
Licht für die Seele
Kapitel 7 /13
Teil 1: Licht im Dunkel / Wenige Monate nach TOS / Kapitel 1 bis 3
Teil 2: Erkenntnis und Abschied / Direkt nach Teil 1 / Kapitel 4 bis 5
Teil 3: Licht und Dunkelheit / Zwischen dem ersten und dem zweiten Kinofilm / Kapitel 6 bis 11
Teil 4: Alles Dunkel sinkt hinweg / Nach dem fünften Kinofilm / Kapitel 12 und 13
Noch mehr Übersicht zur Story gibt es hier: http://myblog.de/lichtfuerdieseele1/page/1266116/Ubersicht_der_Story
Zusammenfassung: Die Welt ist voll von Gewalt und Missbrauch, Blindheit und Vorurteilen. Doch ungewöhnliche Kunstwerke bringen Licht in die Seelen.
ACHTUNG! Diese Story ist kein Mainstream K/S. Sie ist ein komplexes und idealistisches Weihnachtsmärchen mit einer Extraportion Kitsch und einer dreifachen Portion Harmonie. Wer so etwas nicht mag, sollte jetzt ganz schnell das Weite suchen. Diese Warnung ist ernst gemeint.
Autor: Liliane Romano
Beta: Paxstartrek
Ein Weihnachtsmärchen im Star Trek Universum
K/S, K/m,
S/f, m/m
PG 13
Mit dabei: unbeherrschte Künstler / faszinierende Vulkanier / eine traurige, lähmende Erinnerung / eine Spezies ohne Ethik / ein verzauberter Herbstwald / eine fesselnde Frau in Blau / Romantik / Erotik / Winter – und Weihnachtskitsch
Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spass und will keine Rechte verletzen.
*****
Moral und Gewalt
An einem Abend auf der T’Mor traf Kirk im Freizeitraum die beiden
Künstlerinnen. Sie saßen auf einer Bank und Rebita spielte mit einem kleinen
Maulwurf von Animafio. Er saß auf ihrem Schoß und entlockte ihr ein sanftes
Lächeln.
„Er ist unglaublich süß. Ich würde so gern mit ihm ins Bett gehen…“, sagte
Ladina.
Kirk schaute verdutzt.
„Mit dem Maulwurf?“
Ladina schüttelte den Kopf.
„Mit Savadin. Wir schmieden gerade Pläne wie wir ihn und Sohon trennen. Ich
schnappe mir Savadin und Rebita nimmt Sohon.“
„Oh… Ja, Savadin ist… nicht schlecht. Aber Sohon…“, meinte Kirk und kratzte
sich in Gedanken am Kopf.
„… ist noch besser, eine richtige Testosteron – Sprinkleranlage. Ich würde ihn
nicht von der Bettkante schubsen“, sagte Rebita sehnsüchtig und knuddelte den
Maulwurf.
‚Das ist das richtige Wort’, dachte Kirk und setzte sich zu den beiden Frauen,
die sich so respektlos aber sicher nicht ernst gemeint über die beiden
attraktivsten Männer an Bord ausließen. Captain Sohon… Mit ihm, dieser
Testosteron – Sprinkleranlage, hatte er schon einen Zusammenstoß gehabt…
***** … Das Schiff gehörte den S’Kandarei, dem Bund der gleichgeschlechtlich
gebundenen Vulkanier und deshalb waren nur Männer an Bord. Einer davon war Savadin.
Er war atemberaubend attraktiv, mit feinen langen Wimpern, seidig schwarzen
Haaren wie Spock und edlen entspannten Gesichtszügen.
Diesem jungen Mann verdankte es Jim, dass trotz der traurigen und gefährlichen
Mission bei den Animafisi immer wieder ein Lächeln in seinem Herz erblühte.
Der vulkanische Biologe, der wohl noch um einige Jahre jünger war als Spock zur
Zeit der Fünfjahresmission, strahlte Unschuld und Neugier aus. Sie freundeten
sich während ihrer gemeinsamen Arbeit schnell an und Kirk dachte wehmütig an
die Jahre mit Spock. Sie waren sich damals so nahe gewesen und auch wenn es aus
gewissen Gründen nie zu einer intimen Beziehung gekommen war, so war doch diese
Zeit die schönste seines bisherigen Lebens gewesen.
