"Zeit der Wunder" (T'Sihek) Teil 2/9 T T T Spock lehnte sich auf seinem Bett zurück, auf dem er es sich nach einem leichten Abendessen und einer Dusche bequem gemacht hatte. Vor ihm lag Jims Weihnachtsgeschenk. Es war ein Bildband über Segelschiffe des 18. und 19. Jahrhunderts der Erde. Sie hatten das Buch bei einem Antiquitätenhändler gesehen, in dessen Geschäft sie eher aus reiner Neugierde gegangen waren. Spock wusste wie sehr Kirk die alten, teilweise noch in Leder gebundenen Bücher mochte. Sie waren kostbar, aber für seinen Freund und Captain waren sie genau das richtige Geschenk, wie Spock dachte. Kirk hatte bewundernd die Auslagen des Geschäftes betrachtet. Dann, als er das unter anderen Büchern halb versteckte Buch entdeckt hatte, hatten seine Augen zu leuchten begonnen und Spock wusste im selben Moment, was er seinem Freund zu Weihnachten schenken würde. Jim würde sich darüber freuen und Spock konnte ihm so zeigen, wie viel ihm die Freundschaft des Menschen bedeutete. Eine Freundschaft, von der er sich seit einigen Monaten mehr wünschte. Mit einem leisen Seufzen ließ der Vulkanier den Kopf auf das Kissen sinken und starrte an die Decke. Er hatte schon vor einigen Monaten aufgehört sich selbst zu belügen, oder die Wahrheit vor sich selbst zu verbergen. Er liebte Jim. Liebte dessen Unbeschwertheit, das übermütige Lachen, seinen Mut und seine Tollkühnheit, die er gleichzeitig fürchtete, weil sie Jim immer wieder in Gefahr brachte. Und er liebte den kräftigen männlichen Körper. Das allerdings war sein Problem. Denn so bekannt Jim für seine Affären mit Frauen war, so wenig interessierte er sich offenbar für Männer. Für Spock selbst war es eher überraschend gewesen, als er nach dem Pon farr merkte, dass er sich nicht für Frauen interessierte, zumal er sich mit diesem Bereich der Sexualität, speziell der menschlichen Sexualität nicht im geringsten auskannte. Er tat das für ihn logischste und stellte in allen ihm zugänglichen Archiven und Datenbänken Nachforschungen an. Rein theoretisch gab es inzwischen nichts mehr, das ihm in diesem Bereich nicht bekannt war. Mit der Praxis sah es anders aus. Als Vulkanier empfand er es als absurd und unlogisch sich selbst intim zu berühren oder intimen Kontakt zu einer anderen Person als dem Bindungspartner zu suchen. So wusste er nicht mal, wie sein eigener Körper reagieren würde, wusste nichts mit den Beschreibungen der zu erwartenden Empfindungen anzufangen, auf die er bei seinen Recherchen gestoßen war. Dieser Mangel an Erfahrungen ließ ihn frustriert zurück. Immer wieder dachte er an Jim, sehnte sich nach dessen Nähe, dessen Berührungen. Aber er wusste schlicht nicht, wie es sein würde, ihm auf dieser Weise nahe zu sein. Er sehnte sich nach etwas, das er nicht benennen, nicht erklären konnte. Sich Jim anzuvertrauen war undenkbar, Jims Freundschaft zu kostbar um auf seine Hilfe zu hoffen und ihn damit womöglich abzustoßen. Spock schloss die Augen und ließ die Erinnerungen an die mit Jim auf der Station verbrachten Stunden vorbeigleiten. Es war eine angenehme Zeit gewesen, voller neuer Eindrücke und Informationen. Jim war wie ein kleiner aufgeregter Junge gewesen, als er ihm die diversen Dekorationen, Sagengestalten und Bräuche erklärte. Für Spock war es, als würde er in eine andere, völlig neue Welt eintauchen. Alles war bunt, laut, eng und mit Geräuschen und Gerüchen angefüllt, die Spocks empfindliche Sinne überreizten. Jim schien von all dem kaum etwas zu bemerken, während er den Vulkanier von einem Stand zum nächsten dirigierte, hier etwas bewunderte, dort etwas bestaunte oder sich schlicht amüsierte. Was ihm jedoch nicht aufzufallen schien, war die für Spocks Geschmack überladene, teilweise billige und oft sogar bereits defekte Ausstaffierung des Weihnachtsmarktes. Es war für