Licht für
die Seele
Kapitel 5 /13
Teil 1: Licht im Dunkel / Wenige Monate nach TOS / Kapitel 1 bis 3
Teil 2: Erkenntnis und Abschied / Direkt nach Teil 1 / Kapitel 4 bis 5
Teil 3: Licht und Dunkelheit / Zwischen dem ersten und dem zweiten Kinofilm / Kapitel 6 bis 11
Teil 4: Alles Dunkel sinkt hinweg / Nach dem fünften Kinofilm / Kapitel 12 und 13
Noch mehr Übersicht zur Story gibt es hier: http://myblog.de/lichtfuerdieseele1/page/1266116/Ubersicht_der_Story
Zusammenfassung: Die Welt ist voll von Gewalt und Missbrauch, Blindheit und Vorurteilen. Doch ungewöhnliche Kunstwerke bringen Licht in die Seelen.
ACHTUNG! Diese Story ist kein Mainstream K/S. Sie ist ein komplexes und idealistisches Weihnachtsmärchen mit einer Extraportion Kitsch und einer dreifachen Portion Harmonie. Wer so etwas nicht mag, sollte jetzt ganz schnell das Weite suchen. Diese Warnung ist ernst gemeint.
Autor: Liliane Romano
Beta: Paxstartrek
Ein Weihnachtsmärchen im Star Trek Universum
K/S, K/m,
S/f, m/m
PG 13
Mit dabei: unbeherrschte Künstler / faszinierende Vulkanier / eine traurige, lähmende Erinnerung / eine Spezies ohne Ethik / ein verzauberter Herbstwald / eine fesselnde Frau in Blau / Romantik / Erotik / Winter – und Weihnachtskitsch
Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spass und will keine Rechte verletzen.
*****
Samstag vor dem 2. Advent.
Gefühle
Jim hatte seine Ankündigung wahr gemacht und Robin Alliani angerufen. Der junge Mann sah blass aus und Jim glaubte, Kummer in seinem Gesicht zu sehen. Er erinnerte sich an Liams Worte über Robins Gemütszustand.
Robin freute sich auf ein Wiedersehen und Jim bot ihm an, ihn gleich aus seinem Wohnort Waukesha nach San Francisco beamen zu lassen. Er stimmte zu und jetzt standen sie sich gegenüber.
Die halblangen blonden Haare hatte Robin mit einem Gummi achtlos zusammengebunden.
‚Er hat immer noch keinen guten Frisör gefunden…’, dachte Jim schmunzelnd.
Sie umarmten sich und dann schweifte Robins Blick durch sein Appartement.
„Keine Weihnachtsdekoration? Jim? Hallo?“ Er lachte und seufzte gespielt.
Jim zuckte lächelnd mit den Schultern und deutete auf das Panoramafenster.
„Da draußen ist genug davon und ich werde die Erde auch schon bald zu einer Mission verlassen. Außerdem hatte ich auf Liams Anwesen in Schweden schon reichlich Weihnachten.“
Robin sah ihn mit seinen hellblauen Augen neugierig an.
„Du warst im A.L.C.E. Haus? Hast du mein… Traumholo gesehen?“
„Ja, du hattest einen… unglaublichen Traum.“
Robin nickte.
„Ich liebe ihn. Verstehst du seine Bedeutung?“
„Du greifst mit deiner Kunst nach den Sternen und glaubst nicht, dass du sie ohne Hilfe erreichen kannst. Du willst deine Emotionen ordnen und Hass und Verzweiflung in Liebe umwandeln. Du glaubst, die Vergangenheit hindert dich an deiner Zukunft… aber ich glaube, du bildest dir das ein und kannst sie überwinden. Wer A.L.C.E. schaffen kann…“
„Möge das Universum auf deine Worte hören… wenn einem 20 Jahre lang gesagt wird, dass man wertlos sei und die Träume im Innern verspottet werden, glaubt man irgendwann tatsächlich, man sei nicht mehr als Müll…“ Robin lächelte schief.
Jim legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Robin… am ersten Advent ist mir einiges klar geworden. In meinem Leben ist einiges schief gelaufen und DEIN A.L.C.E. hat es mir gezeigt und geholfen, die Schmerzen zu überwinden. Du unterschätzt dich.“
Robin wirkte nachdenklich und erfreut zugleich.
