
„Zeit der Wunder“
(T’Sihek)
Teil 3/9
T T T
Kirk taumelte und versuchte sich auf den Beinen zu halten. Erneut zog er seinen Kommunikator hervor. Aber wieder erhielt er nur statisches Rauschen. Er warf dem neben ihm laufenden Spock einen Blick zu.
Spock sah ihm selben Moment zu ihm hinüber und schüttelte stumm den Kopf.
„Ich habe es eben selbst versucht. Die Verbindung wird noch immer von den elektromagnetischen Stürmen auf der Sonne gestört. Wir müssen bis zum Abend warten, bis wir mit der Drehung des Planeten aus dem direkten Wirkungsgebiet der Strahlung herauskommen. Auch der Transporter wird dann wieder funktionieren.“
„Ein tröstlicher Gedanke. Vorausgesetzt...“ Kirk sprang über einen gezackten Riss im Felsen, der sich direkt vor ihm bildete „... wir sind bis dahin noch am Leben.“
„Eine logische Voraussetzung.“
Kirk lachte bitter und stürmte weiter. Überall um sie herum zerbrach das Felsplateau, auf dem sie sich befanden. Risse und Gräben bildeten sich mit einem ohrenbetäubenden Knirschen und aus den Öffnungen drang beißender Qualm. Die Luft erhitzte sich zunehmend durch die Wärmestrahlung des in der Tiefe brodelnden Magmas. Kirk fragte sich, als er erneut über einen breiten Graben hetzte, wie lange es noch dauern mochte, bis das Magma an die Oberfläche gelang.
„Die Erdbeben sollten bald aufhören. Die seismischen Spannungen im Untergrund nehmen zunehmend ab.“ Spock hatte im Laufen seinen Tricorder aktiviert und scannte die Umgebung.
„Na wenigstens eine gute Nachricht.“
Kirk keuchte und versuchte in der beißenden Luft etwas Sauerstoff zu bekommen. Er hörte, dass Spock noch mehr Schwierigkeiten mit dem Atmen hatte. Vulkanier reagierten weitaus empfindlicher als Menschen auf einen erhöhten Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft. Auch Schwefel tat ihnen nicht gut. Und genau diese beiden Stoffe waren im Augenblick überreich um sie herum vorhanden...
Kirk sah gerade noch aus den Augenwinkeln, wie Spock taumelte und in die Knie brach. Er hetzte zu ihm zurück und zerrte ihn wieder auf die Beine.
„Kommen Sie, Spock. Wir müssen von diesen Felsen herunter.“
Er legte sich den Arm des Vulkaniers über die Schultern und stützte ihn an der Hüfte.
So schnell es ging hetzten sie weiter.
Einer der umherfliegenden, von einer nahen Felswand stammenden Felsbrocken, traf Kirk am Rücken und er taumelte. Fast hätte er Spock losgelassen, doch er fing ihrer beider Körpergewicht gerade noch rechtzeitig ab.
Er rannte weiter, ignorierte den Schmerz.
Spock, der sich wieder etwas erholt hatte, machte sich von ihm los und lief allein weiter. Allerdings packte er Kirks Arm und zog ihn mit sich. Sie rannten im gleichen Takt, so als hätten sie nie etwas anderes getan, wie Kirk in einem irrational klaren Moment feststellte.
Er dachte auch an nichts anderes mehr: Rennen, atmen, springen, atmen... Es war wie ein Mantra, dass in seinen Gedanken widerhallte und jede Furcht betäubte.
Aber allmählich wurde ihm bewusst, dass der Boden sich beruhigte. Sie kamen schneller voran, fanden leichter Halt.
Von der nicht weit entfernten Felswand kam ein tiefes Grollen und eine dunkle Staubwolke wirbelte auf. Mit einem Blick erkannte Kirk, dass sie beide innerhalb von Sekunden völlig darin eingehüllt sein würden. Er versuchte auszuweichen, doch sie hatten den Rand des Plateaus erreicht und waren auf einem schmalen Gebirgspfad angelangt, der steil abwärts führte. Neben ihnen gähnte der Abgrund und es war zu gefährlich ihm noch näher zu kommen, solange das Beben anhielt. Auf der anderen Seite ragten die Felsen fast senkrecht neben ihnen auf. Auch dort war kein Entkommen. Es blieb nur der Weg nach vorne.
