und mittleres blau. Der Boden war weich und warm und
pulsierte in blauem Karomuster.
Spock setzte sich in einen dunklen Sessel und durchforstete sein Gehirn nach
einer Erinnerung. Irgendetwas an dieser Einrichtung kam ihm bekannt vor… Ja, er
war damals ein Kind. Sie verbrachten einige Wochen auf der Erde und ein
menschlicher Junge hatte ihn zu einem Outer Space Sonntag eingeladen. Er fand
in einer großen Halle statt und hunderte Kinder und Jugendliche hatten sich
dort versammelt. Sie saßen auf dem Boden und schauten sich Aufzeichnungen von
Weltraummissionen und fiktive Abenteuer an. Modelle von Raumschiffen standen in
dem Raum und die Kinder umlagerten und untersuchten sie. Die Sternenflotte warb
um Kadetten und die Mädchen und Jungen konnten ihr Wissen und ihre Fähigkeiten
an verschiedenen Stationen testen. Der ganze Saal war blau, wie bei Bonina,
Wände, Boden, die Sternen übersäte Decke. Die meisten Kinder trugen blaue
fluoriszierende Kleidung.
Bonina kam zurück und sie war – blau. Sie trug einen Mini aus leuchtend blauem
Stoff und so etwas wie ein bauchfreies Top mit zwei hellblauen Knöpfen. Ihre
Beine waren nackt. Sie zog sich einen flachen schmalen Hocker heran und setzte
sich Spock gegenüber.
Das war der Anblick, den Spock in den nächsten Monaten immer vor Augen haben
würde. Ihre langen, hellbraunen Beine waren links und rechts vom Hocker
gespreizt und ihre Hände lagen auf den Oberschenkeln. Sie wirkte in dieser
Stellung so natürlich, so passend, so normal. Sie schien ein Teil des
leuchtenden Blaus ihrer Wohnung und des Blaus an ihrem Körper zu sein. Sie
schien ihn einzuladen, ein Teil des Blaus zu werden, das ihr gehörte. Ja, es
schien nicht, als ob das Blau sie vereinnahmte, erkannte Spock jetzt, das Blau
gehörte ihr. Ihre Haltung duldete keine Unsicherheit, nichts, was sie nicht
wollte und kontrollierte. Sie bot einen verführerischeren Anblick als alle
Frauen, die er bisher gesehen hatte. Er bemühte sich vergeblich, sie nicht zu
mustern.
„Captain? Womit wollen Sie beginnen? Oh… entschuldigen sie bitte, ich habe
Ihnen nichts angeboten…“
Sie erhob sich und ging in die Küche. Der Hocker war jetzt leer und doch schien
es Spock, als säße sie immer noch dort, den Unterleib in einer geschmeidigen
Bewegung an den flachen Hocker gepresst, den Oberkörper gerade aufgerichtet.
Weil der Hocker so flach war, berührten ihre Knie fast den Boden… Spock hatte
noch nie jemanden so sitzen sehen.
Es verwirrte ihn und weckte ein Gefühl, an das er kaum bewusste Erinnerung
hatte. Begehren.
Sie kam zurück und reichte Spock ein Glas. Der neblige kalte Inhalt ließ das
Glas beschlagen und Spock probierte ihn. Er konnte das Aroma mit seinen
schwachen Geschmacksnerven nicht zuordnen und gab sich mit der einfachsten und
passendsten Definition zufrieden, die er finden konnte: Blau. Kribbelnd blau
und eiskalt. Er begann zu frieren und wollte das Glas wegstellen. Doch das
kalte, blaue Kribbeln verwandelte sich in angenehme weiche Wärme. Er zog eine
Augenbraue hoch und schaute sie fragend an.
„CBSF – Kaltes blaues sprudelndes Feuer. Das BlueLight, die Disco, in die ich
samstagnachts immer gehe, hat es erfunden. Es ist eine Art Fruchtsaft. Ich
trinke es am liebsten mit Mandelcreme gemixt“, sagte sie und deutete auf ihr
eigenes Glas.
