Warnung: etwas schräg.
Weihnachtliche Bräuche
Fandom: ST TOS
Altersangabe: PG-13
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an jettatori@gmx.net
Disclaimer: Leider gehören mir die Jungs und Mädels nicht. Ich habe sie nur für ein bisschen Fanfiction-Spaß ausgeborgt. Damit sollen keine Urheberrechte verletzt werden. Und natürlich wird damit nichts verdient.
Funkelnde Schneekristalle
rieselten langsam auf den frischen, butterweichen Schnee und das intensive
Sonnenlicht brachte die bis ins kleinste Geäst bedeckten Büsche und Bäume zum
Strahlen. Für irdische Maßstäbe war es ein perfekter Tag in einer traumhaft
weiten Bergkulisse.
„Ich fühle mich wieder wie
ein Kind“, rief Jim begeistert. Er und Spock waren McCoy und Scotty auf dem
verschlungenen Wanderweg bereits vorausgeeilt.
„Was für ein wunderbarer
Schnee!“ Mit Schalk in den Augen bückte sich Jim, formte mit drei Handgriffen
eine Kugel, holte weit aus und warf sie dann frontal auf Spock
Als er die unbewegte Mine
unter den langsam auf dem Gesicht abrutschenden Schneeschlieren wahrnahm,
fühlte er sich allerdings ein bisschen schuldig. Aber Spock hätte sich ja auch
ducken können.
„Du bist ein Kind!“
Spock hasste es. Schon seit
Tagen war er das Ziel von diversen Schneeattacken, Wettrennen und
Schlittenfahrten, wobei Jim mit jedem Mittel darum kämpfte, seinen Spaß zu
haben. Natürlich immer auf seine, Spocks Kosten.
„Hey, Lust auf ein bisschen
Ringen? Damit wir nicht aus der Übung kommen?“, schlug Jim unbeeindruckt als
nächste Aktivität vor.
Spock sah, dass Jims Nase
und Wangen inzwischen schon ganz rot angelaufen waren, aber nichts schien ihn
stoppen zu können.
„Nein! Ich möchte zurück.“
Der Erste Offizier der Enterprise suchte mit seinen Augen nach ihren näher
kommenden Begleitern. „Sofort!“
Jim grinste breit: “Du hast
es offensichtlich extrem eilig wieder mit mir ins Bett zu kommen?“, scherzte
er. „Aber das verstehe ich natürlich sehr gut.“ Und mit diesen Wort schlug er
Spock kräftig auf das Hinterteil und schnurrte dabei süffisant: „Fest genug, um
Nüsse damit knacken zu können.“
Das war der Moment, als
Spock nur noch eines empfand: Wut. Tiefe, grenzenlose, menschliche Wut. Aber
sich jetzt bei Jim zu beklagen, wäre viel zu dürftig gewesen für die vielen
Demütigungen der letzten Tage. Mit Hilfe vulkanischer Techniken unterdrückte er
seinen Gefühlsausbruch sofort wieder.
In diesem Moment schlossen
McCoy und Scotty auf und da sie auch in ihr Hotel zurückkehren wollten,
stiefelten sie wenig später gemeinsam zu ihrer Nobelherberge in den Rocky
Mountains zurück. Der leicht amüsierte Gesichtsausdruck des Arztes, der ihr
Zwischenspiel offensichtlich schon von weitem beobachtet hatte, wurde von Spock
jedoch auf Jims Rechnung hinzuaddiert.
*
„Es war wirklich eine prima
Idee von Bones, dass wir uns hier vor den offiziellen Weihnachtsfeierlichkeiten
noch ein paar schöne Tage machen.“ Jim legte sich nach einem angenehm,
entspannten Nachmittag in den Badelandschaften des Hotels und einem gemütlichen
Abendessen zu viert, zufrieden auf die Kissen des großen Betts. „Und Starfleet
hat sich auch nicht lumpen lassen, muss ich sagen. Was machst du da
eigentlich?“, fragte er dann mit Blick auf den im vorderen Bereich scheinbar
nach etwas suchenden Vulkanier.
Spock nickte nur abwesend.
Vulkanier waren nicht an Schlafanzüge gewöhnt. Er nahm sich deshalb einen der
luxuriösen Herrenüberzieher aus dem Schrank. Aber seine Gedanken waren
woanders.
Jim schob die Kissen auf
seiner Seite zu einem bequemen Haufen. „Zu Schade, dass die freien Tage schon
so schnell vorbei sind. Morgen geht unser Pflichtprogramm wieder los.“
„Das ist richtig, aber
soweit ich weiß, magst du Weihnachtsfeste“, gab Spock als Antwort.