„Es hat dir etwas gegeben? Das höre ich wirklich gern.... Wir haben uns zu lange nicht gesehen und ich kenne dich leider nicht so gut. Dabei bin ich doch stolz auf meinen berühmten Verwandten… Acht Jahre ist es her, ja, jetzt erinnere ich mich. Damals habe ich euer Haus dekoriert. Wenn du gestattest, würde ich auch gern deine Wohnung verschönern.“
„Wenn du möchtest…gern. Aber ich habe dich nicht deshalb eingeladen.“
„Sondern wegen des A.L.C.E., stimmt’s?“
„Um dich wiederzusehen… und vor allem wegen des Modells, ja…“
„Frag einfach.“
„Ich wollte mehr darüber erfahren. Es zeigt eine tiefe Dimension des Waldes und es interessiert mich, wie du es erschaffen hast.“
Robin setzte sich in einen Sessel und legte die Fingerspitzen aneinander.
‚So wirkt er wie Spock…, dachte Jim überrascht. ,Nur dass diese beiden Männer sonst bestimmt nicht viel gemeinsam haben…’
„Nicht lange nachdem man mir einen Kristall anvertraut hatte, geschah es. Wir haben Urlaub gemacht, in Mitteleuropa, in dem eindrucksvollen Mischwaldgebiet, diesem endlosem Grünzug, der sich von der Schweiz bis an die Küsten von Nordsee und baltischem Meer ausbreitet …“
„… das Gebiet, das Ende des 21. Jahrhunderts aufgeforstet wurde.“
„Ja, seitdem besteht Mitteleuropa zu 70% aus Wald. Es ist das grüne Herz Europas. Zu diesem Zeitpunkt jedoch, von Mitte Oktober bis Mitte November, war es ein buntes Herz. Indian Summer in Europa. Wir wohnten in einer Ferienanlage mitten im Wald. Du weißt, wie waldreich es auch in Wisconsin ist. Doch Europa hat in seinem Innern noch etwas anderes, etwas altes, stärkeres. Die Geschichte des Kontinents atmet noch…
Der Boden war mit Laub übersäht und täglich kam noch mehr hinzu. Jim… diese Farben! Ganz ehrlich, so viel du auch im All erlebt haben magst, den Indian Summer konnte es bestimmt nicht überbieten. Die Abstufungen der Rottöne, die der Gelbtöne und die anderen undefinierbaren Farben, die vor den Augen leuchten! Leuchten, ja, Leuchten! Die Farben leuchten als sei in den Blättern eine Lichtquelle und jedes einzelne Blatt scheint in seinem Innern noch eine zweite Schicht Farbe zu haben, die ihm eine tiefere Dimension verleiht.
Weißt du, warum ich und so viele andere Menschen den Herbst für die schönste Jahreszeit halten? Zum größten Teil natürlich wegen der Farben, aber auch wegen der Süße des Sommers, die man an warmen Tagen noch spürt und wegen der Vorfreude auf Weihnachten, wenn sich morgens Kälte und Raureif leise über die Natur gelegt haben.
Ich hatte damals nur eine vage Vorstellung von meinem ersten A.L.C.E., besser gesagt, ich hatte eine klare Vorstellung, aber noch keine Ahnung von der Anstrengung die dahinter stecken würde. Ich wollte eigentlich ein normales Landschaftsmodell schaffen, die einfachere Art, nicht so schwierig wie die A.L.C.E., die Gefühle darstellen. Während wir durch den Wald streiften, legte ich mir in Gedanken zurecht, wie man den bunten Herbstwald so darstellen könnte, dass man seine Essenz findet. Aber während ich so träumend durch den Wald strich und meine Familie mehr als einmal aus den Augen verlor, bemerkte ich meinen Irrtum.