Kirk und Savadin erforschten mit den beiden A.L.C.E. Künstlerinnen Rebita Lent
und Ladina Charane den Planeten Animafio. Zuerst überwog der Ekel vor dem
Planeten, doch nach einigen Tagen gewöhnten sie sich gezwungenermaßen daran.
Ihnen blieb schließlich auch nichts anderes übrig. Sie katalogisierten die
Bestandteile des Planeten und die Reste der Pflanzenwelt, welche die Animafisi
in ihrem unschuldigen Frevel übrig gelassen hatten. Die beiden Frauen
versuchten, in das Wesen des Planeten einzudringen. Sie mussten ein A.L.C.E.
erschaffen, das den Planeten und seine Rolle im Gefüge des Alls zeigte. Wenn
alles gut ging, würden den Animafisi bei der Betrachtung des Modells ihre
Verbrechen bewusst werden. Die Zeit war knapp, denn die Geduld der Romulaner
währte nicht ewig.
Kirk hatte große Erfahrung mit fremden Kulturen und Savadin und die beiden
Frauen ordneten sich seiner Führung unter. Sie verbrachten den ganzen Tag
miteinander. Captain Sohon blieb meistens an Bord und bemühte sich die
Romulaner zu beruhigen.
Als Kirk eines Morgens in den Sportraum kam, hing Savadin gerade am Reck und
machte Klimmzüge. Genau das, was Kirk auch machen wollte.
‚Nun, er wird nicht ewig da bleiben.’
Er stellte sich auf das Laufband und blickte beim Trainieren immer wieder zu
Savadin. Er merkte, dass ihm das Band zu schnell war und reduzierte die
Geschwindigkeit. ‚Besser, viel besser…’, dachte er und stellte fest, dass er
bei diesem gemächlichem Tempo den jungen Mann viel besser beobachten konnte.
‚Oh oh, James T. Kirk! Der bezaubernde Junge ist eine Nummer zu groß für dich
und abgesehen davon bestimmt vergeben…’
Aber er konnte es nicht lassen, den attraktiven Mann zu betrachten. Als Savadin
20 Minuten später immer noch am Reck hing, ging Kirk die Puste aus.
‚Man soll sich nur auf eines konzentrieren…’, dachte er und setzte sich auf den
Boden. Er lehnte sich an die Wand und schaute unauffällig – das hoffte
er zumindest – zu dem Vulkanier. Savadin trug nur eine kurze, dunkle, eng
anliegende Hose. Feiner schwarzer Flaum bedeckte seine perfekt geformten Beine,
die zu einem festen Po führten. Der nackte Oberkörper wies die genau richtige
Menge an Muskeln auf und Jim genoss ihre Bewegungen bei Savadins Klimmzügen.
Sein Körper reagierte ungefragt auf den Mann und er schloss halb amüsiert, halb
genervt, die Augen.
‚Jim, Jim… schau woanders hin’, dachte er und hoffte, dass Savadin ihm die
Blicke nicht übel nahm, ach, am besten gar nicht registrierte.
Doch ein anderer hatte sie registriert. Captain Sohon. Er stand plötzlich neben
ihm. Jim sah ihn erst, als Savadin auf den Boden sprang und zu ihm trat.
„Dieser Mann ist gebunden und zudem ist ein Schiff der S’Kandarei nicht der
richtige Ort, um andere mit seiner unlogischen menschlichen Sexualität zu
belästigen. Faszinierend, Admiral Kirk, Sie schauen Männern nach und ich hatte
eigentlich gehört, Sie seien allzeit hinter Frauen her “, sagte Sohon eisig und
verblüffte Kirk mit seiner unhöflichen Art, die so gar nicht zu den
beherrschten Vulkaniern passen wollte.
‚Dieses Image werde ich wohl nie los…’, dachte er genervt.
„Ich habe mich halt geirrt“, sagte er ungerührt.
