Titel: Mistelsuite – Rondo (3)

- First Time -

 

Autor: stelenan

Archiv: Tostwins und hier (germanks) natürlich, sonst fragt bitte.

Paarung: K/S

Code: ungefährlich

 

Disclaimer:

Leider, leider gehören die Jungs nicht mir. Spock und Kirk sind Eigentum von anderen hellen Geistern. Meine Geschichte ist reine Fanfiction, ich verdiene damit kein Geld und möchte keine Urheberrechte verletzen. Wenn jemand gleichgeschlechtliche Paarungen nicht mag und/oder unter 18 ist dann sucht er sich bitte andere Literatur.

 

Fortsetzung zu Overtüre und Sarabande

***

 

Mistelsuite – Rondo

 

 

Spock verließ das Quartier des Captains, ging einige Schritte und blieb stehen. Einen Moment stand er nachdenklich im Korridor. Die Türen zum Quartier des Captains hatten sich vor wenigen Sekunden geschlossen. Er war allein auf dem Gang und drehte die eben gepflückte Mistelbeere zwischen seinen Fingern.

 

Einen kurzen Augenblick erlaubte er sich ein feines Lächeln, als er an den zarten Kuss Jims zurückdachte, der erst vor wenigen Minuten seine Lippen berührt hatte. Weihnachten war in der Tat eine besondere Zeit, wie es der Arzt vor einigen Stunden gesagt hatte.

 

Er drehte sich um und sah einen Moment auf die geschlossene Tür. Der irdische Brauch hatte ihm die Möglichkeit geboten, die er herbeiführen wollte. Jim hatte ihn geküsst. Bereits zum zweiten Mal. Nein. Genau genommen zum ersten Mal. Vorher war die Aktivität von ihm selbst ausgegangen. Das zweite Mal hatte ihn unvorbereitet gefunden.

 

Zweimal. Jim Kirk begehrte ihn. Oder war es doch nur der Ruf des alten Brauches gewesen? Wie sollte er nun fortfahren?

 

„Nanu, Mr. Spock? Ich dachte sie wären bereits wieder auf der Brücke.“ McCoy kam um die Ecke und sah ihn neugierig an. Noch bevor der Vulkanier es verhindern konnte fiel der Blick des Arztes auf die verräterische Frucht zwischen seinen Fingern.

 

Der erste Offizier seufzte innerlich und präparierte sich für eine unbequeme Frage.

 

„Ich war gerade auf dem Weg zur Brücke, nachdem ich dem Captain eine Nachricht mit neuen Einsatzbefehlen überbracht habe.“, begann er und wollte sich zum Gehen wenden doch McCoy versperrte ihm rasch den Weg.

 

„Das ist eine Mistelbeere in ihrer Hand.“ McCoy sah ihn neugierig und abwartend an.

 

„Korrekt. Ihr profundes Detailwissen über diese pflanzliche Spezies ist bemerkenswert.“ Spock zog eine Augenbraue hoch und  verbarrikadierte sich hinter einer ausdruckslosen Mimik. „Wenn sie bitte aus dem Weg gehen würden. Ich werde auf der Brücke erwartet.“

 

„Moment....“ McCoy stellte sich abermals in den Weg und zwang den Vulkanier erneut innezuhalten. „Sie wissen sicher inzwischen, was es mit diesen Beeren auf sich hat?“

 

Spock neigte den Kopf. „Natürlich. Diese Beere ist eine Frucht der Mistel, die allerdings in diesem Fall nicht natürlich gewachsen ist, sondern repliziert aus ...“

 

„Sie weichen mir aus Mr. Spock. Woher stammt diese Beere?“ McCoy verschränkte die Arme vor der Brust und wartete auf eine Antwort.