Plötzlich wurde Spock von den Beinen gerissen. Er gab keinen Laut von sich, keuchte nur. Dann war er still.
Kirk stoppte sofort und fuhr herum. Er konnte gerade noch einem großen Felsbrocken ausweichen und zur Seite springen. Spock hatte weniger Glück gehabt. Einige Ausläufer der Gerölllawine, die die Staubwolke ausgelöst hatte, waren bis zu ihnen gelangt. Vor ihnen war der gesamte Weg mit Schutt und losen Steinen versperrt. Hinter ihnen gähnten die tiefen, magmagefüllten Risse.
Aber darüber machte sich Kirk im Augenblick die geringsten Gedanken. Spock lag keuchend und mit angespannter Mine auf dem Boden. Ein Felsbrocken hatte ihn getroffen, wie eine Puppe zu Boden geschleudert und hielt ihn jetzt dort fest.
Kirk versuchte den Felsen von den Beinen des Vulkaniers zu rollen, aber so sehr er sich auch anstrengte: es gelang ihm nicht.
„Laufen Sie, Jim. Ich kann Ihnen ohnehin... nicht mehr folgen. Die Knochen sind gebrochen.“
Spock sprach in knappen, keuchend abgehackten Sätzen. Eine graue Blässe begann sich in seinen Zügen abzuzeichnen und er zitterte.
Kirk sah ihn an, dann huschte sein Blick zu den Beinen. Grünes Blut sickerte langsam durch den Staub.
„Ich denke... gar nicht daran.“
Erneut stemmte sich Kirk gegen den Felsen und diesmal gelang es ihm mit der Kraft der Verzweiflung ihn zu bewegen. Es knirschte und Spock gab einen schmerzerfüllten Laut von sich, eine Mischung aus Schrei und Stöhnen der Kirk mehr als genug sagte.
Sofort kauerte er sich neben den bewusstlos gewordenen Vulkanier und untersuchte hastig die Wunde.
Die stabilen Stiefel hatten die Füße und Knöchel geschützt. Doch von den Knien bis hinauf zur Hüfte waren beide Beine eine einzige blutige Masse. So schnell er konnte öffnete Kirk das Medopack, dass ihm McCoy aufgedrängt hatte und das er sich zunächst geweigert hatte mitzunehmen. Es war ja schließlich nur ein kleiner Spaziergang gewesen... hätte es zumindest sein sollen.
Mit der bloßen Hand griff er in die klaffenden Wunden und sammelte so gut es ging Steinsplitter und Schmutz heraus. Dass das warme Blut dabei über seine Finger lief, kümmerte ihn nicht. Mit einem Sprayverband schloss er die schlimmsten Wunden, doch erst als die Blutungen vollständig versiegten, atmete er auf. Er war kein Arzt, hatte nur eine Grundausbildung für medizinische Notfälle absolviert. Und er wusste wenig über die spezielle Physiologie des Vulkaniers.
Er beugte sich über ihn, tastete behutsam am Hals nach einem Puls. Aber an der erwarteten Stelle war nichts. Erst als er das Gesicht nahe an die Lippen des Vulkaniers brachte spürte er einen flachen Atem.
Spock lebte. Das hatte ihm eigentlich schon das ständig fließende Blut gesagt. Tote bluteten nicht. Aber den Atem zu spüren war dennoch wie eine Erlösung.
Erleichterung überschwemmte Kirk und er hockte sich auf den Boden. Es dauerte einen Moment bis er begriff, dass das Beben komplett aufgehört hatte.
Er entspannte sich kurz, dann zog er seinen Uniformpulli aus, rollte ihn zu einem Bündel zusammen und schob ihn behutsam unter Spocks Kopf. Es war warm genug, so dass er gut ohne ihn auskam. Doch Spock lag ohnehin schon unbequem genug auf dem harten unebenen Felsen.
Jetzt, da er mehr Ruhe hatte, durchsuchte er den Medopack nach einem schmerzstillenden und kreislaufstabilisierenden Mittel. McCoy hatte an alles gedacht und die Ampullen entsprechend beschriftet, so dass selbst ein Laie die für Spock wirksamen Medikamente identifizieren konnte.
Kirk nahm die entsprechenden Ampullen und verabreichte dem Vulkanier die Medizin. Es zeigte sich keine Wirkung, aber Kirk hatte auch nicht wirklich damit gerechnet. Vielleicht hatte er bereits zu lange gewartet.
