Die Geschichte des Wirts
Acidqueen <a.q @
gmx.de>
Codes: Spock/McCoy und eine originale Figur
Series: TOS - AU
Rating: PG
Summary: Einmal und für immer.
***
Seit mehr als zwanzig Jahren
bin ich Wirt, und ich kenne meine Gäste. Egal, ob es Menschen oder Aliens sind,
jeder hat irgendetwas, das mich berührt und das ich nach einer Weile erfassen
kann, um ihre Wünsche vorauszuahnen. Immerhin ist das mein Beruf. Und ich bin
stolz auf meine gute Nase - sie ist mit der Grund, warum meine Kneipe die
letzte Wirtschaftskrise überstanden hat.
Aber manchmal überrascht
mich jemand - wie zum Beispiel der Doktor. Er war damals schon eine Zeitlang
mein Kunde, und kam öfters zum Mittagsessen und manchmal auf einen Drink nach
Feierabend. Auf den ersten Blick war nichts Ungewöhnliches an ihm, wenn er so
in der dunklen Ecke am Ende der Bar saß. Er war wie viele andere, hart
arbeitende Männer, von denen man erwartet, dass sie Frau und Kinder zuhause
haben, ein netter Kerl, mit dem du jederzeit ein Bier trinken gehen würdest.
Er hat nie viel von seiner
Arbeit erzählt, aber ich wusste, dass er im nahegelegenen medizinischen
Forschungszentrum arbeitete und das Kantinenessen auf die Dauer nicht leiden
konnte. Offensichtlich fand er bei mir, was er suchte - Steaks und Kartoffeln,
Sheperd's Pie und andere herzhafte Essen, die er begeistert verschlang ohne
auch nur ein Gramm auf seinen Rippen zuzulegen.
Wenigstens aß er das bis zu
dem Tag, an dem der Vulkanier zum ersten Mal herkam.
Zuerst wusste ich nicht, was
ich über den jungen Mann in der Uniform der Starfleet-Akademie denken sollte,
der sich ans äußerste Ende der Bar setzte und ein Altair-Wasser bestellte.
Normalerweise gehen Vulkanier nicht in Kneipen. Und schon gar nicht in meine.
Und besonders nicht in diesem Aufzug.
Ich habe den halben Abend
versucht, mit ihm zu plaudern, bevor ich verstanden habe, dass ich ihn direkt
fragen muss, um eine Antwort zu erhalten. Er sagte mir, dass ihm jemand
empfohlen hatte, eine solche Umgebung aufzusuchen, um mehr über das typische
menschliche Verhalten zu lernen. Ich sah mich um und dachte, dass es sicher
bessere Plätze dafür gab als meine doch etwas heruntergekommene Kneipe…und
außerdem hätte ich es bevorzugt, wenn er nicht gerade meine nicht immer
vorbildlichen Gäste beobachten würde. Immerhin verdient ein Wirt sein Geld
nicht mit Abstinenzlern, wie mein früherer Chef zu sagen pflegte. Aber alles in
allem schien der Mann harmlos zu sein, und solange er meiner Kundschaft nicht
das Essen und Trinken verdarb, konnte er ruhig hier bleiben.
Glücklicherweise wurde er
von den meisten ignoriert. Von den meisten, aber nicht vom Doktor, der bei
seinem nächsten Mittagessen überraschenderweise einen Sitznachbarn an der Bar
fand. Einen Moment lang zauderte er und überlegte, sich einen anderen Stuhl zu
nehmen um einen Hocker Distanz zwischen ihnen zu lassen. Doch dann zuckte er
mit den Schultern und setzte sich auf seinen üblichen Platz.
Es dauerte nicht lang, bis
sie miteinander redeten. Und es dauerte noch kürzer, bis sie in einer lebhaften
Diskussion waren, über der das Schnitzel des Doktors kalt wurde.