 

„Sie entstammt aus dem Biolabor, Dr. McCoy. Ich dachte das ist offensichtlich, jedoch habe ich keine Zeit ihre weitere Neugier zu befriedigen. Wenn sie mich entschuldigen würden. Mr. T´rell erwartet mich zurück auf der Brücke.“ Spock machte einen weiteren Schritt in Richtung Turbolift, doch McCoy ließ nicht locker.

 

„Mein lieber Mr. Spock. Sie können nicht mit einer Mistelbeere im Korridor stehen, an einem Abend wie diesem und mir ernsthaft glauben machen wollen......“

 

„Bones?“ Kirk war aus seiner Kabine gekommen und sah überrascht zu McCoy, dann zu Spock. „Spock, ich dachte sie wären bereits wieder auf der Brücke.“

 

Spock zog eine Augenbraue hoch, nahm Haltung an und bot all seine Disziplinen auf, um nicht erleichtert zu seufzen. „Das wäre ich, wenn Dr. McCoy seine Neugier besser im Zaum hätte und mich nicht aufgehalten hätte.“

 

McCoy sah rasch von Spock zu Kirk und streckte eine Hand zu Kirk aus. „Jim, er hat eine Mistelbeere in der Hand.....“

 

Kirk sah auf Spocks Hände und dann zu McCoy mit dem unschuldigsten Blick den er liefern konnte. „Ja. Ich habe gehört sie sollen essbar sein dieses Jahr. Wegtreten Mr. Spock.“

 

Spock nickte, drehte sich mit einem süffisanten Blick auf den Arzt um die eigene Achse und ging ohne einen weiteren Kommentar zum Turbolift. McCoy sah ihm sprachlos nach, zu Kirk und wieder in die Richtung, in der der Erste Offizier verschwunden war. Mit einer Mistelbeere in seiner Hand.

 

„Bones, was ist. Wollen wir wieder zurück auf die Feier, oder willst du hier weiter herumstehen?“ Kirk ging in Richtung Beobachtungsdeck. Nach wenigen Metern hatte McCoy ihn eingeholt.

 

„Jim, er hatte eine Mistelbeere in der Hand....“, begann McCoy aufgeregt.

 

„Ja, und?“ Kirk blickte stur gerade aus und bog um die Ecke.

 

„Woher hat er sie?“, bohrte McCoy weiter und blickte wieder hinter sich als könne er den Vulkanier noch sehen.

 

„Frag ihn doch,“ Kirk trat mit dem Arzt in den Turbolift. „Deck 2“

 

McCoy schüttelte mit dem Kopf. „Das habe ich ...“

 

Kirk sah ihn musternd an. „Und, was hat er gesagt?“

 

„Das sie aus dem Biolabor stammt.“, brummte der Arzt und zog die Augenbrauen über der Nase zusammen.

 

„Das ist richtig, das Biolabor hat sie hergestellt. Ich dachte du wüsstest das.“ Kirk holte erleichtert Luft. Er war für einen Moment nicht sicher gewesen ob sein Erster Offizier mit seiner manchmal fast naiven Neigung zur Wahrheit zu viel verraten hatte.

 

Der Lift stoppte und sie traten auf den Korridor zum Beobachtungsdeck.

 

„Jim, ich muss dir doch wohl nicht sagen, was heute für ein Datum ist?“

 

„Nein,“ Kirk grinste seinen Freund an. „Der 24. Dezember irdischer Zeitrechnung.“

 

McCoy nickte heftig. „Richtig .... Hallo? Jim Kirk? Ist da jemand in deinem Kopf zuhause? Dein vulkanischer Erster Offizier steht mit einer Mistelbeere in der Hand am Weihnachtsabend im Korridor......also wenn da nicht alle Alarmglocken bei dir klingeln, dann weiß ich auch nicht.....“

 

„Vielleicht wollte er sie analysieren...“, versuchte Kirk zu beschwichtigen.

