Titel: Entscheidungen Autor: Acidqueen Serie: TOS Paarung: Spock/McCoy Rating: PG-13 Zusammenfassung: McCoys Entscheidung beim Zusammentreffen mit der Empathin Gem hat weitreichendere Folgen, als er dachte. Archiv: Meine Webseite http://www.syredronning.de , T'Len (wo sie mag), das dt. Fanfiction-Archiv, alle anderen bitte fragen. Hinweis: Startrek und alle Figuren sind im Besitz von Paramount/Viacom. Diese Geschichte erfüllt die Richtlinien des "Fair Usage", eine Copyright-Verletzung ist nicht beabsichtigt. *** McCoy verriegelte seine Kabinentür hinter sich und sank auf sein schmales Bett. Hier, in der Stille des Raumes konnte er die Ereignisse des heutigen Tages nicht so leicht verdrängen, wie dies auf der Brücke gewesen war. Gem . die Vioner . er war darauf vorbereitet gewesen, zu sterben. Jetzt zu leben war irgendwie etwas, woran er sich erst wieder gewöhnen musste. Und es half auch kein bisschen, dass er seine Motive zu hinterfragen begann. Hatte er nur Spock retten wollen, oder war da noch etwas anderes, was ihn zu der Entscheidung getrieben hatte, sich den Aliens als Versuchskaninchen auszuliefern? Er schloss die Augen und rieb das Gesicht mit den Handflächen. Nein, als Todeskandidaten hatte er sich bisher nicht gesehen. Es war nur die Vorstellung gewesen, Spock könnte verrückt werden. Das hatte er einfach nicht zulassen können. Wie oft hatte er Jim oder Spock schon mit seinen Fähigkeiten retten müssen, ohne etwas gegen die Ursachen tun zu können? Diesmal aber konnte er einschreiten, und er hatte keine andere Möglichkeit gesehen, als seine beiden Freunde zu betäuben und ihnen die Wahl zu nehmen. Das war gegen die Regeln, aber Spock hatte nichts dagegen einzuwenden gehabt, solange er es nur mit Jim tat. Nun ja. Sie hatten beide das Recht - und der Captain fast die Pflicht - sein Verhalten als Meuterei zu melden. Vielleicht taten sie es. McCoy zuckte innerlich mit den Schultern. Es war egal - er stand zu seiner Entscheidung, und er würde es wieder tun, jederzeit. Ein Geräusch schreckt ihn auf, und Sekunden später stand bereits Kirk vor ihm. "Ich habe versucht, dich zu kontaktieren, aber du hast nicht geantwortet", sagte er entschuldigend. "Ist alles in Ordnung, Pille?" McCoy nickt und ließ die Hände auf seine Knie sinken. "Alles prima", log er. "Was steht an?" "Ich weiß, dass M'Benga dich für morgen freigestellt hat." McCoy verzog der Gesicht ".und das zu Recht", sagte Kirk fest, "aber ich dachte, ich stelle sicher, dass du dich auch erholst, wie du sollst." "Mach dir mal keine Sorgen um mich", antwortete McCoy. "Ich hätte jetzt eher gedacht, dich treibt dein Report um." Kirk lehnte sich mit dem Rücken an die Tischkante und schloss seine Finger darum. "Mein Report ist geschrieben." Der Arzt hielt die Luft an. "Und ich habe dein Verhalten großzügig unterschlagen", fügte der Captain hinzu. "Ich weiß, dass ich dich vors Kriegsgericht schleppen könnte, aber ich weiß auch, dass du so etwas nicht getan hättest, wenn du nicht mich und Spock hättest schützen wollen." McCoy nickte leicht. "Irgendwann wird dich diese Eigenschaft noch den Kopf kosten, Pille." Kirk sah nun ernster drein. "Es ist meine Sache, wenn ich mich kopfüber in etwas hineinstürze - ich will nicht, dass das bedeutet, dass du hinterher stürzt und deinen eigenen Kopf riskierst." "Das ist Teil meiner Arbeitsplatzbeschreibung", sagte McCoy mit gespielter Leichtigkeit. "Den Captain retten ist meine Hauptaufgabe." "In der Krankenstation kannst du deinen Helferkomplex ausleben, wie du magst. Aber in solche einer Mission würde ich es bevorzugen, wenn du dich an die Hierarchien halten könntest. Auch wenn das -" er hob den Zeigefinger, um McCoys aufkommende Antwort im Keim zu ersticken "- Spock die Gesundheit