Titel: Wünsche
Autor: VenusKaio
Serie: TOS
Rating: PG
Codes: Spock/McCoy
Disclaimer: Star Trek gehört Paramount/Viacom. *nyan*
Inhalt: In einer Zeit, da das Wünschen noch geholfen hat.
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Wünsche
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"Zurück zur Idylle!" dachte sich McCoy, und schlenderte durch die grünen Haine des Planeten der ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Es war abzusehen, Landurlaube endeten immer in einem Desaster, aber in diesem speziellen Fall war das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wenn er gewollt hätte, würden ihn die beiden bunten Häschen aus dem Kabarett immer noch begleiten, aber er hatte sie fortgeschickt, und hinter dem nächsten Busch waren sie ins Nichts verpufft. Vielleicht war die Stille jetzt genau das Richtige für ihn. Aufregung hatten sie genug gehabt, und so schaute er sich in der Umgebung um. Der Großteil der Crew war wohl nicht allzu weit entfernt, immerhin hatten auch sie nun die Erlaubnis erhalten auf den Planeten zu beamen, aber in nächster Zeit würde wohl keiner der jungen Tollpatsche seinen Weg kreuzen.

 

Die Vegetation wurde langsam dichter, und er gelangte an einen Waldrand, kein hoher Wald, aber die Bäume hatten etwas sehr mystisches an sich, und so trat er ein. Schon nach kurzem Weg fiel ihm ein seltsamer schwarzer Stoff auf, der den Boden entlang lag, und wie eine Spur irgendwo hinzuführen schien. Es war ein dünner, fast durchsichtiger und geschmeidiger Stoff, McCoy folgte ihm bis zu seiner Ursprungsquelle. Er konnte sich ein kurzes Schmunzeln nicht verkneifen. "Soso. Was hätte ich anderes erwarten sollen."

Vor ihm lag, geschützt von vielen Sträuchern, ein ihm wohlbekannter Vulkanier.

"Sollte es mich beunruhigen, dass ich ein Spock-Imitat im Dickicht dieses Waldes finde, und auch noch so leicht bekleidet?" Der schwarze Stoff bildete ein langes Hemd, welches der Vulkanier trug. McCoy seufzte und kniete sich neben den leblos scheinenden Körper. Aus der Routine heraus, fühlte er den Puls und berührte seine Stirn. "Na, mein Herzensschöner, warum rührst du dich nicht? Es scheint doch alles normal zu sein." Er grübelte eine Weile nach, und beobachtete die feinen Gesichtszüge des Mannes unter ihm. "Soll ich dich wie Dornröschen wach küssen? Oder brauchst du dafür eine Frau?" Er legte eine Hand an Spocks Gesicht. "Probieren kann man es ja mal."

Als sich ihre Lippen berührten, öffnete Spock tatsächlich die Augen.

"Wunderbar!" Der Doktor gab sich keine Mühe seine Faszination und Freude zu verbergen, wenn er schon einmal die Möglichkeit hatte ohne Konsequenzen an diesen Mann heranzukommen, dann sollte er das auch ausnutzen, er war ein schönes Spielzeug. "Kannst du auch sprechen?"

Der Vulkanier schüttelte den Kopf.

"Bedauerlich." Er beugte sich erneut zu ihm hinunter und streifte ihm den dünnen Stoff
vom Körper. "Wirklich bedauerlich."

 

Dieses Imitat war bezaubernd, so echt. Er wusste, wie sich Spock unter seiner Uniform anfühlte, aber er hatte sich nie erlaubt es wahrzunehmen. Er fuhr erst mit den Händen, und dann mit den Lippen über den Körper. Als er tiefer kam, und ein Bein leicht nach außen drehte, um die Schenkelinnenseiten zu küssen, hörte er hinter sich eine Stimme, und schreckte zurück.

"Doktor?"

Er brauchte sich nicht umzudrehen um zu wissen, dass nun das Original hinter ihm stand. Langsam verdeckte er das Imitat wieder mit dem schwarzen Stoff, und blickte zu Spock hoch. "Ich dachte, Sie seien zurück zum Schiff?" Er versuchte seine Stimme zu kontrollieren.