„Fruchtsaft?“ erwiderte Spock skeptisch.
„Schlehensaft, Brombeersaft, der Saft von einigen anderen Beeren ist auch noch
drin, süßer weißer Traubensaft, Wodka, Anis und Kräuter vom anderen
Ende der Galaxis.“
„Woher…?“ fragte Spock und verstand die Metapher dann doch.
„Das bleibt das Geheimnis des Barkeepers“, antwortete sie lächelnd und sah zu,
wie er das Glas in einem Zug austrank.
„Schmeckt es?“ fragte sie.
Er dachte nach.
„Ja, es… schmeckt. Ungewöhnlich, aber faszinierend.“
Sie lächelte und wippte auf dem Hocker.
„Fangen wir an?“
Er fing sich und begann ihr Wissen zu testen. Es war enorm. Sie antwortete mit
nur kurzem Nachdenken auf die schwierigsten Fragen, die er vorbereitet hatte.
Er wollte sie an einem Computer einige Tests machen lassen und sie gingen in
ein anderes Zimmer. Auch hier war alles blau. Der Raum sah ein bisschen wie das
Kontrollzentrum einer Raumstation aus. Sie setzten sich vor einen der vielen
blau leuchtenden Bildschirme und Spock testete sie weiter.
Als er ihr eine besonders anspruchsvolle Aufgabe stellte, drückte sie einige
Tasten, der Raum verdunkelte sich und hellblaue Zahlenkolonnen wurden an die
Wand geworfen. Sie wanderten über die Wände und die Blicke der Frau folgten
ihnen. Sie setzte sich auf einen beweglichen Stuhl in der Mitte des Raumes und
drehte sich darin hin und her, um den Zahlenkolonnen zu folgen. Nicht nur ihre
Augen folgten den sich bewegenden Zahlenkolonnen, nein, ihr ganzer Körper tat es.
‚Sie tanzt’, dachte Spock verblüfft.
Sie löste die Aufgabe und schaute den schweigenden Spock abwartend an.
„Richtig, Sir?“
„Korrekt… Sie tanzen beim Rechnen?“
„Ich lade die Zahlen zum Tanz ein und wenn wir uns im selben Rhythmus bewegen,
erkenne ich ihren Zusammenhang und kann die Aufgabe lösen… oder wie
hier…“, sie drückte wieder einige Tasten und es erschienen verschiedene Formen
an den Wänden, „erkenne Muster und Zusammenhänge.“
Spock wollte an diesem ersten Tag nicht lange bleiben. Doch Bonina bestand
darauf, dass er ihr sein Wissen vermittelte und deshalb begann Spock schon
heute damit. Es war schließlich weit nach Mitternacht, als sie sich
verabschiedeten. Er fragte sie, wann sie sich nächstes Mal treffen könnten.
„Zwei Stunden nach Mitternacht“, sagte sie und erntete eine erhobene
Augenbraue.
„Das stimmt schon so. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie zu dieser
ungewöhnlichen Zeit kommen würden. In der Nacht auf Samstag habe ich einen
besonderen Rhythmus, Sie werden es schon sehen“, erwiderte sie mit
spitzbübischem Lächeln und begleitete ihn nach unten zur Tür des Hauses.
Dort gab sie ihm eine Identity Card.
„Ich wache so gegen halb drei auf und mit der Karte kommen Sie schon mal
herein. Gute Nacht, Captain Spock.“
„Gute Nacht, Miss Amorim“, erwiderte er.