oder das Leben kosten sollte. Haben wir uns verstanden?" McCoy nickte wieder wortlos. "Gut." Kirk schob sich vom Tisch weg und ging zur Tür. Kurz davor drehte er sich nochmals halb um. "Damals bei der Amöbe musste ich Spock schicken", sagte er leise. "Wahrscheinlich hätte ich dich heute gewählt." Mit diesen Worten verließ er McCoys Kabine. Der Arzt sank aufs Bett. Irgendwie war es eine Sache, sich so zu entscheiden . aber Jims Äußerung war wie ein zweites Todesurteil. Warum hatte er es ihm gesagt? Wollte er ihm etwas von der Last des vermuteten schlechten Gewissens nehmen? Zum ersten Mal seit langem stieg echter Ärger auf Kirk in McCoy hoch. Das war jetzt ganz und gar unnötig gewesen. Er kam sich vor wie der Verlierer in einem Streichholzspiel, und was noch vor kurzem eine wichtige, notwendige Entscheidung gewesen war, war nur noch ein kleines, sinnloses Detail, ein Vorgriff auf etwas, was sowieso stattgefunden hätte. "Nächstes Mal lass ich dich schmoren, Jim", schwor sich McCoy leise und rollte sich in der Decke zusammen ohne sich auszuziehen, unwillig, diesem Tag auch noch eine weitere wache Minute zu schenken. Ein Griff zu den roten Pillen stellte seine rotierenden Gedanken ab, und so versank der Arzt in betäubten Schlaf. Der Schlaf hielt nicht, wie er sollte - nicht einmal die roten Pillen konnten die Erinnerungen an die Folter unterdrücken, die sich in der Deckung der Träume aus seinem Unterbewusstsein nach oben schoben. Er hatte selten soviel Schmerz verspürt, ein Schmerz, der durch und durch gegangen war, sich in seine Nervenbahnen gebrannt hatten. Hilflos hatte er trotzdem nicht gefühlt; schließlich hatte er sich selbst in diese Situation hineinbegeben. Und so gleitete vieles an ihm ab, was ihn als Zuschauer viel mehr berührt hätte. Er sah ruhig ins Angesicht des Todes in dem Wissen, dass es andere retten würde. Er hatte auch die Hoffnung, dass sie ihn nie so sehen müssten, doch das war am Ende ein Trugschluss. Traumaugen öffneten sich, sahen ein Gesicht, so ernst und so vertraut, während unmenschlich warme Hände sich auf die seinen legten. Einst hatte M'Benga ihm erzählt, dass Spock auf Vulkan Heiler hätte werden können, doch McCoy hatte sich das nie vorstellen können. Heute aber hatte er eine andere Seite kennen gelernt, die sich hinter dem kühlen, oft scheinbar teilnahmslosen Wesen verbarg. Er streckte die Hand aus, die nun nicht mehr so kraftlos war wie in der Realität, und strich über die geschwungenen Augenbrauen. "Spock." flüsterte er. Das Gesicht kam näher, und in ihm wich Ernst subtiler Erleichterung. "Leonard." sagte es, und beugte sich immer tiefer - bis sich ihre Lippen berührten. Ein Teil von McCoy wunderte sich, woher diese Idee kam, doch ein anderer Teil genoss einfach und legte sich in den Traum hinein. Der Kuss vertiefte sich, Lippen öffneten sich, erlaubte mehr Kontakt. Hände strichen über Stoff, irgendjemandes Hände. Irgendjemandes sehr warme Hände glitten unter eine Decke, schoben sie von verspannten Schultern. Finger gruben sich in Muskeln, lockerten sie mit gekonntem Griff. McCoy blinzelte und zwang sich, aufzuwachen. Dieser Traum war viel zu anregend, um gut zu sein. Vor allem war er völlig nutzlos, beschwor Phantasien herauf, zu denen es nie eine reale Entsprechung geben würde. Doch das Bild vor seinen Augen verschwand nicht - da war immer noch Spocks Gesicht, das sich nun zu einem geradezu unnatürlichen, wenn auch nach menschlichen Maßstäben nur angedeuteten Lächeln verzog. "Spock?", sagte McCoy ungläubig, doch das, was seine Hand da fühlte, war definitiv ein lebendiges Wesen. "Das kann nicht wahr sein", murmelte er. "Verd -" Seine Worte wurden von Lippen verschluckt, die sich wieder auf seinen Mund pressten. In seinem Kopf