Sohon sah Savadin herausfordernd an.
„Sohon ist mein Verlobter“, sagte dieser zu Kirk.
Jim atmete tief durch.
„Ich bin nicht hier um Ihrem Verlobten meine unlogische menschliche Sexualität
aufzudrängen“, sagte er ruhig.
„Tatsächlich nicht?“
Er warf einen kurzen Blick auf Jims Unterleib.
Jim legte ein joviales Lächeln auf.
„Ich bin ein Mensch und Menschen reagieren manchmal unkontrolliert.“
‚Eifersucht scheint bei Vulkaniern ein erlaubtes Gefühl zu sein…’
„Dann wäre es vielleicht besser, Sie hielten sich von der Sporthalle fern“,
sagte Sohon und schaute zu Savadin.
„Miss Charane braucht dich in Labor 2“, sagte er.
Savadin blickte seinen Verlobten an und für Kirk sah es aus, als wäre er
verärgert.
„Ich erfrische mich vorher“, sagte er nach einigen Sekunden kurz angebunden und
ging zur Dusche.
Sohon blickte ihm nach und dann Kirk an. Sein Gesicht nahm wieder den Ausdruck
von Eiseskälte an.
„Admiral Kirk, unter Vulkaniern gelten andere Regeln und ich habe nicht vor,
Sie noch einmal darauf hinzuweisen. Und Sie sollten wissen, dass wir S’Kandarei
nicht so viel Wert auf die Beherrschung unserer Emotionen legen“, sagte er
gefährlich leise.
„Tatsächlich? Danke, dass Sie mich informieren, es wäre mir sonst nicht aufgefallen.“
*****
*
Rebita und Ladina arbeiteten konzentriert an dem A.L.C.E. und Kirk war erstaunt
über ihre Ruhe. Welch ein Unterschied zu dem unbeherrschten Robin Alliani!
Die Animafisi verstanden nicht recht, was sie auf dem Planeten taten, ließen sie
jedoch gewähren. Sie verhielten sich den Besuchern gegenüber nett und man hätte
sich auf Animafio sicher wohl fühlen können.
Hätte. Wären da nicht die blitzsauberen Labore gewesen, in denen sich die
außerirdischen Besucher vorkamen wie in einer aufpolierten Version eines
Horrorfilms. In ihnen standen Glasbehälter in allen Größen - gut ausgeleuchtet
und in perfekter Symmetrie. Drinnen lagen die Opfer genetischer Experimente,
teils
lebendig, teils gerade noch so lebendig.
Die Einrichtungen, in denen Nahrungsmittel erzeugt wurden, ähnelten
Gruselkabinetten. Halbtote optimierte Tiere und Pflanzen lagen und wuchsen in
gläsernen Hallen und produzierten die Nahrung.
Die Animafisi wunderten sich über die Besucher, die Experimente an den
>Dimovisi<, wie Tiere hier genannt wurden und >sich bewegende
Dinge< bedeuteten, ablehnten und zeigten ihnen stolz die Fabriken, in denen
die Maulwürfe für das Terraforming produziert wurden und jene Fabriken, in
denen die Mikroorganismen erzeugt wurden, die später mal die unerwünschte Natur
Animafios unauffällig vertilgen sollten.
Die Animafisi taten mit ihrer Heimat was sie wollten. Genau wie mit ihren
Terraformingplaneten. Ein großer Teil Animafios war mit einer Art butterweichem
Rasen bedeckt. Er leuchtete in beeindruckenden farbigen Mustern und die
blonden, dünnen, fast elfenartigen Animafisi beschritten ihn beschwingt mit
ihren zarten, nackten Füßen.