Ein Kloß bildete sich in seinem Hals und er strich mit zitternden Fingern die zerzausten Ponysträhnen glatt.
Spock bedeutete ihm so viel, war mehr für ihn als ein Freund. Aber er hatte nie den Mut gehabt, es ihm zu sagen. Er wollte ihn nicht mit seinen allzu menschlichen Gefühlen und Wünschen erschrecken oder, schlimmer noch, verjagen.
Und seit dem sich Spock zunehmend von ihm zurückgezogen hatte, hatte er noch weniger gewagt, ihm seine wirklichen Gefühle für ihn anzuvertrauen. Zudem wusste er immer noch nicht, was der eigentliche Auslöser dafür gewesen war. Einmal mehr verfluchte er seinen Enthusiasmus, als er Spock auf die Station geschleppt hatte. Niemals wieder würde er *Christmas Eve* besuchen, schwor er sich.
Er sah zum Himmel hinauf. Mit einer Mischung aus Verzweiflung und einem leisen Hoffnungsschimmer zog er seinen Kommunikator und rief das Schiff erneut. Doch auch diesmal erhielt er keine Antwort.
Nun, der Himmel wurde bereits dunkler. Er zweifelte nicht daran, dass Spocks Angaben in Bezug auf den Ionensturm stimmten. Er musste also nur noch bis zur völligen Dunkelheit warten.
Sein Blick wanderte zu Spock und erneut wogte Verzweiflung in ihm hoch. Er hatte Zeit genug, doch was war mit Spock?
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Kirk hatte immer wieder versucht das Schiff zu erreichen. Und endlich, als ihn völlige Dunkelheit umfing und die Luft schneidend kalt geworden war, hatte Scott sich gemeldet.
Die Erleichterung nahm Kirk für einen Moment den Atem.
Um Spock vor der Kälte der Nacht zu schützen, hatte er sich dicht neben ihn gelegt und die Arme um ihn geschlungen. Der Vulkanier hatte zu Fiebern begonnen und Schüttelfrost ließ seinen Körper beben.
Er wagte es nicht ihn loszulassen, während er den Befehl zum hochbeamen gab.
McCoy erwartete sie bereits mit einem Medoteam. Er verlor kein Wort darüber, dass Kirk noch immer zögerte Spock loszulassen, während er den Vulkanier untersuchte. Dann aber löste er behutsam die verkrampften Arme und half mit den Schwerverletzten auf eine Antigravbahre zu legen.
Chapel drängte Kirk ebenfalls auf eine Bahre und im Eiltempo wurden sie zur Krankenstation gebracht.
Dort kümmerte sie sich um die Schrammen des Captains, während ihr Blick immer wieder zum OP wanderte, wohin McCoy mit Spock und seinem Team aus Schwestern und Assistenzärzten verschwunden war. Minuten tickten vorbei und wurden zu Stunden.
Kirk war irgendwann in einen erschöpften Schlaf gefallen, wobei er beim Wegdösen den Verdacht hatte, dass eines der Medikamente die Chapel ihm verabreicht hatte, ein starkes Beruhigungsmittel war.
Als er aufwachte umfing ihn die Stille und das gedämpfte Licht der Bordnacht. Es war ruhig in der Krankenstation, die hektische Betriebsamkeit verschwunden. Das Licht im OP war erloschen.
Noch benommen wollte er sich aufrichten, wurde aber sofort von zwei kräftigen Händen zurückgedrängt.
„Nicht so hastig, Jim. Du hast eine Gehirnerschütterung, mehrere Prellungen und stehst unter Schock. Daran hat auch dein kurzes Nickerchen nichts geändert.“
McCoy wartete, bis er sicher sein konnte, das Kirk liegen bleiben würde. Dann richtete er sich müde auf und zog sich einen Stuhl heran.
Kirk musterte ihn schweigend. Anspannung und Erschöpfung hatte tiefe Schatten in die weichen Züge des Arztes gegraben. McCoy bemerkte seinen Blick und antwortete mit einem halben Lächeln.
„Spock ist außer Gefahr. Er wird allerdings einige Zeit in der Krankenstation bleiben müssen.“
„Wie schlimm ist es?“ Kirk schluckte trocken, als er sich an das viele Blut und die offenen Wunden erinnerte. Er hatte Spock schon oft verletzt gesehen, aber noch nie in einem solchen Zustand.