 

„Unsinn ... analysieren. Die Daten für das Biolabor stammen von ihm. Was will er da noch analysieren, was er nicht ohnehin weiß.“

 

„Bones, nun hör aber auf. Diese Beeren sind essbar, es kann genauso gut sein, dass er mehr hat herstellen lassen und ....“

 

McCoy schüttelte wieder heftig den Kopf. „Woher hat er diese Beere? Es ist nicht unbedingt so, das Mistelzweige an jeder Korridorecke wachsen hier. Es gibt genau einen Zweig mit Beeren und der hängt hier.“ McCoy deutete auf den Zweig über der Tür zum Beobachtungsdeck auf das sie gerade traten. Die Weihnachtsfeier war in vollem Gang und der Zweig über der Tür war bereits von seinen Beeren befreit worden.

 

„Um eine solche Beere zu bekommen muss man sie pflücken, und wenn man sie pflückt wird man geküsst.“, dozierte der Arzt aufgebracht weiter.

 

Kirk zuckte mit den Schultern und seufzte. „Du brauchst mir sicher nicht den weihnachtlichen Brauch zu erklären. Frag ihn einfach Bones. Können wir jetzt wieder zum gemütlichen Teil des Abends übergehen oder willst du weiter Sherlock Holmes spielen?“

 

McCoy sah ihn scharf an. „Interessiert es dich denn gar nicht?“

 

„Er wird seinen Grund haben, Spock hat immer einen Grund und meistens liegt er weit entfernt von deinen Vermutungen.“

 

McCoy schnaubte und sie setzten sich zu Uhura, Scott und Chekov an den Tisch.

 

„Na Doktor, sie sehen aber nicht nach weihnachtlicher Stimmung aus.“, neckte Uhura.

 

„Er spielt mal wieder erfolglos Sherlock Holmes mit Mr. Spock.“, murmelte Kirk mit einem mahnenden Seitenblick auf den noch immer erregten Arzt und bediente sich mit einem Brandy.

 

„Oh,“ antwortete Uhura. „Ich dachte Mr. Spock wäre auf der Brücke und hört sich das Lyrenkonzert an, während er Dienst hat. Haben sie ihn getroffen?“

 

„Er war kurz unten, wir haben eine Nachricht mit Dringlichkeitsstufe und neue Order bekommen.“, erklärte Kirk und sah Scotts fragenden Blick. „Es gab einen Zwischenfall auf Curis. Ich vermute, dass Spock schon Kurs gesetzt hat und auf Warp 3 gegangen ist, aber wir werden erst in etwa 2 Tagen dort eintreffen. Also kein Grund unsere Feier abzubrechen.“

 

Scott nickte. „Ich hatte auch nicht erwartet, dass wir tatsächlich ungestört bleiben. Na, dann werde ich nachher doch noch einmal auf dem Maschinendeck vorbeischauen, wenn wir auf höheren Warp gegangen sind.“

 

Kirk nickte beiläufig und sah zu wie der Schotte eine Mistelbeere zwischen den Händen drehte. Er lächelte und dachte an Spock und an die kommenden Tage. Sie waren einen Schritt weiter, weiter als er sich je erhofft hatte. Spock hatte den ersten Schritt gemacht. Hatte einen Zweig in seiner Kabine aufgehängt, nachdem er von dem Brauch erfahren hatte.  So typisch Spock. Aus den Augenwinkeln sah er das McCoy ebenfalls die Beere betrachtete und dann Scott.

 

„Woher haben sie die Beere Scotty?“, fragte McCoy plötzlich.

 

„Na von dem Mistelzweig Doktor, was dachten sie?“

 

McCoy sah bestätigend zu Kirk. Woher sonst auch sollte man eine Mistelbeere haben, sagte dieser Blick. Dann sah er wieder zu Scott. „Und sie haben sich damit einen Kuss eingefordert?“

 

Der Schotte grinste schräg. „Ja ...von Leslie ....  Doktor sie stellen merkwürdige Fragen.“

 

„Was sonst sollte man mit einer Mistelbeere am Weihnachtsabend machen.“, bestätigte Uhura verwundert.