die mittels Holographien und oftmals schlecht ausgeführten Wandmalereien dargestellte Umgebung eines winterlich verschneiten Waldes zu warm. Viele der Verkäufer hatten sich in die traditionellen Kostüme von Engeln, Gnomen, Wichteln, Nikoläusen, Weihnachtsmännern oder Schneemännern gezwängt und Spocks feiner Nase entging nicht, dass etliche von ihnen unter den dicken Plüschmänteln, Masken oder Polyesterrauschebärten kräftig schwitzten. Das konnte an manchen Ständen selbst die gefilterte und mit künstlichen Aromen versetzte Atemluft der Station nicht ändern. Der künstliche Schnee, der echten Schneekristallen nachgebildet war, bestand aus einem elektrisch leitfähigen Kunststoff, der sich unangenehm in Spocks feinen Haaren und auf dem künstlichen Gewebe er Uniformen anhaftete. Die daraus resultierenden elektrischen Spannungen reizten die empfindlichen Nerven der vulkanischen Haut und verursachten ein unangenehmes Kribbeln, das Spock erst unter der Dusche wieder los wurde. Er hatte Jim nichts von seinen Eindrücken gesagt, wollte dem Menschen nicht den Spaß verderben. Zudem war es schon an sich angenehm für einige Stunden die Gesellschaft seines Freundes für sich allein zu haben, ohne dass einer der Offiziere in unmittelbarer Nähe war. Deshalb war er halb erleichtert und halb enttäuscht, als sie sich zur verabredeten Zeit wieder mit Dr. McCoy trafen. Das Essen war für seinen Geschmack widerlich gewesen. Zudem hatten die zugesetzten, überflüssigen Gewürze einen unerwünschten Nebeneffekt auf ihn. Seit seiner Akademiezeit wusste Spock, dass es besser für ihn war, Gewürze wie Zimt, Nelken oder Kardamom zu meiden. Sie erhöhten, vor allem in Verbindung mit Zucker oder Alkohol die Empfindsamkeit seiner taktilen Nerven und ließen eine unangenehme Unruhe in ihm entstehen, die er nur mit langen Meditationen beseitigen konnte. Die Gemüselasagne und der Salat, sowie der Fruchtsaft den er zum Essen getrunken hatte, waren voll davon gewesen und Spock fühlte sich als Resultat nun wie ein eingesperrtes Tier. Sogar der Stoff seiner Kleidung - eine seidene vulkanischen Robe - lag unangenehm eng auf der Haut und jede zufällige Berührung seiner eigenen Hand schickte kleine Stromstöße durch seinen Körper. Daran konnte auch der Bildband nichts ändern, der noch immer praktisch unbeachtet vor ihm lag. Eigentlich hatte er ihn sich genauer ansehen wollen, bevor er ihn sorgfältig einpackte, aber es gelang ihm schlicht nicht, sich darauf zu konzentrieren. Unruhig stand er auf und ging einige Schritte in seiner Kabine auf und ab. Wieder kam ihm Jim in den Sinn und er starrte stumm zu Boden. Kirk und McCoy würden inzwischen in einer der Bars der Station sitzen, von an ihnen interessierten Frauen umringt die sich dem Charme von Captain und Bordarzt nicht entziehen konnten oder wollten. Oft genug hatte er das in der Vergangenheit erlebt. Oft genug Eifersucht und Sehnsucht gespürt um zu wissen, dass er sich dieser Situation nicht mehr aussetzen wollte. Andererseits... ein für ihn verwegener und eigentlich unlogischer Gedanke kam ihm in den Sinn. Er dachte gar nicht weiter darüber nach, als er seine Kabine verließ und erneut zur Station hinunterbeamte. T T T Spock fand schnell, was er suchte, wusste aus unbeabsichtigt mitgehörten Gesprächen verschiedener Crewmitglieder, wonach er Ausschau halten musste. Ohne zögern öffnete er die halb hinter dick *verschneiten* Tannenbäumen verborgenen Tür zu einer Bar und trat ein. Rötliches Dämmerlicht umfing ihn und hüllte ihn für einen Moment in eine angenehm vertraute Atmosphäre. Dann nahmen seine überreizten Sinne die Emanationen der anderen Gäste wahr und ein Schauer lief durch seinen Körper. Er sah sich in der gut gefüllten Bar um und entdeckte schließlich einen unbesetzten Tisch in einer kleinen Nische. Zielstrebig ging