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     T    Winterzauberwald        T

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Teil 2

Disclaimer siehe Teil1

 

 

Der Weg zog sich scheinbar endlos immer höher in die verschneite Landschaft hinein. Spock wusste, dass der kleine Ort am Fuß der Rocky Mountains lag, umgeben von dichten Wäldern und praktisch unberührter Natur. Er war nie hier gewesen, schon gar nicht im Winter und er fragte sich, wie er zurechtkommen würde. Als Vulkanier war er weitaus höhere Temperaturen gewöhnt...

 

Plötzlich tauchte hinter einer Wegbiegung der Ort auf. Er bestand aus einigen hundert kleinen, wie an den Wald geschmiegten Häusern. Sie wirkten, als stammten sie aus einem anderen Jahrhundert. Die moderne Technik und das moderne Aussehen der Städte waren hier scheinbar vorbeigegangen.

 

Als er hindurch fuhr entdeckte er durchaus die Anzeichen des modernen Lebens, doch sie waren gut verborgen. Es waren nur wenige Passanten auf der Straße und kaum einer warf einen zweiten Blick auf das Allradfahrzeug Spocks. Sie sahen und registrierten ihn, aber das war auch schon alles.

 

Spock warf einen Blick auf die Lageskizze, die auf dem Beifahrersitz lag und verließ den Ort auf einem schmalen Waldweg. Er war nicht geräumt und nur einige Reifenspuren sagten ihm, dass der Weg zu einem Ziel führte.

 

Wenige Minuten später hielt er vor der recht großen Blockhütte. Rauch stieg aus dem Kamin, aber die Fenster waren dunkel und er erhielt keine Antwort, als er an die Tür klopfte. Als er zögernd die Klinke herunterdrückte, merkte er, dass sie verschlossen war.

 

Er verharrte und lauschte in den stillen Wald, sah sich auf der tief verschneiten Lichtung um. Direkt neben der Blockhütte bemerkte er einen überdachten Schuppen, in dem offenbar Brennholz gelagert wurde. Ein Spaltblock stand davor. Er bemerkte viele Fußspuren, die auf die Anwesenheit eines Bewohners hindeuteten, aber keine Spur von diesem selbst.

 

Plötzlich unsicher, ob er auch wirklich willkommen war, wandte sich Spock wieder dem Wagen zu und wollte eben wieder einsteigen, als er ein zischendes Geräusch hörte. Als er sich umdrehte, sah er Kirk, der dick in warme Thermokleidung eingepackt und mit einem großen Rucksack auf dem Rücken, auf Langlaufskiern aus dem Wald kam.

 

Er hielt mit einem eleganten Schwung direkt neben Spock an. Sein Gesicht war von der winterlichen Kälte gerötet und seine Augen strahlen ihn mit der gewohnten Wärme und Herzlichkeit an.

Spock entspannte sich merklich, als er es sah.

 

„Spock! Also haben Sie meine Nachricht erhalten. Ich freue mich, dass Sie doch noch hergekommen sind.“

 

„Captain“, begrüßte ihn Spock.

 

„Nennen Sie mich bitte Jim. Wir sind nicht unter Kommandostatus hier draußen, schon vergessen?“

Er lächelte, als Spock nickte, glitt dann auf den Skiern zum Haus und schnallte sie dort ab.

 

Spock folgte ihm, seine Reisetasche in der Hand. Die Kälte prickelte auf seiner Haut und er hustete kurz, als die ungewohnt kalte Luft seine Lungen kühlte.

 

Erschrocken drehte sich Kirk zu ihm um. „Alles in Ordnung?“

 

„Ja. Ich muß mich erst noch an die kalte Luft gewöhnen.“

 

„Kommen Sie erst mal rein. Sie sind sicher erschöpft von der Fahrt. Es wäre zwar bequemer gewesen herzubeamen, aber ich wollte, dass Sie durch den Wald fahren. Der Anblick der verschneiten Tannen hat eine besondere Wirkung, wie ich finde. Sam und ich nannten es immer Winterzauberwald, vor allem jetzt, zur Weihnachtszeit.“

 

Spock nickte lediglich und folgte ihm. Kirk wirkte deutlich erholter und gelöster, als noch vor einigen Tagen auf dem Schiff. Die Wirkung dieses ‚Winterzauberwaldes‘, wie Jim es nannte?

Spock konnte es nicht sagen. Zudem bestand keine Logik darin, einigen mit Schneekristallen bedeckten Nadelbäumen eine magische Wirkung zuzuschreiben.

 

In der Tür blieb er stehen und warf noch einmal einen Blick über die Lichtung und den Waldrand. Es lag eine seltsame, verträumte Stimmung über allem, als hielte die Natur voller Vorfreude den Atem an. Also doch ein ‚Winterzauberwald‘.... ?

Spock straffte die Schultern und wandte sich mit einem unwilligen Kopfschütteln ab.

Es wurde eindeutig Zeit für eine Meditation.