Die außerirdischen Besucher erfuhren, dass in den Siedlungen und in einem
großen Ring um sie herum sämtliche Natur regelmäßig vernichtete wurde. Dann
wurde der hübsche Rasen ausgesät, in Mustern, die Designer vorher mit ihrer
Kreativität erdacht hatten. Nirgendwo innerhalb der Ringe um die Siedlungen gab
es auch nur ein einziges Tier oder andere Pflanzen als den Designrasen und die
ebenso abwechslungsreich gemusterten, Schatten spendenden Designbäume. Diese
standen passend zwischen den Licht durchfluteten Häusern und spendeten exakt
dosierte Kühle und Schutz vor Regen. Auf Animafio existierte kaum ungestutzte,
undesignte Natur. Auch viele Gebirge waren zurecht geschliffen, kein Fluss lag
noch in seinem natürlichen Bett und die Oberfläche unterhalb des Designrasens
war größtenteils mit schweren Platten versiegelt, um natürliche Einflüsse
abzuwehren.
Es dauerte elf Wochen bis Rebita und Ladina sich sicher waren, den Entwurf für
das geplante A.L.C.E. fertig zu haben.
„Wir haben die Essenz gefunden“, sagte Ladina schlicht.
„Man merkt es, wenn es funktionieren wird“, wiederholte Rebita den
Standardspruch der A.L.C.E. Künstler.
Entsprechend den Anweisungen der beiden Frauen besorgten Savadin, Kirk und ein
vulkanisches Crewmitglied die Pflanzen und Steine vom Planeten, die für
das Modell gebraucht wurden. Sohon besorgte Elemente aus dem All, die für das
Ziel des Modells – die Frevel der Animafisi am Universum darzustellen –
auch notwendig waren. Rebita und Ladina formten das Modell.
Für die Schiffsbesatzung hieß es jetzt Warten. Sohon stand als Vulkanier
eigentlich nicht im Verdacht sich je zu langweilen. Doch diesmal packte ihn die
Langeweile doch und er bekämpfte sie unermüdlich, indem er Kirk fast jeden
Abend Diskussionen über Ethik aufdrängte. Anfangs nahm Kirk noch freiwillig
daran teil. Sohon war überaus intelligent und redegewandt, hatte umfangreiches
Wissen und unschätzbare Erfahrungen von fremden Planeten mitgebracht. In den
wenigen Wochen vor der Fertigstellung des Modells hatte sich Kirk unglaublich
viel von seinem Wissen angeeignet. Nach einer Weile allerdings fühlte sich Kirk
nur noch genervt. Sohon ließ keine Gelegenheit aus, ihn an die Unvollkommenheit
der Menschheit zu erinnern. Er genoss es, Parallelen zwischen den Freveln der
Animafisi und denen der Menschheit von gestern und heute zu ziehen. Kirk konnte
dem oft nichts entgegensetzen. Savadin hörte den Gesprächen aufmerksam zu,
mischte sich aber nicht ein. Nur wenn Sohon ihn fragte, steuerte er seine
biologischen Kenntnisse bei. Leider hieß das vor allem, in Bezug auf die
Vergangenheit, solche hässlichen Dingen wie ausgerottete Tierspezies,
Schlachthäuser, Pelzfarmen, lebendig ausgenommene und immer noch lebendig
gebratene Fische, gentechnisch veränderte Tiere und Pflanzen und durch Tiermehl
verrückt gewordene Kühe zu erwähnen. In der Gegenwart sah es zwar weniger
hässlich aus, doch Tiere wurden noch immer benutzt.
„Auf der Erde werden noch immer Tiere geschlachtet. Viel weniger als früher
zwar und weniger qualvoll, doch an ihrem unnötigen Tod ändert das nichts. Es
besteht aus ernährungsphysiologischer Sicht längst kein Grund mehr dafür. Sie
werden das nicht leugnen können. Nüsse, Hülsenfrüchte und rücksichtsvoll
erzeugte Milchprodukte stehen überall und zu jeder Zeit genügend zur Verfügung
und ersetzen Fleisch.“
Das in etwa war der Standartsatz und Kirk fragte sich schläfrig, ob es nicht
unlogisch sei, das gleiche Thema jeden Abend neu aufzurollen.
„Ich weiß das, so wie ich es gestern auch schon wusste“, sagte Kirk nur,
verabschiedete sich und stand auf, um sich zum Schlafen zurückzuziehen.
*
Jim ging in die leere Sporthalle und hängte sich für zwanzig Klimmzüge ans Reck.