machte sich der Gedanke breit, dass, wenn Spock das hier wortlos genießen wollte, er für heute dieses völlig unlogische Verhalten des Vulkaniers nicht hinterfragen würde. Morgen würden sie schon herausfinden, wer von ihnen beiden heute Nacht durchgedreht war, von einem fremden Energiewesen oder sonst wie beeinflusst war. Vielleicht hatte auch jemand die roten Pillen vertauscht . egal, beschloss McCoy und legte seine Hände um Spocks schmalen Schultern, um ihn in einen weiteren Kuss zu ziehen. Sein Kopf war ein großer leerer Ball, stellte McCoy fest, als er am nächsten Morgen mit Blick zur grauen Decke erwachte. Oder besser Ballon - unnatürlich leicht, als hätte man ihn mit Helium gefüllt. Für einen Moment hielt er die Luft an, dann tastete er neben sich, wohl wissend, dass das Bett leer sein würde. Es war sowieso zu eng für zwei, wie er immer wieder schmerzvoll hatte feststellen müssen; aber er musste sich vergewissern, dass da. Seine Hand stieß an etwas Festes, und er schreckte hoch und kam neben dem Vulkanier zu sitzen. "Guten Morgen, Leonard." "Spock, verdammt! Erschrecken Sie mich doch nicht so." Seine Traumfigur saß in schwarzem T-Shirt und Uniformhose an der Kante des Bettes und sah ihn ungerührt an. "Die Logik hätte Dir sagen müssen, dass ich noch da bin." McCoy bemerkte, dass all seine Kleidung auf dem Boden lag, und zog die Bettdecke etwas höher. "Quark, Spock. Ich kann nicht glauben, dass das mehr als ein Traum war. Wahrscheinlich sollte ich mich erstmal gut zwicken, um festzustellen, ob ich überhaupt schon wach bin. " Der Vulkanier ergriff seinen Oberarm und zog ihn mühelos zu sich. "Warum sollte dies ein Traum sein?" "Sie würden so etwas einfach nicht tun," sagte McCoy mit einer Stimme, aus der die schwindende Überzeugung zu hören war. "Ich meine . warum, Spock?" "Dein Verhalten gestern ließ mich vermuten, dass dein Interesse an mir analog dem meinen an dir sein könnte. Als ich heute Nacht deine Albträume bemerkte, fällte ich eine Entscheidung." McCoy starrte auf das Gesicht vor ihm. Es schien wirklich Spock zu gehören, und die Stimme klang auch echt, aber es war eine zu verrückte Situation, um wahr zu sein. "Dein Verhalten schien meine Hypothese zu untermauern", fügten die Lippen hinzu. Eine Hand legte sich um sein Kinn, hob es nach oben. Dunkle Augen trafen blaue. "Oder sollte ich mich geirrt haben?" McCoy starrte den Vulkanier weiter an. "Nun ja . eigentlich hätte ich eher vermutet, dass ich von Ihnen . von dir heute nur einen Einlauf wegen Subordination bekomme", sagte er schließlich. "Ich habe dein Verhalten auch in meinem internen Bericht an den Captain vermerkt ", sagte Spock ernst. "Es ist allerdings eine andere Sache, was ich persönlich über dein Verhalten denke." McCoys Blick war wieder auf die Lippen gewandert. "Ich verstehe", sagte er etwas heiser. "Vielleicht kann ich noch mal einen . kleinen Beweis haben, dass das alles hier real ist?" Spock zog ihn wortlos näher und küsste ihn. "Hmmm . mehr bitte", murmelte McCoy. Nach zwei weiteren Minuten löste sich Spock von ihm. "Ich bin gerne bereit, einen . tiefgründigeren . Beweis zu führen - im Moment allerdings werde ich in zehn Minuten zu meiner Schicht auf der Brücke erwartet." McCoy zog seine Finger aus den ziemlich zerzausten Haaren des Vulkaniers. "Klar. Viel Erfolg auf der Brücke. Ich werde hier warten . heute Abend." Spock nickte und verschwand eilig aus der Tür. Für eine Weile blieb McCoy im Bett sitzen. Das Gefühl des Irrealen hatte ihn noch nicht vollkommen verlassen, und er wusste, dass er nach dem Duschen erstmal bei M'Benga vorbei sehen würde, um sich noch mal durchchecken zu lassen. Aber falls das hier alles wahr war, dann hatte sich seine Entscheidung gestern mehr als gelohnt. *****