Gute Nacht? Die Nacht war kurz und es fiel ihm sogar schwer, mit Hilfe der
Meditation einzuschlafen. Er träumte sonst selten und eigentlich nur, wenn er
vor Müdigkeit nicht meditieren konnte. Dieses Mal träumte er, nur von einem
Bild, von Bonina, die mit langen nackten, angewinkelten Beinen auf dem Hocker
saß und ihm ein Getränk reichte, das ihn in blauen Nebel einhüllte. Hellblau
leuchtende Zahlenkolonnen kreisten im Nebel um ihn herum und Spock versuchte
vergeblich ihren Rhythmus zu verstehen. Immer wenn er glaubte, eine
Zahlenkolonne verstanden zu haben, verblasste sie und wurde vom Nebel
verschluckt.
Als er erwachte, merkte er, dass ihn seine innere Uhr im Stich gelassen hatte.
Er war zu spät. Und er war schmerzhaft erregt.
*
Freitagnacht betrat er ihre Wohnung und setzte sich im Wohnzimmer in einen
Sessel. Bonina hatte gesagt, sie erwache gegen halb drei und das tat sie auch.
Er hörte sie ins Bad tapsen und dann in die Küche. Sie kam mit einer Karaffe
Wasser für ihn und einem großen dampfenden Becher für sich selbst ins
Wohnzimmer. Sie trat zu ihm und setzte sich auf den Hocker. Er sah, dass sie
wieder die kaum verhüllende Kleidung in glänzendem Blau trug.
„CBSF, weiße Schokolade, aufgelöst, in heiße Milch gerührt und mit Rosenwasser
gewürzt. Zucker pur. Ich habe freitags kein Abendessen, weil ich da so früh
schlafen gehe“, erklärte sie und genoss das Getränk in langsamen Schlucken.
Sie setzten sich in das „Kontrollzentrum“ und während sie langsam trank, begann
er zu lehren. Später am Morgen machte sie für sie beide einen Teller mit
Sandwichs und bitteren Tee und löste die Aufgaben, die er ihr gestellt hatte.
Halb zwölf verabschiedeten sie sich und er trat in die Mittagssonne hinaus.Das
war die erste Woche mit ihr. Viele weitere folgten und sie verliefen wie die
erste.
Es war immer der selbe Rhythmus und sie herrschte über ihn als sei er ein Teil
von ihr.
Es dauerte nicht lange und auch er war ein Bestandteil ihres Rhythmus.Wenn er
ihn erlebte, machte sich ein anregendes, angenehmes Gefühl in seinem Innern
breit.
Montags und Dienstag studierte sie an der Naturwissenschaftlichen Universität
Biologie und Geologie und abends und nachts waren oft andere Studenten zu Gast.
Er hielt sich dann fern. Mittwochvormittag hatte sie frei und schlief bis
Mittag. Dann kam er und sie lernten bis weit nach Mitternacht. Donnerstags
arbeitete sie einige Stunden in der Universität und am Nachmittag lernte sie
wieder mit ihm.
Freitags lernte sie in einem Kurs an der Starfleetakademie und danach forderten
die kurzen Nächte ihren Tribut. Sie schlief am Nachmittag ein und erwachte
nachts halb drei. Da war er schon in ihrer Wohnung und hatte die Lektionen
vorbereitet. Samstags schlief sie nach dem Mittagessen erschöpft ein. Am Abend
war sie dann wieder fit und verbrachte viele Stunden im BlueLight. Den größten
Teil des Sonntags verbrachte sie auf dem Sportgelände der Universität und meist
war er mit dabei. Am Abend flog sie ohne ihn zu ihren Eltern, die außerhalb San
Franciscos lebten.
Er genoss jedes Mal den Moment, wenn sie ihre normale Kleidung im Wohnzimmer
auszog und achtlos von sich schleuderte und noch mehr, wenn sie in leuchtend
blauer zurückkam.
Seine Faszination legte sich auch nach Wochen nicht. Sie war so einmalig, so
ungewöhnlich und so intelligent – und so erregend. Dieses Gefühl faszinierte
und erschreckte ihn zugleich. Er war noch nie einem Menschen begegnet, der mit
Zahlen tanzte und sich im leuchtenden Blau der Logik wohl fühlte. Nein.