Dann fand er, für den heutigen Tag genug trainiert zu haben und begab sich
durch den Umkleideraum zur Ultraschalldusche. Da öffnete sich die Tür von
innen. Nackt, mit seiner Kleidung über dem Arm, stand Savadin plötzlich vor
ihm.
„Es ist gleich frei, Sie können…“ Er unterbrach sich plötzlich und blickte zu
einem Punkt hinter Kirk.
Jim wollte sich umdrehen und wurde am Kragen gepackt. Jemand hob ihn hoch, warf
ihn an die Wand und hielt ihn dort fest.
„Das ist unnötig, Sohon! Er wusste nicht, dass ich hier bin“, rief Savadin.
‚Sohon. Wer sonst’, dachte Kirk und schnappte nach Luft.
„Hören Sie auf ihn. Ich dachte, ich sei allein hier.“
Sohon ignorierte ihn.
„Sohon! Lass ihn!“ wiederholte Savadin und drängte sich zwischen Kirk und
seinen Verlobten.
Sohon schloss kurz die Augen und schien bis zehn zu zählen. Dann ließ er Kirk
abrupt los und dieser rutschte nach unten. Savadin reichte ihm die Hand und
half ihm auf.
„Haben Sie sich verletzt?“ fragte er leise.
Kirk schüttelte den Kopf.
„Es geht. Bis zu… meiner Hochzeit ist es wieder weg“, sagte er und wusste
nicht, ob er lachen oder wütend werden sollte.
„Sie wollen heiraten und schauen anderen Männern nach?“ fragte Sohon
verachtend.
‚Du verstehst es nicht, was?’, dachte Kirk.
„Nein, leider noch nicht. Ich muss meinen Traumprinzen erst noch erobern…“
Sohons starke Hand drückte ihn wieder an die Wand und Kirk schnappte wieder
nach Luft.
‚Oops… falsche Antwort…’
„Ich habe nicht von Savadin gesprochen.“
Er riss sich los und beschloss, dass es genug war. Er stellte sich aufrecht hin
und seine Stimme nahm den einem Sternenflottenadmiral angemessenen Ton an.
„Captain Sohon, es reicht jetzt. Auch die vulkanische Flotte gehört zu
Starfleet und ich bin Ihr vorgesetzter Offizier, auch wenn die S’Kandarei,
wie bekannt, diese Hierarchie nicht anerkennen, und wenn Sie mich noch einmal
angreifen, dann, das verspreche ich Ihnen…“
Sohon unterbrach ihn.
„Sie haben Recht, wir erkennen sie nicht an. Außerdem…“, er trat dicht an Kirk
heran, „gibt es Dinge, für die offizielle Dienstregeln nicht gelten.“
Kirk lachte innerlich. Diese Testosteron – Sprinkleranlage glaubte doch
tatsächlich ihn einschüchtern zu können! Und wieso, zur Hölle, konnte sich
dieser Vulkanier nicht logisch verhalten?
„Ich habe meine Worte ernst gemeint, Captain Sohon“, sagte er kühl und verließ
den Raum.
Später am Tag, als er mit Savadin auf dem Planeten war, bat der junge Mann um
Entschuldigung für Sohons Verhalten.
Kirk winkte ab.
„Das kann er nur selbst tun.“
Savadin setzte sich neben ihn.
„Ich habe ihm vorhin einige Takte zu seinem unangemessenen Verhalten erzählt.“
„Sie haben was?“ Kirk sah ihn überrascht an.
„So heißt es doch, wenn man jemandem sehr direkt die Meinung sagt, oder?“
Savadin sah ihn unsicher an.
Jim lächelte.
„So heißt es… Wie hat Ihr Verlobter denn reagiert?“
Savadin deutete ein Lächeln an.
„Mit dem Versprechen, das nicht nochmal zu tun. Entschuldigen wird er sich aber
nicht, deshalb habe ich es für ihn getan.“
Jim schmunzelte.