„Er wird es überleben. Was mit seinen Beinen wird....“ McCoy senkte den Kopf und strich sich müde übers Gesicht.
Nach einem Moment fuhr er fort. „Du hast die Wunden gesehen. Er hat viel Blut verloren, aber das ist kein Problem. Ich habe genug T-Negatives Blut an Bord. Seine Knochen waren das Schlimmste. Dieser Felsbrocken hat Teile davon regelrecht zermahlen. Gut die Hälfte der Muskelfasern ist gequetscht oder so stark zerfasert worden, dass das Gewebe absterben wird. Es wird Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis er wieder genug Muskeln aufgebaut hat um Gehen zu können. Bis dahin wird er zunächst an auf einen Anti-grav-Rollstuhl und später an biosensorische Gehschienen angewiesen sein. Wie lange... ich weiß es nicht.“
Kirk schloss die Augen. //Verdammt. Das durfte nicht sein. Das durfte einfach nicht wahr sein!//
Unwillkürlich ballten sich seine Hände zu Fäusten.
Es war ein gewöhnlicher Auftrag gewesen. Sie sollten lediglich die Daten der Erkundungssonde überprüfen, Proben nehmen und eine erste Bewertung über eine mögliche Eignung als Siedlungsplanet erstellen. Reine Routine.
Zwei Mitarbeiter von Spocks Team hatten seltene Mineralien in den Ausläufern des Gebirges entdeckt. Kirk war neugierig geworden und wollte sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, sich das selbst anzusehen. Und Spock hatte ihn begleitet.
Dann hatte Scott die ersten Anzeichen eines schnell heraufziehenden Ionensturms entdeckt und Kirk informiert. Im nächsten Moment war es zum beamen schon zu spät. Die Mineralien zogen die elektrischen Interferenzen regelrecht an und der Ionensturm trennte die Verbindung zum Schiff.
Im Versuch wieder Kontakt zu bekommen, waren sie zu dem Plateau gelaufen. Dort war keine messbare Konzentration der Mineralien nachweisbar gewesen.
Was keiner von beiden in dem Moment beachtete, waren die deutlichen seismischen Spannungen im Untergrund gewesen.
Das Erdbeben hatte sie kalt erwischt und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als um ihr Leben zu laufen. Sie hatten es geschafft, doch um welchen Preis?
Ohne McCoy anzusehen stellte Kirk die nächste Frage, die ihm auf der Seele brannte: „Muss er das Schiff verlassen?“
„Nein. Mit dem Rollstuhl kann er leichten Dienst tun. Seine vulkanischen Selbstheilungskräfte werden ihm zwar helfen, aber er kann und darf sie nur begrenzt einsetzen. Soweit ich das feststellen konnte, wurden zwei Nervenkluster im unteren Bereich der Wirbelsäule und weitere in den Beinen arg in Mitleidenschaft gezogen, die er für dieses vulkanische Kunststück brauchen würde. Deshalb muss er sich weitgehend mit der eher langsamen natürlichen Regeneration des Gewebes abfinden. Nerven wachsen auch bei Vulkaniern so langsam wie bei Menschen. Wenn sich sein Zustand jedoch innerhalb von zwei Monaten nicht deutlich bessert, wird er allerdings in einem Rehabilitationszentrum untergebracht werden. Was dann wird, weiß niemand.“
Kirk seufzte leise. Er wusste, was das hieß. Kaum jemand, der eine Behandlung in einem dieser hochspezialisierten Zentren nötig hatte, kehrte an Bord eines Raumschiffes zurück. Die Verletzungen waren einfach zu schwer.
„Wo ist er jetzt?“
„In einem meiner speziellen Behandlungsräume. Dort hat er mehr Ruhe und ich kann vulkanische Umweltbedingungen simulieren.“
„Kann ich zu ihm? Ich möchte ihn sehen.“
McCoy seufzte leise. „Das habe ich befürchtet. Aber nur kurz und auch nur, wenn du in den Rollstuhl sitzt. Dein Kreislauf ist noch nicht stabil genug, um zu laufen. Und ich hatte heute genug Notfälle.“
Kirk nickte gehorsam und ließ sich zu dem bereitstehenden Stuhl führen. Während ihn McCoy dann in das Isolierzimmer schob, verkrampfte er nervös die Hände im Schoß.