er darauf zu, sich der neugierigen und teilweise bewundernden Blicke der Anwesenden nur zu bewusst. Allein seine antrainierte Disziplin verhinderte, dass er darauf reagierte, zumal er ähnliche Blicke auch hin und wieder an Bord des Schiffes bemerkte. Er hatte gelernt sie zu ignorieren. Es gab nur einen Mann, der ihn interessierte, auf dessen Blicke er eventuell reagiert hätte... würde dieser ihn jemals so ansehen. Hier jedoch... war er nicht aus genau diesem Grund hergekommen? Es war an der Zeit, dem theoretischen Wissen praktische Erfahrung hinzuzufügen. Spock ließ seinen Blick über die anderen Männer gleiten, traf hier und dort auf ein antwortendes Augenpaar. Rein theoretisch war ihm die Bedeutung der Gesten und Blicke bekannt, doch es fiel ihm schwer spontan angemessen zu reagieren. Es war ihm gar nicht bewusst, wie offensichtlich dadurch seine Unerfahrenheit wurde. Innerhalb weniger Minuten war er nicht mehr allein am Tisch. T T T Kirk hatte schließlich dank McCoys Überredungskünsten doch noch Geschmack am Glühwein gefunden und beschloss, sich von der Atmosphäre mitreißen zu lassen. Die beiden Frauen, die um seine Gunst konkurrierten, taten ihren Teil dazu, dass er sich bestens amüsierte. Er genoss deren Aufmerksamkeit und später die neidvollen Blicke McCoys, als die Frauen ihre Konkurrenz um Kirks Gunst aufgaben und sich darauf einigten, ihn gemeinsam zu begleiten. Jetzt, einige Stunden später und mitten in der Bordnacht der Station, machte sich ein leicht angetrunkener Captain auf den Rückweg zu seinem Schiff und seiner Kabine. Die mit den beiden Frauen verbrachte Zeit hatte ihn zwar körperlich befriedigt aber mit einem schalen Nachgeschmack zurückgelassen. Kaum hatte er das Hotelzimmer verlassen, waren auch die Gesichter der beiden aus seinem Gedächtnis verschwunden. Auf dem Rückweg zur Beamzentrale sah er sich genauer auf der jetzt weniger belebten Station um. Viele der Buden waren geschlossen, nur noch wenige Passanten oder Händler unterwegs. Er sah die schäbigen, überladenen Dekorationen, bemerkte den künstlichen Geruch. //Was mochte Spock von all dem gehalten haben?// fragte er sich, als er nachdenklich über eine mit künstlichem Schnee bedeckte Tanne strich. Der Baum war aus Plastik, wie auch der Schnee. Das erwartete prickelnde Gefühl des in der Hand schmelzenden Schnees blieb ebenso aus, wie der natürliche Harzgeruch oder das unangenehme Pieksen der Nadeln. Er berührte lediglich Kunststoff - kühl, hart und leblos. "Mist!" Kirk kickte frustriert in einen Schneehaufen und grummelte, als sich der vermeintlich lockere Schnee als sehr massiv erwies. Manche der Illusionen waren fast perfekt, andere einfach nur völlig überzogen und unrealistisch. //Spock ist das sicher nicht entgangen. Ich weiß doch, wie penibel er alles beobachtet und registriert. Dabei wollte ich ihm doch nur den weihnachtlichen Zauber näher bringen. Nicht mal echte Kerzen gibt es hier.// Sein Verstand sagte ihm das offenes Feuer auf einer Raumstation viel zu gefährlich wäre, aber dennoch vermisste er das rauchig-süße Aroma von Stearin, Bienenwachs und rußenden Kerzen, das für ihn einfach zu Weihnachten gehörte. Frustriert und wieder völlig nüchtern kehrte er auf dem kürzesten Weg auf sein Schiff zurück. T T T "Hatten Sie einen schönen Aufenthalt?" fragte ihn der zuständige Transporteroffizier, als Kirk sich in der Beamzentrale einfand. Der Captain murmelte nur etwas unverständliches. Er wollte nur weg von hier und war dankbar, als ihn Sekunden später das vertraute Flimmern erfasste. Sein Schiff erwartete ihn still und fast menschenleer. Nur eine Notbesatzung war an Bord, während sich die meisten auf der Station amüsierten. Kirk grüßte seinen Transporteroffizier mit einem Nicken, verschwand dann in Richtung Offiziersdeck. Auch hier empfing ihn