„Sie sind bedeutend netter und vernünftiger als ihr Verlobter.“
„Sohon ist privat anders, beinahe verletzlich, so würden sie es vielleicht
ausdrücken… Ich hätte zu seinem Antrag sonst nicht Ja gesagt. Ein Grund für
seine Eifersucht ist Ihr für Vulkanier befremdliches Verhalten. Kein Vulkanier
hätte mich in der Sporthalle so gemustert, wie Sie es getan haben.“
„Ich hatte gehofft, Sie würden es nicht merken …“, sagte Kirk und schlug sich
in Gedanken vor die Stirn.
Savadin verzog den Mund wieder zu einem Beinahe – Lächeln.
„Vulkanier sind nicht blind.“
„Da werde ich künftig wohl vorsichtiger sein müssen, wenn mir wieder ein
schöner Mann begegnet“, sagte Kirk und hoffte, dass Savadin seine Worte als
Scherz verstehen würde.
„Sehr viel vorsichtiger“, erwiderte Savadin.
‚Oh Herr, danke, er versteht Humor…’, dachte Kirk und beherrschte sich gerade
noch um Savadin nicht auf die Schulter zu klopfen. Man konnte nie wissen, wer
hinter einem stand…
*
Kirk, Sohon und andere Besatzungsmitglieder standen mit den beiden
Künstlerinnen vor dem Modell. In ihm konnte man, dargestellt mit Materialien
aus der Umwelt, ein Modell des Planeten sehen wie er sein würde, wenn die
Animafisi sein Ökosystem nicht vernichtet hätten. Bei genauem Hinsehen erkannte
man Elemente aus dem All und von anderen Planeten.
„Wie haben Sie die Zerstörung des Planeten dargestellt?“ fragte Kirk
„Schauen Sie mal auf die Wurzeln im Zentrum“, sagte Rebita.
„Ist das Asche?“
„Ja. Wir haben abgetötete Pflanzenteile von Animafio gesammelt, verbrannt und
die Wurzeln damit bedeckt. Außerdem befindet sich, auf den ersten Blick
nicht sichtbar, in jedem anderen Pflanzenteil zusätzlich noch Asche. Mit
Materialien von den Terraformingplaneten sind wir ähnlich verfahren. Den
Zusammenhang mit dem Universum haben wir dargestellt, in dem wir unzerstörte
Pflanzen anderer Planeten und andere Materialien in Form eines keltisches
Pentagramms zwischen den Materialien von Animafio platziert haben. Das
keltische Pentagramm symbolisiert die endlose Verknüpfung des Lebens mit dem
Kreis der Unendlichkeit.“
„Die Details werden Nichtkünstler wie ich nicht so schnell verstehen“, sagte
Kirk leise.
„Wir sollten beginnen“, sagte Captain Sohon.
Ladina nickte und nahm den Kristall. Dann hielt sie kurz inne.
„Denken Sie daran, wir müssen das Modell mit einem Shuttle zum Planeten
bringen. Der Kristall wird beim Beamen zerstört.“
Sie stellte den Kristall vorsichtig hinter die von Asche bedeckten Wurzeln des
Modells. Keiner außer den beiden Künstlerinnen hatte jemals einer
Vollendung eines A.L.C.E. zugesehen. Es knisterte erst leise, dann lauter und
der goldgrüne Funkenschauer erschien. Ladinas Hand wurde zurückgestoßen und
nach einigen Sekunden verflüchtigten sich die Laute und die Farben.
„Das Kraftfeld ist errichtet“, sagte Rebita leise und näherte sich mit der Hand
vorsichtig dem Modell. Sie wurde von dem Kraftfeld zurückgestoßen.
Alle standen still und ehrfürchtig um das Modell herum.
„Sie wissen, wenn wir das Modell jetzt zu den Animafisi bringen, gibt es kein
Zurück mehr. Es wird die größte Einmischung in die Angelegenheiten eines
anderen Planeten sein, die jemals begangen wurde und es wird allein unsere
Verantwortung sein“, sagte Rebita leise.
„Sie wissen sicher auch, dass keiner von uns weiß, wie genau die Animafisi
reagieren werden. Das Modell wird seinen Zweck erfüllen, aber darüber hinaus
wissen wir nichts“, ergänzte Ladina.