Ihre Diskussionen zogen sich
über die folgenden Wochen, und jeder konnte sehen, dass sie gefestigte
Überzeugungen hatten, wenn auch nicht unbedingt dieselben. Trotz einiger unerfreulicher
Erfahrungen und Verluste (und man sah ihm an, dass es die gab), war der Doktor
doch ein seelenvoller Humanist mit der nie endenden Hoffnung, dass die
Menschheit sich weiter entwickeln würde. Der Vulkanier andererseits war die
Stimme der Vernunft und Logik und betrachtete die Welt eher emotionslos (obwohl
ich mehr als einmal ein humoriges Funkeln in seinen Augen entdecken
konnte). Aber trotz ihrer Unterschiede
hatten sie eine gemeinsame Basis aus Neugier und dem tiefen Respekt
füreinander. Und es dauerte nicht lange, bis der Doktor andere Gäste
zusammenstauchte, wenn sie dumm genug waren, in seinem Beisein über den
Vulkanier herzuziehen.
Während die Freundschaft
enger wurde, wurden Bier und Whisky durch Altair-Wasser ersetzt; blutiges Steak
wurde erst durchgebraten, dann durch Hühnchen und schließlich Fisch ersetzt. Am
Ende verschwand der Fisch und es gab nur noch rein vegetarische Mahlzeiten. Ich
schüttelte den Kopf darüber. Der Mensch lebt nicht vom Grünzeug allein, und der
Doktor hatte doch sein Steak immer so geliebt. Aber er liebte seinen
Diskussionspartner noch viel mehr, wie ich herausfand, als sie nicht nur Seite
an Seite gingen, sondern auch kamen.

Und dann, von einem Tag auf
den anderen, kamen sie gar nicht mehr. Das passiert immer wieder, ich weiß,
schließlich verändern sich immer mal Dinge im Leben, aber ich hätte schon gerne
gewusst, wie es mit den beiden weiterging. Eine Weile dachte ich noch an das
ungleiche Paar, doch dann vergaß ich die beiden. Ihre Story wurde ersetzt durch
die vielen anderen Possen und Dramen von anderen Leuten, die kamen und sich an
meine Bar setzten und ihre Geschichten erzählten.
Von daher war ich mehr als
verblüfft, als heute, nach all den Jahren, die Türe aufging und der Doktor
eintrat. Älter und sogar noch schlanker als damals, aber mit einem entspannten
Lächeln im Gesicht. Er ging geradewegs auf die Bar zu und setzte sich. Für eine
Sekunde zögerte er mit seinem Gruß, sah mich erwartungsvoll an, ob ich ihn wohl
erkennen würde. Meine Hand steuerte direkt auf das Altair-Wasser zu. "Das
übliche Gift, Doktor?" fragte ich und er lachte.
Ich musste nicht nach seiner
Geschichte fragen, er erzählte sie mir sowieso. Er war auch zu Starfleet
gegangen, um mit seinem vulkanischen Geliebten zusammen zu sein, und so waren
sie gemeinsam im Weltraum gelandet. Ich lauschte dem Fluss seiner Geschichten,
während ich mich halbherzig um die anderen Gäste kümmerte. Es kam nicht oft
vor, dass ich ein Happy-End zu hören bekam; ich kannte eher die tragischen
Enden.
Ich brachte ihm noch ein
Wasser und stellte einen Teller vor seinen Barnachbarn. Der Doktor beäugte das
Menü. Hastig entschuldigte ich mich für den Geruch des Grillsteaks darauf, und
bot ihm ein vegetarisches Essen an. Ganz langsam schob er sein Glas zur Seite,
lehnte sich mit einem verschwörerischen Lächeln über den Bartresen und
flüsterte etwas in mein Ohr. Mit einem zufriedenen Seufzer rotierte mein
Universum wieder ins Gleichgewicht, als ich seine Bestellung an die Küche
weitergab - eine Titan-Platte, das Steak blutig.
Schön zu wissen, dass ich
immer noch was von meinen Beruf verstehe.
***