angenehme Ruhe. Langsam ging er an den geschlossenen Türen vorbei, bis er vor Spocks Kabine anhielt. Sicher war der Vulkanier nicht auf der Station. Zögernd hob Kirk die Hand und legte sie auf das geschlossene Schott. Er wollte mit Spock reden, ihm erklären, dass die billige Kopie eines Weihnachtsmarktes nicht das war, was er sich von der Station erhofft hatte. Wollte ihm beschreiben, wie es in Wirklichkeit war. Aber es war schon spät, der Vulkanier schlief sicherlich. Zu seiner Überraschung glitt die Tür vor ihm auseinander. In der Kabine herrschte ein sanftes Halbdunkel, nur erhellt vom Feuerwächter und einer matten Beleuchtung am Schreibtisch. Dort konnte Kirk auch die dunkle Silhouette Spocks ausmachen. Er schluckte. "Bitte entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht..." "Kommen Sie herein, Captain. Sie stören nicht." Kirk kniff ansatzweise die Augen zusammen, als er einen müden, resignierten Unterton in der Stimme des Vulkaniers hörte. "Spock? Stimmt etwas nicht?" Der Vulkanier stand mit einer seltsam ungelenken Bewegung auf und drehte sich zu Kirk um, schüttelte dann knapp den Kopf. Als er sprach, klang seine Stimme so ruhig wie immer. "Was meinen Sie, Captain? Gibt es Probleme mit dem Schiff?" Er deutete auf die kleine Sitzgruppe und folgte Kirk dann, ließ sich ihm gegenüber nieder. "Nein. Ich dachte nur eben... Ach... ich bin wohl einfach zu lange auf der Station gewesen." Für einen Moment starrte er stumm auf das polierte Holz des Tisches. Eine Karaffe mit Wasser stand darauf. Aromatisiertes Wasser, wie Kirk wusste. Spock trank außer Tee kaum etwas anderes. Wortlos schenkte Spock zwei Gläser ein und reichte eines davon an seinen Captain weiter, eine stumme Frage stand in den dunklen Augen. Kirk nahm das Glas mit einem knappen Nicken entgegen, nippte an der kühlen Flüssigkeit. Ein herbsüßes, angenehm fruchtiges Aroma grüßte ihn und er nahm einen größeren Schluck. "Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, Spock." "Wofür?" Eine Braue kletterte nach oben, während Spock ebenfalls von seinem Glas trank. "Dafür, dass ich Sie auf diese Station geschleppt habe. Erst vor einer knappen halben Stunde ist mir aufgegangen, wie billig und aufgesetzt dort alles ist. Das ist nicht Weihnachten, Spock. Nicht so, wie ich es kenne und nicht so, wie ich es Ihnen zeigen wollte. Es muss für Sie unerträglich gewesen sein heute Vormittag. Dieses Gedränge, die vielen künstlichen Gerüche, schrille Farben, selbst das Essen war scheußlich." "Es war eine... interessante Erfahrung. Dennoch ziehe ich es vor, die Station nicht noch ein weiteres Mal zu betreten. Aber es gibt keinen Grund für Sie, sich zu entschuldigen, Jim. Sie können nichts für die Ausstattung und Dekoration der Station." Kirk grinste schief. "Danke. Aber... ich habe Sie dazu überredet, mit mir den Rundgang zu machen." "Sie mussten mich nicht überreden. Ich war zugegeben neugierig auf das Aussehen der Station. Wie gesagt... es war eine interessante Erfahrung." Kirk nickte, wich den dunklen Augen aus. //Interessante Erfahrung... es muss ein Gräuel für ihn gewesen sein.// Er seufzte leise. Dann fiel sein Blick auf das Glas in seiner Hand, erinnerte ihn an den schalen Glühwein, der eher nach alten Socken als nach Gewürzen und Wein geschmeckt hatte. "Wenigstens blieb Ihnen dieser scheußliche Glühwein erspart. Oder haben Sie einen getrunken?" "Nein. Ich weiß, dass Glühwein aus mit Zucker gesüßtem und mit diversen Gewürzen versetzten, erhitzten Wein besteht. Ein solches Getränk hätte auf mich eine unerwünschte Wirkung." "Tatsächlich?" Kirk sah neugierig geworden von dem Glas auf, mit dem er gedankenverloren gespielt hatte. Spock nickte lediglich, gab keine weiteren Erklärungen. Sein Blick war abwesend, die Augenbrauen in einer nachdenklichen Geste halb