„Das wissen wir, Miss Lent, Miss Charane, aber Verstehen ist die einzige Chance
der Animafisi. Leben ist immer schützenswert. Die Vulkanier hatten nie vor, die
Animafisi den Romulanern zu überlassen, wenn eine andere Möglichkeit besteht.
Jetzt haben Sie diese Möglichkeit geschaffen. Vulkan dankt Ihnen“, sagte Sohon
ungewöhnlich leise.
Sie stellten das Modell in ein Shuttle und dann flogen Kirk, Sohon und einige
Sicherheitsleute damit zum Planeten. Die Künstlerinnen blieben an Bord. Auf der
Oberfläche wurden sie wie jeden Tag von hochrangigen Animafisi freudig
empfangen. Sie baten um eine dringende Audienz bei dem Obersten Beamten, ein
Amt, das dem eines Präsidenten entsprach und wurden sofort vorgelassen.
Kirk trat zu ihm und begrüßte ihn respektvoll.
„Wir haben ein Geschenk für Sie. Es ist aber kein gewöhnliches Geschenk, eher
so etwas wie das Modell eines Kommunikators. Es wird Ihnen helfen, Dinge zu
verstehen, die Ihnen bis jetzt verborgen geblieben sind. Zwei begnadete
Künstlerinnen haben es aus verschiedenen Elementen des Universums und einem
wertvollen ungewöhnlichen Kristall erschaffen.“
Die Vulkanier stellten das Modell vor den Obersten Beamten auf den Tisch.
„Wir möchten, dass Sie sich entspannen und das Modell anschauen. Solange bis
der Kommunikator zu wirken beginnt. Sie werden merken, was wir meinen.“
„Und was dann?“ fragte der Oberste Beamte verwundert.
„Sie werden es dann wissen“, wiederholte Kirk.
Sohon öffnete seinen Kommunikator und wies zur Sicherheit den Transporterraum
an, sich zum Hochbeamen bereit zu halten.
Der Oberste Beamte fokussierte verwirrt das Modell. Nach einer Minute setzte
die zweite Wirkungsphase des Modells ein, in der das morphogenetische Feld das
Wissen und die Erfahrung von Animafio in einer Art Animation preisgab. Der
Oberste Beamte zog die Stirn in Falten und seine Hautfarbe änderte sich von
orange in grau. Sie wussten, dass er jetzt die Zerstörung des Planeten mit
ansah. Was auch sonst. Bei einem Modell seines Planeten konnte man nicht wie
bei dem Herbstwaldmodell von Robin Alliani die Stärke der Natur sehen, denn
hier gab es keine Natur mehr.
Der Betrachter schien sich nicht wohl zu fühlen und Kirk bat ihn, den Blick
weiterhin auf das Modell zu richten.
Dann setzte die dritte Phase ein. Die Phase, in der sich das im Kristall
absorbierte Wissen, das morphogenetische Feld, mit dem Betrachter koppelt. Sie
erkannten den Beginn der wichtigsten Phase an dem markerschütternden Schrei aus
dem Mund des Mannes. Er schrie, wie noch nie jemand geschrien hatte. Seine
Augen waren weit aufgerisssen, Arme und Beine ruderten unkontrolliert in der
Luft herum und Kirk war froh über die Unzerstörbarkeit eines fertigen A.L.C.E.
Seine privaten Wächter stürmten herein. Sie erkannten, dass die Besucher in
großem Abstand zu ihrem Obersten Beamten standen und wohl keine Schuld an
seinem Zustand hatten. Sie bemühten sich den Mann zu beruhigen. Die
außerirdischen Gäste standen still daneben.
„Bitte helfen Sie ihm“, flehte einer der Wächter sie an.
Sohon sah den Wächter an und sein Blick war sanft wie nie.
„Er wird sich beruhigen. Ich schlage vor, Sie rufen schnell die wichtigsten
Leute des Planeten zusammen. Beamte und Wissenschaftler. Ihr Oberster
Beamter wird Ihnen alles erklären.“
„Was ist hier passiert?“ fragte ein Wächter.