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Spock lag bleich und reglos auf der einzelnen Medoliege. Dünne Schläuche führten von diversen Apparaturen zu seinem Körper. Leises Summen und Piepsen war das einzige Geräusch, zusammen mit dem überlaut erscheinenden Zischen des Beatmungsgerätes.
Erschrocken schnappte Kirk nach Luft und sah fragend zu McCoy auf. Er brachte kein Wort heraus.
„Ich musste ihn in ein künstliches Koma versetzen. Er ist zu geschwächt um eine Heiltrance einzuleiten und anders entspannt sich sein Körper wegen des Schocks und des hohen Blutverlustes nicht genug, um eine Heilung zuzulassen. In zwei Wochen werde ich ihn wecken. Bis dahin...“
Kirk schluckte und griff zögernd nach einer der unnatürlich kalten Hände, die reglos neben dem Körper auf der Bettdecke lagen.
//O Gott Spock... warum? Das ist nicht fair! Lebe... bitte lebe und bleib bei mir!//
Er merkte nicht, dass Tränen über seine Wangen liefen.
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Die zwei Wochen gingen vorbei, ohne dass sich Spocks Zustand gravierend änderte. Die Wunden schlossen sich und mit Hilfe plastischer Chirurgie sorgte McCoy dafür, dass äußerlich nichts mehr von den schweren Verletzungen sichtbar war. Aber er wusste, dass unter der Haut noch lange nicht alles so war, wie es sein sollte.
Die Knochensplitter, die er hatte erhalten können, wuchsen nur sehr zögernd und unvollständig zu einem neuen Knochengerüst zusammen. Mehrmals musste er kleine Operationen durchführen, um Fehlbildungen zu verhindern. Er sagte Kirk nichts davon. Es war schon schwer genug die stille Verzweiflung in den Augen seines Freundes und Captains zu sehen, wann immer er die Krankenstation betrat.
Vor der Crew ließ er sich nichts anmerken, doch McCoy gegenüber hatte er es schließlich nicht länger verbergen können und hatte ihm von seinen Hoffnungen erzählt. Hoffnungen, dass der Vulkanier irgendwann seine Liebe würde akzeptieren können ohne vor ihm zu fliehen. Bis dahin würde er schweigen.
Schließlich war der Zustand des Vulkaniers stabil genug um ihn wecken zu können. Kirk ließ es sich nicht nehmen dabei zu sein, obwohl McCoy ihn lieber am anderen Ende des Schiffes gesehen hätte.
Langsam, um den Körper nicht zu überlasten schaltete der Bordarzt allmählich die Leistung der Lebenserhaltungssysteme zurück, bis Spocks Kreislaufsystem die Arbeit wieder vollständig selbst übernahm. Der Prozess dauerte fast zwei Stunden und die ganze Zeit über wich Kirk nicht von seinem Stuhl am Fußende des Bettes.
Schließlich waren alle Geräte abgeschaltet, alle bisher lebenswichtigen Verbindungen zum Körper des Vulkaniers gekappt. Er atmete wieder selbstständig, das Herz schlug kräftig und gleichmäßig und für McCoys Geschmack viel zu schnell aber noch im Normbereich für Spock.
Mit einem leisen Seufzer zog sich auch McCoy einen Stuhl heran und setzte sich neben Kirk. Dieser sah ihn fragend an. „Und jetzt?“
„Jetzt warten wir, bis er von alleine aufwacht. Das kann bis zu drei Stunden dauern, aber wahrscheinlich braucht Spock nicht so lange. Sein Stoffwechsel ist schneller als der menschliche und er baut die Substanzen, die ihn im Koma gehalten haben, schneller ab als ein Mensch.“
Und wirklich, nach einer knappen Stunde begann sich der
Vulkanier zu regen.
Zuerst war es nur ein Finger, der zuckte, dann eine leichte Bewegung des
Kopfes. Ein Fuß bewegte sich unter der Decke - was McCoy erleichtert aufatmen
ließ - und dann lief ein Zittern durch den ruhenden Körper.
Kirk hielt es nicht länger auf seinem Stuhl aus. Er stand auf und trat neben seinen Freund. „Spock? Hörst du mich?“
Fast augenblicklich drehte der Vulkanier den Kopf in Kirks
Richtung und begann zu blinzeln. Er versuchte zu sprechen, aber er brachte
keinen Ton heraus.