Es würde nicht einfach werden, denn ich war nicht in der Lage, >nur< einen Herbstwald darzustellen. In meinem Geist sah ich viel mehr. Wenn das Laub unter mir raschelte oder von den Bäumen auf mich fiel, spürte ich den Geist des Waldes. Das Gefühl war intensiv und wurde von Tag zu Tag intensiver. Mein Kopf platzte fast und wenn es regnete, hob ich mein Gesicht dem Himmel entgegen um mich abzukühlen. War es wieder trocken, atmete ich den frischen Duft ein und mir wurde schwindelig. Ich sah die Geschichte, den Hintergrund, die Idee, die Gott im Wald versteckt hat. Ich weiß nicht, ob du das verstehen kannst und ich weiß auch nicht, ob ich nur ein Opfer meiner Fantasie bin…“
Jim lächelte still über Robins Begeisterung. Er hatte so recht…
„Nun… der Kristall hat reagiert…“
Robin lächelte.
„Ja, hat er. Es war der ermüdendste Urlaub meines Lebens. Danach war ich vier Monate krank… es ist wirklich anstrengend, alles nur zu fühlen, nicht zu denken und dann das Gefühl in ein exaktes Modell zu stecken. Die Art of LightCrystal and Environment ist nur mit dem Gefühl zu erschaffen. Dumm nur, dass man die Gefühle dann in etwas Exaktes umwandeln muss…“
„Das ist die wahre Kunst daran.“
„Ja, so ist es wohl.
Nun… irgendwann war ich so tief drin, dass ich an fast jeder Stelle des Waldes, unter jedem Blatt, hinter jedem Stein, auf jedem Baumstumpf, einfach überall, die Geschichte des Waldes sah. Der Wald war zwar noch jung, erst 180 Jahre, doch tausend Jahre vorher stand dort auch schon mal Wald. Bei der Aufforstung hat sich der Geist des Ortes wieder manifestiert… In dem Modell steckt all das, was ich in dem Wald gefunden hatte. Ich weiß, wie das Modell auf den Betrachter wirkt. Die Kraft des Waldes, seine Tiefen, sein hohes Alter und sein Lebenswert lassen die Menschen in ihre eigenen Tiefen blicken, und die Ursachen von Problemen erkennen, von deren Existenz man vorher gar nicht wusste. Doch weil der Wald Ruhe und seine uralte Kraft ausstrahlt, findet man seine eigene Kraft wieder und kann Probleme ruhiger sehen und lösen oder sie aus einer anderen Perspektive sehen, die hilft mit ihnen umzugehen.
Ich wusste schon vorher, dass der Kristall regieren würde. Ich war mir sicher, das ist meist so. Man spürt vorher, ob man >nur< eine Umweltkomposition erschaffen hat oder ein echtes A.L.C.E. Es war mein erstes und liebstes…
Ich wünschte, ich könnte noch so eines schaffen, doch ich kann seit Monaten nichts mehr mit meinen Gefühlen anfangen, geschweige denn vernünftig denken. Alles ist vorbei.“
Jim beobachtete sorgenvoll Robins plötzlichen Umschwung von Begeisterung in Niedergeschlagenheit.
„Was ist geschehen?“
„Es ist wegen… Cupio Martinez… und eigentlich auch wegen Stéphane… oder auch nicht, ich denke, er hat damit nichts zu tun… hoffe ich… doch trotzdem geht es in gewisser Weise immer um ihn… Cupio, um ihn geht es wirklich. Einer der ganz neuen Künstler und mehr als ein Jahr lang mein bester Freund, dachte ich zumindest.“
„Was ist geschehen?“ wiederholte Jim.
Robins Stimme war nur noch ein Flüstern. „Ich habe mich in ihm getäuscht. Cupio hat mich monatelang belogen, hat mir seine Freundschaft und Seelenverwandschaft vorgegaukelt.
Aber so ist das nun mal, wenn man ist wie ich… voller Sehnsucht, Leidenschaft und ohne Argwohn. Wenn man selbst nicht lügen kann, merkt man auch nicht, wenn man belogen wird… Sag mir, Jim, was bedeutet für dich Freundschaft?“
„Es ist das reinste aller Gefühle, wertvoll wie Edelsteine. Es besteht aus Vertrauen, ist ein Fels in der Brandung der Schmerzen, trägt orange im Herzen, führt mich auf einem Weg aus Gold und leuchtet in endlosem Blau über mir“, sagte Jim leise und fragte sich, woher diese poetischen Worte plötzlich kamen. ‚Das A.L.C.E., natürlich…’, erinnerte er sich.
Robin sah ihn verstehend an.