„Stimmt schon, du ja leider
nicht.“ Jim legte sich seitlich auf die gemusterte, dicke Tagesdecke und
beobachtete, wie Spock näher kam. Gleich würde er zu ihm rüberrutschen.
„Das kommt darauf an. Einige
Bräuche finde ich faszinierend“, deutete der Vulkanier an und setzte sich mit
dem Rücken zu ihm auf das Bett.
„Wirklich? Meinst du die
Geschenke?“ Jim stippte Spock spielerisch an: „Es ist vielleicht ein bisschen
spät dafür, aber was würdest du dir denn von mir wünschen?“
„Du möchtest mir einen
Weihnachtswunsch erfüllen?“ Spock drehte sich um und es formte sich in ihm eine
erste Idee. Der Nachmittag war noch nicht vergessen.
„Es muss ja nichts
weihnachtliches sein, irgendwas. Ich, zum Beispiel, wünsche mir ganz viel, hm,
du weißt schon.“ Jim grinste unmissverständlich. „Und natürlich, dass du mir
immer treu bleibst.“
„Das kann ich dir erfüllen.“
Spock lächelte. „Und das ist auch mein Wunsch.“ Jim brachte ihn zwar oft an den
Rand der Verzweiflung, aber bei diesen beiden Punkten gab es für ihn auch
keinen Zweifel.
„Das höre ich gerne.“ Jim
schmunzelte. „Aber bevor wir dann jetzt gegenseitig unsere Geschenke auspacken, sag mir, ob du dir nicht vielleicht auch noch
etwas anderes von mir wünschst!“
„In der Tat. Ich würde gerne
mal einen irdischen Brauch mit dir zelebrieren“, antwortete der Vulkanier, ohne
lange überlegen zu müssen. Er war ihm gerade ein bestimmtes Bild aus seinen
Dateien eingefallen. Das könnte jetzt gut zu seinem Gemütszustand passen.
„Spock, du überraschst mich
immer wieder! An was hattest du denn gedacht? Geschenke verpacken oder Geschenke auspacken?“
Jim deutete zwischen seine Beine und schien sich dabei köstlich zu amüsieren.
„Ich dachte eigentlich eher
an das Nachspielen einer europäischen Sitte. Knecht Ruprecht kommt auf die Erde
und teilt mit, ob die Kinder übers Jahr brav waren, oder nicht.“ Spock deutete
durch nichts an, ob er gerade einen Spaß machte, oder es ernst meinte.
„Du, als ein außerirdischer
Knecht Ruprecht? Was für eine Idee! Und ich soll vermutlich das Kind sein?“,
versuchte Jim zu verstehen und runzelte dabei die Stirn.
„Wie ich bereits heute
Nachmittag festgestellt habe, zeigst du manchmal ein Verhalten, welches diese
Annahme nicht ganz unberechtigt erscheinen lässt.“
„Schon gut, schon gut“, Jim
lachte etwas schuldbewusst auf. Aber im Grunde versprach das ja ein interessantes
Rollenspiel zu werden und das war ganz nach seinem Geschmack. Eine Art
erregendes Vorspiel.
„Okay, was soll ich tun?“,
fragte er grinsend.
„Nun.“ Spock sah sich
suchend im Raum um. Das ging alles fast zu leicht. Er hatte nicht mit Jims
Begeisterung für außergewöhnliche Situationen gerechnet. Aber der Abend war
auch noch nicht zu Ende und wer wusste, wie Jim auf seine Idee noch reagieren
würde.
„Wie wäre es, wenn du dich
da neben den Tisch stellst? Du bist dann ein irdisches Kind, welches auf Knecht
Ruprecht wartet und ich komme dann zu dir. So sollte es doch sein, oder?“,
schlug der Vulkanier vor.
„Irre, ja, ja.“ Jim lachte
übermütig und erhob sich mit Schwung wieder vom Bett. An Schlafen war jetzt
überhaupt nicht mehr zu denken.
„Gut. ich warte also und
überlege mir währenddessen schon mal ein Gedicht für dich.“ Schnell warf sich
Jim wieder einen Morgenmantel an. Schließlich wollte er nicht vollständig nackt
auf Knecht Ruprecht warten, grinste er in sich hinein. Dann ging er in den
vorderen Bereich des großräumigen Doppelapartments.