Kirk legte ihm einen Finger auf die Lippen. „Ssch... Nicht reden. Lass dir
Zeit. Es ist alles in Ordnung.“
Schließlich schaffte es Spock die Augen ganz zu öffnen und sah zu seinem Captain auf. Er blinzelte erneut und schob die Feuchtigkeit auf den Wangen des Menschen auf seine noch verschwommene Sicht. //Oder weint Jim? Wegen mir?//
Kirk wurde sich plötzlich seiner Tränen bewusst und wandte
sich ab, um sie möglichst unauffällig abzuwischen. Dann sah er wieder zu Spock.
„Schlaf jetzt.“
Ein Blick zu McCoy, der knapp nickte, ließ ihn fortfahren. „Lass dich in eine
Heiltrance fallen, wenn du kannst. Deine Beine waren schwer verletzt und es
wird noch eine Weile dauern, bis sie wieder ganz geheilt sind. Ruh dich aus und
lass dir Zeit.“
Spock tastete schwach nach Kirks Hand und drückte sie kraftlos. Dann schloss er die Augen und sein Atemrhythmus begann sich zu verlangsamen.
Kirk sah verwirrt zu McCoy, der ständig die Vitalwerte überprüfte. „Was...?“
„Alles in Ordnung, Jim. Er gleitet in eine Heiltrance. Noch ein paar Tage und er kann aufstehen.“
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Die folgenden Wochen wurden für Spock zu einer Tortur.
Durch die schwer verletzten und teilweise durchtrennten Nerven konnte er die
Schmerzen in Beinen und Hüfte kaum kontrollieren, war auf die Schmerzmittel
McCoys angewiesen. Hinzu kamen die mitleidigen und besorgten Blicke, die ihm
überall begegneten, wenn er die Krankenstation verließ.
Am schlimmsten war es, wenn er unter McCoys Aufsicht das
Gehen trainierte. Inzwischen gelang es ihm zwar ganz gut mit Hilfe der
biosensorische Gehschienen und Krücken das Gleichgewicht zu halten, aber er
konnte vor dem Arzt nicht verbergen, dass ihn Schmerzen und Medikamente
benommen machten.
Trotz allem kämpfte er verbissen darum Fortschritte zu machen. Der Gedanke das
Schiff zu verlassen - und damit Jims Nähe - war eine zu große Drohung.
Seinen noch eingeschränkten Dienst leistete er ihm Rollstuhl
sitzend ab, stand nur auf, um die Daten seines Scanners abzulesen.
Kirk, der wusste als wie entwürdigend es Spock empfand so hilflos zu sein,
ignorierte die langsamen, sichtlich schmerzhaften Bewegungen seines Freundes
und hatte auch dafür gesorgt, dass sich die anderen Offiziere so verhielten.
Spock war ihm dankbar dafür. Es reichte ihm, dass Chapel ihn ständig zu
bemuttern versuchte und ihn hin und wieder behandelte, als wäre er
Querschnittsgelähmt und zu gar nichts mehr fähig.
Allmählich besserte sich dann allerdings der Zustand seines Körpers, bis Spock, knapp zwei Monate nach dem Unfall, wieder ohne Gehhilfen frei stehen und gehen konnte. Dr. McCoy erlaubt ihm zwar noch immer keinen vollen Dienst und zwang ihn regelmäßig zu ausführlichen Untersuchungen, aber die Fortschritte waren für jeden sichtbar.
Am meisten freute sich jedoch Kirk. Es war wie ein Geschenk gewesen, als Spock eines morgens zwar langsam und vorsichtig, aber ohne Gehilfen zum Dienst erschienen war. Von jetzt an, so hatte ihm McCoy zugesichert, würde die Rekonvaleszenz schneller voranschreiten, weil sich die betroffenen Nervenkluster wieder regeneriert und wieder begonnen hatten zu arbeiten und Spock so eine bessere Kontrolle über den Heilungsprozess ermöglichten. Schonen musste er sich aber trotzdem weiterhin.
Ausnahmsweise war Kirk deshalb sogar dankbar, dass sie mysteriöserweise vom Hauptquartier nur einfache *Milchmanntouren* und ungefährliche Routinemissionen zugeteilt bekamen. Um die Krisengebiete mussten sich in dieser Zeit andere Captains kümmern.
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Es geht weiter in Teil 4