„Das wichtigste, das einzig Richtige“, sagte Sohon ruhig.
„Sie wollen gar nichts tun?“
„Wir werden hier bleiben und Ihnen helfen, wenn es nötig sein sollte. Doch
jetzt müssen Sie die wichtigsten Leute des Planeten zusammenrufen.“
Der Wächter wurde misstrauisch.
„Tu was er sagt“, erklang eine brüchige Stimme. Der Oberste Beamte hatte sich
beruhigt und Tränen rannen über sein Gesicht.
„Alle müssen es so schnell wie möglich erfahren. Wir müssen es stoppen. Das
sind wir dem Universum schuldig.“
„Herr, was sind wir?“ Das Misstrauen des Wächters wuchs.
„Schuldig.“
Er blickte die außerirdischen Gäste an und in seinen Augen sahen sie endlich
das Mitgefühl, das alle anderen Spezies schon lange kannten. Das Mitgefühl mit
allen Kreaturen, das nur jemand spüren konnte, der mit dem Universum verbunden
war.
Als noch mehr Animafisi das A.L.C.E. betrachteten und ihr Verstehen
weitergaben, entstand auf ihrem Planeten ein großes Durcheinander.
*
Die Situation auf Animafio war chaotisch und die Beobachter von der T’Mor waren
froh, dem Wahnsinn unbeschadet entkommen zu sein. Der Arzt des
vulkanischen Schiffes verabreichte Kirk ein Beruhigungsmittel und er schlief 48
Stunden lang ununterbrochen. Als er erwacht war, bat Captain Sohon ihn,
die Künstlerinnen und seine Offiziere in den Besprechungsraum. Die Stimmung war
gedrückt.
Sohon informierte sie, dass die Romulaner in groben Zügen über die Ereignisse
aufgeklärt worden waren. Die Animafisi seien in eine kollektive Hysterie
gefallen, als ihnen bewusst wurde, was sie ihrem und anderen Planeten angetan
hatten. Langsam erwachten sie daraus, andere erlebten den Schock erst jetzt und
viele sicher auch noch in einigen Monaten.
„Die Animafisi wollten den Tieren, die Opfer ihrer genetischen Experimente
sind, die Freiheit zurückbringen und natürlich war das nicht möglich. Doch sie
konnten sie jetzt, mit ihrem neuen Bewusstsein, auch nicht töten. Ich habe
ihnen erklärt, dass der Tod ihrer Opfer im Moment die beste Lösung sei. Ich habe
ihnen aber nicht erklärt, dass wir Vulkanier das auch nicht tun könnten. Trotz
der Notwendigkeit. Die Aufgabe, das unschuldige Leben in ihren Laboren und
Fabriken zu töten, sein Leid zu beenden, haben die Romulaner übernommen. Deren
Abscheu vor Frevel gegen das Gefüge des Universums ist größer als ihre
Abneigung gegen das Töten. Inzwischen haben die Animafisi viele ihrer Labore
und Fabriken bereits gesprengt. Tausende von Wissenschaftlern und anderen
Animafisi haben sich
aus Scham selbst umgebracht oder sich mit den Laboren sprengen lassen, als die
Erkenntnis sie überrollte. Der größte Teil der Gentechnologie und des
Wissens darüber wurde vernichtet. Sie stehen vor dem Nichts. Der Oberste Beamte
sagte mir, dass die Animafisi ganz von vorn beginnen werden. Er bittet die
Föderation, die terraformten Planeten zu übernehmen und zu tun was getan werden
muss. Schiffe von Animafio werden in wenigen Tagen starten und die Kolonisten
zurück zu ihrem Heimatplaneten bringen. Die Animafisi sind fest entschlossen, ihren
Frevel wieder gut zu machen. Auch wenn es unter ihnen zu noch mehr Opfern
kommen sollte. Es ist mir gelungen sie zu überreden, technische Hilfe der
Föderation anzunehmen und sich Lebensmittel schicken zu lassen. Die
detaillierten Berichte zu meinen Ausführungen sind in den Dateien“, schloss
Sohon leise.
Weiter in Kapitel 8