Spock legte den Kopf schief. "Nun, der Captain meinte, dass es gut wäre noch einen kleinen Kontrollgang zu machen." Er beäugte seine Kopie neugierig. "Warum haben Sie sich dieses Subjekt hergewünscht?"


McCoy wand den Blick wieder ab. "Er gefällt mir ganz einfach."

"So wie er da liegt und sich nicht rührt, nicht spricht?"

Spock konnte nicht sehen, wie sich McCoy auf die Unterlippe biss. "Ich wollte ihn einmal so haben. Nur dieses eine Mal."

"Wenn Sie nur noch das sehen, was Sie zu sehen wünschen, Doktor, sind Sie bei geistiger Blindheit angelangt."

 

"Halt den Mund, Spock. Nur weil du zu beschränkt bist und dir nichts wünschen kannst."

"Das hat nichts mit Beschränkung zu tun, ich lebe nur nicht in so einer künstlichen Welt wie der Ihren." Er schwieg eine Weile, dann reichte er McCoy eine Hand. "Begleiten Sie mich zurück zum Schiff?"


"Nein. Hau ab!"

Spock nickte, wandte sich um, und ging. Der Captain hatte ihn nicht angewiesen die Crew zu stören oder in ihren Aktivitäten zu unterbrechen, also hielt er sich auch in diesem besonderen Fall daran.

 

Als er ein Stück Weg zurückgelegt hatte und tief in Gedanken versunken war, sah er an einem Baumstamm den Doktor sitzen. Es gehörte nicht viel dazu auch ihn als Imitat zu erkennen, der weiße Pullover und die hellblaue Hose waren zu untypisch. Neugierig, was seine geheimen Wünsche da ausgespuckt hatten, trat er näher. Er vermutete aber, dass es kaum Unterschiede zum Original geben würde, warum auch? Es wäre unlogisch sich diesen Menschen "zurecht zu wünschen".

"Guten Tag, Doktor."

Dieser lächelte ihn an. "Oh, guten Tag, Spock, was führt dich hier her?"

Sprechen konnte er also, stellte Spock mit einiger Befriedigung fest. "Ich mache einen Kontrollgang, bin aber gerade wieder auf dem Weg zurück zum Schiff."

"Darf ich dich begleiten?"

Spock überlegte kurz, dieser McCoy würde sowieso verschwinden, sobald er Anstalten machte den Boden dieses Planeten zu verlassen. "Einverstanden."

"Aber du musst mich tragen."

"Warum?"

"Weil ich nicht laufen kann." Erwiderte McCoy und unterbrach sein Lächeln nicht.

"Warum können Sie es nicht?" Spock ließ seinen Blick zu den Beinen wandern die ganz normal vor dem Körper ausgestreckt waren.

"Es ist einfach so." Er lächelte weiter.

Spock hob eine Augenbraue, es behagte ihm nicht, dass sein geheimer Wunsch einen körperlich eingeschränkten McCoy vorsah. Natürlich fühlte er sich gut, wenn er ihm in irgendeiner Lage helfen konnte, aber die gelähmten Beine schienen den Wunsch einer physischen Abhängigkeit zu spiegeln. Erschrocken wand sich Spock ab, und lief langsam in Richtung des Waldausganges.

"Bitte lass mich nicht sitzen, Spock. Ich hab Angst, du musst mir helfen!"

 

Spock wurde schneller, und versuchte die traurige Stimme hinter sich zu ignorieren, bis alles vorbei war, und er auf einer hellen Wiese stand. Sein Atem war immer noch beschleunigt. Ein Alptraum den ihm sein Geist da gespielt hatte, er war enttäuscht von sich und seinen mentalen Fähigkeiten, so etwas hätte nicht passieren dürfen.

*****

Am Abend, als er seinen Rundgang beendet hatte (es war noch zu einigen, weniger fatalen Vorfällen gekommen) beamte Spock zurück auf die Enterprise, er hatte beschlossen, doch noch einmal mit McCoy zu sprechen, auch er sollte schon seit einigen Stunden wieder zurück sein. Spock waren diese Ereignisse unangenehm, aber er wollte sie auch nicht unausgesprochen zwischen sich und McCoy stehen lassen, es wäre nicht logisch einem akuten Problem nicht beizukommen, er musste ja nicht zwingend etwas von seinen Wunschträumen auf dem Planeten erzählen.