Berauschte. Sie berauschte sich an der blauen Kühle der Zahlen und den
logischen Mustern des Universums. Spock berauschte sich nicht an Zahlen und
logischem Denken. Sie umgaben ihn einfach.
Er war nach Gol gegangen, um seine menschlichen Emotionen zu verbannen und
blieb erfolglos. Jetzt war er zurück und traf SIE. Sie gab der kühlen Logik
etwas Unerhörtes. Eine Befriedigung, einen Freudentanz. Sie war das Gegenteil
von V’ger. Sie gab der Logik einen Sinn.
So wie sie sich an der blauen Dimension berauschte, berauschte er sich immer
mehr an ihr. Sie ergänzte seine Logik um Glück. Er sah sein zerrissenes Inneres
vor sich, wie es in sehnsüchtigem Begehren zuckte. In ihrer Nähe jedoch
veränderte es sich langsam. Sein zerrissenes Inneres fand sich zu einem
rhythmischen Tanz. In ihr hatte er das in ihm fehlende Element gefunden.
Eines Samstagmorgens bemerkte er, dass sie sich nicht auf die Aufgaben
konzentrierte. Er sah sie fragend an und sie sagte nur, sie hätte eine bessere
Idee.
„Komm“, sagte sie leise und er erhob sich und folgte ihr ins Schlafzimmer. Sein
Herz begann zu rasen, er wusste was jetzt kommen und dass er sich nicht
dagegen wehren würde. Er träumte nachts noch immer oft von ihr und erwachte
schmerzhaft erregt.
Sie drückte ihn auf das dunkelblaue Bett und kniete sich über ihn. Er wagte
kaum zu atmen. Sie sagte kein Wort, lächelte nur, leicht und sanft wie
immer. Dann beugte sie sich zu ihm hinunter…
Sie trafen sich immer noch an den Mittwochnachmittagen, Donnerstagabenden und
in der Freitagnacht. Zuerst lehrte er sie Astrophysik, dann drückte sie ihn auf
das Bett und kniete sich über ihn.
Sie tat im Bett Dinge mit ihm, die ihm den Verstand leer fegten. Erst, wenn das
Herz nach dem Höhepunkt wieder normal schlug, konnte er einzelne Gedankenfetzen
fassen. Doch wenn die leidenschaftliche Stunde zu Ende war und er das Haus
verlassen hatte, schwand das Gefühl ihrer Nähe rasant und Leere machte sich in
ihm breit. Es gelang ihm nie, ihre Nähe zu halten.
Er begann >Ich fühle mich wohl< zu denken und fragte sich, ob das
Wort >Liebe< hier passte.
Es überraschte ihn, dass sich niemals, bei keiner einzigen Begegnung, ein
mentales Band bildete. Das war seltsam, denn eine körperliche Vereinigung
führte bei einem Vulkanier eigentlich immer auch zu einem telepathischen
Kontakt. Anfangs hatte er noch Sorge gehabt, dass er eine ungeplante Bindung
abwehren müsste, doch das hatte sich als überflüssig herausgestellt. Wenn sie
sich berührten, spürte er ein Kribbeln in seinem Geist, ähnlich dem Kribbeln
des Getränks, das sie ihm oft servierte. Doch danach wich das warme Kribbeln der
Kälte. Schnell. Zu schnell.
In den Nächten danach, allein in seinem Bett in seiner karg eingerichteten
Wohnung liegend, wuchs der Hunger nach ihr wieder. Er fühlte sich leer und
sehnsüchtig und diese Empfindung schwand erst nach Stunden.
Dann kam Jim Kirk mit der T’Mor von Animafio zurück, sein Freund, sein bester
und einzig wahrer Freund; und sein Geist sah nach langer Zeit wieder
mehr vor sich als Boninas Blau.
Jim Kirks goldenes Lächeln.
Ende Kapitel 8