gehoben. "Womit aromatisieren Sie eigentlich das Wasser? Es schmeckt köstlich", versuchte Kirk ihn aus seiner sichtlich düsteren Stimmung abzulenken. "Mit diversen Fruchtauszügen, die ich als Extrakte von Vulkan mitgebracht habe. Die Namen der Früchte wären für sie unaussprechlich." Kirk grinste und trank sein Glas leer. "Danke dafür jedenfalls." Er stand auf und wandte sich zur Tür. "Irgendwann werde ich Ihnen zeigen, wie wundervoll Weihnachten sein kann, Spock. Versprochen." Er wollte eigentlich noch länger bei Spock bleiben, aber der Vulkanier wirkte, als wäre er lieber allein. Irgendetwas beschäftigte ihn und Kirk wusste, wie wichtig in solchen Zeiten für Spock eine ausgedehnte Meditation war. Er würde dabei nur stören. Spock stand ebenfalls auf. "Die Informationen über Weihnachten und die diversen Bräuche waren willkommen, Jim. Ebenso wie Ihre Gesellschaft." Kirk lächelte ihn an. Etwas in ihm drängte ihn, die plötzlich wie verloren wirkende Gestalt des Vulkaniers in den Arm zu nehmen. Er tat es nicht, ging statt dessen einige Schritte rückwärts, verwirrt über seine eigenen Empfindungen. "Gute Nacht, Spock." "Gute Nacht, Jim." T T T Fünf Tage später waren sie zur Kolonie unterwegs. Weder Kirk noch Spock hatten noch einmal die Station besucht, oder auch nur ein Wort darüber verloren, während die meisten ihrer Offizierskollegen von der weihnachtlichen Atmosphäre schwärmten. Der Flug war ereignislos und führte durch bekanntes Gebiet. Kirk hatte jede Menge freie Zeit und verbrachte einen Großteil davon damit über Spock nachzugrübeln. Besser gesagt grübelte er über seine eigenen Empfindungen zu seinem vulkanischen Freund nach. Kirk war klar, dass er in dem zurückhaltenden Mann längst nicht nur den Freund und Kollegen sah. Er wünschte sich mehr von ihm, doch er spürte auch Spocks unbewusste Ablehnung. Eine Ablehnung, die seit dem Aufenthalt auf der Station deutlicher geworden war, als jemals zuvor. Hatte Spock zuvor beiläufige Berührungen geduldet, so wich er jetzt aus. Unauffällig zwar, aber für Kirk dennoch deutlich. Er lehnte es ab, in einer der Kabinen Schach zu spielen, schlug statt dessen die Offiziersmesse vor. Auch das etwas, was sie schon lange nicht mehr getan hatten. Für Kirk hieß das, dass Spock irgendetwas auf der Station erlebt oder gesehen hatte, das sein Verhalten Kirks gegenüber deutlich änderte. Bisher war es ihm so erschienen, als suchte der Vulkanier seine Nähe. Jetzt aber wich er aus, wo es nur ging, zog sich statt dessen in seine Kabine zurück. Und gleichgültig was Kirk auch versuchte: Spock schwieg hartnäckig. Kirk hatte alles probiert, hatte selbst McCoy möglichst unauffällig ausgehorcht. Keiner wusste, was geschehen sein könnte. Alles was Kirk noch blieb, war Spock direkt zu fragen. Doch so wie sich sein Freund gerade rar machte... er wagte es nicht und konnte nur hoffen, dass sich die Situation von selbst besserte. Zwei Tage später erreichten sie die Kolonie und lieferten die mitgebrachten Waren ab. Alles Routine, alles ohne Schwierigkeiten. Es war fast zu einfach und in Kirk begann sich eine innere Unruhe zu bilden. Als er schließlich, auf dem Weg zu jenem Planeten, den sie genauer untersuchen sollten, mit McCoy drüber sprach, winkte dieser nur ab. "Du siehst Gespenster, Jim. Wahrscheinlich bist du nur zu sehr daran gewöhnt, von einer Krise zur nächsten zu rasen und den Helden zu spielen. Werde nur nicht unvernünftig." Den Rat hatte Kirk schon Dutzende Male von seinem Bordarzt zu hören bekommen und wusste eigentlich, dass er gar nicht so falsch war. Erfahrung hatte ihn allerdings gelehrt, dass nicht lange alles so friedlich und ruhig blieb. Vermutlich war es aber auch nur Spocks ungewohnte Zurückhaltung, die ihn nervös machte. Am nächsten Tag erreichten sie den Planeten. T T T Es geht weiter in Teil 3