Als er in die Krankenstation kam, fielen ihm die durchsichtigen Scherben sofort auf die am Boden lagen. Was sein "Revier" betraf, war McCoy nie unachtsam gewesen, und der Vulkanier schätzte das. Sein sensibler Geruchsinn schnappte den starken Eindruck von Alkohol auf, und zusammengekauert, mit einer fast leeren Flasche in der Hand, fand er McCoy auf dem Boden liegend. "Doktor?"

Als er sich nicht rührte, kniete Spock neben ihm, und berührte die fiebernde Stirn. Er beschloss, entgegen seinen Anweisungen nicht sofort Bericht zu erstatten, und die Schwester zu rufen, sondern löste die Flasche aus den verkrampften Fingern, stellte sie zurück auf den Tisch, holte ein kleines Fläschchen aus dem Arzneischrank, und hob McCoy auf seine Arme. Eines der Gästequartiere lag nur einige Türen weiter, und so öffnete er die Tür und trug den Arzt hinein. Nachdem er ihm etwas vom Alkohol-Neutralisator eingeflößt hatte, kam dieser auch sehr schnell wieder zu Bewusstsein. "Ich finde es inakzeptabel, dass ein Schiffsarzt sich dermaßen gehen lässt. Stellen Sie sich vor, jemand anderes hätte Sie in diesem Zustand..."


"Shhh...." McCoy hielt mühsam einen Finger an die Lippen.

Spock schwieg.

"Kennst du den Zauberer von Oz, Spock?"

"Ein amerikanisches Märchen, die Geschichte soll angeblich symptomatisch für den amerikanischen Geist sein, der die Heimat über alles andere schätzt."


"Jepp... genau diese Geschichte, aber es ging um mehr, als das bloße 'Nachhausekommen'. Weißt du... die Vogelscheuche hat sich immer Verstand gewünscht, weil sie dachte, dass ihre Dummheit und ihr Strohkopf sie irgendwann ins Verderben stürzen würden. Und der Blechmann wollte ein Herz haben, um fühlen zu können, das Leben zu genießen, zu lieben und zu leiden..."


McCoy hatte den Blick an die Decke gerichtet, Spock saß mittlerweile auf der Bettkante.

"Und am Ende bekommt die Vogelscheuche vom Zauberer, der eigentlich nur ein Hochstapler ist, Nägel in den Kopf gestreut. Damit glaubt sie endlich Verstand zu haben... und der Blechmann bekommt eine wertlose Uhr, und glaubt, das Ticken wäre das Klopfen seines Herzens. Aber es war immer da, sowohl der Verstand wie auch das Herz, sie haben immer so gehandelt und gefühlt, nicht erst durch die Gaben des Zauberers... das ist mir heute noch einmal bewusst geworden." McCoy schloss für einen kurzen Moment die Augen. "Ich bin die Vogelscheuche, nur gebe ich nicht zu, dass ich den Verstand haben will, ich verleugne es. Du bist der Blechmann, kühl, und trotzdem ist da der unstillbare Wunsch ein Herz zu besitzen. Wir verleugnen uns beide, und wollen uns doch."


"Von solchen Vergleichen halte ich nicht viel. Schlafen Sie erst Mal Ihren Rausch aus, morgen sprechen wir weiter." Spock stand auf und verließ mit wenigen Schritten das Zimmer.

 

Als die Tür sich hinter ihm schloss, blieb er schwer atmend an der Wand stehen. Wie er dieses Märchen gehasst hatte. Seine Mutter las es ihm immer mit dem Schalk im Nacken vor, sie wusste sehr gut, um die Parallelen zu seiner eigenen Persönlichkeit.

Und auch jetzt, konnte er sich dieser Geschichte nicht entziehen. Der Streit, zwischen der Vogelscheuche und dem Blechmann, was nun wichtiger war, Herz oder Verstand, kam ihm furchtbar bekannt vor. Weil er darüber nicht weiter nachdenken wollte, entschloss er gegen seinen Prinzipien in der Bar einen Drink zu nehmen, während McCoy in seinem Quartier eine Kerze anzündete, um seine Gedanken ordnen zu können.

 

Die Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen hat, hat es leider nie gegeben.

Ende