Spock beobachtete seinen
Abgang und wenn Jim sich noch einmal umgedreht hätte, wäre ihm ein untypisch,
tückisches Glitzern in seinen Augen aufgefallen. Aber er beschränkte sich auf
ein kokettes Hüftschwingen und ein amüsiertes: „Bis gleich, Knecht Ruprecht.“
Spock fiel es nicht wirklich
schwer, sich in die Rolle des strengen Richters einzufühlen. Aber Jim schien es
auch zu genießen, sich wie ein Kind, das sich bereits auf die Geschenke freute,
aufzuführen. Immer wieder schielte er neugierig auf den provisorischen Sack,
den sich Spock von der Schulter genommen und neben sich gelegt hatte.
„Warst du auch immer artig
in diesem Jahr?“, stellte Spock mit strengem Ton die klassische Frage. Seine
gerade Haltung und der hochgeschlossene Morgenmantel unterstrichen noch seine
Autorität.
Jim konnte sein Lachen kaum
verbergen. „Natürlich, Knecht Ruprecht. Ich war immer ganz artig. Und ich habe
auch ein Gedicht für dich gelernt!“

Spock verzog keine Miene.
„Dann sage es bitte auf.“
Jim stellte sich in Positur,
versuchte ernst zu bleiben und rezitierte seinen Spruch:
„Auf der Enterprise allein,
Sehe ich Officer Spock und sonst kein.
Er hat stets alles im Griff,
Wen brauchen wir sonst noch auf dem Schiff!“
Spock behielt zu Jims
Erstaunen sein stoisches Gesicht.
„Jetzt kommt eigentlich die
Stelle, in der ich sehen kann, was du in dem Sack hast“, versuchte Jim dem
Vulkanier auf die Sprünge zu helfen.
„Nun, Jim, so schnell geht
das nicht“, verkündete Spock nach einer Kunstpause. „Mir sind Klagen gekommen.
Du sollst unfreundlich zu deinen Untergebenen gewesen sein.“
„Wirklich? Das kann doch gar
nicht sein. Ich achte immer ganz besonders darauf, zu allen nett und freundlich
zu sein. An wen hast du denn gedacht?“, fragte Jim scheinheilig. Sicher würde
Spock gleich eine Entschuldigung von ihm erwarten. Die er ihm natürlich geben
würde.
„So hast du dich ganz
besonders gegenüber deinem Ersten Offizier unfreundlich betragen.“
Jim lachte „Aber Spock, äh,
Knecht Ruprecht, bestimmt nicht mit Absicht.“
„Oh, doch und dich erwartet
jetzt die gerechte Bestrafung dafür. Leg dich mit dem Bauch über den Tisch.“
„Bist du irre?“ Jim lachte
immer noch. So kannte er seinen Vulkanier gar nicht.
„Du hast dich einverstanden
erklärt“, beharrte Spock und näherte sich.
„Ja, aber“, versuchte Jim
auszuweichen. „Das meinst du doch nicht ernst, oder?“
„Kein aber, entweder du
tust, was ich dir sage, oder es gibt dieses Jahr keine Geschenke!“, verkündete
Spock mit Grabesmine.
„Also, wirklich. Das...“,
Jim fehlten die Worte, aber er konnte einen kurzen Blick auf die Marmorplatte
hinter sich, nicht unterdrücken. Er dachte aber auch an die Szene mit dem
Schneeball. Wirklich nett war das von ihm wirklich nicht gewesen.
„Hast du Angst?“ Spocks
Augen funkelten.
„Nie!“, kam sofort die
Antwort.
„Also bitte.“ Spock zeigte
erneut mit einer entsprechenden Geste in Richtung Tischplatte und beobachtete
dann Jims Bemühung, seinen Oberkörper möglichst würdevoll darauf zu platzieren.
Jim seufzte, wenn auch noch
amüsiert, als Spock ihm den Bademantel über den Rücken legte. Allerdings
verging ihm danach das Lächeln, denn Spock hatte in den letzten Tagen einiges
an Beschwerden angesammelt.
Aber seine männliche Ehre
verbot ihm irgendeinen Schmerzenslaut zu äußern.
Aber später in der Nacht und
nach der Erfüllung von Jims
Weihnachtswunsch, schenkte ihm Spock noch einen wunderschön gravierten
Edelstein in einer schimmernden Fassung. Als Spock ihm dann noch den
vulkanischen Spruch übersetzte, lächelte Jim und hatte gleichzeitig eine kleine
Glücksträne im Auge.
Immer noch verliebt wie am
ersten Tag schliefen sie dann gemeinsam in ihrem Luxusbett ein.

Und hier gibt es noch ein
Nikolausextra von Myra