 

Kirk beschloss, dass es das beste wäre, wenn er schwieg und beobachtete seine Offiziere aufmerksam.

 

McCoy beugte sich vor und winkte die anderen verschwörerisch dichter zu sich. „Weil ich vor etwa 5 Minuten unseren vulkanischen Ersten Offizier mit eben solch einer Beere in den Fingern vor seiner Kabine getroffen habe ....“

 

Die Augen der Männer weiteten sich und Chekov stieß einen russischen Kommentar aus.

 

Uhura sah rasch zu Kirk, der nun sichtlich unbehaglich wirkte und dann zu McCoy. Sie musste etwas tun.

 

Lächelnd lehnte sie sich zurück. „Ich habe ihm heute Nachmittag Daten über den Brauch auf seine Konsole überspielt. Wie ich Mr. Spock kenne hat er lediglich das Objekt des Interesses einer genaueren Untersuchung unterzogen.“

 

„Aye,“ Scott nickte zufrieden und lehnte sich ebenfalls wieder zurück. „So wird es sein.“

 

„Ich könnte mir auch nicht vorstellen, dass irgendwer auf der Enterprise es schafft unseren guten Mr. Spock unter einen Mistelzweig zu stellen. Geschweige denn dazu, eine Beere zu pflücken. Njet.“, fügte Chekov kopfschüttelnd hinzu und goss sich sein Glass wieder voll.

 

McCoy sah enttäuscht von einem zum anderen und dann zu Kirk, der sich wieder bequem zurückgelehnt hatte. „Damit gebe ich mich nicht zufrieden.“

 

„Du bist unverbesserlich Bones,“ murmelte Kirk kopfschüttelnd und seine Senioroffiziere lächelten still vor sich hin. Das Intercom auf dem Tisch blinkte leise und Scott aktivierte es.

 

„Ah, Mr. Spock, gerade haben wir von ihnen geredet.“, sagte der Schotte fröhlich, als Spocks ausdrucksloses Gesicht auf dem Monitor erschien. Der Vulkanier zeigte außer einer hochgezogenen Augenbraue keine weitere Reaktion und Kirk drehte den Monitor zu sich. „Ja Mr. Spock.“

 

Die Augenbraue senkte sich wieder. „Sir, wir haben neuen Kurs gesetzt. Warp3,1. Wir werden Curis in 2,4 Tagen erreichen.“

 

„Gut, danke Mr. Spock.“ Kirk wollte das Intercom ausschalten doch hielt einen Moment inne. „Mr. Spock, wie lange haben sie noch Dienst?“

 

„2,3 Stunden Sir.“, antwortete der Vulkanier sofort.

 

„Wenn sie nichts besseres vorhaben, wäre ich in 2,3 Stunden interessiert an einer Partie Schach. In meiner Kabine.“

 

Spock neigte den Kopf ein wenig und nickte leicht. „Einverstanden Captain. Spock aus.”

 

Der Monitor wurde dunkel und McCoy sah Kirk erstaunt an. „Schach? Am Weihnachtsabend?“

 

„Warst du es nicht, der heute Nachmittag etwas von Besinnung gesagt hat?“, neckte Kirk und die Offiziere am Tisch grinsten.

 

„Ach ...,“ McCoy machte eine wegwerfende Handbewegung. „So, wir fliegen also nach Curis?“

 

Das weitere Gespräch drehte sich um das curische Sternensystem und vergangene Missionen. Kirk lauschte nach einer Weile bequem und war in Gedanken bereits 2,3 Stunden weiter.

 

Ein Mistelzweig hing in seiner Kabine und sein Freund, der Mann den er begehrte hatte ihn dort befestigt. Ein Mistelzweig mit Beeren. Er würde jede einzelne Beere auskosten, und vielleicht mehr.

 

 

Andante