„Für mich auch… Du hast das Modell von Stéphane gesehen… Das beste, das schönste A.L.C.E. von allen. DAS Meisterwerk.
Man sagt, Gold, Blau und Orange sind die Geschenke Gottes, oder des Universum, je nachdem, was man glaubt. Freundschaft, bedingungslose Liebe und Treue sind golden, die Freude am Leben ist orange und das unendliche Wissen ist blau. Man sagt auch, die drei Farben symbolisieren das Urvertrauen in die Kraft des Universums und die göttliche Liebe, die keine Kompromisse kennt und keine Bedingungen.“
Begeisterung schwang in seinen Worten mit und dann versank er in Gedanken.
Plötzlich packte er Jim an den Schultern und sah ihn mit wildem Blick an.
„Cupio hat eine Strafe verdient! Ich stelle mir vor, ich habe ihn durch eine heiße und gnadenlose Wüste gejagt, am besten auf Vulkan, und dort kniet er jetzt vor mir und dann… ach ich weiß nicht… doch, ich weiß es schon, aber das willst du nicht hören. Solche barbarischen Gedanken hatte ich schon lange nicht mehr und sie bereiten mir Genugtuung. Mir. Mir! Ha! Dabei bin ich doch so mitfühlend, dass ich A.L.C.E. schaffen kann“, sagte er sarkastisch.
„Du würdest in Wirklichkeit nicht gewalttätig werden, oder?“
Kirk war verwirrt. Robin sah nicht gewalttätig aus, sondern wie ein Träumer in einer für ihn selbst unerreichbaren Sphäre.
„Natürlich nicht, ich würde lieber….“
Seine Stimme wurde leiser.
„Ich will, dass es so wird wie es mal war, besser gesagt, wie es mir schien, dass es ist. Ich will mit ihm zusammenarbeiten, will mit ihm die A.L.C.E. schaffen und die anderen, die einfachen Umweltkompositionen. DAS will ich. Und bei Stéphane geht es mir nicht anders. Ich hatte auch mit ihm Ärger und daran bin ich selbst schuld. Aber Cupio… Verflucht, wenn er mich anrufen würde, würde ich ihm alles verzeihen und ich hasse mich dafür. Er hat mir so viel bedeutet… Ich habe versucht, die Probleme zwischen uns aus der Welt zu schaffen. Doch ich hatte keinen Erfolg…“
Robin lachte bitter auf.
„Es heißt immer, die A.L.C.E. bringen Licht in die Seele, aber in meiner Seele ist kein Licht. Nur Chaos und Dunkelheit und verflucht, Jim, ich beneide dich. Du bist genau wie ich ein Instinktmensch und doch kannst du mit deinen Gefühlen umgehen, kannst in vollem Bewusstsein die richtigen Entscheidungen treffen… Das schaffe ich immer noch nicht. Und was ist mit dem Zögern im realen Leben? Vor Entscheidungen? Was ist mit meiner Unsicherheit? Wieso traue ich mir nichts zu, wenn ich doch sogar zwei A.L.C.E. geschaffen habe? Warum fühle ich mich immer noch minderwertig und schuldig an allem? Weshalb glaube ich immer noch, es nicht wert zu sein, geliebt und geachtet zu werden?
Nur ein einziges Mal habe ich eine schnelle, sichere Entscheidung getroffen, als ich nur wenige Wochen nach unserem Kennenlernen mit Michelle zusammen gezogen bin. Ich fühlte die Liebe so kompromisslos in mir, wir beide fühlten sie und es gab nur diese eine Richtung für uns. Es hatte sich richtig angefühlt.“
„Wie hat es sich angefühlt, als du Cupio kennengelernt hast? Auch so richtig?“
„Genau richtig, perfekt. Monatelang waren wir ein vollkommenes Team, haben uns gegenseitig unsere Entwürfe für die Modelle gegeben und analysiert, uns gegenseitig geholfen. Es war das schönste Jahr meines Lebens. Und plötzlich… wenn ich er wäre, würde ich mich vor Scham umbringen. So eine miese Aktion… Noch drei Tage vorher war alles in Ordnung. Ich habe einige Korrekturen an seinen Entwürfen vorgenommen und mich gefreut, weil ich entgegen meiner Annahme doch noch an diesem Tag damit fertig geworden war…“
Robin ging viele Monate in der Zeit zurück und erzählte alles von vorn. Die Geschichte war völlig absurd. Kirk konnte sich nicht vorstellen, dass aus diesem Nichts ein Problem oder gar Verzweiflung entstehen konnte. Es war eine Geschichte über die Suche nach Anerkennung, über die Lust an der Kunst, Neid, Eifersucht und absichtlichen und falschen Missverständnissen. Es war für ihn unvorstellbar, dass dieses Problem nicht in einem einzigen Gespräch lösbar sein sollte. Oder verrannten sich die empfindsamen Künstler tatsächlich so stark in ihren Gefühlen, dass sie wegen solcher Kleinigkeiten durchdrehten und die Wahrheit nicht sehen konnten? Liam hatte das auch gesagt. Das Problem war einfach keines und es fiel Jim schwer, Robins heftige Reaktion zu verstehen. Zumal er teilweise selbst schuld war. Erkannte er das? War ihm klar, dass er das Problem hätte rechtzeitig erkennen und lösen können?