 

Er folgte Kirk ins Innere der Blockhütte und sofort umhüllte ihn behagliche Wärme.

In dem kleinen Windfang streiften sie die warmen Thermojacken ab und traten dann ein.

Spock sah sich in dem großen Hauptraum um.

 

Er war schlicht, aber einladend eingerichtet: Einige Schränke, Regale voller Bücher ein großer hölzerner Eßtisch mit stabilen, bequem aussehenden Holzstühlen und einem großen offenen Kamin, in dem ein hell loderndes Feuer brannte.

 

Ein bereits festlich mit bunten Glaskugeln und echten Kerzen geschmückter Tannenbaum neben dem Tisch fesselte Spocks Blick, und er betrachtete fasziniert die funkelnden Reflexe, die das Kaminfeuer auf den Glaskugeln hervorrief. Würzig-herber Tannenduft zog durch den Raum.

 

Vor dem Kamin stand eine einladende Sitzgruppe aus mehrere Polstermöbeln und einem weiteren kleinen Tisch auf dem bereits ein spielbereites dreidimensionales Schachbrett wartete.

 

Mehrere offene Türen gaben den Blick auf die dahinterliegenden Räume frei: eine offenbar mit allem Wichtigen eingerichtete Küche, zwei Schlafzimmer und ein kleines Badezimmer.

 

Kirk war mit seinem Rucksack in die Küche gegangen und machte sich dort zu schaffen. Schon bald zog der Duft von Kräutertee und frischem Kaffee durch den Raum, mischte sich mit dem herben Aroma der Tannennadeln.

Spock brachte seine Sachen in das bisher noch  unbenutzte Schlafzimmer und gesellte sich dann zu ihm.

 

Kirk drückte ihm eine Tasse mit heißem Tee in die Hand und nahm sich selbst einen Becher Kaffee, dann ließen sie sich vor dem Kamin nieder.

 

„Ich war eben im Ort und habe einige Vorräte eingekauft, als ich den Wagen sah. Sie fuhren, als würden Sie sich auskennen.“

 

„Die Wegbeschreibung war sehr genau und detailiert.“

 

Kirk warf ihm einen lächelnden Blick zu und trank dann von seinem Kaffee.

„Ich freue mich, dass Sie gekommen sind, Spock.“

 

Spock  nickte nur und nippte an dem aromatischen Tee. „Gehört das Blockhaus Ihnen?“

„Nein. Ich habe es von einem Freund gemietet. Er hat es mir schon oft überlassen und ich komme immer wieder gerne hier her. Die Leute im Ort kennen mich einfach als Jim Kirk und kaum einer interessiert sich wirklich dafür, wer ich bin. Es tut gut, dem Trubel in San Francisco manchmal zu entkommen.“

 

Spock nickte verstehend und starrte schweigend und entspannt in die flackernden Flammen.

 

Kirk betrachtete ihn still, während er seinen Kaffee trank. Er mochte den gutaussehenden, würdevollen und stolzen Vulkanier. Vom ersten Moment an, war da etwas gewesen, was ihn zu diesem Mann hingezogen hatte. Es war nicht leicht gewesen, sein Vertrauen zu gewinnen und noch immer gab es vieles, was ihm an Spocks Verhalten rätselhaft erschien. Nun... vielleicht hatte er in den kommenden Wochen Gelegenheit, auch einmal hinter die Maske aus vulkanischer Disziplin zu sehen.

 

Kirk lächelte, als Spock die inzwischen geleerte Tasse in den Schoß sinken ließ und mit halb geschlossenen Lidern in die Flammen sah. Er wirkte wie eine entspannte Katze an einem kalten Winterabend vor dem Kamin.

Spock war zwar keine Katze, doch erinnerte er ihn mit seiner natürlichen Eleganz immer wieder an ein Raubtier. Wozu allerdings auch die ästhetisch geschwungenen  spitzen Ohren beitrugen. Und was den Rest anging... es war Winter, es war kalt und sie saßen in der Tat vor einem Kamin...

 

Die Wärme und das Prasseln des Feuers ließen Spock in eine leichte Trance gleiten. Seltsam... nie zuvor hatte er sich so etwas in der Gegenwart einer anderen Person erlaubt. Etwas war an Kirk, dass ihm ein Gefühl der Sicherheit vermittelte. Und mehr...

 

Er merkte kaum, dass Kirk ihm die Tasse aus der Hand nahm, seine Stiefel auszog und die Beine auf das Sofa legte. Und als er in eine warme, kuschelig weiche Decke gehüllt worden war,  war er auch schon eingeschlafen.

 

Kirk sah lächelnd auf den schlafenden Vulkanier herab. Die Anreise und die Kälte erschöpften ihn offenbar mehr, als er zugab. Und der Streß der letzten Wochen war auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen.

Nun, hier würde er Zeit genug haben, sich zu erholen...

 

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Es geht weiter in Teil 3