Als Robin fertig war, nahm Jim ihn die Arme und hielt ihn fest.
„Ich habe nicht nachgedacht, habe ihm einfach vertraut und ohne ihn hätte ich meine A.L.C.E. nicht schaffen können. Er hatte mich ermutigt und mir Vertrauen geschenkt. Wäre ich doch mehr wie du, beherrschter und fähig mit Emotionen und Problemen umzugehen… “, sagte Robin mit erstickter Stimme.
„Du bist nun mal ein emotionaler Künstler und nicht wie ich. Jeder ist wie er ist und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Das klingt wie eine Floskel, doch es ist so. Ich kann nicht deinen Weg gehen und du nicht meinen. Alle Individuen sind verschieden, deshalb heißt es auch INDIVIDUEN. Du musst mit dir selbst zurecht kommen und dann kannst du deine Probleme auch lösen und wirst nicht mehr vor ihnen davonlaufen.“
„Davonlaufen… ja, das tue ich oft. Das kannst DU nicht tun, wenn dir grad mal danach ist.“
„Nicht im All.“
„Und sonst? Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dich so leicht umwerfen lässt. Du findest immer den richtigen Pfad. Mir verschwimmen die Wege vor den Augen.“
„Hast du eine Ahnung… Es gibt Dinge, die weitaus schlimmer sind als… und dann geht man den falschen Weg. Auch ich habe jemandem vertraut und geliebt und wurde am Ende betrogen. Die Ironie ist, dass ich ohne sein Vertrauen in mich und seine Hilfe vielleicht gar nicht zur Sternenflotte gekommen wäre“, sagte Kirk bitter.
Robin sah ihn erschrocken an.
„Oh Jim, tut mir leid. Ja, ich denke manchmal nur an meinen Schmerz und vergesse die Menschen um mich herum… Was ist dir passiert? Mein Modell hat dir aber doch geholfen…“
Jim zögerte einen Moment. Sollte er es ihm erzählen?
„Geteiltes Leid ist halbes Leid… du weißt das?“
Jim nickte und erzählte ihm von den Erlebnissen mit Don und welches Trauma sie ausgelöst hatten, erzählte es zum ersten Mal jemandem. Robin hörte aufmerksam zu und nahm ihn dann in die Arme.
„Ich komme mir wie ein Idiot vor. Bei meinem Problem geht es nur um dumme Eifersucht und Neid und ein paar verletzte Gefühle und bei dir… um 23 Jahre, in denen du den falschen Weg… Jim… ich hoffe du wirst damit fertig.“
„Dein A.L.C.E. war sehr hilfreich.“
„Das freut mich für dich. Ich selbst kann mit dem A.L.C.E. leider nichts anfangen. Das kann man nur, wenn man die innere Ruhe dafür hat und vor allem muss man seine Probleme wirklich sehen wollen. Das ist bei mir wohl nicht der Fall… Deshalb hat mich ja dieses absurde Theater umgeworfen…“
Robin drehte sich zur Wand, den Körper vor Verzweiflung gekrümmt.
„Ich war so eng mit Cupio verbunden und jetzt ist er weg…“
Jim trat von hinten an ihn heran und legte die Arme um ihn.
„Lass ihn gehen. Er hat dich mit Absicht verletzt und du solltest langsam anfangen, ihm in den Hintern zu treten. Denke mal daran, was du außer ihm sonst noch alles hast. Du lebst mit deiner Familie in einer wunderschönen Gegend, mit viel Wald und Wasser, hast deine große Liebe geheiratet, heh, es war Liebe auf den ersten Blick, ein Geschenk, du hast mehr als ich habe… und du beherrschst eine ungewöhnliche Kunst. Du wirst das hinter dich bringen.“
„Ich hoffe inständig, dass du Recht hast und es nicht zu lange dauert.“
Später setzte sich Robin an Jims Computer und bestellte bei einem Händler Material für eine Weihnachtsdekoration.
Am nächsten Morgen, Jim schlief noch, schmückte er die Wohnung.
Als Kirk erwachte, empfingen ihn der Duft von Honig und frischem Tannengrün. Rote und goldene Bänder und farbige Kugeln schmückten die Zweige an den Wänden und die dicken Kerzen zauberten Ruhe in den Raum. Robins Dekoration war angenehm zurückhaltend und wirkte wie ein kleines Lied, das aus leiser Freude gesungen wurde.
„Schönen Zweiten Advent, Jim“, hörte er Robins Stimme plötzlich und dann umarmten sie sich.
*
Jim nahm am Montagabend vorsorglich ein Schlafmittel ein. Er glaubte nicht, sonst in der Nacht, in den letzten Stunden vor Spocks Abschied, ein Auge zumachen zu können. Er fühlte sich elend und hoffte immer noch auf ein Wunder.
Noch leicht benommen trat er am nächsten Morgen den Weg zur vulkanischen Botschaft an. Bis zu diesem Ziel, das sein Herz nicht erreichen wollte, weil es vielleicht das letzte Mal sein würde, brauchte er doppelt so lange wie sonst. Ihm war, als ob die Atmosphäre über Nacht substanziell geworden war und seine Beine ihm den Dienst verweigern wollten.
Das Tor öffnete sich automatisch und ein Vulkanier führte ihn in den Garten hinter der Botschaft. Dort stand Spock mit dem Rücken zum Gebäude inmitten von verblühten Rosensträuchern und wartete auf Jim. Als er seinen Freund kommen hörte, drehte er sich um und schaute ihn ruhig an.
Schweigend standen sie sich gegenüber und der Mensch versuchte den Anblick Spocks für immer in sich zu bewahren.
„Ich hoffe, Sie finden in Gol was Sie suchen“, sagte er und rang sich ein Lächeln ab.
Spock nickte.
„Das ist mein Ziel.“
„Jeder muss seinen Weg gehen. Ich verstehe Ihre Entscheidung nicht, aber wenn sie glauben, dass Gol der richtige Weg ist, müssen Sie ihn gehen.“
Wieder nickte Spock.
„Leben Sie lange und erfolgreich, Jim“, sagte er und hob die Hand zum vulkanischen Gruß.
„Sie auch, Spock. Viel Glück.“
Dann ließ sich Spock auf das wartende vulkanische Schiff im Orbit beamen.
Jim setzte sich auf eine Bank und vergrub den Kopf in den Händen. Doch er weinte nicht, konnte nicht denken oder trauern. Dafür war Spocks Abschied viel zu unfassbar.
*
Zurück in seinem Appartement glitten Jims Blicke über Robins Weihnachtsdekoration und blieben an einer Baumkugel hängen. Sie leuchtete in blau, orange und gold.
Er stürzte sich in Arbeit und am Abend raffte er sich auf und stellte einen Kontakt zu Liam her. Der Künstler war erfreut und Kirk verabredete sich mit ihm in seiner Wohnung.
„Nur reden, Liam…“
„Natürlich, wie du willst. Geht es um deine Erlebnisse mit Robins A.L.C.E.?“
„Ja.“
*
Jim redete und Liam hörte ihm zu, unterbrach ihn nicht, als er von Don erzählte, zum zweiten Mal in seinem Leben. Danach sprach er von seinen Gefühlen für Spock.
Als Jim fertig war, nahm Liam ihn einmal mehr in die Arme und tröstete ihn. In dieser Nacht und noch viele Nächte danach.
Weiter in Kapitel 6